Nur wenige Frauen wurden von der Kirche so grob behandelt wie Maria Ward. Sie ragt aus dieser Liste als die einzige Person heraus, deren Tugend und Leistung für die Kirche und weit über die Kirche hinaus erst im Jahre 2010 mit der Heiligsprechung die volle Anerkennung erreicht haben. Wenn wir das Überleben ihres Instituts und ihrer Geisteshaltung durch diese langen und oft schwierigen 400 Jahre feiern, ist es ebenso notwendig Maria Wards Charakterzüge aufzuzeigen. In dem heutigen Blick aus dem Abstand heraus sehen wir wie Maria Wards Bedeutung in der Kirche überlebt hat und noch gewachsen ist. Ihre außergewöhnlichen Einsichten und Qualitäten sind weiterhin relevant und fruchtbar auf eine Weise, die in ihrem Leben unvorstellbar waren. Maria Ward war durchaus eine „Prophetin einer Zukunft, die nicht die ihre war.“ (Immolata Maria Wetter)
Am 23. Januar 1585 wurde Johanna Ward als erstes von sechs Kindern in Mulwith bei Ripon, der Grafschaft Yorkshire, geboren. Ihre Mutter Ursula, geborene Wrigth, war bei Johannas Geburt vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, ihr Vater Marmaduke Ward etwa dreißig. Aus großer Liebe zur Mutter Gottes nahm Johanna bei ihrer Firmung den Namen Maria an. Der elterliche Besitz Mulwith lag zwischen Wiesen und Feldern, nahe beim Fluss Ure. Diesem schönen stillen Land fühlte sich Maria Ward stets tief verbunden.
Die Familie Ward gehörte zum alt eingesessenen Landadel der Grafschaft Yorkshire, deren Stammbaum sich bis ins 12. Jahrhundert zurückführen lässt. Als 33jährige hat Maria Ward des Öfteren auf ihre Kindheit zurückgeblickt, aber in ihren autobiographischen Skizzen ist wenig über ihre Eltern oder Geschwister zu finden. Von ihren Eltern ist lediglich bekannt, dass sie vornehm, streng katholisch, reich an Tugend und treu im Glauben waren und laut Marias Aufzeichnungen viel für die katholische Seite gelitten hatten. Diese Schriftstücke sind fragmentarisch in den sogenannten Nymphenburger Schriften erhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Selbstbildnis und Charakterzüge Maria Wards
2. Weg ihrer Berufung
2.2. Drei mystische Erlebnisse
2.3 Institutspläne
2.4 Maria Ward im Kreuzfeuer
3. Realisierung ihrer Gründungsidee
3.1 Verteidigungsschriften
3.2 Bedeutende Institutsgründungen der I. B. M. V.
3.3 Ordensgeschichte durch die Jahrhunderte
4. Maria Ward und die Mädchenbildung
4.1 Ein neues Frauenbild
4.2 Maria Wards Bildungskonzeption
5. Aschaffenburg im Spiegel der Zeit
5.1 Stadtgeschichte des Fürstentums Aschaffenburg
5.2 Schulwesen im 18. Jahrhundert
5.2.1 Vorstufen der Mädchenbildung
5.2.2 Johann Friedrich Karl von Ostein – Kurfürst zu Mainz
5.2.3 Schulverordnungen unter Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein
6. Die Englischen Fräulein in Aschaffenburg
6.1 Gründungsgeschichte
6.1.1 Maria Schenk als Initiatorin der Klosterschule
6.1.2 Der Gründungsakt des Instituts der Englischen Fräulein
6.2 Die Geschichte der Institutseinrichtungen im 18./19. Jahrhundert
6.2.1 Institutseinrichtungen
6.2.2 Die Sonderrolle des Aschaffenburger Instituts
6.3 Das Institut als bedeutsame Einrichtung Aschaffenburgs
6.3.1 Der Orden als „Katalysator“ für Erziehung und Bildung
6.3.2 Das Aschaffenburger Institut als elitäre Einrichtung
6.4 Kloster- und Schulalltag
6.4.1 Lehrziele und Organistation
6.4.2 Die Schulentwicklung des Instituts bis heute
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit zeichnet den Lebensweg und das Wirken von Maria Ward nach, untersucht ihre visionäre Bildungskonzeption und analysiert die Etablierung des Instituts der Englischen Fräulein in Aschaffenburg vor dem Hintergrund der allgemeinen schulischen Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert.
- Biografie und Charakterisierung von Maria Ward.
- Theologische und pädagogische Fundierung der Mädchenbildung.
- Historische Entwicklung des Aschaffenburger Instituts.
- Rolle des Kurfürstentums Mainz bei der Schulreform.
- Soziokulturelle Bedeutung der Ordensgemeinschaft als Bildungsträger.
