Niklas Luhmann`s soziale Theorie eine Universaltheorie?

Bietet die Diskurstheorie von Habermas eine Erweiterung der Luhmann´schen Theorie?


Essay, 2008
6 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Niklas Luhmann Theorie des Sozialen - eine Universaltheorie? Oder erweitert durch den intersystemischen Diskurs ein Modell fur Deutschland?

Zusammenfassung zum Essay von Heidrun Leibfried, Dipl. sc. pol. Univ.

Im Rahmen eines Essay-Seminars zum Thema : Zeitgenossische Politische Theorien Hochschule fur Politik Munchen Note: 1,3

Niklas Luhmanns Theorie des Sozialen beschreibt die Gesellschaft in all ihren Facetten und erhebt so den Anspruch einer Universaltheorie. Am Beispiel Deutschland ist zu sehen, dass die von Luhmann beschriebenen Funktionssysteme bestehend wie das Wirtschaftssystem, das Wissenschaftssystem, das Rechtssystem oder das Politische System existieren. Daruber hinaus ist entscheidend, dass diese Funktionssysteme einer gewissen Eigenlogik folgen und demnach die Funktionssysteme einen „binaren Code“ bedurfen. So ist fur das Rechtssystem der Code von Recht und Unrecht konstitutiv, fur das Wissenschaftssystem der Code von wahr und unwahr und der Code fur das Politische System besteht aus Machtuberlegenheit und Machtunterlegenheit oder wie in einem demokratischen Land wie Deutschland aus Regierung und Opposition.

Welche Problematik ergibt sich nun daraus? Die Funktionssysteme erringen dadurch ihre Autonomie, dass sie eigene Codes und eigene, fureinander nicht mehr ubersetzbare Semantiken ausbilden. Damit buGen sie die Fahigkeiten ein, direkt miteinander zu kommunizieren, so dass sie einander nur noch beobachten konnen. Angesichts dieser autopoietischen Abkapselung ist kaum zu erklaren, wie das politische System der Gesellschaft im Ganzen sollte integrieren konnen, obwohl es doch auf Steuerungsleistungen spezialisiert ist, die auseinanderdriftenden Funktionssysteme zusammenzufuhren. Liegt es daran, dass in der Systemtheorie nur noch kommunikative Handlungen, Relationen aber keine Menschen existieren? Man konnte hier Luhmann vorwerfen, dass er den einzelnen Menschen aus der Verantwortung zieht. Jedoch in der Demokratie sind alle Burger verpflichtet ihre Verantwortung als Staatsburger wahrzunehmen. Jurgen Habermas postuliert Begrundungs- und Anwendungsdiskurse in institutioneller Gestalt und fordert die Teilnahme der Burger. Fur ihn ist ein Diskurs bzw. sein Ergebnis gerecht, wenn die Entscheidung von allen Betroffenen bzw. deren Vertreter in einem fairen ProzeG-Prozeduralismus zustande gekommen ist. Damit konnen Themen, die im Luhmannschen Sinne nicht nur ein Funktionssystem betreffend, systemubergreifend in einem Diskurs stattfinden.

Am Beispiel Patientenverfugung oder Sterbehilfe waren dabei Mediziner, Juristen, Theologen, Politiker, Krankenhausokonomen, Pflegepersonal und Burger vertreten und kamen, hinsichtlich der Thematik, zu einem fur jeden zu akzeptierenden Konsens.

Meiner Meinung nach konnte dadurch ein Impetus zu mehr Verantwortung und zu mehr Interesse an gesellschaftspolitischen Fragestellungen ausgelost werden. Mithilfe der neuen Kommunikations- formen wurde auch ein Mehr an Erfahrungswissen, Fachwissen aber auch Angste und Bedenken von den Burgern an entsprechende Foren oder institutionalisierte Diskursen herangetragen. Die jeweiligen Funktionssysteme wurden eine Dynamik erfahren, die zur Losung gesamtgesellschaftlicher Probleme beitragen wurden und die Interdependenz der Systeme sichtbar werden lassen.

Niklas Luhmann Theorie des Sozialen - eine Universaltheorie? Oder erweitert durch den intersystemischen Diskurs ein Modell fur Deutschland?

Essay von Heidrun Leibfried, Dipl. sc. pol. Univ.

