Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Die Inszenierung als Utopie

Title: Die Inszenierung als Utopie

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 32 Pages , Grade: 1

Autor:in: T. Niemsch (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Inszenierung von Holocaust und NS-Zeit bedient sich vielfältigster Methoden und Darstellungsweisen unter Aussageprämissen, die dem Unbegreifbaren in unterschiedlichster Form Rechnung zu tragen suchen. Fernab von umstrittenen Diskussionen um eine Darstellbarkeit des Holocausts, entwickelte Helmut Heißenbüttel eine eigene, den ,,erworbenen Interpretationsansatz"1 hinter sich lassende Methode literarischer Darstellung im allgemeinen und der Darstellung von historischen Begebenheiten im besonderen.
So fand Heißenbüttel mit der Form der (Gegen)utopie einen Weg Historisches literarisch zu inszenieren sowie - damit - Gegenwärtiges sichtbar zu machen. Für ihn wurde diese u.a. zur Möglichkeit, um auch das totalitäre NS-Regime und dessen nicht nur direkte Folgen darstellbar zu machen sowie für Reflexionen zu öffnen.

Die folgende Arbeit wird sich mehr mit der Erzähltheorie Heißenbüttels, die hinter diesem Ansatz steckt, beschäftigen - wobei lediglich auf die (anti)utopische Erzählweise Heißenbüttels eingegangen wird - als sein literarisches Werk im all-gemeinen zu beleuchten. Dabei soll trotzdem auf eine beispielhafte Analyse einer seiner Novellen, `Wenn Hitler den Krieg nicht gewonnen hätte (1979)′2, nicht verzichtet werden.

Um einerseits die Beinahegleichsetzung von Wissenschaft und wissenschaftlicher Vorgehensweise mit Literatur innerhalb der Heißenbüttelschen Erzähltheorie nachzuvollziehen zu machen, andererseits aber auch Parallelen Heißenbüttelscher Utopiedarstellung zu einer Form der `wissenschaftlichen Utopie′, genauer: der Kontrafaktischen Geschichtsschreibung zu verdeutlichen, widmet sich die vorliegende Arbeit einer Analyse beider Ansätze. So soll die Form der Inszenierung, wie Heißenbüttel sie mit seiner Novelle wählt, im Hinblick auf Teile seiner Erzähltheorie genauso untersucht werden wie der damit, möglicherweise vergleichbare, aber doch unbestritten verwandte Ansatz, den die Geschichtswissenschaft nutzt.

Es soll also Vergleichbares zwischen Aussagekraft der literarischen Utopie (nach Heißenbüttel) und (wissenschaftlichem) Nutzen von Uchronie verdeutlicht werden. Ein Blick auf die Plausibilität des literarischen wie des wissenschaftlichen Verfahrens in Bezug auf die Darstellbarkeit von NS-Zeit und Holocaust bildet den Abschluß der vorliegenden Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Darstellungen fernab herkömmlicher Wege

2. Definition einiger Begriffe: Konstruktion von Utopien in Literatur und Geschichtswissenschaft

2.1 Science Fiction und Literatur

2.2 Alternative Geschichte

3. Heißenbüttel: Erzähltheorie und Darstellbarkeit von Disutopien

3.1 Vergleich von Literatur und Wissenschaft und Erkenntnisgewinnung

3.2 Die Novelle ‘Wenn Hitler den Krieg nicht gewonnen hätte’

4. Strukturen kontrafaktischer Geschichtsschreibung

4.1 Exkurs: Erzählweise von Geschichte

4.2 Utopiedarstellungen in der Geschichtswissenschaft - ‘Forschung und Intention’

4.3 Darstellung von NS-Zeit und Holocaust

5. Schlußbetrachtung - Theorie und Umsetzung, Utopische Inszenierung und Transport von Informationen

5.1 Heißenbüttels Utopie und Alternativgeschichte – Parallelen und Widersprüche

5.2 Aussagekraft und Erkenntnisfunktion

6. Schilderung von (Gegen)utopien als Inszenierung von NS-Zeit und Holocaust

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzähltheorie Helmut Heißenbüttels im Kontext der literarischen Utopie und analysiert deren Anwendung auf die Darstellung der NS-Zeit und des Holocausts. Ziel ist es, das Potential dieser ästhetisch-narrativen Form der Erkenntnisgewinnung durch einen Vergleich mit der geschichtswissenschaftlichen Methodik der kontrafaktischen Geschichtsschreibung zu ergründen und die Grenzen ihrer Inszenierbarkeit aufzuzeigen.

  • Erzähltheorie und Utopiebegriff nach Helmut Heißenbüttel
  • Vergleich zwischen literarischer Utopie und wissenschaftlicher kontrafaktischer Geschichtsschreibung
  • Die Funktion der (Gegen)utopie zur Zeitkritik und Erkenntnisfunktion
  • Analyse der Novelle ‘Wenn Hitler den Krieg nicht gewonnen hätte’
  • Problematiken bei der ästhetischen Inszenierung historischer Traumata

Auszug aus dem Buch

3.1 Erkenntnisgewinnung und Vergleich von Literatur und Wissenschaft

Um sich den Vorstellungen Heißenbüttels bzgl. der Disutopie, die nach seiner Terminologie als ‘Story’ zu bezeichnen ist, anzunähern, müssen trotzdem einige Aspekte der gesamten Erzähltheorie knapp näher erläutert werden.

