Komparative Mediensystemforschung

Die Entwicklung der Mediensystemklassifikationen


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Einfuhrung in die Mediensystemforschung
2.1 Forschungsinteresse
2.2 Begriffsdefinitionen
2.3 Die Notwendigkeit des Vergleichs in der Mediensystemforschung

3. Versuche einer Mediensystemklassifikation
3.1 Four Theories of the Press
3.1.1 Die vier Modelle
3.1.2 Kritik
3.2 Weiterentwicklung bis Anfang der 1990er
3.2.1 Ronneberger
3.2.2 Wiios analytischer Kontingenzansatz
3.2.3 Weischenberger und Kleinsteuber
3.3 Hallin und Mancini
3.3.1 Vergleichsrahmen
3.3.2DiedreiModelle
3.3.3Bewertung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung;

„Die international vergleichende Medien- und Kommunikationswissenschaft hat in den letzten Jahren einen erheblichen Aufschwung genommen. Zahlreich sind die Einzeldarstel- lungen aus den Landern und Regionen der Welt. Dieser Aufschwung ist berechtigt. Die mit dem Stichwort der Globalisierung bezeichneten Veranderungen und Prozesse haben auch die nationalen Mediensysteme erfasst“ (ThomaB, 2007, S. 7).

Die zunehmende Bedeutung der komparativen Mediensystemforschung, welche Barbara ThomaB in ihrem Lehrbuch beschreibt, liegt vor allem in der Annahme begrundet, dass ein Verstandnis der nationalen Unterschiede in den einzelnen Mediensystemen, als Grundlage fur eine Internationalisierung oder Entgrenzung in diesem Bereich unabdinglich ist. Die Arbeit in diesem Forschungsbereich konzentriert sich zum Einen auf den Vergleich von Einzelstaaten, zum Anderen wurden Versuche unternommen die verschiedenartigen natio­nalen Mediensysteme im Rahmen eines Modells zu klassifizieren.

Ziel dieser Arbeit ist es zunachst, durch die Darstellung des Forschungsgegenstandes und die Erlauterung zentraler Begrifflichkeiten, ein Grundverstandnis fur die Mediensystemfor­schung herzustellen, bevor das besondere Interesse auf den vergleichenden Aspekt dieses Forschungsbereichs gerichtet wird. AnschlieBend werden im zweiten Teil der Arbeit ver- schiedene Versuche einer Mediensystemklassifikation dargestellt und kritisch betrachtet, wobei der Weg von fruhen eher ideologisch gepragten Modellen, hinzu heutigen empirisch geleiteten Ansatzen aufgezeigt werden soll.

Als Quellen fur den ersten Teil der Arbeit dienen vor allem das Lehrbuch ,,Mediensysteme im internationalen Vergleich“ von Barbara ThomaB (2007), sowie die vergleichende Studie ,,Comparing Media from around the World“ von Robert McKenzie (2006). Fur die Darstel­lung der Modelle zur Mediensystemklassifikation im zweiten Teil der Arbeit, werden in erster Linie die Veroffentlichungen der Forscher selbst als Quellen verwendet.

2. Einfuhrung in die Mediensystemforschung;

Um einen Forschungsbereich vollstandig erfassen zu konnen, bedarf es zunachst der Erlau- terung zentraler Inhalte, sowie der Definition von wichtigen Begriffen. Aufierdem wird in diesem Kapitel die Bedeutung vergleichender Forschung im Allgemeinen, sowie die beson- dere Notwendigkeit des Vergleichs in der Mediensystemforschung dargelegt.

2.1 Forschungsinteresse;

Laut Thomafi (2007) liefien sich Mediensysteme zunachst am besten im Rahmen territoria- ler Grenzen, so wie sie durch Staaten gegeben sind, betrachten. Und somit wurden sich Mediensysteme der verschiedenen Lander auch deutlich voneinander unterscheiden (S. 7). In diesen Unterschieden liegt auch das zentrale Forschungsinteresse der Mediensystemfor­schung. Diese fragt nach den Grunden fur die Unterschiede und deren Folgen fur die je- weilige Gesellschaft und ihre Medienrezeption. Daruber hinaus gilt das Interesse den Pro- zessen, die zur Entwicklung und Veranderung von Mediensystemen beitragen.

