Die symbolische Darstellungsweise als Stilmittel des poetischen Realismus

Das Symbol der Schaukel in Theodor Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest“


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 2,0

Merle Meinhardt (Autor)


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Die literaturhistorische Epoche des Realismus und die daraus entstandene Bewegung des poetischen Realismus

3 Das Symbol der Schaukel in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Epoche des Realismus ist in der deutschsprachigen Literatur von 1848 bis ca. 1890 datiert und wurde, wie keine andere literaturhistorische Epoche zuvor, insbesondere durch die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt.

Aufgrund der veränderten Lage Deutschlands in Form von Unübersichtlichkeit und Desorientierung vollzog sich besonders in den bürgerlichen Schichten ein folgenschwerer Einstellungswandel, indem man sich von den illusionären politischen Zielen der Vormärzzeit abkehrte um wieder 'realistisch' zu werden, was sich auch in den literarischen Werken dieser Zeit widerspiegelte.

Zu den bedeutendsten Schriftstellern dieser Epoche zählt u.a. Theodor Fontane, der sich besonders der Bewegung des poetischen Realismus verschrieb und in dessen Romanen sich die Eigenarten dieser Epoche nicht nur thematisch sondern auch stilistisch widerspiegeln.

Die vorliegende Hausarbeit nimmt es zum Anlass, die Epoche des Realismus aus unterschiedlichen Perspektiven genauer zu beleuchten, wobei insbesondere auf die Bewegung des poetischen Realismus, die aus der Epoche des Realismus heraus entstand, eingegangen wird.

Im Anschluss daran wird die symbolische Darstellungsweise näher thematisiert, welche für die stilistische Gestaltung der Romane des poetischen Realismus charakteristisch ist, wobei sich die Hausarbeit auf die Analyse des Symbols der Schaukel in Theodor Fontanes erfolgreichstem Roman 'Effi Briest' konzentriert und sowohl die Funktion als auch die Wirkungsweise dieses Motivs untersucht.

2 Die literaturhistorische Epoche des Realismus und die daraus entstandene Bewegung des poetischen Realismus

Das Wort Realismus setzt sich aus den beiden lateinischen Wörtern 'realis' und 'res' zusammen und bedeutet übersetzt sachliches oder wesentliches Ding (vgl. Lauer/ Ruhrberg 2011, S. 278).

Trotz dieser eindeutigen Definition ist der Begriff des Realismus jedoch äußerst vielschichtig und mehrdeutig.

Als zeitloser und pragmatischer Begriff beschreibt er grundsätzlich die „Aussage über die Einstellung des Menschen zu den Dingen und dem praktischen Leben“ (van Rinsum 1994, S. 5), in der Philosophie stellt er ein wiederkehrendes Phänomen dar und in der Kunst charakterisiert er eine Epoche im 19. Jahrhundert, welche durch eine internationale Entwicklung gekennzeichnet ist.

Seine deutlichste Ausprägung erfuhr der Realismus jedoch in der Literatur, indem er sich insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als literarischer Epochenbegriff etablierte (vgl. ebd., S. 45).

Um die Entstehung dieser literaturhistorischen Epoche sowie die Schwierigkeit ihrer zeitlichen Eingrenzung nachvollziehen zu können, wird zunächst auf die geschichtlichen sowie gesellschaftlichen Hintergründe dieser Epoche eingegangen.

In Deutschland war die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts grundsätzlich durch fundamentale politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche sowie soziale Umwälzungen geprägt, die sich nicht nur auf das Leben der Bürger auswirkten sondern auch die Schriftsteller dieser Zeit in ihrer Arbeit beeinflussten (vgl. Hamann 2001, S. 81).

Politisch betrachtet, schien die lang ersehnte Deutsche Revolution mit dem Zusammentreten der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im Jahre 1848 auf einem erfolgreichen Weg zu sein – sie scheiterte jedoch aufgrund der unterschiedlichen Ziele der verschiedenen politischen Gruppen, die eine erfolgreiche Zusammenarbeit nahezu unmöglich machten.

