Doris Day - Die Heldin jungfräulicher Sexkomödien


Fachbuch, 2012
69 Seiten

Leseprobe

Ernst Probst

Doris Day

Die Heldin jungfräulicher Sexkomödien

Eine der berühmtesten Leinwandheldinnen in Musicals der frühen 1950-er Jahre und in zahlreichen jungfräulichen Sexkomödien der späten 1950-er ist die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Doris Day, geborene Doris Mary Ann Kappelhoff. Unvergessen sind vor allem ihre Filme, die sie an der Seite des amerikanischen Schauspielers Rock Hudson (1925–1985) drehte.

Doris Mary Ann Kappelhoff kam am 3. April 1924 als drittes Kind des Musiklehrers, Kirchenorganisten und Chorleiters William Kappelhoff (1892–1967) sowie dessen Ehefrau Alma Sophia Kappelhoff (1895–1976), geborene Welz, in Cincinnati (Ohio) zur Welt. Ihr Vater und ihre Mutter waren Kinder deutscher Einwanderer und wurden beide in Cincinnati geboren. Die Mutter betrieb eine Gaststätte.

Großvater väterlicherseits war der in Warendorf (Westfalen) geborene und in Cincinnati gestorbene Franz Joseph Wilhelm Kappelhoff (1843–1907). Seine rund zehn Jahre jüngere Ehefrau hieß Julia Agnes Kreimer (1853–1916), stammte aus Glandorf unweit von Osnabrück (Niedersachsen) und starb in Cincinnati.

Großvater mütterlicherseits war der in Oetigheim (Baden) geborene und in Cincinnati gestorbene Wilhelm Welz (1866–1907). Bei seiner Ehefrau handelte es sich um die in Muckenloch (Baden) geborene und in Cincinnati gestorbene etwa drei Jahre jüngere Anna Christina Mann (1863–1932).

Der Lieblings-Stummfilm-Star von Alma Sophia Kappelhoff war die Schauspielerin Doris Kenyon (1897–1979). Ihretwegen gab die Mutter ihrer Tochter ebenfalls den Vornamen Doris. Später erhielt die Kleine den Kosenamen „Do-Do“. Ihr ältester Bruder Richard starb bereits im Kindesalter, bevor Doris geboren wurde. Als Nächster kam der Bruder Paul zur Welt.

Von klein auf hatte Doris durch ihren Vater Kontakt mit der Musik. Bereits mit fünf Jahren trat sie in der Gaststätte ihrer Mutter auf. Auf Wunsch ihres Vaters sollte sie Konzertpianistin werden. In Cincinnati besuchte sie die „Withrow High School“.

In den frühen 1930-er Jahren ertappte Doris eines Tages ihren Vater bei einem Seitensprung mit der besten Freundin ihrer Mutter. Was sie damals erblickte, konnte sie nie mehr vergessen. Nachdem die geschockte Doris ihrer ahnungslosen Mutter von ihrer Beobachtung erzählt hatte, verschwand ihr Vater, ohne sich von seiner Familie zu verabschieden. Ihre bis dahin unbeschwerte Kindheit war schlagartig vorbei.

Nach der Scheidung ihrer Eltern zog die achtjährige Doris mit ihrer Mutter Alma und ihrem Bruder Paul nach Evanston (Illinois) und lebte dort in bescheidenen Verhältnissen. Neben dem Schulbesuch nahm sie Tanzstunden und trat als Amateurtänzerin auf. Mit zwölf Jahren gewann sie zusammen mit dem jungen Stepptänzer Jerry Doherty einen Tanzwettbewerb in Cincinnati, wofür beide 500 US-Dollar erhielten. Ab 1937 besuchte sie die „Fanchon And Marco Dance School“ in Los Angeles (Kalifornien), wo sie auch im klassischen Ballett ausgebildet wurde.

Ein folgenschwerer Autounfall am 13. Oktober 1937 beendete jäh den Traum von Mutter und Tochter einer Tanzkarriere von Doris. Das rechte Bein der 13-jährigen Doris wurde zerschmettert, als ein Zug nachts mit einem Auto zusammenstieß, in dem sie auf Tournee gegangen war. Angeblich handelte es sich ausgerechnet um die Nacht vor einem Umzug nach Hollywood.

Insgesamt 14 Monate lang verbrachte Doris wegen ihrer Verletzungen in Krankenhäusern. Die brennendste Frage in dieser Zeit war, ob sie jemals wieder gehen könne. Zeitweise plagten sie Langeweile und Angstzustände. Im Krankenhaus hörte sie oft Radio, lauschte gern Ella Fitzgerald (1917–1998) und Billie Holiday (1915-–1959) und begann irgendwann, selbst zu singen. Bald nahm sie auch Gesangsunterricht.

Als Doris wieder gehen konnte und endlich nachhause kam, wurde ihrer Mutter klar, dass Schmerz, verlorene Illusionen, unbändiger Lebensmut und die Gesangslehrerin Grace Raine eine Jahrhundertstimme hervorgebracht hatten. Die Mutter machte ihrer Tochter Mut: „Du kannst trotzdem Karriere machen“.