2.2 Begriffsdefinitionen:

Die Kommunikationswissenschaft beschaftigt sich uberwiegend mit offentlicher Kommu- nikation und das Interesse richtet sich nur selten auf die Individualkommunikation. Dies trifft auch auf den Bereich der Mediensystemforschung zu, in dem der Medienbegriff eben- so auf die Massenkommunikation begrenzt wird, die wiederum einer Definition bedarf. Maletzke definiert den Begriff wie folgt: ,,Als Medien der Massenkommunikation bezeich- nen wir die technischen Instrumente oder Apparaturen, mit denen Aussagen offentlich, in- direkt und einseitig einem dispersen Publikum vermittelt werden“ (Maletzke, 1963, S. 76).

Neben dem Medienbegriff muss auch geklart werden, was unter einem System zu verstehen ist. Eine mogliche Definition liefert McKenzie: ,,A system is a collection of interrelated parts in motion that make up a whole. These parts interact with each other to produce a whole system“ (McKenzie, 2006, S. 33). Fur die Analyse von Systemen seien laut Thomafi (2007) die Teile eines Systems, die Relation und Struktur dieser Teile, seine Identitat und die Grenzziehung des Systems von Interesse (S. 13). Jedes System ist wiederum in einzel- ne Subsysteme unterteilt, im Fall eines Mediensystems, handelt es sich dabei um den Rundfunk, sowie Print- und Onlinemedien.

Die Begrifflichkeit des Mediensystems ist nach Schneider nicht nur technisch zu verstehen: ,,Massenmedien, ihre Organisation und ihre Leistungen sind Ausdruck kulturellen und ge- sellschaftlichen Selbstverstandnisses. Mediensysteme [Hervorhebung im Original] spiegeln deshalb soziale und politische Strukturen.“ (Schneider, 1998, S. 422). Mediensysteme wer- den allerdings nicht ausschliefilich als Abbild der Strukturen in einer Gesellschaft betrach- tet, ihnen wird nach Tenscher auch eine Funktion innerhalb dieser zugeschrieben:

„Dabei spiegeln Mediensysteme immer, so die grundlegende Annahme der kom- parativen Medienforschung, in besonderer Art und Weise die politisch-histori- sche (auch kulturelle) Entwicklung eines Landes und damit die Erwartungen, die von Seiten der Gesellschaft, namentlich der Politik in zunehmendem Mafie der Wirtschaft, an die Massenmedien und den Journalismus gerichtet werden“ (Ten- scher, 2008, S.415)

Bei der Analyse von Mediensystemen wird neben dem technischen Aspekt auch der Ein- fluss okonomischer, politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen in den Vordergrund gestellt. Des weiteren umfasst solch eine Analyse die Organisationen und Strukturen eines Mediensystems, sowie die Betrachtung der Auswirkungen der eben genannten Faktoren, auf die Medien und das gesamte System.

2.3 Die Notwendigkeit des Vergleichs in der Mediensystemforschung;

Die Eigenschaft des Vergleichens liegt gewissermafien in der Natur des Menschen und wird vor allem in der Begegnung unterschiedlicher Kulturen offensichtlich. McKenzie schreibt der Methode des Vergleichs eine wichtige Rolle im Lernprozess des Menschen zu: ,,Comparing can produce a more profound impact on our learning process than simply identifying similarities and differences. Comparing can produce a deeper understanding of the self“ (McKenzie, 2006, S. 7).

In der Forschung und insbesondere den Sozialwissenschaften ist die komparative Methode ein zentrales Element der wissenschaftlichen Analyse. Thomafi fasst die wissenschaftlichen Motive und Zwecke des Vergleichs zusammen:

,,Mit der Beschreibung [Hervorhebung im Original] wird Wissen uber andere Verhaltnisse gesammelt. Mittels Klassifizierung [Hervorhebung im Original] und Typologisierung [Hervorhebung im Original] wird Komplexitat reduziert. Die darauf folgende Hypothesenbildung [Hervorhebung im Original] liefert die Vor- stufe fur allgemeine Theorien. Aufgrund einer so gewonnenen Theorie lassen sich Voraussagen [Hervorhebung im Original] fur weitere Phanomene machen“ (Thomafi, 2007, S. 26).