Im Rahmen eines Essay- Seminars: Zeitgenossische Politische Theorien bei Prof. Dr. Christian Schwaabe, Hochschule fur Politik Munchen Note: 1,3

Luhmann erhebt den Anspruch, eine universale Theorie des Sozialen, d. h. eine Theorie, die Sozialitat in all ihren Facetten erklaren kann, entwickelt zu haben. Am Beispiel Deutschland ist zu sehen, dass die von Luhmann beschriebenen Funktionssysteme bestehend wie eben das Wirtschaftssystem, das Wissenschaftssystem, das Rechtssystem oder das politische System existieren. All diese Funktionssysteme weisen eine gewisse Eigenlogik auf und entspricht - im Anschluss beschrieben - der Theorie von Niklas Luhmann. Diese stellt einen Status quo oder Ist- Analyse auch der Gesellschaft in Deutschland dar. Insbesondere der Anspruch ein Gesellschaftssystem mit all Facetten sowie die Benutzung des Systembegriffs verbindet Luhmann heute noch mit Talcott Parsons. Jedoch dachte Parsons nach Funktionen in Abhangigkeit von Strukturen, wahrend Luhmann davon ausging, dass Funktionen immer auch durch eine andere Struktur erfullt werden. Parallel zu diesem Umbau rezipierte Luhmann standig die Entwicklungen in der allgemeinen Systemtheorie und der Kybernetik [1]. Eine soziologische Theorie, die Fachverhaltnisse konsolidieren will, muss nach Luhmann nicht nur komplexer, sie muss sehr viel komplexer werden im Vergleich zu dem, was die Klassiker des Fachs und ihre Exegeten und selbst Parsons sich zugemutet hatten. Das erfordert anderer theorietechnische Vorkehrungen, was Haltbarkeit und Anschlussfahigkeit nach innen und nach auGen betrifft, und erfordert nicht zuletzt den Einbau einer Reflexion auf Komplexitat (also auch eines Begriffs der Komplexitat) in die Theorie selbst[2]. Luhmann erhoht die Zahl der benutzen Begriffe und sie mit Bezug aufeinander zu bestimmen. Das geschieht mit Begriffen wie:“ Sinn, Zeit, Ereignis, Element, Relation, Komplexitat, Kontingenz, Handlung, Kommunikation, System, Umwelt, Welt, Erwartung, Struktur, Prozess, Selbstreferenz, Geschlossenheit, Selbstorganisation, Autopoiesis, Individualitat, Beobachtung, Selbstbeobachtung, Beschreibung, Selbstbeschreibung, Einheit, Reflexion, Differenz, Information, Interpenetration, Interaktion, Gesellschaft, Widerspruch, Konflikt.“[3] Hier ist nicht mehr von Objekten die Rede, sondern von Unterscheidungen und ferner: dass Unterscheidungen nicht als vorgegebene Sachverhalte (Unterschiede) begriffen werden, sondern dass sie auf eine Aufforderung zuruckgehen, sie zu vollziehen, weil man anderenfalls nichts bezeichnen konnte, also nichts zu beobachten bekame, also nichts fortsetzen konnte.

Diese systemtheoretische Begrifflichkeit ist zum Teil die Ubernahme eines anderen Vokabulars eher naturwissenschaftlich-technischer Disziplin und bedeutet eine Abkehr von der ontologischen Weltkonzeption.

[...]


[1] Vgl. Brodocz, A./Schaal,G. :Politische Theorien der Gegenwart. 2001, S.467

[2] vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. GrundriG einer allgemeinen Theorie.1987, S.11

[3] Luhmann,Niklas : Soziale Systeme, a.a.O., S.12

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Niklas Luhmann`s soziale Theorie eine Universaltheorie?
Untertitel
Bietet die Diskurstheorie von Habermas eine Erweiterung der Luhmann´schen Theorie?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Hochschule für Politik)
Veranstaltung
Zeitgenössische Politische Theorien
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
6
Katalognummer
V195647
ISBN (eBook)
9783656214304
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Essay, Diskurs, Niklas Luhmann, Analyse des bestehenden System, Lösung bestehender gesamtgesellschafticher Fragen, Jürgen Habermas, autopoietisches System, Patientenverfügung, Sterbehilfe
Arbeit zitieren
Heidrun Leibfried (Autor), 2008, Niklas Luhmann`s soziale Theorie eine Universaltheorie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195647

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