„In meinem Zimmer sind Tapeten, die mich schon sechs Tage in Erstaunen versetzen[...].“, schreibt schon Goethe am 29. Juli 1816 in einem Brief an Heinrich Meyer.1
Auch heute noch, nahezu 200 Jahre später, ist man nach einem Besuch im „Tapetenwechsel“, dem Showroom des deutschen Tapeteninstituts in Hamburg, fasziniert welche innovative Gestaltung die jahrhundertealte, traditionelle Wandbekleidung Tapete für Raumkonzepte und Design bietet.
Ihre, bis ins Mittelalter zurück reichende Geschichte, ist allerdings geprägt von Umbrüchen und Krisen, aber auch von technischen Revolutionen, wie der ersten Papiergewinnung und industriellen Druckverfahren. Nicht nur ihre hochwertige Gestaltung macht sie bis heute und seit jeher zum Wertpapier, auch die Forschung schätzt die wenigen kostbaren Reste, die aufgrund des anfälligen Materials, achtlosen Abreißens und eines erst spät einsetzenden wissenschaftlichen Interesses erhalten geblieben sind.
Tapeten wurden, vergleichend mit anderer angewandter Kunst, wie etwa Möbeln, geringfügig geschätzt und von Künstlern, Architekten und Designern geradezu in moralische Zweifel gezogen.2 Was darf die Tapete? Was kann sie? Und vor allem; Was ist sie ?
Verkörpert sie schlechten oder edlen Geschmack, dient sie nur als Hintergrund für die Innenraumgestaltung oder steht sie im Mittelpunkt des Interieurs? Gilt sie nicht als längst überholt oder bildet sie doch einen hinreichenden Gegenentwurf zum verbreiteten Minimalismus? Ist sie gar Kunst oder doch nur beliebige Dekoration?
Diesen Fragen geht nicht nur die Forschung um die Tapete nach, sondern auch ich möchte mit der vorliegenden Hausarbeit einen Überblick über ihre ambivalente Historie schaffen. Gleichzeitig erscheint es mir relevant, einen kurzen Ausblick auf die aktuellen Entwicklungen im Tapetendesign zu zeigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Entstehung und Entwicklung der Wandgestaltung
2. Historische Entwicklung der Tapete
2.1 Renaissance/Barock
2.1.1 Goldledertapeten
2.1.2 Flock-und Streutapeten
2.2 Rokoko
2.2.1 Leinwandtapeten, Wachstuchtapeten und Peckings
2.2.2 Bogen-, Bunt- und Dominopapiere
2.2.3 Erste Tapetenrollen
2.Klassisizmus/Empire
2.4 Biedermeier
2.4.1 Blumen- und Iristapeten, Panoramatapeten
2.5 Historismus
2.6 Jugendstil/Art Nouveau
2.7 Art Déco
2.8 Neue Sachlichkeit/Bauhaus
2.9 50er Jahre
2.10 60/70er Jahre
2.11 80/90er Jahre bis heute
3. Zukunftsweisenden Entwicklung von Tapeten
3.1 Tapeten-Wettbewerb „New Walls, Please“
3.2 Tapetenwechsel 2009 Zwischen Tradition und Innovation im Innenraum
Fazit und Ausblick
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Seit wann gibt es Tapeten als Wandgestaltung?
Die Geschichte der Tapete reicht bis ins Mittelalter zurück. Ursprünglich aus Leder oder Stoff, entwickelte sie sich durch technische Revolutionen wie die Papiergewinnung zur heutigen Form.
Was sind Goldledertapeten?
Goldledertapeten waren besonders in der Renaissance und im Barock verbreitet. Sie bestanden aus gegerbtem Leder, das mit Silberfolie und Lacken so bearbeitet wurde, dass es wie Gold glänzte.
Welchen Einfluss hatte das Bauhaus auf das Tapetendesign?
Im Sinne der "Neuen Sachlichkeit" setzte das Bauhaus auf schlichte, funktionale Designs und Texturen statt auf überladene Muster, was die Tapete als modernes Gestaltungsmittel etablierte.
Wann entstanden die ersten Tapetenrollen?
Die industrielle Fertigung von Tapetenrollen begann im 18. Jahrhundert (Rokoko/Klassizismus) und ersetzte nach und nach die bis dahin üblichen einzelnen Papierbögen.
Sind Tapeten heute noch modern?
Ja, die Arbeit zeigt aktuelle Entwicklungen auf, bei denen Tapeten als innovative Designobjekte fungieren und einen Gegenentwurf zum extremen Minimalismus bilden.
- Arbeit zitieren
- Sarah Kästner (Autor:in), 2010, Tapeten. Von der dekorativen Wandgestaltung zum Designobjekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195740