Die ambivalente Faszination von Riefenstahls "Olympia"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Erläuterung der Fragestellung

2. Leni Riefenstahl: Ihre Karriere bis 1936

3. Coubertins neuzeitlicher Olympismus

4. Sport im Nationalsozialismus

5. Die Relevanz der Spiele von 1936 für das NS-Regime

6. Versuche einer Deutung von Riefenstahls „Olympia“-Film im Kontext ihrer Erntstehungszeit
6.1. „Wiederbelebte Antike“: Der Prolog
6.2. Kraft des Willens: Der Marathonlauf
6.3. Ballett der fliegenden Menschen: Das Kunstspringen

7. Abschließende Betrachtungen

8. Bibliographie/Filmographie

1. Erläuterung der Fragestellung

Beginne ich meine Ausführungen mit der Feststellung, dass man Leni Riefenstahls „Olympia“-Film mit ‘ambivalenter Faszination’ begegnet, so reflektiert diese Formulierung die ersten Eindrücke von den Reaktion auf dieses filmische Werk, welche von kategorischer Ablehnung, über eine Billigung des künstlerischen Wertes bis zur eindeutigen Wertschätzung dieses Films reichen. Der Umstand, dass Riefenstahls „Olympia“-Film nicht ohne Vorbehalt beurteilt werden kann, ist den zwei Aspekten geschuldet, dass Riefenstahl zweifelsfrei als einzigartige Regisseurin gilt, die Bahnbrechendes in ihren Filmen realisiert hat, sie aber andererseits von den Kreisen höchster NS-Prominenz protegiert wurde und dem nationalsozialistischen Regime ein filmisches Denkmal gesetzt hat. Im Folgenden soll vor dem Hintergrund des Titels dieser Arbeit das Programm des Filmes dargelegt werden. Verbunden damit wird betrachtet, inwieweit dieses mit der nationalsozialistischen Ideologie kompatibel erscheint, die stark vom modernen Gedanken des Olympismus und einer absoluten Überzeugung der Überlegenheit der „arischen“ Rasse geprägt ist.

Zunächst wird der Karriere der Regisseurin Leni Riefenstahl überblicksartig Beachtung geschenkt, um die Person in den Gesamtkontext ihrer Zeit einzuordnen. Anschließend wird der von Baron Pierre de Coubertin eingeführte Gedanke der neuzeitlichen, modernen Olympischen Spiele betrachtet, um darauf rekurrieren zu können, wenn im Anschluss die Rolle des Sports im Nationalsozialismus in die Betrachtungen eingeschlossen werden soll. Unter diesem Gesichtspunkt ist ebenfalls die Relevanz der Spiele von 1936 für Deutschland und das NS-Regime zu beachten. In Anknüpfung an diese Betrachtungen werden Versuche angestellt, Riefenstahls „Olympia“-Film anhand ausgewählter Beispielsequenzen zu deuten, um sich abschließend einer Antwort auf die Frage zu nähern, inwiefern das Programm des Films den verschiedenen Seiten seiner Interpretation Rechnung trägt und warum er auch heute noch Zuschauer in seinen Bann zieht.

