Die Vaterrolle in Friedrich Schillers "Kabale und Liebe"


Hausarbeit, 2012
19 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vaterrollen
2.1. Musikus Miller und seiner Vaterrolle gegenüber Luise
2.2. Der Präsident als herausstechende Dramenfigur in „Kabale und Liebe“ und seine Rolle als Vater gegenüber Ferdinand

3.Der Präsident und der Musikus Miller- ein Vergleich der Vaterliebe

4. Vergleich zu Vaterrollen in anderen Werken
4.1 Vergleich zu „Emilia Galotti“
4.2 Vergleich zu dem Werk „ Die Räuber“

5. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In der nachfolgenden Arbeit soll es um die Vaterrolle in Friedrich Schillers Werk „Kabale und Liebe“ gehen. Die vom Präsidenten, aber auch vom Musikus Miller. Die Vaterrolle werde ich anhand einer Charakterisierung der beiden Väter herausarbeiten. Weiterhin möchte ich im Zuge der Charakterisierungen, die jeweiligen Verhältnisse der Väter zu ihren Kindern analysieren .Als erstes werde ich auf den Musiker Miller und seine Tochter eingehen. Sowohl in diesem Teil, als auch in dem Teil über den Präsidenten, möchte ich insbesondere die Rolle der Väter ihren Kindern gegenüber beleuchten. Bei Vater Miller möchte ich unter anderem auf seine bewusste Ständehaltung eingehen und in diesem Zusammenhang versuchen zu analysieren, warum er schon am Anfang des Werkes der Beziehung zwischen Ferdinand und Luise keine Chance gibt. Im weiteren Verlauf werde ich die Charakteristik des Präsidenten erarbeiten und wie oben angedeutet, auf dessen Rolle gegenüber seinem Sohn eingehen. Bei der Bearbeitung des Präsidenten möchte ich fortführend darauf eingehen, an welchen Stellen er sich schuldig, bzw. ob er sich schuldig gemacht hat an der Tragödie.

In einem darauf folgenden Analyseschritt werde ich in einem direkten Vergleich zwischen dem höfischen Präsident und dem bürgerlichen Miller, die Vaterliebe der beiden herausarbeiten. Wobei ich hierbei gerne klären würde, ob man von einer „richtigen“ Liebe zu ihren Kindern sprechen kann. Um die Arbeit abzurunden, soll es im letzten Teil dieser Arbeit um einen Vergleich zu Lessings „Emilia Galotti“ und im Anschluss um einen Vergleich zu Schillers „Die Räuber“ gehen. Hierbei soll es insbesondere um den Vergleich der Vaterrollen gehen. Abschließend werde ich die wichtigsten Punkte kurz zusammenfassen und die Arbeit mit einem Fazit und einem Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten schließen.

2. Die Vaterrolle

2.1 Musikus Miller und seine Vaterrolle gegenüber Luise

Miller, der als Musiker arbeitet, lebt als Bürgerlicher unter finanziell grundierten Zuständen.[1] Diese Interpretation widerspricht allerdings einer Aussage von Luise anhand derer das einzige Vermögen die Tochter ist (vgl. S.64 Z.22ff.).

Er hat scheinbar eine ordentliche Meisterprüfung abgelegt.[2] Weiterhin beherrscht er

„Violonzell“ und ist „Geiger“( S.5 Z.21)[3], aber er beherrscht auch weitere Instrumente, was an dem „Fortepiano“, welches im Haus der Millers steht, deutlich wird.

