Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine soziologisch ausgerichtete Arbeit, die sich mit der neuroorthopädischen Rehabilitationssituation in Albanien beschäftigt. Die in der Arbeit verwendete Methodik basiert auf textanalytischer Arbeit in der die teilnehmende Beobachtung und Einzelfallanalyse mit einbezogen wurden. Es galt herauszufinden, in welchem Zustand sich das albanische Rehabilitationssystem bezogen auf die Behandlungsmöglichkeiten von Menschen mit neuroorthopädischen Krankheitsbildern befindet. In diesem Zusammenhang wurde ein Modellprojekt, das sich mit der Rehabilitation von Menschen mit einer Behinderung befasst, als Baustein genauer untersucht. Um die Strukturen dieses Bausteins besser einordnen zu können, wird zunächst ein Überblick über die medizinische Rehabilitation im Land gegeben. Erweitert durch Informationen zur politischen, geographischen, wirtschaftlichen und religiösen Situation des kleinen Mittelmeeranrainerstaates wird das Gesundheitssystem der Republik Albanien skizziert. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Blick wieder auf die Situation der neuroorthopädischen Rehabilitation verengt und ein Hilfsprojekt der Nichtregierungsorganisation Medizinische Nothilfe Albanien genauer untersucht. Die dadurch entstandenen Erkenntnisse sollen als Basis für einen systematischen Aufbau eines Rehabilitationssystems in der Republik Albanien und der nachhaltigen Weiterentwicklung des Projektes dienen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rehabilitation - eine globale Herausforderung für alle Nationen
2.1 Das Recht auf Rehabilitation
2.2 Medizinische Rehabilitation
2.3 Erschwerter Zugang zur Basisgesundheitsversorgung
3 Republik Albanien
3.1 Die geographische Lage der Republik Albanien
3.2 Bevölkerungsstruktur in Albanien
3.3 Zusammensetzung der Religionsgruppen
3.4 Politische Situation
3.5 Wirtschaftliche Situation
3.6 Das staatliche Gesundheitssystem in Albanien
3.6.1 Die Auswirkungen der Vergangenheit auf das derzeitige Gesundheitssystem
3.6.2 Zur Epidemiologie von Menschen mit Behinderungen
3.6.3 Zur Anzahl der Menschen mit Behinderung im Jahr 2009
3.7 Die Gesundheitsversorgung in Albanien aus Sicht der Regierung und der von Nichtregierungsorganisationen im Bereich der neuroorthopädischen Rehabilitation
3.7.1 Stellungnahmen der Regierung
3.7.2 Stellungnahmen von Nichtregierungsseite zu den offiziellen Verlautbarungen (Monitoring Report Disability Rights)
3.7.3 Exkurs Korruption: Under- The-Table-Payments als integraler Bestandteil des Gesundheitssystems
3.7.4 Persönliche Einschätzung
3.8 Neuroorthopädische Versorgungsmöglichkeiten in Albanien, aus der Sicht des Verfassers
3.8.1 Orthopädietechnische Realität
3.8.1.1 Das National Prothetic Orthotic Center (NPOC) in Tirana
3.8.1.2 Qendra Drita e Shpresës (QDS) Rehabilitations Zentrum, Pogradec
3.8.1.3 Kukes Prothetic and Physiotherapy Workshop (KPPW)
3.8.1.4 Die rehabilitationstechnische Realität
3.8.2 Die therapeutische Realität
3.8.2.1 Physiotherapie
3.8.2.2 Ergotherapie, Logopädie und medizinisches Personal
3.8.3 Die diagnostischen Möglichkeiten
3.8.4 Die Realität der neuroorthopädischen Chirurgie
3.8.5 Die Realität der neuropädiatrischen Beratung
3.8.6 Die Vergütungssituation der albanischen Krankenversicherung
3.9 Ausbildung neuroorthopädischer Fachleute in der Alltagspraxis
4 Beschreibung eines Bausteins zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit neuroorthopädischen Beeinträchtigungen
4.1 Die vorgefundene Situation
4.2 Ziele eines Bausteins zur Verbesserung des sozialen, psychischen und körperlichen Wohlbefindens in Pogradec Albanien
4.3 Umsetzung der Ziele
