Die vorliegende Hausarbeit soll einen Einblick verschaffen wie marxistische
Musikforscher das bürgerliche Konzertleben, insbesondere das des 19. Jahrhunderts,
beurteilten und beurteilen. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf Musikforscher in und
aus der ehemaligen DDR gerichtet.
Dafür wird im ersten Teil grundlegende Information zur allgemeinen marxistischen
Musikforschung geliefert, bevor sich der Fokus auf die marxistische
Musikgeschichtsschreibung richtet. Zu ihr werden die für das Thema wichtigen
Theorien der Geschichtsschreibung erläutert. Zuletzt wird im ersten Teil kurz auf die
Problematik der Kritik an marxistischer Musikforschung eingegangen.
Der zweite Teil fixiert sich auf das Hauptthema der Arbeit, die Beschreibung der
marxistischen Perspektive auf das bürgerliche Konzertleben des 19. Jahrhunderts.
Anhand dieses Beispiels werden marxistische Standpunkte und Theorien der
Geschichtsschreibung genauer geschildert. Darauf folgend wird auf die Problematik
eingegangen, inwieweit sich marxistisch musikwissenschaftliche Schriften im
Hinblick auf ihre Objektivität untersuchen lassen.
Im dritten Teil der Arbeit wird der Bezug zum Seminarthema, „der musikalische
Dilettant im 19. Jahrhundert“, hergestellt. Es werden dazu, resultierend aus der
Betrachtung des vorigen Kapitels, verschiedene Typen des Dilettantismus aus
marxistischer Perspektive beschrieben.
Im Schlussteil wird zuerst der Alleinstellungsanspruch der marxistischen
Musikforschung diskutiert. Danach wird kurz auf den Nutzen marxistischer
Musikhistorien eingegangen. Abschließend wird auf die Aktualität des Themas
verwiesen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive
2.1. Marxistische Musikforschung mit Fokus auf Musikgeschichtsschreibung
2.2. Beschreibung des bürgerlichen Konzertlebens aus marxistischer Perspektive
2.3. Dilettantismus im bürgerlichen Konzertleben aus marxistischer Perspektive
3. Schlussgedanken
4. Quellenverzeichnis
4.1. Literaturverzeichnis
4.2. Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das bürgerliche Konzertleben des 19. Jahrhunderts aus der Perspektive der marxistischen Musikforschung. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie marxistische Musikwissenschaftler gesellschaftliche, ökonomische und klassenspezifische Zusammenhänge in der Musikkultur bewerten und kritisch reflektieren.
- Methoden und Theorien der marxistischen Musikgeschichtsschreibung
- Analyse des bürgerlichen Konzertbetriebs im 19. Jahrhundert
- Klassenstruktur und deren Auswirkungen auf den Musikzugang
- Kritik am Musikbegriff als Ware im Kapitalismus
- Die Rolle des Dilettantismus in der bürgerlichen Musikkultur
Auszug aus dem Buch
2.1. Marxistische Musikforschung mit Fokus auf Musikgeschichtsschreibung
Karl Marx´ Theorien bezüglich des Zusammenhangs zwischen Kultur, Gesellschaft und Politik beschäftigen sich hauptsächlich mit Literatur und visuellen Künsten, weniger mit Musik.
Dennoch ist die Entwicklung der marxistischen Musikforschung nicht verwunderlich, bedenkt man, dass sie dort begann, wo sozialistische Staatskonzepte mehr oder weniger durchgesetzt werden konnten. Schließlich wurde dort nach jeder möglichen Distanzierung von der westlichen, als kapitalistisch verurteilten, Welt gestrebt. Die ersten Schriften finden sich in der Sowjetunion der zwanziger Jahre, wie z.B. „Musik und Revolution“ von Lunacarskij. Sie sind als grundlegende Schriften marxistischer Ansätze in der Musikwissenschaft zu sehen. Nach dem zweiten Weltkrieg begann in Deutschland, natürlich in erster Linie in der DDR, die Beschäftigung der marxistischen Musikforschung. Als wichtige Zentren bzw. Instanzen dieser Beschäftigung sind der „Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR“, die „Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin“ und die „Humboldt-Universität zu Berlin“ zu nennen. Wichtigster Vertreter in Westdeutschland war derzeit Adorno, der allerdings in einigen Theorien eine Sonderstellung einnahm und der als Vertreter der, mit der marxistischen Musikforschung in Konkurrenz stehenden, Musiksoziologie angesehen werden kann, die in er marxistische Theorien einfließen ließ.