Zudem demonstrierte der erfolglose Kampf gegen Dänemark um den nördlichen Teil Schleswig- Holsteins die Machtlosigkeit des deutschen Nationalstaates, was das Bürgertum letztendlich zu einer allgemeinen Abkehr von der Politik veranlasste. Die Sehnsucht nach einem Nationalstaat blieb allerdings weiterhin bestehen (vgl. van Rinsum 1994, S. 13- 15).

Zudem unterlag das deutsche Wirtschaftssystem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Industrialisierung und den Eisenbahnbau grundlegenden Umwälzungen, wodurch Deutschland einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr, der wiederum Auswirkungen auf die Gesellschaft hatte, da die wirtschaftliche Entwicklung ein Großbürgertum entstehen ließ, welches sich insbesondere mit der adeligen Gesellschaft gleichzusetzen versuchte. „Die politischen Energien des Bürgertums, die 1848 verpufft waren, schienen in verwandelter Form, als Arbeits- und Organisationslust, neu zu erwachen.“ (ebd., S. 23)

Die Arbeiterschicht hingegen litt unter der Industrialisierung und der damit verbundenen Urbanisierung. „Die Arbeiter lebten in primitiven Mietskasernen oder fabrikeigenen Wohnsiedlungen in bedrückender Enge, ungeschützt vor Krankheit und Alter, und wechselten häufig Arbeitsplatz und Wohnort.“ (ebd., S. 24)

Insbesondere die damaligen politischen Entwicklungen in Form des Scheiterns der bürgerlichen Revolution „veränderten die historisch- politische, geistige und literarische Lage Deutschlands so weitgehend, daß [sic!] man um die Mitte des Jahrhunderts den Beginn jener literarischen Periode ansetzen darf, die als Realismus bekannt wurde“ (Cowen 1985, S. 22).

Auch Begemann erscheint es plausibel, den Beginn der literaturhistorischen Epoche des Realismus im Jahre 1848 anzusetzen, da dieses Jahr ihm zufolge „einen folgenreichen Einstellungswandel in den bürgerlichen Schichten [markiert], denen die Autoren literarischer Werke überwiegend angehörten“ (Begemann 2011, S. 13).

Die gescheiterte Revolution trug entschieden dazu bei, sich von den illusionären politischen Zielen der Vormärzzeit zu verabschieden und ' realistisch ' zu werden.

Zudem führten die grundlegenden Umwälzungen im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich zu einer Art Unübersichtlichkeit und Desorientierung, worin Begemann die Ursachen für die Entstehung der literaturhistorischen Epoche des Realismus begründet sieht (vgl. ebd., S. 13- 14).

Wann die Epoche des Realismus endete, ist bis heute ebenfalls umstritten.

Während die ältere Literaturforschung das Ende des Realismus mit dem Beginn der Epoche des Naturalismus im Jahre 1880 datiert, werden nach der neueren Forschung die Erscheinungsdaten der Spätwerke Fontanes und Raabes um 1897 als Ende der realistischen Epoche betrachtet, wobei die Gleichzeitigkeit der im Jahre 1880 einsetzenden Epoche des Naturalismus mit den Ausläufern des poetischen Realismus als Interferenzerscheinung angesehen wird (vgl. Krywalski 1974, S. 388).

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die symbolische Darstellungsweise als Stilmittel des poetischen Realismus
Untertitel
Das Symbol der Schaukel in Theodor Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest“
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Realismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V195806
ISBN (eBook)
9783656218784
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellungsweise, stilmittel, realismus, symbol, schaukel, theodor, fontanes, gesellschaftsroman, effi, briest
Arbeit zitieren
Merle Meinhardt (Autor), 2012, Die symbolische Darstellungsweise als Stilmittel des poetischen Realismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195806

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