2. Leni Riefenstahl: Ihre Karriere bis 1936

Helene Bertha Amalie Riefenstahl wird am 22. August 1902 in Berlin geboren. (Vgl. Wildmann 1998, S.27). Sie studiert Tanz bei Mary Wigman und startet eine erfolgreiche Karriere als Solotänzerin, die jedoch nur kurz andauert, weil 1924 eine Knieverletzung das Tanzen als Leistungssport verhindert. Nach ihrer Knieverletzung bietet sich die Arbeit im Film als Alternative an. Riefenstahl gelingt es, in Arnold Fancks Produktion „Der Heilige Berg“ die Rolle einer Tänzerin zu spielen. Bis 1933 spielt sie in fünf weiteren Bergfilmen dieses Regisseurs die weibliche Hauptrolle, bringt als selbstbewusste und starke Frau ein neues darstellerisches Element in die Handlung der Bergfilme und wird ein bekannter Star, obwohl ihr darstellerisches Talent mehrfach in Zweifel gezogen wird (Vgl. Rother 200, S. 35). Bemerkenswert und für den Kontext ihres gesamten Schaffens von Bedeutung ist ihr enormer Ehrgeiz, ihr schier unbegrenztes Vertrauen in die eigene Begabung sowie der ungeheure Kraftaufwand, den es bedeutet haben muss, nach einer Knieverletzung in extremen Berglandschaften klettern und halsbrecherisch Ski fahren zu lernen. Diese Beharrlichkeit und das zähe Durchhaltevermögen, sowie Riefenstahls Liebe zum Tanz und zum Sport allgemein prägen ihr Schaffen entscheidend zu Beginn ihrer Tanz- und Schauspielkarriere und beeinflussen auch ihre Arbeit als Regisseurin (Vgl. Rother 2000, S. 18). Währen der Dreharbeiten zu Fancks Filmen eignet sich Leni Riefenstahl filmtechnisches Wissen an, dreht teilweise selbst für Fanck kleine Szenen seiner Filme und realisiert 1932 mit „Das blaue Licht“ ihren ersten eigenen Spielfilm als Regisseurin. Der Film ist im In- und Ausland sehr erfolgreich und Riefenstahls Position im deutschen Filmgeschäft festigt sich (Vgl. Wildmann 1998, S. 29). In den folgenden Jahren stellt sie im Auftrag der NSDAP drei Parteitagsfilme her: „Sieg des Glaubens“ (1933), Triumph des Willens“ (1934/35) und „Tag der Freiheit: Unsere Wehrmacht“ (1935). Diese Filme „[...] etablieren Leni Riefenstahl im Kreise der Machthaber des «Dritten Reichs»“ (Ebd.).

Hinsichtlich der Produktionsumstände des „Olympia“-Films widersprechen sich Aussagen der Forschung und die Aussagen von Riefenstahl selbst. Die Regisseurin schreibt in ihren Memoiren, Carl Diem, Generalsekretär des Organisationskomitees zur Ausrichtung der Olympiade in Deutschland, habe sie gebeten, die Wettkämpfe in filmischen Bildern zu dokumentieren und somit der „olympischen Idee“ ein Denkmal zu schaffen (Vgl. Riefenstahl 1987, S. 236). Die Forschung benennt Hitler als Auftraggeber eines geplanten Olympia-Films und das «Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda» als Geldgeber für die Produktion (Vgl. Wildmann 1998, S. 29). Offiziell wird die Beteiligung des Propagandaministeriums verschwiegen und eine „Olympia-Film Gesellschaft“ gegründet, „[...] weil das Reich 2 nicht offen als Hersteller des Films in Erscheinung treten will“. 1 Es erscheint offensichtlich, dass das Regime die Relevanz der Olympiade nicht unterschätzte und die Frau mit der Produktion des Films betraute, die bereits drei erfolgreiche Filme gedreht hatte, mit denen sie das System in Szene zu setzen vermochte. Trotzdem bestreitet Riefenstahl entschieden eine Beteiligung des „Reichs“. In vielerlei Hinsicht muss der „Olympia“-Film für Leni Riefenstahl eine einmalige Gelegenheit bedeutet haben, denn, wie Lutz Kinkel schreibt, „Riefenstahl war eine exzellente Sportlerin und eine exzellente Propagandafilmerin. Das Vorhaben, die Athleten auch im Kino kämpfen zu sehen, war für sie wie geschaffen“ (Kinkel 2002, S. 110). Tatsächlich wurde der Film einer der größten Höhepunkte ihres Filmschaffens und gilt bis heute als Klassiker der Filmkunst. Auch ist sicher, dass Riefenstahl enormes Engagement entwickelt hat, um diesen Film zu produzieren. Und doch distanziert sie sich von ihrem Werk, indem sie beispielsweise äußert: „‹Olympia› wird mein letzter Dokumentarfilm sein - es war für mich mehr eine Pflichtaufgabe, die ich nur mit halbem Herzen übernommen habe“ (Riefenstahl 1987, S. 301). Es kann nach einiger Beschäftigung mit der Problematik eindeutig bezweifelt werden, dass dies Leni Riefenstahls tatsächliche Einstellung zum Olympia-Film gewesen ist.

Anhand eben dargestellter Gegensätze lässt sich bereits die Ambivalenz erahnen, die sich im Zusammenhang mit einer Besprechung des Films, seines Entstehungskontexts und seiner Wirkungsabsichten zwangsläufig ergeben muss.

