Das Täufertum im Europa des konfessionellen Zeitalters


Hausarbeit, 2003

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeiner Überblick

3. Differenzierung der Täuferbewegungen
3.1 Züricher Ursprünge – Die Schweizer Brüder
3.2 Süddeutschland / Straßburg – Spiritualisten
3.3 Das Norddeutsche/Niederländische Täufertum – Schwärmer
3.4 Das Täufertum in Mähren

4. Das Obrigkeitsverständnis der Täufer
4.1 Die Unterschiede im Obrigkeitsverständnis der Täufer
4.2 Vertreter der Schwertler
4.3 Die Stäbler

5. Die Stellung der Obrigkeit zum Täufertum
5.1 Das Verhalten der Obrigkeit beider großen Konfessionen
5.2 Probleme der evangelischen Stände gegenüber der Täuferverfolgung
5.3 Luthers Einstellung zum Täufertum .

6. Die Erforschung des Täufertums

7. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Beschäftigt man sich mit der Reformation und dem Zeitalter der Konfessionalisierung, so trifft der Interessierte bald auf eine geistige Bewegung dieser Zeit, die in der Literatur nur als Randerscheinung Erwähnung findet. Gemeint ist die Bewegung der Täufer, oder Wiedertäufer. Beginnt man sich dieses Thema zu vertiefen, so entdeckt man, dass die Historiker seit den 1960iger Jahren differenzierter mit diesen Begrifflichkeiten umgehen. Es wird eine Unterteilung der verschiedenen „Täuferbewegungen“ vorgenommen und zusammenfassend wird diese Strömung der Reformation als „linker Flügel der Reformation“ bezeichnet. Da die Bezeichnungen in der Lehre und Forschung nicht eindeutig eingesetzt werden, soll in dieser Arbeit, der Begriff der „Täufer“ Verwendung finden.

Im Studienalltag gehen die Dozenten meist nur sehr knapp auf das „Täuferreich zu Münster“ ein. Dies scheint dem Studierenden um so unverständlicher, als es sich bei Bewegung der Täufer um eine Erscheinung handelte, welche die konfessionellen Kämpfe der beiden großen Parteien, der Katholiken und der Protestanten, fast ein Jahrhundert begleitete. Dabei blieb sie nicht nur auf Deutschland beschränkt, sondern strahlte in einige europäische Staaten der Frühen Neuzeit aus.

Die nun folgende Arbeit will sich im bescheiden Umfang einer Hausarbeit mit dem Thema der Täufer befassen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Deutschland und der Schweiz in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Aber auch die Entwicklung und Ausbreitung der Täuferbewegung innerhalb Europas über 1600 hinaus wird Beachtung finden. Der erste Abschnitt soll einen allgemeinen Überblick über die Anfänge der Geschichte der Täufer im 16. Jahrhundert geben. Anschließend werden die Teilströmungen dieser Bewegung definiert und im Kontext des konfessionellen Zeitalters dargestellt. Schließlich wird die Bewertung der Täufer durch ihre Zeitgenossen und im Spiegel anderer Epochen betrachtet. Im letzten Abschnitt der Arbeit werden Argumente angeführt, die belegen sollen, dass es sich bei den Täufern nicht nur um eine geschichtliche Randerscheinung handelt. Stattdessen soll gezeigt werden, dass diese Bewegung im Zeitalter der konkurrierenden Konfessionen durchaus als eine Erscheinung neben den großen Polen der Katholiken und Protestanten bewertet werden kann.

2. Allgemeiner Überblick

Im Bemühen um eine Erneuerung der Christenheit im 16. Jahrhundert traten die Täufer und ihre Aktionen besonders hervor. Sie suchten nach Alternativen zur erstarrten Kirche Roms und darüber hinaus nach Alternativen zu den reformatorischen Kirchen, die nicht bereit waren die engen Bindungen zwischen Kirche und Obrigkeit, zwischen christlicher Gemeinde und bürgerlicher Kommune zu lösen. Es entstand eine Gemeinschaft, die später auf den Begriff der Freikirche gebracht wurde. Im Täufertum finden sich evangelischer Protest, sowie katholische Theologie und Frömmigkeit. Dabei war es aber weder eine katholische noch protestantische Erscheinung. Die täuferische Bewegung vertrat den Anspruch eine Alternative zu beiden großen Kirchen zu sein.