Im speziellen Fall der Mediensystemforschung liegt die Notwendigkeit der komparativen Methode, in der heutigen Zeit, insbesondere in der fortschreitenden Internationalisierung und Globalisierung begrundet. Laut Haas und Wallner (2008) wurden sich mit diesen An- derungsprozessen auch die institutionellen Umwelten von Medien und Mediensystemen wandeln, ihre Transformation hielte sich nicht an nationalstaatliche Grenzen. Deshalb ver- lange die Transnationalisierung nach ebensolchen transnationalen Perspektiven in der Me- diensystemforschung (S. 83). Innerhalb der vergleichenden Mediensystemforschung hat Kleinsteuber die klassischen Vergleichskonstellationen dargestellt: „Der Zwei-Staaten-Vergleich [Hervorhebung im Original] stellt typischerweise in einer Art binarer Logik zwei Systeme gegenuber [...] im Mehr-Staaten-Ver- gleich [Hervorhebung im Original] wird in Form einer Querschnittsanalyse eine Reihe von Staaten untersucht [...] der Viel-Staaten-Vergleich [Hervorhebung im Original] [...] stellt eine groBere Zahl von Staaten nebeneinander“ (Kleinsteu­ber, 1993, S. 320).

Eine Unterscheidung bei der Analyse von Mediensystemen kann ebenso bezug- lich der Ebene vorgenommen werden, die der Betrachtung unterliegt: ,,Sie [die Mediensysteme; B.R.] lassen sich als ganze Systeme (die Makroebene) [...] ana- lysieren, aber auch einzelne Institutionen oder Akteure (Mesoebene) [...] konnen im Mittelpunkt stehen. Ebenso eignen sich einzelne Personen (Mikroebene) [...] fur eine vergleichende Betrachtung“ (Kleinsteuber, 2003, S. 382).

3. Versuche einer Mediensystemklassifikation:

Ein Bestandteil der Mediensystemforschung sind Studien zu den Mediensystemen einzel- ner Lander, in diesem Zusammenhang ist vor allem die Arbeit der Euromedia Research Group hervorzuheben. Diese sammelt, als Teil eines seit 1982 agierenden Netzwerks, In- formationen uber die Mediensysteme der europaischen Staaten, erstellt daraus nationale Profile und veroffentlicht diese im sogenannten ,,Euromedia Handbook". (Kelly, Mazzole- ni, & McQuail, 2004)

Die komparative Mediensystemforschung geht hier noch einen Schritt weiter und analy- siert nicht nur die Daten und Strukturen von Mediensystemen einzelner Lander, sondern setzt diese zueinander in Beziehung. Haas und Wallner (2008) betrachten diese Arbeit als besonders wichtig, da erst im Vergleich Phanomene sichtbar gemacht werden konnten, die in der Einzelfallanalyse gar nicht erkennbar seien beziehungsweise sich der landerspezifi- schen Sicht entziehen wurden (S. 83).

Der Vergleich verschiedener nationaler Mediensysteme ermoglicht daruber hinaus die Klassifikation selbiger. Laut Thomafi ist die Klassifizierung und Typologisierung die logi- sche Folge, der Beschaftigung mit Mediensystemen: „Aufgrund der gesellschaftlichen Be- dingtheit von Mediensystemen ist es nahe liegend, dass unterschiedliche Staaten und Ge- sellschaftssysteme unterschiedliche Mediensysteme hervorgebracht haben. Dies hat schon fruhzeitig die kommunikationswissenschaftliche Forschung angeregt, Mediensystemklassi- fikationen vorzunehmen“ (Thomafi, 2007, S. 33). Im Folgenden werden einzelne Versuche einer solchen Klassifikation von Mediensystemen dargestellt und kritisch gewurdigt. Hier- bei soll die Entwicklung von ersten stark normativ gepragten Ansatzen, beginnend mit den ,,Four Theories of the Press" - von Siebert, Peterson und Schramm -, hinzu eher empirisch geleiteten Klassifikationsversuchen, wie dem von Hallin und Mancini aufgezeigt werden.

3.1 Four Theories of the Press:

Das erste Modell einer Mediensystemklassifikation stammt aus dem Jahr 1956, als Siebert, Peterson und Schramm ,,Four Theories of the Press" veroffentlichten. Darin stellen sie vier Modelle vor, denen die verschiedenen Mediensysteme der Welt zugeordnet werden konnen, die Modelle des Liberalismus, des Autoritarismus, der Sozialverantwortung und des Kommunismus. Bevor diese Modelle allerdings im Einzelnen dargestellt werden, sollte definiert werden, welches Verstandnis von „Press“ bei den Autoren vorliegt:

,,By press [Hervorhebung im Original], in this book, we mean all the media of mass communication, although we shall talk about the printed media oftener than

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Komparative Mediensystemforschung
Untertitel
Die Entwicklung der Mediensystemklassifikationen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V195691
ISBN (eBook)
9783656219132
ISBN (Buch)
9783656219217
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
komparative, mediensystemforschung, entwicklung, mediensystemklassifikationen
Arbeit zitieren
Benjamin Romberg (Autor), 2010, Komparative Mediensystemforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195691

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