Wenn man mit Heißenbüttel zu verstehen lernt, dass Literatur eine „Tätigkeit im Dienste menschlicher Aufklärung“ sei, so erschließt sich einem schnell die Bedeutung, die er der Literatur zumißt: ihre Funktion beschränke sich damit nicht auf die Unterhaltung, sondern umfasse auch die der Erkenntnisgewinnung. Letztere setze allerdings das Zurückweisen umfassender Erklärungsmodelle voraus. Die Sprache, die letzter Grund der Erkenntnisgewinnung sei, würde erstarrt in sinnblinder Realität, solange dem konservativen Sprachbewußtsein nicht entgangen werde. Diese Überlegung Heißenbüttels ist wiederum bedingt dadurch, dass alle in der Sprache angesammelten Weltsichten - und das seien alle bisherigen - überholt seien. Literatur könne also nur Neues schaffen, bzw. Erkenntnis vermitteln, wenn der Leser der Literatur vorurteilsfrei entgegentreten könne.

Damit wird für Heißenbüttel das Schaffen antigrammatikalischer Literatur vorerst zwingend. Aber auch mit anderen literarischen Formen - bspw. mit der grob als Novelle einzustufenden - gelingt Heißenbüttel das Schaffen von Literatur, auf die ebenso die Prämissen seiner eigenen Erzähltheorie angewendet werden können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung - Darstellungen fernab herkömmlicher Wege: Hinführung zum Thema und Formulierung des Forschungsinteresses an Heißenbüttels Erzähltheorie.

2. Definition einiger Begriffe: Konstruktion von Utopien in Literatur und Geschichtswissenschaft: Theoretische Klärung zentraler Begriffe wie Utopie, Science Fiction und Alternativgeschichte.

3. Heißenbüttel: Erzähltheorie und Darstellbarkeit von Disutopien: Untersuchung der spezifischen Erzähltheorie Heißenbüttels und ihrer Anwendung auf literarische Formen.

4. Strukturen kontrafaktischer Geschichtsschreibung: Analyse der methodischen Grundlagen des kontrafaktischen Schreibens und deren Einordnung in die Geschichtswissenschaft.

5. Schlußbetrachtung - Theorie und Umsetzung, Utopische Inszenierung und Transport von Informationen: Zusammenführender Vergleich der literarischen Utopie mit der kontrafaktischen Geschichtsschreibung.

6. Schilderung von (Gegen)utopien als Inszenierung von NS-Zeit und Holocaust: Kritische Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der literarischen Darstellung totalitärer Regime.

Schlüsselwörter

Helmut Heißenbüttel, literarische Utopie, Gegenutopie, Disutopie, kontrafaktische Geschichtsschreibung, Erkenntnisgewinnung, Nationalsozialismus, Holocaust, Erzähltheorie, Zeitkritik, Uchronie, geschichtswissenschaftliche Methode, NS-Zeit, Literaturtheorie, literarische Inszenierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarischen Theorien von Helmut Heißenbüttel und deren Anwendung auf kontrafaktische Szenarien, insbesondere im Hinblick auf die Darstellung der NS-Zeit und des Holocausts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören die Utopieforschung, die Erzähltheorie, die kontrafaktische Geschichtsschreibung sowie die kritische Reflexion über die Darstellbarkeit historischer Traumata in fiktionalen Medien.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Es soll untersucht werden, ob und wie Heißenbüttels literarischer Ansatz der (Gegen)utopie zur Erkenntnisgewinnung beiträgt und inwieweit dieser mit wissenschaftlichen Methoden vergleichbar oder konkurrierend ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, die literaturwissenschaftliche Theorien mit geschichtswissenschaftlichen Diskursen über kontrafaktische Geschichte verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von Heißenbüttels Erzähltheorie, die Erörterung kontrafaktischer Strukturen und den Vergleich beider Ansätze hinsichtlich ihrer Aussagekraft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Heißenbüttel, literarische Utopie, Kontrafaktik, NS-Zeit, Holocaust-Darstellung und Erkenntnisfunktion charakterisiert.

Warum wählt Heißenbüttel gerade eine Utopie für die NS-Thematik?

Für Heißenbüttel bietet die utopische Form die Möglichkeit, durch eine bewusste Konstruktion und Reduktion die Realität zu reflektieren und das totalitäre Regime als gesellschaftskritischen Entwurf sichtbar zu machen.

Wo liegen die Gefahren bei dieser Art der Inszenierung?

Die größte Gefahr besteht darin, dass die ästhetische Inszenierung die tatsächlichen Grausamkeiten des Holocausts trivialisieren könnte oder die künstlerische Form die historische Ernsthaftigkeit überlagert.

Excerpt out of 32 pages  - scroll top

Details

Title
Die Inszenierung als Utopie
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medienwissenschaft)
Course
Hauptseminar Wie sieht 'Hitler' aus? Zur Inszenierung von Holocaust, Krieg und Nationalsozialismus in ästhetisch-narrativen Mediendarstellungen: Bücher, Filme, Fernsehen
Grade
1
Author
T. Niemsch (Author)
Publication Year
2001
Pages
32
Catalog Number
V1958
ISBN (eBook)
9783638112086
Language
German
Tags
Heißenbüttel Kontrafaktische Geschichte Utopie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
T. Niemsch (Author), 2001, Die Inszenierung als Utopie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1958
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  32  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint