Dieses Buch stellt die Frage nach der Möglichkeit einer belastbaren Hoffnung, in der menschliches Leben sich angesichts seiner Endlichkeit, Brüchigkeit und Fragmentarität geborgen und aufgehoben finden kann, auch und gerade an seinen Grenzen. Der Autor versucht im Rahmen einer transtheistischen Rekonstruktion auch dieses Kernstücks christlicher Glaubenslehre eine Antwort auf die Frage, „was“ vom christlichen Osterglauben „bleibt“, wenn man ihn nicht mehr „buchstäblich“ supranaturalistisch verstehen kann, aber dennoch den starken Trost und die unendliche Lebensbejahung, die er über die Jahrhunderte vermittelt hat, und auch heute noch vermitteln kann, auch nachtheistisch bekräftigen möchte. Ein heute plausibles Neuverständnis der Osterhoffnung muss dabei, so der Autor, auch den Erkenntnissen der modernen Neurobiologie und Hirnforschung Rechnung tragen, nach denen "Geist" und "Seele" keine platonisch-cartesianischen "Substanzen" sind, sondern aus den menschlichen Gehirnfunktionen emergente Prozesse, die nach dem Tod des Gehirns nicht selbstständig weiterbestehen (oder irgendwie unabhängig von ihm "neu geschaffen" werden) können. Zur inhaltlichen Entfaltung seiner Rekonstruktion einer nachtheistischen Lehre vom "Ewigen Leben" rezipiert der Autor außer älteren Impulsen von von Karl Barth, Eberhard Jüngel und Dorothee Sölle v.a. die aktuellen, aus seiner Sicht weiterführenden Beiträge von Mark Johnston, Hans-Peter Dürr, Raimon Panikkar und Karl Peters, und entwickelt auf dieser Grundlage eine "theopoetische" Deutung des Auferstehungsglaubens und der österlichenen "Hoffnungsbilder" der Bibel als metaphorisch-poetischer Einkleidungen des Gedankens einer Einbettung menschlichen Lebens in eine umfassenden Gesamtwirklichkeit, und als einer damit verbundenen Sinn- und Wertaussage über das menschliche Leben über den Tod hinaus, eines Grundvertrauens in die Güte des Daseins, das durch Tod und Verfall zwar angefochten ist, aber in glaubender Weltdeutung als „Trotzdem“ der Lebensbejahung, als immer wieder erneuertes Wagnis von Glauben, Hoffnung und Liebe trotz alledem, stets neu gesucht und gefunden wird. Die Hoffnung auf das „ewige Leben“, so der Autor, wäre dann nicht mehr zu verstehen als die Hoffnung auf eine irgendwie geartete quantitative Verlängerung des Lebens in einer „jenseitigen“ Welt oder Dimension, sondern als die Hoffnung auf seine qualitative Vertiefung und Entgrenzung „jetzt und hier“, die auch angesichts der Todesgrenze Gültigkeit behält.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Angaben zur Person des Autors
Erster Hauptteil
Zweiter Hauptteil
Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage nach einer plausiblen christlichen Hoffnung angesichts des Todes unter Berücksichtigung moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei wird eine transtheistische Rekonstruktion angestrebt, die das traditionelle Verständnis von Auferstehung und ewigem Leben jenseits supranaturalistischer Konzepte als Transformation des Lebens innerhalb eines universalen, kosmischen Prozesses neu deutet.
- Die Vereinbarkeit christlicher Eschatologie mit Ergebnissen der Neurophysiologie und Evolutionsbiologie.
- Die Bedeutung der „größeren Identität“ des Menschen durch Einbettung in das „Ganze“ der Wirklichkeit.
- Die metaphorische und symbolische Reinterpretation von „Kreuz“ und „Auferstehung“.
- Der Ansatz einer „naturalistischen“ Eschatologie als Antwort auf die conditio humana.
Auszug aus dem Buch
Erster Hauptteil
Theologische Rechenschaft über die Möglichkeit und Konturen eines „heute sag- und tragfähigen Glaubens“ wird immer auch nach der Möglichkeit einer belastbaren Hoffnung fragen, in der menschliches Leben sich angesichts seiner Endlichkeit, Brüchigkeit und Fragmentarität geborgen und aufgehoben finden kann, auch und gerade an seinen Grenzen. In diesem Sinne ist die erste Frage des Heidelberger Katechismus: „Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben“ tatsächlich eine Grundfrage, die jede christliche Theologie auch im Kontext heutiger Weltsicht und Weltdeutungen grundlegend stellen muss, weil sie ganz elementar in der Endlichkeit des Lebens und damit in der conditio humana selbst begründet ist.
