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Anwendung weltlicher Strafpraxis und himmlische Erlösung – Das Martyrium der heiligen Agatha

Titel: Anwendung weltlicher Strafpraxis und himmlische Erlösung – Das Martyrium der heiligen Agatha

Hausarbeit , 2009 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thérèse Remus (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ausgehend von der Faszination, welche die vom Dominikaner Jacobus de Voragine in seiner Sammlung "Legenda Aurea" gesammelten Heiligen-Legenden auf auf die Leserschaft vom Mittelalter bis zur Gegenwart ausübt, wird in der Arbeit die Legende der Heiligen Agatha besonders in den Blick genommen. Es wird untersucht, woher die schaurig-spannende Wirkung rüht, welche die Märtyrer-Legenden ausstrahlen. Besondere Berücksichtigung erfährt die Symbolik der Martern (zB. das Abschneiden der Brüste) als Ausdruck der weltlichen Strafe, welche mit Rekurrenz auf Foucault und seiner Betrachtung des mittelalterlichen Strafsystems zur Analyse des Aufbaus dieser Heiligen-Legende verhandelt wird. Abschließend werden Bezüge zur gegenwärtigen Strafpraxis hergestellt und die Relevanz der Textgattung "Heiligenlegende" als kulturelles Vermächtnis diskutiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Relevanz der Thematik

2. Die Legende der heiligen Agatha

3. Mittelalterliche Körperkonzepte

3.1. Die Beschreibung des Körpers von „außen“: Die Marter als weltliche Strafpraxis

3.2. Das Versagen des weltlichen Aufschreibsystems

3.3. Die Negierung des irdischen Leibes: Agathas Sehnsucht nach dem Martyrium

3.4. Die Wundertätigkeit der heiligen Reste

4. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Martyrium der heiligen Agatha im Kontext mittelalterlicher Körperkonzepte und analysiert, wie die Folter als weltliches Strafritual dazu dient, Macht zu demonstrieren, während sie gleichzeitig die Heiligkeit der Figur durch ihre göttliche Unversehrtheit konstituiert.

  • Analyse der mittelalterlichen Marter als juristisches und politisches Strafritual.
  • Untersuchung des Körpers als Schrifttafel für Machtdemonstrationen des Souveräns.
  • Erforschung der Heiligenlegende als System zur Negierung irdischer Macht durch göttliche Transzendenz.
  • Kontrastierung von mittelalterlichen Körperkonzepten mit modernen Sichtweisen auf Gewalt und körperliche Integrität.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Beschreibung des Körpers von „außen“: Die Marter als weltliche Strafpraxis

Liest man über das Leben der heiligen Jungfrau Agatha, so wird wohl in den meisten Fällen in Erinnerung bleiben, dass man dem Mädchen in sehr jungem Alter die Brüste abgeschnitten hat. Neben dieser grausamen Maßnahme verblasst die Frömmigkeit ihres Lebens und die Wundertätigkeit, welche die Heilige nach ihrem Tod zu leisten vermag.

So meine ich, dass der heutige Leser die Heiligkeit, die Agatha umgibt, zuerst durch die Erinnerung an ihr furchtbares Martyrium konstituiert und erst danach ihr frommes Leben in das Blickfeld der Betrachtungen gerät. Um das Martyrium und die qualvollen Stunden ihrer Folter herum entsteht also die Aura des Heiligen. Vor allem aus heutiger Sicht versteht man kaum, warum ein junges Mädchen einer solchen Gräueltat ausgesetzt wird, und man fragt sich nach dem Sinn und Zweck dieser Misshandlungen.

Wie Michel Foucault ausführt, hat die Folter einen genau bestimmten Platz im komplexen Mechanismus des mittelalterlichen Bestrafungssystems. Als geregelte Praxis, die genau definierte Verfahren anwendet, wird sie nicht willkürlich und zufällig angewendet, sondern Art und Dauer der Marter werden nach genauen Regeln kalkuliert. So ergibt sich ein regelrechter „juristischer Code des Leidens“, wie Foucault es nennt, denn in der Wahl der Marter wird die Art der Körperbeschädigung, die Qualität und Intensität der Schmerzen mit der Schwere des Verbrechens, der Persönlichkeit des Verbrechers und dem Rang der Opfer in Beziehung gesetzt. Der Verbrecher muss mehrere Stufen der Folter durchlaufen und sein Körper hat sich auf jeder der Stufen der erneuten Befragung durch die Marter zu unterziehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Relevanz der Thematik: Dieses Kapitel führt in die historische Bedeutung der Legenda Aurea und des Passionals ein und stellt das Martyrium der heiligen Agatha als zentralen Untersuchungsgegenstand zur Analyse von Körperkonzepten und Folterpraktiken vor.