1941 trat die 17-jährige Doris Kappelhoff ohne Honorar als Sängerin im lokalen Rundfunksender „WCPO“ auf. Dabei hörte sie der Bandleader Barney Rapp (1900–1970) und verpflichtete sie für 25 US-Dollar als Sängerin in seinen Nachtclub. Vor ihrem Auftritt mit ihrem Erfolgssong „Day by Day“ kam dem Ansager ihr Mädchenname „Doris Kappelhoff“ nur schwer über die Lippen. Deswegen riet der Nachtclubbesitzer Barney Rapp, die junge Sängerin solle sich „Doris Day“ nennen und sie nahm diesen einprägsamen Künstlernamen an.

Der Erfolg von Doris Day wuchs durch Auftritte, eigene Shows sowie durch die Zusammenarbeit mit großen Jazz-Bands von Barney Rapp, Les Brown (1912–2001), Bob Crosby (1913–1993) und Fred Waring (1900–1984). Les Brown engagierte Doris Day bereits Anfang der 1940-er Jahre als Sängerin, die aber kurz darauf heiratete und die Band wieder verließ. Nach ihrer Scheidung ging Doris von 1943 bis 1946 mit der „Les Brown Band“ auf Tournee. Später erklärte sie: „Die glücklichsten Tage meines Lebens waren, als ich mit Les Brown und seiner Band umherreiste“.

Den Durchbruch als Sängerin schaffte Doris Day 1944 mit dem Lied „Sentimental Journey“. Dieser Song wurde die Erkennungsmelodie der „Les Brown Band“, ein Nummer-1-Hit und die Willkommensmelodie der nach dem Zweiten Weltkrieg heimkehrenden US-Soldaten. 1945 folgte mit „My Dreams Are Getting Better All the Time“ ihr zweiter und 1947 mit „Love Somebody“ ihr dritter Nummer-1-Hit. Auch ihre Lieder „Que sera“ und „Everybody loves a Lover“ entwickelten sich zu Ohrwürmern und hievten sie an die Spitze nationaler Schlagerparaden.

In den 1940-er Jahren entstand die Angst vor dem Fliegen von Doris Day. Sie rührte von einigen Flügen bei sehr schlechtem Winterwetter her.

Im neu eröffneten Nachtlokal „Little Club“ in New York City, wo sie ab Ende 1947 eine Zeitlang jeden Abend sang, fiel die 1,70 Meter große, blauäugige und platinblonde Doris Day einem Talentsucher auf. Er gehörte zu Agenten, die nach Mädchen Ausschau hielten, die vielleicht das Zeug zum Filmstar hatten. Dieser Mann schleppte Doris zum Regisseur Michael Curtiz (1888–1962), den sie so beeindruckte, dass er mit ihr Probeaufnahmen machte.

1947 erhielt Doris Day einen Vertrag mit dem Filmstudio „Warner Brothers“. Unverhofft kam sie zu einer Hauptrolle in dem Musical „Romance on the High Seas“ („Zaubernächte in Rio“, 1948) unter der Regie von Curtiz, weil die dafür vorgesehene Betty Hutton schwanger wurde. Ihr Lied „It’s Magic“ aus diesem Film bescherte ihr den dritten Nummer-1-Hit.

Bei „Warner Brothers“ waren neben Doris Day auch Jane Wyman (1917–2007) und deren Ehemann Ronald Reagan (1911–2004) unter Vertrag. Nach seiner Scheidung von Wyman im Jahre 1948 sagte Doris Day zu Reagan wegen dessen rhetorischer Begabung, er solle im Land herumreisen und Reden halten. „Ronnie“ war nach ihrer Ansicht unter den Männern, die sie kannte, der Einzige, der sehr gern getanzt hat. Er soll einer ihrer Liebhaber gewesen sein. Reagan wurde 1966 Gouverneur von Kalifornien und von 1981 bis 1980 der 40. Präsident der USA.

Von 1948 bis 1950 trat Doris Day als Sängerin in der wöchentlichen „Bob Hope Radio Show“ bei der Rundfunkgesellschaft „National Broadcasting Corporation“ („NBC“) auf. 1950 schloss sie mit „Columbia Records“ einen Plattenvertrag ab, der ihr innerhalb weniger Jahre mehr als 17 Millionen verkaufte Platten bescherte. 1952 wurde „A Guy is a Guy“ ihr vierter Nummer-1-Hit. 1952/1953 hatte sie bei der Rundfunkgesellschaft „Columbia Broadcasting System“ („CBS“) eine eigene Radio-Show. Weil sie das Fluchen verabscheute, durften ihre Songs nur in Filmen verwendet werden, in denen nicht geflucht wurde.

Bei den Dreharbeiten für „Tea for Two“ („Bezaubernde Frau“, 1950) sagte Billy De Wolfe zu Doris Day den Satz, dass sie nicht aussehe wie eine Doris Day, sondern eher wie eine Clara Bixby. Seitdem benutzen alte Freunde von ihr den Spitznamen „Clara Bixby“.