Zu Beginn der zwanziger Jahre des 16. Jahrhunderts entlud sich die Unzufriedenheit mit dem Klerus der alten Kirche in einem regelrechten Wildwuchs der Reformation. Aus diesem Wildwuchs traten Personen unterschiedlichster geistiger Traditionen und sozialer Situationen hervor. Sie einte der Wille zur geistig-kirchlichen Veränderung. Weit auseinander gingen jedoch die Argumente, die den Protest begründeten und die Vorstellungen von einer besseren Kirche und Gesellschaft.

Die Unzufriedenheit mit dem nur zaghaften Fortschreiten der Reformation führte schließlich, zum Zerfall der ohne hin losen Einheit des reformatorischen Lagers. Es entstanden mehr oder weniger radikale Bewegungen. „Die radikalen Gruppen entwickelten sich nicht an den abgelegenen Rändern des Christentums im 16. Jahrhunderts, sondern vielmehr gerade in den Mittelpunkten der Reformation“[1]

Als gemeinsames hervorstechendes Merkmal galt die Ablehnung der Säuglingstaufe. Stattdessen vollführten sie die Glaubenstaufe, die allein dem Glauben und freien Willen entsprang. Besonders nach dem Bauernkrieg 1525, in dem sich auch Täufer mit revolutionären Kräften verbündeten, haftete ihnen das Stigma der Radikalität, Unrechtmäßigkeit und der Obrigkeitsverneinung an. Sie wurden deshalb verfolgt, oft gefoltert und hingerichtet.

Dabei half ihren Verfolgern auch die innere Uneinigkeit der täuferische Bewegung, den diese hatte, anders als die protestantische mit Luther, mehrere Wurzeln. Die verschiedenen Täuferbewegungen warfen sich gegenseitig vor verführerische und aufrührerische Lehre zu vertreten.

3. Differenzierung der Täuferbewegungen

3.1 Züricher Ursprünge – „Die Schweizer Brüder“

Die früheste Form des Täufertums erwuchs in Zürich. Dort hatte Ulrich Zwingli eine Kreis lernbegieriger Schüler um sich versammelt. Einige von ihnen traten später als Täufer hervor. Stark beeinflusst, war Zwingli von Erasmus, der an der Universität Basel lehrte und dort seit 1514 zum Mittelpunkt eines konsequent humanistischen Kreises wurde. Betont wurde die „innerliche Religiösität“[2].

Zwingli ging es dabei viel mehr als Luther um die „ursprüngliche und innerliche Gestalt des Glaubens“[3]. Er vertrat einen radikalen Biblizismus, der sich, anders als die lutherische Lehre, von den Traditionen der alten Kirche löste.

Die Bewegung in der Schweiz entwickelte sich aus Lesezirkeln von Laien, welche die Bibel studierten. Aus diesen Lesgruppen traten Laienführer hervor, die in der Lage waren, das Gelesene auch auszulegen. Viele von ihnen wurden bedeutende Führer der entstehenden Täuferbewegung.

Nachdem sich Zwingli zuerst der Kindertaufe widersetzt hatte, entschied er sich schließlich für die Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung. Die Ungeduld und Unzufriedenheit mit den Führern der Reformation trat daraufhin zuerst im Züricher Kreis zu Tage. Nachdem der Züricher Rat im Januar 1525 jede weitere Thematisierung der Wiedertaufproblematik untersagt und führende Kindertaufgegner ausgewiesen hatte, erfolgte der Bruch mit der Züricher Reformation durch die erste Wiedertaufe am 25. Januar 1525 in Zollikon. „Aus den Radikalen wurden Täufer.“[4] Ihr Ziel war die Wiederherstellung des apostolischen Christentums, des freikirchlichen Urchristentums. Zahlreiche Glaubenstaufen folgten. Die Obrigkeit reagierte sofort. „Die meisten der neu Getauften wurden festgenommen.“[5] Am 26. März erließ der Züricher Rat das erste Mandat, dass die Todesstrafe auf Wiedertaufe verfügte.

Die Führer aber konnten schon vorher entfliehen und zogen nun evangelisierend durch die deutschsprachige Schweiz. In Waldshut gewannen sie den angesehenen Reformator Balthasar Hubmaier. Dieser trug ein Jahr später „das täuferische Evangelium nach Süddeutschland“[6].