2. Die Legende der heiligen Agatha: Hier wird der narratologische Rahmen des Lebens der heiligen Agatha in Catania dargelegt, wobei ihr Widerstand gegen Quintianus und ihre Standhaftigkeit im christlichen Glauben im Mittelpunkt stehen.

3. Mittelalterliche Körperkonzepte: Dieses Hauptkapitel untersucht die symbolische und funktionale Bedeutung des gemarterten Körpers, die Machtstrukturen der Bestrafung und die göttliche Heilung als Negierung weltlicher Gewalt.

4. Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Ambivalenz der Faszination für grausame Folterdarstellungen und zieht Parallelen zwischen mittelalterlicher Strafpraxis und aktuellen gesellschaftlichen Diskursen über Gewalt.

Schlüsselwörter

Heiligenlegende, Agatha, Martyrium, Mittelalter, Körperkonzepte, Folter, Strafritual, Michel Foucault, Transzendenz, Macht, Christentum, Körperlichkeit, Marter, Unversehrtheit, Passional.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Martyrium der heiligen Agatha in mittelalterlichen Legenden, um zu verstehen, wie Körperlichkeit, Folter und religiöse Heiligkeit in dieser Epoche konzeptualisiert wurden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die mittelalterliche Strafpraxis, die Darstellung des Körpers als Schrifttafel für Macht und die göttliche Überwindung weltlicher Gewalt in der hagiographischen Literatur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Bedeutung die Marter für das mittelalterliche Körperkonzept hat und warum das "Versagen" weltlicher Gewalt bei der Zerstörung des heiligen Körpers die Aura der Heiligkeit konstituiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung kulturwissenschaftlicher Theorien, insbesondere der Bestrafungstheorie nach Michel Foucault, angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Marter als Strafritual, die Analyse des Versagens weltlicher Herrschaft über den heiligen Körper sowie die Erörterung der Wundertätigkeit und der Negierung des irdischen Leibes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Heiligenlegende, Martyrium, Körperkonzepte, Folter, Machtdemonstration und Transzendenz.

Warum spielt die Figur des Statthalters Quintianus eine so wichtige Rolle?

Quintianus fungiert als Repräsentant weltlicher Macht, dessen Bemühen, seinen Willen durch körperliche Gewalt an Agatha durchzusetzen, exemplarisch das Spannungsfeld zwischen weltlicher Souveränität und göttlicher Unbeugsamkeit illustriert.

Wie deutet die Autorin das Abschneiden der Brüste Agathas?

Dies wird nicht nur als grausame Bestrafung und Entblößung der Weiblichkeit interpretiert, sondern auch als gescheiterter Versuch, Agatha ihre menschliche Integrität zu rauben, da sie dem leiblichen, verletzlichen Körper einen unzerstörbaren, gottgeweihten Körper gegenüberstellt.

Inwiefern ist das Fazit der Arbeit heute noch relevant?

Die Autorin weist darauf hin, dass das Prinzip, den Körper als Instrument der Machtdemonstration und Wahrheitsfindung zu nutzen, in aktuellen politischen und juristischen Diskursen (z.B. Folter oder Todesstrafe) keineswegs an Brisanz verloren hat.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Anwendung weltlicher Strafpraxis und himmlische Erlösung – Das Martyrium der heiligen Agatha
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germansistik)
Veranstaltung
Proseminar: Aussatz, Wunden, Minneleid – Krankheitsdiskurse in der mittelalterlichen Literatur
Note
1,0
Autor
Thérèse Remus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V195779
ISBN (eBook)
9783656214861
ISBN (Buch)
9783656216858
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heiligenlegende Legende Martyrium Märtyrer Heilige Agatha/Agathe mittelalterliches Körperkonzepe mittelalterliche Strafsysteme Symbolik der Martern Körperschrift
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thérèse Remus (Autor:in), 2009, Anwendung weltlicher Strafpraxis und himmlische Erlösung – Das Martyrium der heiligen Agatha, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195779
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Leseprobe aus  22  Seiten
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