3. Coubertins neuzeitlicher Olympismus

Begründer der modernen olympischen Bewegung war Baron Pierre de Coubertin. Sein Werk war die Antwort auf den von ihm so empfundenen „bedenklichen Zustand von Gesellschaft und Nation“ (Alkemeyer 1996, S. 67). Seine Ansichten entsprachen einer Grunderfahrung des Fin de si è cle, nach der drängende gesellschaftliche und politische Probleme die europäischen Industrienationen in eine Krise stürzten und „[...] der Liberalismus bereits viel an Einfluß und Ansehen verloren hatte, [...]“ (Ebd., S. 67). Auf der Basis eines Modells der kulturellen Krisen erklärte er diesen Zustand als biologische „Degeneration“(Ebd. S. 67). Wurden Coubertins Klagen über den Zustand der Industriegesellschaften auch von jeder anderen Art der Zivilisationskritik geteilt, so war doch sein Ansatz neu, der Krise mit sportlicher Pädagogik zu begegnen (Ebd., S. 70). Coubertin erkannte in der Körperpädagogik ein Mittel zur „Therapie“ der vermeintlich degenerierten Gesellschaft und hielt sie gleichzeitig dafür geeignet, moralische und nationale Stärke zu schöpfen (Vgl. ebd., S. 71).

Durch eine solche sportliche Pädagogik sollten die jungen Männer seiner Nation in Charakter und Willen gestärkt und für den modernen Lebenskampf gerüstet werden, denn durch eine Optimierung der Kräfte des Einzelnen versprach sich Coubertin ebenfalls einen Beitrag zur Gesundung von Gesellschaft und Nation (Vgl. ebd., S. 73).

Das Projekt der Olympischen Spiele bildete einen integralen Teil des pädagogisch-politischen Reformprogramms Coubertins. [...] Die Hoffnung auf eine »Heilung« der Gesellschaft durch Sport verbindet sich mit der Erwartung, durch ein kultisches Fest zu deren Konsolidierung beitragen zu können (Ebd., S. 75).

Dieser Erwartung gemäß konstatiert er, dem Wesen nach eine Religion zu sein, sei erstes und wesentlichstes Merkmal des alten und des modernen Olympismus. Entsprechend dieser Absicht war für ihn eine „religio athletae“ ein der Neuzeit adäquater Ersatz für den griechischen Götterglaube und der Sportler wurde zum „Priester“ einer Religion der Muskelkraft stilisiert, der im Sport seinen Dienst für „Vaterland, Rasse und Fahne“ leistet (Vgl. Alkemeyer 1988, S. 46). Einen Rahmen für diesen „Dienst“ stellt das Olympische Fest dar, welches nun die Sinnlichkeitsdefizite moderner Politik beheben sollte. „Im bewußten Gegensatz zur intellektgeleiteten Wort- und Schriftkultur entwarf Coubertin das olympische Zeremoniell deshalb als wagnerisierendes »Gesamtkunstwerk«“ (Vgl. Alkemeyer 1996, S. 77). Der Sportler im Zentrum dieses olympischen Gesamtkunstwerks sollte als wiedergeborener Vollmensch der Antike erscheinen.

Das von Coubertin begründete Olympische Zeremoniell, das eine „[...] synästhetisch wirksame Umsetzung einer religiösen Deutung des Sportes [...]“ war, die gegen die Verfallserscheinungen und Sinndefizite der modernen Welt gereichte war (Vgl. ebd., S. 46) entsprach in seinen Grundzügen der nationalsozialistischen Ideologie und Propagierung eines Körperideals, das den schöne, starken und gesunden Körper verherrlicht und dem untüchtigen, unvitalen und ‘blutarmen’ Intellektuellen und Künstler gegenüberstellt (Vgl. ebd., S. 47).

So hatte Hitler bereits in Mein Kampf geschrieben, „[...]daß ein zwar wissenschaftlich wenig gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch [...] für die Volksgemeinschaft wertvoller ist, als ein geistreicher Schwächling.“ (Zit. nach Reichel 1992, S. 257). Da Coubertin seine Olympia-Konzeption bewusst offen gelassen hat, erfuhr dieses Modell der Olympischen Spiele, welches die Grundlage für alle neuzeitlichen Spiele bildet, weltweit Zustimmung und ermöglichte es der jeweiligen gastgebenden Nation, den Spielen ihren eigenen „Charakterstempel“ aufzudrücken. Durch die Offenheit des Konzepts entsteht die fatale Bereitwilligkeit, mit der sich der olympische Sport inszenieren lässt und weswegen er letztlich der Ästhetik des veranstaltenden Staates ausgeliefert ist (Vgl. Gebauer/Wulf 1996, S. 250). Den Nationalsozialisten kam die Konzeption der Olympischen Spiele als Fest sehr entgegen, sich als Gastgebernation zu inszenieren und ein Massenspektakel zu organisieren, in das ein jeder eingebunden werden sollte.

