Die Literaturauffassung Büchners an den Beispielen "Brief an die Familie" und "Kunstmonolog" von Lenz und Interpretation zweier Szenen aus Woyzeck


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Vorwort

B. Büchners Philosophie
1. Abrechnung mit dem Idealismus
2. Der Materialismus
3. Politik und Revolution

C. Büchners Literaturauffassung
1. Büchners Brief an die Familie
2. Der Kunstmonolog von Lenz

D. Textinterpretation
1. 4. Szene: Marie und das Kind
2. 5. Szene: Woyzeck und der Hauptmann

E. Nachwort

F. Literaturverzeichnis

A. Vorwort

„Aber ich, wär’ ich allmächtig, sehen sie, wenn ich so wäre, und ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten“[1] lässt Georg Büchner seinen „Lenz“ in der gleichnamigen Novelle sagen. Wenngleich auch aus jenem, Lenz, der immer stärker werdende Wahnsinn spricht, kann man dieses Zitat doch in gewisser Weise als Sinnbild für die Weltanschauung und das Menschenbild Büchners verstehen.

Sein Werk wird im allgemeinen mit Begriffen wie „Realismus“ und „soziales Drama“ in Verbindung gebracht. Büchner steht in der öffentlichen Wahrnehmung als Synonym für den revolutionären Schriftsteller. Er ist mit den Umständen seiner Zeit nicht zufrieden. 1813 geboren, wächst er in einem Deutschland der Kleinstaaterei auf, in einem Deutschland, in dem Landesfürsten als Despoten über ihre Untertanen herrschen und diese ausbeuten. Ganz Menschenfreund, will Büchner diese Welt verändern, gegen die herrschenden Verhältnisse und die Herrschenden vorgehen. Als geeignetstes Mittel dazu erscheint ihm das Schreiben. Unter diesen Umständen formt sich Georg Büchner seine eigene Auffassung von Literatur. Diese soll nun im folgenden erarbeitet werden.

B. Büchners Philosophie

In seinem kurzen Leben beschäftigt sich Georg Büchner viel mit Philosophie. Dadurch verändert sich seine Sicht der Dinge, und natürlich auch sein Selbstverständnis als Schriftsteller. Deshalb ist es unverzichtbar, sich mit Büchners philosophischem Selbstverständnis zu beschäftigen, wenn man seinen Kunstbegriff richtig verstehen will.

1. Abrechnung mit dem Idealismus

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie zu verändern.“[2] Diesem Satz von Karl Marx vorgegriffen, verurteilt Büchner den Idealismus seiner Zeit.

Büchner ist gegen die idealistische Trennung der Welt, wie sie wirklich ist, und der, wie sie idealerweise sein soll. Sein Vorwurf gegen die Wissenschaft, „durch ihre Sprache die Differenz zur Welt erst zu erschaffen“[3], mischt sich in seinen Werken mit Parodien auf die gebräuchlichen Methoden des philosophischen Schließens. Dies zeigt sich zum Beispiel in „Dantons Tod“, als ein Bürger sein gesetzloses Handeln und Morden rechtfertigt und als Wille des Volkes deklariert:

„Wir sind das Volk und wir wollen, dass kein Gesetz sei; ergo ist dieser Wille das Gesetz; ergo im Namen des Gesetzes gibt es kein Gesetz mehr, ergo totgeschlagen!“[4]

Das Hauptargument Büchners gegen die idealistische Philosophie besagt also, dass die Erklärung der Welt im Idealismus nichts mit der Wirklichkeit und den realen Lebensumständen zu tun hat. Georg Büchner sucht deshalb nach einer Philosophie, die die Wirklichkeit abbildet und damit einen ersten Schritt zu deren Verbesserung geht. Für ihn ist die Schlussfolgerung richtig, dass eine Philosophie, die die Welt idealisiert, nicht zur Veränderung derselben beitragen kann. Genauso logisch erscheint es ihm daher, sich dem Materialismus zuzuwenden.