Auszug aus dem Buch
2.2. Drei mystische Erlebnisse
Nach der Gründung des Klarissinenklosters in Gravelingen wiesen ihr drei mystische Erlebnisse eine völlig andere Richtung auf, die auf dem weiteren Weg ihrer Berufung eine entscheidende Rolle spielten. Am 2. Mai 1609 wurde Maria Ward ein Erlebnis zuteil, welches „(…) ganz von Gott auszugehen schien und [sie] mit solcher Gewalt ergriff, da[ss] es [sie] ganz vernichtete. [Ihre] Kraft war erloschen, und [sie] fühlte in [sich] keine andere Tätigkeit als die, welche Gott wirkte (…) Es wurde [ihr] gezeigt, da[ss] [sie] nicht im Orden der hl. Klara zu verbleiben hätte, [sie] sollte etwas anderes tun, doch was und welcher Natur dies wäre, sah [sie] nicht und konnte [sie] nicht erraten. [Sie] verstand nur, da[ss] es etwas Gutes und der Wille Gottes sein würde.“
Unverstanden und verspottet von ihrem Umfeld trat Maria zum zweiten Mal aus einem Orden aus, kehrte nach England zurück und setzte sich von nun an unermüdlich in ihrer von Religionswirren erschütterten Heimat ein. Sie erkannte immer dringlicher, dass die apostolische Arbeit nicht nur den Priestern überlassen werden dürfte, sondern, dass gerade auch Frauen zur aktiven Mitarbeit berufen waren. Angesteckt von ihrem Wirken und ihrer Persönlichkeit sammelten sich erste Gefährtinnen um Maria Ward.
Das zweite Erlebnis ist die sogenannte „Gloria-Vision“, die in die Geschichte des Ordens einging. Hierbei gelangte sie beim Kämmen ihrer Haare und dem Blick in den Spiegel zu der Erkenntnis, dass das ihr von Gott aufgetragene Werk zu seiner Ehre verwirklicht werden musste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Selbstbildnis und Charakterzüge Maria Wards: Beleuchtung der Persönlichkeit und Frömmigkeit der Ordensgründerin anhand ihrer Leitsprüche und ihres tugendhaften Lebenswandels.
2. Weg ihrer Berufung: Darstellung der spirituellen Suche Maria Wards, ihrer mystischen Erfahrungen und der damit verbundenen Herausforderungen bei der Ordensgründung.
3. Realisierung ihrer Gründungsidee: Analyse der Verteidigungsschriften und der Ausbreitung des Instituts trotz kirchlicher Widerstände und organisatorischer Hürden.
4. Maria Ward und die Mädchenbildung: Untersuchung des innovativen Frauenbildes und der Bildungskonzeption, die den Grundstein für eine eigenständige Erziehung von Mädchen legte.
5. Aschaffenburg im Spiegel der Zeit: Historischer Überblick über das Fürstentum Aschaffenburg und die Bemühungen des Kurfürsten zur Verbesserung des Schulwesens im 18. Jahrhundert.
6. Die Englischen Fräulein in Aschaffenburg: Detaillierte Gründungsgeschichte, bauliche Entwicklung und die Bedeutung des Instituts als Bildungsinstitution für Aschaffenburg bis in die Gegenwart.
Schlüsselwörter
Maria Ward, Englische Fräulein, Congregatio Jesu, Mädchenbildung, Aschaffenburg, Ordensgeschichte, Ignatianische Pädagogik, Kurfürstentum Mainz, Frauenbild, Schulerziehung, Klosteralltag, Bildungskonzeption, Ordensgründung, Katholische Reform, Bildungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Leben und Wirken von Maria Ward sowie der Entstehung und Entwicklung des von ihr initiierten Instituts der Englischen Fräulein, insbesondere am Standort Aschaffenburg.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Biografie Maria Wards, die Ordensgründung, die pädagogischen Ansätze zur Mädchenbildung und die historisch-politische Entwicklung des Schulwesens im 18. und 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die erzieherische Vision Maria Wards aufzuzeigen und zu analysieren, wie diese Vision durch das Aschaffenburger Institut in die Praxis umgesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung historischer Quellentexte, darunter Gründungsurkunden, Briefwechsel und zeitgenössische Berichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Berufungsweges, die Realisierung der Gründungsidee, die Entwicklung eines neuen Frauenbildes und eine detaillierte historische Betrachtung der Niederlassung in Aschaffenburg.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Maria Ward, Mädchenbildung, Englische Fräulein, aschaffenburgische Schulgeschichte und ignatianische Pädagogik geprägt.
Warum war die Gründung des Instituts in Aschaffenburg so bedeutsam?
Das Institut in Aschaffenburg fungierte als Katalysator für eine qualitativ hochwertige Mädchenbildung und genoss durch seine Verbindung zum Königshaus und seine gemeinnützige Arbeit einen weitreichenden Ruf.
Welche Rolle spielte der Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein?
Der Kurfürst förderte als aufgeklärter Herrscher aktiv die Gründung und Etablierung des Instituts, da er die Bedeutung von Bildung für die soziale Entwicklung seines Landes erkannte.
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- Mirjam Lang (Autor), 2012, Mary Ward und die Gründungsgeschichte der Englischen Fräulein, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195670