4.3.1 Voraussetzung zur Umsetzung: Rechtliche Strukturen
4.3.1.1 Juristische Verankerung der Organisation MNA in Deutschland
4.3.1.2 Juristische Verankerung des Vereins Qendra Drita e Shpresës in Albanien
4.4 Konzeption von Qendra Drita e Shpresës
4.4.1 Ziele der Arbeit
4.4.2 Wege zur Zielerreichung des Projekts im Bereich Verhaltensprävention
4.4.2.1 Orthopädie-Technik
4.4.2.2 Physiotherapie
4.4.2.3 Die ärztliche Koordination
4.4.2.4 Neuroorthopädische Chirurgie
4.4.2.5 Komplementäre Dienste
4.4.2.6 Komplementäre Dienste - Fachärzte
4.4.3 Die Infrastruktur des Projekts
4.4.3.1 Das Rehabilitationszentrum Qendra Drita e Shpresës in Pogradec
4.4.3.2 Die lokale Mobilität
4.4.4 Die Mitarbeiter
4.5 Einblick in den derzeitigen Stand des Projektes
4.5.1 Orthopädie-Technik – Aktueller Stand
4.5.2 Physiotherapie – Aktueller Stand
4.5.3 Die ärztliche Koordination – Aktueller Stand
4.5.4 Neuroorthopädische Chirurgie – Aktueller Stand
4.5.5 Komplementäre Dienste – Aktueller Stand
4.5.6 Komplementäre fachärztliche Dienste – Aktueller Stand
5 Ausblick - Ein Blick in die Zukunft
5.1 Erster Strukturkreis: Die lokale Ebene
5.1.1 Day care
5.1.2 Integratives Caféhaus - Projekt Pogradec
5.1.3 Die Öffentlichkeitsarbeit auf kommunaler Ebene
5.1.4 Die Öffentlichkeitsarbeit auf überregionaler Ebene
5.2 Zweiter Strukturkreis: Die überregionale Ebene
5.2.1 Der Sonderfall mobiler Dienste zwischen Verhaltensprävention und Verhältnisprävention
5.2.2 Inhaltliche Elemente der Verhältnisprävention
5.2.2.1 Community Based Rehabilitations (CBR)
5.2.2.1 Einrichtung von Ausbildungsbausteinen
5.2.2.3 Ausbau eines nationalen und internationalen neuroorthopädischen Netzwerks
6 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den aktuellen Zustand der medizinischen Rehabilitation für Menschen mit neuroorthopädischen Problemen in Albanien und beschreibt den Aufbau eines spezifischen Rehabilitationsprojekts in Pogradec als Modellbaustein zur nachhaltigen Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung.
- Analyse des albanischen Gesundheits- und Rehabilitationssystems unter Berücksichtigung politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
- Evaluation der Versorgungsmöglichkeiten für neuroorthopädische Patienten.
- Darstellung des Aufbaus und der Konzeption der Einrichtung „Qendra Drita e Shpresës“ (Zentrum Licht der Hoffnung).
- Diskussion von Verhaltens- und Verhältnisprävention als Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität.
- Entwicklung von Perspektiven für einen landesweiten, nachhaltigen Rehabilitationszugang.
Auszug aus dem Buch
3.7.3 Exkurs Korruption: Under- The-Table-Payments als integraler Bestandteil des Gesundheitssystems
Ein großes Problem im albanischen Gesundheitswesen stellen die sogenannten „Under-The-Table-Payments“ in fast allen Bereichen des Gesundheitswesens dar. Die albanische Tradition, Dankbarkeit in Geschenken auszudrücken, vermischt sich oft mit Zusatzzahlungen für eine bessere oder bevorzugte Behandlung. Hinzu kommt, dass medizinisches Personal dies als legitime Aufbesserung ihrer schlecht honorierten Arbeit einschätzen und die Patienten diese als Teil der Behandlungskosten ebenfalls in ihren Überlegungen einkalkulieren (Vian et al. 2006: 877ff). Es kann gesagt werden, dass inoffizielle Zahlungen, die den Patienten Zugang zu medizinischen Dienstleistungen ermöglichen, zum albanischen Alltag gehören. Umfragen zeigen, dass mehr als drei Viertel der Patienten in öffentlichen staatlichen Gesundheitseinrichtungen solche „Geschenke“ bezahlen, um an die gewünschten medizinischen Dienstleistungen und Therapien zu gelangen (Burak/Vian 2007: 1060ff).