2. Der Materialismus

Die idealistische Vorstellung, dass der Geist die Welt bestimmt und kontrolliert, wird von Büchner nicht geteilt. Deshalb stellt er eine neue „Weltursache“[5] in den Mittelpunkt: Die Materie.

„Die Gesellschaft mittels der Idee, von der gebildeten Klasse aus reformieren? Unmöglich! Unsere Zeit ist rein materiell, [...]. Sie werden nie über den Riss zwischen der gebildeten und ungebildeten Gesellschaft hinauskommen.“[6]

Dieses Zitat zeigt deutlich den Materialismus Büchners. Dadurch, dass er die Materie über den Geist stellt, wird sie zum Mittelpunkt des Seins, der alle Umstände formt. Gleichzeitig wird hier Büchners Kritik an der gebildeten Klasse deutlich. Er glaubt nicht, dass diese zur Beseitigung der schlechten Lebensumstände der Masse fähig oder überhaupt willens ist.

3. Politik und Revolution

Um Georg Büchners Kunstbegriff zu verstehen, muss man auch mit seinem Selbstverständnis als politischer Mensch vertraut sein.

Büchner ist der Auffassung, dass der ökonomische Gegensatz, also das Verhältnis zwischen Arm und Reich, das „einzige revolutionäre Element“[7] der Welt sei. Gleichzeitig glaubt er an eine historische Notwendigkeit von Veränderungen, d.h. er spricht einzelnen Personen die Fähigkeit ab, die Geschichte nach ihrem Willen zu verändern. Obwohl diese Voraussetzung ein politisches Engagement Büchners eigentlich ausschließt, übergeht er diesen Widerspruch.

Büchner versteht sich also als Revolutionär. Mit seinen Schriften will er der Masse der Menschen dieses Ziel näher bringen. Das bekannteste Beispiel ist hier sicherlich der Revolutionsaufruf „Der Hessische Landbote“, wegen dem Büchner auch politisch verfolgt wird und schließlich nach Straßburg flieht.

[...]


[1] Büchner, Georg: Lenz, Studienausgabe, Hg. v. Gersch, Hubert, Stuttgart: Reclam, 1998, S. 29

[2] Marx, Karl: 11. These über Feuerbach, in: Glebke, Michael: Die Philosophie Georg Büchners, Tectum Verlag, Marburg, 1995, S. 4

[3] Glebke, Michael: Die Philosophie Georg Büchners, Tectum Verlag, Marburg, 1995, S. 36

[4] Büchner, Georg: Dantons Tod, aus: Georg Büchner Werke und Briefe, Hanser Verlag, München, 1984, S. 14

[5] Glebke, Michael: Die Philosophie Georg Büchners, Tectum Verlag, Marburg, 1995, S. 39

[6] Büchner, Georg: Brief an Karl Gutzkow, Straßburg, 1836, in:

Burghard Dedner: Georg Büchner Woyzeck, Erläuterungen und Dokumente, Reclam Verlag, Stuttgart, 2000, S. 214

[7] Glebke, Michael: Die Philosophie Georg Büchners, Tectum Verlag, Marburg, 1995, S. 82

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Literaturauffassung Büchners an den Beispielen "Brief an die Familie" und "Kunstmonolog" von Lenz und Interpretation zweier Szenen aus Woyzeck
Hochschule
Universität Regensburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V19557
ISBN (eBook)
9783638236515
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erörterung, Literaturauffassung, Büchners, Beispielen, Brief, Familie, Kunstmonolog, Lenz, Interpretation, Szenen, Woyzeck, Hintergrund, Literaturauffassung, Proseminar
Arbeit zitieren
Christoph Aschenbrenner (Autor), 2003, Die Literaturauffassung Büchners an den Beispielen "Brief an die Familie" und "Kunstmonolog" von Lenz und Interpretation zweier Szenen aus Woyzeck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19557

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