4. Sport im Nationalsozialismus

Der Sport gilt als eine Kulturbewegung, die sich seit den 20er Jahren zur neuen „Weltreligion des 20. Jahrhunderts“ entwickelt hat, die einen enorm verändernden Einfluss auf die Gesellschaft hatte (Vgl. Reichel 1992, S. 255). Sport war nicht länger ein kostspieliger Zeitvertreib der privilegierten Schichten, sondern mobilisierte die Massen. Die Menschen wurden in immer größerer Zahl zu aktiven Freizeitsportlern (Vgl. ebd., S. 255). Sollte der bereits in der Weimarer Republik etablierte Arbeitersport „[...] vor allem das Selbstwertgefühl der Arbeiter heben und ihren jeweiligen ideologisch-kulturellen Zusammenhalt festigen“ (Ebd., S. 255), so hatten die bürgerlichen Parteien und ihre Sportfunktionäre, die auch im Nationalsozialismus die Pädagogik der Leibeserziehung maßgeblich beeinflussten, „[...] eher die Regenerierung der Arbeitskraft [...] als Ersatz für den weggefallenen Wehrdienst“ im Sinn (Vgl. ebd., S. 255). Die rassistisch und national radikale Rechte wollte den Sport als Instrument zur „völkischen Gesundung“ und zur Erneuerung der „Wehrkraft“ verstanden wissen. Dementsprechend erhielt der Sport ihrer Ansicht nach den Charakter einer vormilitärischen Ausbildung der Nation (Vgl. ebd., S. 255). Die NS- Führung verkannte die politische Bedeutung der großen Popularität des Sportes, den „Sportenthusiasmus der Massen“ nicht und die Frage der Leibeserziehung wurde zur „Lebensfrage des deutschen Volkes“ schlechthin erklärt (Vgl. Reichel 1992, S. 256 f.). Im Sport fand ein neues Lebens- und Zeitgefühl seinen Ausdruck, mit dem v.a. bei der jüngeren Generation Gesundheit und Vitalität an Bedeutung gewannen (Vgl. ebd., S. 255 f.). Mit seiner wachsenden Popularität wurde der Sport allerdings zum Opfer von Kommerzialisierung und Politisierung durch die Massenmedien, die Industrie, die verschiedenen Parteien und Interessenverbände. Mag für das Individuum der Sport eine Abwechslung zum monotonen Arbeitsalltag, ein Beitrag zu allgemeiner Gesundheit und generellem Wohlbefinden und ein Anlass zur Geselligkeit darstellen, so wurden diese Motive zur Lust am Sport von den politisch Machthabenden erkannt und mit dem Bestreben, des Volkes Wehr- und Kampfkraft zu erhöhen, missbraucht (Vgl. ebd., S. 255 f.). Für die Nazis bestand der Wert des Sports v.a. in der Erziehung zur Härte und Selbstdisziplin (Vgl. Alkemeyer 1996, S. 67). Sie erkannten, dass sich Sport gut als Feld freiwilliger Normalisierung eignet, weil im Sport sowohl Lust, als auch körperliche Bewegung und disziplinierende Regelhaftigkeit beinhaltet und somit das Aufleben von Leidenschaften in gezügelter Form zulässt (Vgl. ebd., S. 67). Dementsprechend beziehen sich auch Gebauer/Wulf auf den Sport als „phantastisches System der freiwilligen Unterordnung“ (Gebauer/Wulf 1996, S. 251).

In diesem Kontext sind nun anschließend die Olympischen Spiele von 1936 zu betrachten und die entsprechende Relevanz dieses sportlichen Großereignisses für das NS-Regime nachzuvollziehen.