Am Beispiel der Nënë-Tereza-Universitätsklinik wird aufgezeigt, in welchem Verhältnis die illegalen Zahlen stehen können. In der Nënë-Tereza-Universitätsklinik werden jährlich 450 000 € an Patientendirektzahlungen eingenommen, es wird aber eine ca. viermal höhere illegale Zahlung vermutet (Holst 2007: 7ff). Schätzungen gehen davon aus, dass der Anteil an illegalen Zahlungen ein Viertel der Kosten im stationären Hospitalbereich ausmachen. Dagegen fallen im ambulanten Bereich nur ein Neuntel der Gesamtbehandlungskosten für die betroffenen Patienten an (Tavanxhi/Burazeri 2007: 160). Laut Weltbank belaufen sich für das einkommensschwächste Bevölkerungsfünftel die Kosten für eine ambulante Behandlung auf etwa 50% der monatlich verfügbaren privaten Einkommen. Bei einer stationären Behandlung erreichen sie sogar bis zu viermal so viel (Holst 2007: 11). Besonders belastend für die meisten Menschen ist, dass zur Finanzierung des Gesundheitssystems offizielle Zuzahlungen verlangt werden und trotzdem auf den verschiedenen Ebenen noch inoffizielle Zahlungen geleistet werden müssen. Für ärmere Menschen mit einer Behinderung, die auf Grund gesetzlicher Vorgaben Zugang zu einer kostenlosen Behandlung hätten, wird dadurch die Gesundheitsversorgung zum nicht bezahlbaren Luxus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, den Status der neuroorthopädischen Rehabilitation in Albanien zu untersuchen und ein konkretes Projekt in Pogradec als Fallbeispiel vorzustellen.
2 Rehabilitation - eine globale Herausforderung für alle Nationen: Das Kapitel bietet einen Überblick über das Recht auf Rehabilitation und die Definition der medizinischen Rehabilitation auf Basis der WHO-Standards.
3 Republik Albanien: Dieser Abschnitt analysiert die geographischen, politischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen Albaniens und deren Auswirkungen auf das staatliche Gesundheitssystem und die neuroorthopädische Versorgung.
4 Beschreibung eines Bausteins zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit neuroorthopädischen Beeinträchtigungen: Hier wird detailliert das Modellprojekt Qendra Drita e Shpresës in Pogradec beschrieben, inklusive seiner juristischen Verankerung, Zielsetzung und Infrastruktur.
5 Ausblick - Ein Blick in die Zukunft: Das Kapitel skizziert die zukünftigen Schritte für eine nachhaltige Verbesserung der Rehabilitation, unterteilt in lokale und überregionale Strukturkreise.
6 Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung betont die Notwendigkeit der lokalen Ausbildung von Fachkräften, um eine langfristige, unabhängige Versorgungssicherheit in Albanien zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Albanien, Neuroorthopädie, Rehabilitation, Gesundheitswesen, Qendra Drita e Shpresës, medizinische Versorgung, Behindertenhilfe, Verhaltensprävention, Verhältnisprävention, NGO, Physiotherapie, Orthopädietechnik, Kapazitätsaufbau, Nachhaltigkeit, Soziale Sicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert den Ist-Zustand des albanischen Rehabilitationssystems für Menschen mit neuroorthopädischen Erkrankungen und stellt ein praktisches Modellprojekt in Pogradec vor, das zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die sozioökonomischen Rahmenbedingungen Albaniens, die Defizite in der aktuellen Gesundheitsinfrastruktur, die Rolle von Nichtregierungsorganisationen sowie Strategien zur zukünftigen professionellen Ausgestaltung der Rehabilitation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, in welchem Zustand sich das Rehabilitationssystem in Bezug auf neuroorthopädische Behandlungen befindet und wie durch einen spezifischen Baustein (das Projekt in Pogradec) eine nachhaltige Versorgung ermöglicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt textanalytische Methoden, kombiniert mit eigenen teilnehmenden Beobachtungen und Einzelfallanalysen aus einer langjährigen Praxis vor Ort.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des Gesundheitssystems in Albanien und eine detaillierte Beschreibung der Konzeption, der rechtlichen Struktur sowie des aktuellen Stands des Rehabilitationszentrums „Qendra Drita e Shpresës“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie neuroorthopädische Rehabilitation, Albanien, Nachhaltigkeit, Kapazitätsaufbau und Verhaltensprävention charakterisiert.
Warum ist laut Autor die Korruption im Gesundheitswesen ein zentrales Hindernis?
Die sogenannten „Under-the-Table-Payments“ führen dazu, dass trotz bestehender gesetzlicher Ansprüche auf kostenlose Behandlungen die Gesundheitsversorgung für ärmere Menschen mit Behinderung zu einem nicht finanzierbaren Luxus wird.
Welche Rolle spielt die Ausbildung von lokalem Fachpersonal für das Projekt?
Die Ausbildung vor Ort ist das zentrale Element für die Nachhaltigkeit des Projekts, damit die medizinische Versorgung langfristig ohne die ständige Begleitung durch ausländische Experten sichergestellt werden kann.
- Arbeit zitieren
- Matthias Roller (Autor:in), 2012, Neuroorthopädische Rehabilitation in Albanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195712