Die theologische Diskussion über diese Fragen scheint mir aber weitgehend in eine gewisse Sackgasse geraten zu sein, jedenfalls, wenn sie nicht einfach in einer Wiederholung und Apologie heute nicht mehr plausibel zu machender wörtlich verstandener mythologisch-supranaturalistischer Aussagen der Tradition bestehen soll. Die Ergebnisse heutiger neurologischer und hirnphysiologischer Forschung stellen traditionelle Aussagen individueller christlicher Eschatologie vor unlösbare Aporien, wenn man sie anders als metaphorisch-poetisch deuten will: „Alles, was den Menschen als Individuum ausmacht und kennzeichnet, ist neurobiologisch gesehen das Ergebnis eines lebenslangen Prozesses neuronaler Synapsenbildung und des Aufbaus neuronaler Repräsentationen und Erregungsmuster im Gehirn.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Der Autor erläutert seine Motivation zur Veröffentlichung dieser Arbeit, die aus der Suche nach einem für ihn heute tragfähigen Glauben im Kontext moderner Weltsicht entstanden ist.
Angaben zur Person des Autors: Ein kurzer biografischer Abriss über den Werdegang des Autors, seine pfarrdienstliche Tätigkeit und den Einfluss seiner gesundheitlichen Situation auf sein theologisches Nachdenken.
Erster Hauptteil: Dieser Teil kritisiert das Festhalten an überholten supranaturalistischen Jenseitsvorstellungen und diskutiert Ansätze (u.a. von Johnston, Barth, Jüngel) für eine naturalistische Rekonstruktion christlicher Hoffnung.
Zweiter Hauptteil: Hier vertieft der Autor die Diskussion anhand von Ansätzen (u.a. von Peters und Panikkar), die das menschliche Leben als Teil eines umfassenden kosmischen Lernprozesses verstehen, in dem das Leben „aufgehoben“ bleibt.
Literatur: Eine Auflistung der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen und theologischen Werke.
Schlüsselwörter
Christliche Hoffnung, Tod, Auferstehung, Eschatologie, Naturalismus, Individuum, Kosmischer Prozess, Identität, Neurotheologie, Transformation, Glaube, Überwindung von Egoismus, Gott, Endlichkeit, Evolution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie christliche Hoffnung angesichts des Todes heute formuliert werden kann, ohne dabei auf unplausible supranaturalistische Vorstellungen zurückzugreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen moderner Hirnforschung/Naturwissenschaft und christlicher Eschatologie, das Konzept des „ewigen Lebens“ sowie die Frage nach der Bewahrung menschlicher Identität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist eine transtheistische und naturalistische Rekonstruktion der christlichen Hoffnung, die den Menschen in seiner Endlichkeit „aufgehoben“ weiß, ohne die wissenschaftliche Evidenz zu ignorieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Methode, die theologische Lehre mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung, der Physik und der Philosophie verbindet und diese kritisch aufeinander bezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Ansätze vorgestellt, die Hoffnung als Einbettung des individuellen Lebens in ein größeres, universales Ganzes deuten, sowie die symbolische Bedeutung von Kreuz und Auferstehung neu interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Eschatologie“, „Transformation“, „Naturalismus“, „größere Identität“ und „kosmischer Prozess“ charakterisiert.
Was bedeutet das Bild des „Wassertropfens“ im Werk?
Das vom Theologen Raimon Panikkar verwendete Bild dient dazu, die menschliche Individualität als vergänglich (der Tropfen) und die Personalität als im Ganzen (dem Meer) bleibend und entgrenzt zu veranschaulichen.
Wie geht der Autor mit dem „sobering verdict“ der Hirnforschung um?
Der Autor erkennt das neurobiologische Verdikt an, dass die individuelle Persönlichkeit mit dem Gehirn stirbt, nutzt dies aber als Ausgangspunkt, um Hoffnung nicht mehr als bloße quantitative Lebensverlängerung, sondern als qualitative Teilhabe am Ganzen zu denken.
- Arbeit zitieren
- Stefan Schütze (Autor:in), 2012, Was von uns bleibt: Christliche Hoffnung angesichts des Todes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195624