3.2 Süddeutschland / Straßburg – „Spiritualisten“

In Augsburg taufte Hubmaier Hans Denck, der seinerseits wenig später Hans Hut taufte. Denk erregte mit seinen Predigten in Straßburg, Landau und Worms aufsehen, bis er 1528 widerrufen musste. Unter seiner Führung wurde Augsburg zum Mittelpunkt des Täufertums in Süddeutschland. „Die Unterschiede in der Auffassung der frühen Führer und Gruppen kamen alle in dieser Zeit zum Vorschein.“[7]

Hut evangelisierte außerordentlich erfolgreich in Franken, Oberösterreich und

Mähren bis zu seinem Tod 1527. Als das von ihm prophezeite Endgericht Gottes Pfingsten 1528 ausblieb, löste sich die Bewegung seiner Färbung größtenteils auf. Im Verborgenen war die Täuferbewegung nun 1528 in ganz Oberdeutschland bis nach Hessen verbreitet.

Im Frühjahr 1527 schlossen sich die Täufer auf der Grundlage der „Schleitheimer Artikel“ zusammen, um Irrlehren und Entartungen falscher Brüder abzugrenzen – die Schleitheimer Bruderschaft entstand.

Wegen seiner liberalen Einstellung wurde schließlich Straßburg zum Treffpunkt der Führer. In der Anfangszeit fanden sich hier auch die Vertreter des inneren Wortes, die „Spiritualisten“ ein. Der Spiritualismus – eine Form des radikalen Protestantismus – hatte mit den Täufern die Auffassung von Urkirche, Fall und Restitution gemein. „Aber die Restitution war in seinen Augen nicht die neue Sammlung einer christlichen Gemeinschaft in neutestamentarischer Zucht und Einheit, wenigstens so lange nicht, bis Gott einen Propheten besonders beauftragt habe. Da sie auf das neue Zeitalter des Geistes warteten, verurteilten sie vielmehr alles Sektentum und allen Zwang.“[8] Zu den bedeutenderen Spiritualisten gehören Denck, Hetzer, Bünderlin, Franck, Schwenkenfeld und Ascherham.

Da die „Spiritualisten“ alle kirchlichen Institutionen ablehnten und gleichgültig gegen „Formen“ waren, brachten sie kein zusammenhängendes Gemeindeleben hervor. Sie äußerten sich auch weder zu Gemeindelehre noch Gemeindeleben. Damit standen die „Spiritualisten“ im Widerspruch zur übrigen Täuferbewegung.

Doch im Gegensatz zu alter Kirche und Protestanten wurde die Täuferbewegung endgültig und ohne Verfolgung mit derselben Bedrohung für ein geschlossenes Gemeindeleben fertig. Der Sieg des Täufertums über, die ihm immanenten revolutionären und spiritualistischen Elemente ist vor allem dem theologischen Laien und Ingenieur Pilgram Marbeck zuzuschreiben.1528 wiedergetauft, wanderte er von 1532 bis 1544 im oberdeutschen Raum und hielt die Gemeinden unermüdlich zur Einigkeit an. Von Augsburg aus disputierte ab 1544 bis zu seinem Tod 1556 mit den Reformatoren, vor allem aber mit dem Spiritualisten Schwenkenfeld. Gegen ihn schrieb er Streitschriften und sehr umfangreiche Bücher.[9]

[...]


[1] Littell, Franklin H : Das Selbstverständnis der Täufer, Oncken, Kassel 1966, S. 14.

[2] Littell, Franklin H : Das Selbstverständnis der Täufer, Oncken, Kassel 1966, S. 28.

[3] Littell, S. 29.

[4] Goertz, Hans-Jürgen: Die Täufer; Geschichte und Deutung, Evang. Verl.-Anst., Berlin 1987, S. 18.

[5] Fast, Heinhold (Hrsg.): Der linke Flügel der Reformation; Glaubenszeugnisse der Täufer, Spiritualisten, Schwärmer und Antitrinitarier, Schünemann, Bremen 1962, S. 16.

[6] Fast, H.,l.c.

[7] Littell, Franklin H : Das Selbstverständnis der Täufer, Oncken, Kassel 1966, S.29.

[8] Littell, S. 44.

[9] Vgl. Littel, S. 49-50.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Täufertum im Europa des konfessionellen Zeitalters
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Übung: Konfessionalisierung im Europa des 16. und 17. Jh.
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V19573
ISBN (eBook)
9783638236614
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
bewertet durch den Dozenten: Jens Brunning
Schlagworte
Täufertum, Europa, Zeitalters, Konfessionalisierung, Europa
Arbeit zitieren
Torsten Wieland (Autor), 2003, Das Täufertum im Europa des konfessionellen Zeitalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19573

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