Bis etwa 1951 war Doris Day eine starke Raucherin. Sie verbrauchte täglich bis zu zweieinhalb Zigarettenpackungen.

Neben komödiantischen Rollen besetzte Doris Day gelegentlich auch dramatische. Das war in Filmen wie „Storm Warning“ („Gefangene des Ku-Klux-Klan“, 1951), „Love Me or Leave Me“ („Tyrannische Liebe“, 1955) oder „Julie“ („Mord in den Wolken“, 1956) der Fall. In „Storming Warning“ drehte sie zusammen mit der Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin Ginger Rogers (1911–1995), dem Idol ihrer Kinderzeit. In „Love Me or Leave Me“ mimte sie Ruth Etting (1897–1978), den Musical-Star der 1920-er Jahre.

Bereits 1952 gehörte Doris Day zu den zehn am Besten verdienenden Filmschauspielerinnen. 1954 sah man sie als Partnerin von Howard Keel (1919–2004) in dem Western-Musical „Calamity Jane“ („Schwere Colts in zarter Hand“), der einer ihrer Lieblingsfilme ist. „Calamity Jane“ („Katastrophen-Jane“) war der Spitzname der Scharfschützin Martha Jane Canarry (1852–1903) aus dem Wilden Westen. Laut Legende erhielt sie ihren Spitznamen, weil über jeden Mann, der sie beleidigte, eine Katastrophe hereingebrochen sein soll. In diesem Film trug Doris Day den Evergreen „Secret Love“ vor, der mit dem „Oscar“ als bester Filmsong ausgezeichnet und ihr fünfter Nummer-1-Hit wurde. Als sie „Secret Love“ zum erstenmal hörte, fiel Doris fast in Ohnmacht, weil dieses Lied so schön war.

1955 löste Doris Day ihren Vertrag mit „Warner Brothers“. Fortan arbeitete sie als selbständige Produzentin und Schauspielerin.

Als Partnerin von James Stewart (1908–1997) sorgte Doris Day in „The Man Who Knew Too Much“ („Der Mann, der zuviel wußte“, 1956) von Alfred Hitchcock (1899–1980) für Aufsehen. Fast hätte sie diese Rolle abgelehnt, als sie erfuhr, dass damit Dreharbeiten in London und Marrakesch verbunden waren. Doch ihr Ehemann und Manager überredete sie, die Rolle in diesem Sabotagethriller anzunehmen. Darin ging es um den Kreuzzug einer Frau, die ihr angeknackstes Familienglück retten will. Ihr Verzweiflungsschrei in der „Royal Albert Hall“, der ein Attentat verhindert, andererseits aber das Todesurteil für ihren entführten Sohn bedeutet, wurde in einem Take eingespielt. Dieser Film schloss mit dem Lied „Que sera, sera“ ab, das ihr größter Hit wurde. Kurioserweise erschien ihr dieser Song anfangs als zu simpel und zu kindlich. Dabei waren doch gerade die Worte „whatever will be, will be“ in diesem Lied ihr Lebensmotto. Bei den Dreharbeiten für diesen Film sah Doris Day auf einem Marktplatz in Nordafrika, wie schlecht dort Kamele, Ziegen und andere Tiere behandelt wurden. Das war die Geburtsstunde für ihren Kampf gegen die Misshandlung von Tieren.

Oft begeisterte Doris Day in jungfräulichen Sexkomödien – wie „Pillow Talk“ („Bettgeflüster“, 1959), „Lover Come Back“ („Ein Pyjama für zwei“, 1961), „That Touch of Mink“ („Ein Hauch von Nerz“, 1962) und „Send Me No Flowers“ („Schick mir keine Blumen“, 1964) – ein Millionenpublikum. Durch solche Filmrollen entstand bald das Klischee der naiven, biederen und konservativen Blondine.

In „Pillow Talk“ verkörperte Doris Day die Jan Morrow, die sich mit dem Draufgänger Brad Allen (Rock Hudson) einen Telefonanschluss teilen muss, obwohl sie nicht zusammen wohnen. Der Haken an der Sache ist, dass Brad stundenlang mit verschiedenen Damen quasselt und die Leitung blockiert. Durch den Charme und das legendäre Mienenspiel von Doris Day wurde dieser Film eine der erfolgreichsten Hollywood-Komödien. Für „Pillow Talk“ hat man sie als beste Hauptdarstellerin für den „Oscar“ und den „Golden Globe“ nominiert. Einen „Oscar“ bekam sie trotz aller ihrer großen Erfolge an den Kinokassen allerdings nie!

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Details

Titel
Doris Day - Die Heldin jungfräulicher Sexkomödien
Autor
Jahr
2012
Seiten
69
Katalognummer
V195432
ISBN (eBook)
9783656214328
ISBN (Buch)
9783656216148
Dateigröße
3336 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Doris Day, Film, Filmstars, Filmschauspielerinnen, Schauspielerinenn, Frauenbiografien, Kurzbiografien, Biografien
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2012, Doris Day - Die Heldin jungfräulicher Sexkomödien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195432

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