In dieser Seminararbeit wird wissenschaftlich bewiesen, dass viele Sachbücher und insbesondere neuere Belletristik leichter zu lesen sind als die Romane und Erzählungen des kroatischen Nobelpreisträgers Ivo Andric.
Dieser Beweis wird mathematisch und verbal unternommen. Die Leserlebnisse des Autors werden mit allgemeinen lesepsychologischen Befunden verglichen.
Insbesondere wird auf das Besondere des Stils, der Wortwahl, der Morphologie und der Syntax des Nobelpreisträgers eingeggangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Lesbarkeit südslawischer Belletristik im Vergleich mit populärwissenschaftlichen Texten: Eine Analyse anhand der Erzählungen mit jüdischer Thematik von Ivo Andric´
2. Über die Wortanzahl gemessene Satzlänge
3. Inhaltliche Komponente der Lesbarkeit
4. Wissenschaftliche Erkenntnisse über das Lesen in einer Fremdsprache
5. Vergleichstexte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lesbarkeit der erzählerischen Werke von Ivo Andric´ mit jüdischer Thematik und vergleicht diese mit populärwissenschaftlichen Texten, um die Hypothese zu überprüfen, inwieweit stilistische Komplexität und sprachliche Besonderheiten die Leseleichtigkeit beeinflussen.
- Analyse der Lesbarkeit anhand von Andric´-Erzählungen
- Vergleich von Belletristik und populärwissenschaftlichen Werken
- Einsatz mathematischer Lesbarkeitsformeln (Flesch, Amstadt, Tuldava, Dale & Chall)
- Einfluss von Wortschatz, Satzlänge und stilistischen Faktoren auf den Lesefluss
- Bedeutung der Lesekompetenz und Lesemotivation beim Erlernen einer Fremdsprache
Auszug aus dem Buch
Zur Lesbarkeit südslawischer Belletristik im Vergleich mit populärwissenschaftlichen Texten: Eine Analyse anhand der Erzählungen mit jüdischer Thematik von Ivo Andric´
Meine Hypothese, die ich überprüfen will, ist, dass der poetische und elegante Stil von Ivo Andric´ dazu führt, dass seine Texte im Vergleich zu weniger herausragenden Erzählern und den im slowenischen und kroatischen Buchhandel erhältlichen populärwissenschaftlichen Werken insbesondere über südosteuropäische Geschichte schwerer zu lesen sein müssten. Ich will meine These aber dahingehend modifizieren, dass dies von Satz zu Satz unterschiedlich ist. Denn Andric´ gilt generell als flüssig zu lesen, so meldeten sich etwa Leserforen im Internet zu Wort. Dieser Eindruck, Andric´ sei ohnehin leicht zu lesen, könnte aber darauf beruhen, dass seine packenden Geschichten den Leser inhaltlich mehr ansprechen oder eine höhere Personalisierung der Darstellung laut Flesch aufweisen.
Lesbarkeit wurde in der Tradition der Forschung zu diesem Thema psycholinguistisch als diejenige Eigenschaft eines Textes definiert, die ihn für seinen intendierten Adressaten, d. h. für den Leser, welchen sich der Autor vorgestellt hat, verständlich macht. Diese Eigenschaft gilt in erster Linie als eine Auswirkung des Stils des zu lesenden Textes. Sachbücher und die Spitzenleistungen der modernen Dichtung müssen zwar nicht gleich leicht zu lesen sein wie Texte, die einem didaktischen Zweck dienen. Dennoch haben sie wie die seriöse Presse eine kommunikative Absicht und sollten nicht nur für eine kleine intellektuelle Elite bestimmt sein. Für einen Schriftsteller wäre es gut, die Regeln der Lesepsychologie zu kennen, auch wenn inhaltliche und ästhetische Notwendigkeiten den Spielraum des Autors für leicht lesbare Formulierungen einschränken. Um einen schönen Stil zu schreiben, haben serbische und kroatische Dichter anscheinend ungewöhnliche, wenn auch grammatisch erlaubte syntaktische Konstruktionen verwendet, die weniger versierten Lesern Schwierigkeiten machen.
Zusammenfassung der Kapitel
Zur Lesbarkeit südslawischer Belletristik im Vergleich mit populärwissenschaftlichen Texten: Eine Analyse anhand der Erzählungen mit jüdischer Thematik von Ivo Andric´: Einführung in die Forschungsfrage und Hypothesenbildung bezüglich der Lesbarkeit des Andric´-Stils im Vergleich zu populärwissenschaftlicher Literatur.
Über die Wortanzahl gemessene Satzlänge: Untersuchung der Bedeutung von Satzlängen und Wortwahl für die einfache Lesbarkeit von Prosa.
Inhaltliche Komponente der Lesbarkeit: Analyse, wie historisches Wissen und inhaltliche Komplexität das Leseerlebnis beeinflussen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse über das Lesen in einer Fremdsprache: Diskussion der kognitiven und psychologischen Faktoren, die beim Lesen in einer Fremdsprache eine Rolle spielen.
Vergleichstexte: Analyse von Sachtexten und anderen literarischen Werken, um die relative Schwierigkeit von Andric´s Texten zu evaluieren.
Schlüsselwörter
Lesbarkeit, Ivo Andric´, südslawische Literatur, Lesepsychologie, Satzlänge, Vokabellast, Fremdsprachenerwerb, Literaturanalyse, Lesemotivation, Textschwierigkeit, Belletristik, populärwissenschaftliche Texte, Stilistik, Syntax, Leseforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Lesbarkeit literarischer Erzählungen von Ivo Andric´ im Vergleich zu populärwissenschaftlichen Sachtexten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Lesbarkeitsforschung, stilistische Faktoren der Literatur und die Herausforderungen beim Lesen fremdsprachiger Texte.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Es soll geprüft werden, ob der elegante Stil von Andric´ Texte schwerer lesbar macht als populärwissenschaftliche Werke über Geschichte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet sowohl eine verbale Analyse als auch mathematische Lesbarkeitsformeln (z.B. Flesch, Tuldava, Dale & Chall) sowie Zeitmessungen bei der Lektüre.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil befasst sich mit verschiedenen Erzählungen von Andric´, Sachtexten und den kognitiven Prozessen des Lesens in einer Fremdsprache.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Lesbarkeit, Stilistik, Satzlänge, Fremdsprachenerwerb und literarische Rezeption.
Warum spielt das Lesealter in dieser Untersuchung eine Rolle?
Das Lesealter ist ein Maß für die Lesereife, das in Fachliteratur verwendet wird, um die Schwierigkeit von Texten für Lernende einzuordnen.
Inwiefern beeinflussen Turzismen die Lesbarkeit?
Turzismen erschweren das Lesen für Nicht-Muttersprachler, da sie nicht zum Grundwortschatz gehören, obwohl sie zur Charakterisierung des bosnischen Lokalkolorits beitragen.
- Citar trabajo
- Magister (Mag. phil.) Ivo Marinsek (Autor), 2010, Zur Lesbarkeit südslawischer Belletristik im Vergleich mit populärwissenschaftlichen Texten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195479