5. Die Relevanz der Spiele von 1936 für das NS-Regime

Aus ideologischen Gründen war die NSDAP zunächst strikt gegen eine deutsche Ausrichtung der Spiele. Die Chancengleichheit in einem Wettkampf verschiedenster Nationen widersprach den Überzeugungen der Nationalsozialisten von der eindeutigen Überlegenheit der „arischen“ Rasse. Als das IOC 1931 beschloss, die Olympischen Spiele 1936 in Berlin ausrichten zu lassen, war die Machtübernahme der Nationalsozialisten noch nicht abzusehen (Vgl. Kinkel 2002, S. 107). Doch Hitler war sich der enormen Möglichkeiten, die eine Ausrichtung für Deutschland bedeutete, bewusst und auf seinen persönlichen Geheiß wurden die Haushaltsmittel von fünf auf über 100 Millionen Reichsmark aufgestockt und innerhalb von drei Jahren das Olympia-Stadion und die gesamten Olympia-Anlagen errichtet. Vordergründig dienten die Spiele dem Regime zur Demonstration von Deutschland als einer weltoffenen, toleranten und friedfertigen Gastgebernation. Gleichzeitig war die Olympiade 1936 ein Spektakel und Medienereignis, dass sich die Machthaber vor ihrem Volk in Szene setzen ließ.

Im modernen Olympia ist die Verbesserungsfähigkeit des menschlichen Körpers, die Möglichkeit einer fortwährenden Neuschöpfung des Menschen ein zentrales Dogma (Vgl. Gebauer 1996, S. 14). Das Prinzip der Optimierung des Körpers setzt eine Beherrschung desselben voraus, welche von den Nazis als politische Herrschaft und Vernichtung aufgefasst wurde (Vgl. ebd., S. 16).

Die Olympischen Spiele werden mit der Absicht veranstaltet, eine zeitgemäße Utopie eines Menschen zu inszenieren, dessen Kräfte ohne definierte Grenzen steigerbar, dessen natürliche schwäche überwindbar und dessen Alterung aufhaltbar ist (Vgl. ebd., S. 20 ff.). Dieser Utopie verleihen die Athleten Glaubwürdigkeit, indem sie eine Projektionsfläche dieser Überzeugungen bieten und mit ihren Höchstleistungen und ihrem zur Schau gestellten optimierten Körper diese Gedanken verkörpern.

Allerdings durfte nicht lediglich die Hochleistung eines olympischen Athleten bestaunt werden, sondern die ganze Volksgemeinschaft sollte ihren Nutzen aus diesem sportlichen Großereignis ziehen. Unter der Überschrift „Die Aufgabe für Dich“ fordert ein anlässlich der Olympiade herausgegebenes Olympia-Buch einen jeden Deutschen auf, ganz im Sinne des olympischen Geistes zu leben:

Nach nationalsozialistischer Auffassung dürfen die Olympischen Spiele [...] nicht lediglich eine Gelegenheit für hochgezüchtete „Kanonen“, mit ihrem artistischen Können vor dem staunenden Volke zu glänzen, sein. [...] Der oberste Maßstab für uns kann doch immer nur der Nutzen sein, den die Volksgemeinschaft davonträgt.“ (Krause 1935, S. 124).

Anschließend wird betont, dass derjenige seine Pflicht gegenüber dem Volk erfüllt, der auch nach harter Arbeit noch die Disziplin aufbringt, in seiner Freizeit seinen Körper zu ertüchtigen. So hilft er, „[...] das im Volke lebende Idealbild vom schönen, kräftigen und gesunden Menschen zu formen“ (Ebd., S. 124). ganz offensichtlich wird die Absicht dargelegt, die Spiele zur Einbindung der Massen in ein nationales „Programm“ der Körperertüchtigung zu nutzen. Die Athleten standen als Zeichen der Erneuerung in der olympischen Inszenierung und dienten als Ideal, dem nachgeeifert werden sollte.

[...]


1 Schreiben des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda an Amtsgericht BerlinCharlottenburg, 30.1.1936. Zit. aus. Wildmann 1998, S. 30.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die ambivalente Faszination von Riefenstahls "Olympia"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Filmanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V195788
ISBN (eBook)
9783656214588
ISBN (Buch)
9783656218074
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leni Riefenstahl, Olympia, Filmanalyse, Körperkult, Ideologie, Propaganda, Olympiade 1936, NS-Ideologie, Sport, Volkskörper, Olympismus, Sport im Nationalsozialismus, Sport-Film, NS-Ästhetik, Antike, Schönheit, Idealisierung
Arbeit zitieren
Thérèse Remus (Autor), 2009, Die ambivalente Faszination von Riefenstahls "Olympia", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195788

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