Die marxistische Musikforschung beschäftigt sich unter anderem mit Musikgeschichte, Musikästhetik, Musiktheorie, Musikpädagogik und Musiksoziologie. Auf diese und andere Teilbereiche versucht sie marxistische Theorien anzuwenden. Als Beispiel ist die Anwendung des historischen Materialismus auf die Musikgeschichtsschreibung zu nennen, auf welche nun der Fokus gerichtet werden soll. Die marxistische Musikgeschichtsschreibung folgt der Ansicht, dass ein musikalisches Werk niemals unabhängig von den sozialen Umständen zur Zeit der Entstehung, von der Biographie des Komponisten und seiner Klassenzugehörigkeit und allen weiteren ökonomischen und gesellschaftlichen, aber besonders auch historischen Faktoren gesehen werden kann. Diese Einbettung der Musik in den sozialen, den ökonomischen und den historischen Kontext, sowie die Analyse im Hinblick auf den Fortschrittsbegriff unterscheidet sie, aus ihrer Sicht, vom Großteil der „bürgerlichen“ Musikwissenschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, das Konzertleben des 19. Jahrhunderts durch die Brille marxistischer Musikforschung zu betrachten und die dahinterliegenden methodischen Ansätze darzulegen.
2. Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive: Dieses Hauptkapitel analysiert die theoretischen Grundlagen der marxistischen Musikforschung, die sozioökonomische Struktur des Konzertlebens im 19. Jahrhundert sowie die Phänomene des Dilettantismus.
2.1. Marxistische Musikforschung mit Fokus auf Musikgeschichtsschreibung: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Entstehung marxistischer Ansätze in der Musikwissenschaft und deren Kernanspruch, Musik untrennbar mit gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen zu verknüpfen.
2.2. Beschreibung des bürgerlichen Konzertlebens aus marxistischer Perspektive: Hier wird die Klassenstruktur des 19. Jahrhunderts beleuchtet und dargelegt, wie die ökonomische Basis die kulturellen Strukturen und den Zugang zu Musik beeinflusst hat.
2.3. Dilettantismus im bürgerlichen Konzertleben aus marxistischer Perspektive: Das Kapitel definiert den Begriff des Dilettantismus aus marxistischer Sicht, differenziert zwischen Publikum und Komponisten und kritisiert die Orientierung an Unterhaltungswerten.
3. Schlussgedanken: Das Fazit kritisiert den Anspruch einer absoluten marxistischen Wahrheit, erkennt jedoch den Wert dieser Forschungsperspektive für die Offenlegung gesellschaftlicher Machtstrukturen an.
4. Quellenverzeichnis: Zusammenstellung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der genutzten Internetquellen.
4.1. Literaturverzeichnis: Auflistung aller im Text zitierten wissenschaftlichen Bücher und Artikel.
4.2. Internetquellen: Verzeichnis der online abgerufenen Quellen und deren Abrufdaten.
Schlüsselwörter
Marxistische Musikforschung, Musikgeschichtsschreibung, 19. Jahrhundert, bürgerliches Konzertleben, historischer Materialismus, Musiksoziologie, Klassengesellschaft, Musikästhetik, Komponisten, Dilettantismus, Georg Knepler, Theodor W. Adorno, Kulturkritik, Kapitalismus, Sozialistischer Realismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzertleben des 19. Jahrhunderts unter dem spezifischen Blickwinkel der marxistischen Musikforschung und hinterfragt die ideologischen Grundlagen dieser Forschungsrichtung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Marxismus in der Musikwissenschaft, die soziale Klassenstruktur des 19. Jahrhunderts und deren Einfluss auf die Musikkultur sowie die Rolle von Musik im kapitalistischen System.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie marxistische Musikforscher Musikwerke und Konzertstrukturen als Ausdruck ökonomischer und gesellschaftlicher Verhältnisse analysieren und bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf der theoretischen Analyse marxistischer Schriften und der Anwendung des historischen Materialismus auf musikgeschichtliche Fragestellungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Einführung, die Beschreibung des bürgerlichen Konzertlebens unter Berücksichtigung von Klassenunterschieden und die Untersuchung des Dilettantismus als musikalischem Phänomen.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Marxistische Musikforschung, Klassengesellschaft, Musikästhetik, Ökonomische Basis und Historischer Materialismus geprägt.
Welche Rolle spielt Georg Knepler in dieser Untersuchung?
Georg Knepler wird als einer der bedeutendsten Vertreter der marxistischen Musikforschung angeführt, dessen Ansätze zur Musikgeschichtsschreibung das Fundament für die Argumentation in dieser Arbeit bilden.
Wie definiert die Arbeit den Begriff "Dilettantismus"?
Dilettantismus wird aus marxistischer Sicht als ein Phänomen betrachtet, das sowohl das Publikum (aus Unterhaltungsdrang) als auch Komponisten umfasst, die aufgrund mangelnder kritischer Auseinandersetzung mit der Realität oberflächliche Musik produzieren.
Wie bewerten die Schlussgedanken den Ansatz der marxistischen Musikforschung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Anspruch auf eine absolute, quasi-objektive marxistische Wahrheit nicht haltbar ist, erkennt aber an, dass die marxistische Perspektive wichtige kritische Impulse für die historische Musikbetrachtung liefert.
Gibt es eine kritische Distanz zur marxistischen Ideologie im Text?
Ja, der Autor setzt sich reflektiert mit der Problematik auseinander, dass marxistische Schriften teilweise selbst ideologisch gefärbt sind, und fordert eine differenzierte Trennung zwischen theoretischer Analyse und politischer Parteinahme.
- Arbeit zitieren
- Simon Foos (Autor:in), 2012, Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195830