Miller ist zwischen 59 und 60 Jahre alt zu dem „Spielzeitpunkt“ des bürgerlichen Trauerspiels[4]:

der morgen sechzig alt wird“ (S.64 Z.24) Diese Andeutung macht Luise im dritten Akt des Stückes. Weiterhin ist er sehr gläubig und sehr ehrfürchtig gegenüber Gott, aber auch aufrichtig und zeigt menschliche Gefühle.[5]

Als Schüler unterrichtet er Ferdinand, den Sohn des Präsidenten und gibt ihm Musikstunden. Miller agiert als Familienoberhaupt mit harter Hand .Dies wird gerade in der Umgangsweise mit seiner Frau deutlich. Gegenüber seiner Frau nimmt er eine übergeordnete Rolle ein und sieht seine Frau als nicht gleichwertig.[6] Auch das Ansehen spielt für Vater Miller eine maßgebliche Rolle. Einerseits kommt er mit den verschiedensten Schichten der Gesellschaft zusammen, doch trotzdem steht er zu dem bürgerlichen Gesellschaftstum und dessen Normen. Andererseits hat er Angst vor einem schlechten Ruf. Dies wird an der Beziehung zwischen Ferdinand und Luise deutlich, da er die Befürchtung hat, dass man über die Tochter, aufgrund einer außerständischen Beziehung so viel reden könnte, dass der Ruf „seines Haus“ ruiniert werden würde[7].Aber er geht auch von rein sexuellen Absichten Ferdinands gegenüber seiner Tochter aus und selbst seine Tochter wird von ihm auf ihre „äußeren Vorteile“ begrenzt:[8]

„Unterm Dach mag´s aussehen, wie´s will. Darüber kuckt man bei euch Weibsleuten weg,

wenn´s nur der liebe Gott parterre nicht hat fehlen lassen.“ (S.6 Z.11ff)

Luise hingegen gesteht ihre Liebe zu Ferdinand ganz offen. Zumindest sieht der Vater ein Bekenntnis zu Ferdinand darin[9]:

„Ich habe keine Andacht mehr, Vater- der Himmel und Ferdinand reißen an meiner blutenden Seele, und ich fürchte -ich fürchte“ (S.12 Z.33ff)

„Wo er wohl jetzt ist?- Die vornehmen Fräulein, die ihn sehen-ihn hören -

ich bin ein schlechtes vergessenes Mädchen“ (S.13 Z.10ff.)

Herrmann knüpft an das erstere Zitat an und sieht in dem Ausdruck „Himmel“ ein durchaus begründetes Synonym für „Vater“. Im weiteren Verlauf entwirft Herrmann das Bild, dass es sich bei dem Himmel um den väterlichen handeln könnte ,indem der väterliche Gott wohnt .An dieser Stelle wird wiederum die unsägliche Macht des Vater Millers deutlich, der Luises gesamte weltliche Ansicht bestimmt und prägt. Unter anderem werden moralische Ansichten, und Ansichten über die Ständeordnung von Vater Miller geprägt. Man kann Luise letztendlich zwei Vorstellungen von zwei Arten von Göttern unterstellen. Es handelt sich hierbei um zwei konträre Charaktere von Göttern. Zum einen der Gott ihres Vaters, der Stände bezogen ist und denkt und zum anderen der Gott von Ferdinand, den Herrmann als den „Vater der Liebenden“[10] bezeichnet. Eine Art Gott, der anstatt in kirchlichen Gebäude zu Hause zu sein, im Herzen wohnt.[11]

Weiterhin sieht man, dass er von Anfang an dieser Liebesbeziehung keine Chance gibt:

„ Aber sag mir doch, was wird bei dem ganzen Kommerz auch herauskommen?-

Nehmen kann er das Mädel nicht“ (S.5 Z.26ff.)

Doch der Vater gibt dieser Liebe keine Chance, weil er weiß, dass eine Beziehung über die Grenzen der Stände hinweg nicht glücken kann. Aber auch Luise ist durchaus klar, dass sie nicht ohne weiteres eine Beziehung zu einem Sohn des Präsidenten haben kann. Auffallend ist auch, dass diese „Einsicht“ schon im ersten Akt geschieht:

„Ich entsag ihm für dieses Leben. Dann, Mutter-dann, wenn die Schranken des Unterschieds einstürzen-wenn von uns abspringen all die verhasste Hülsen des Standes-

Menschen nur Menschen sind“ (S.14 Z.12ff.)

Dies zeigt einerseits, dass ihr schon von Anfang klar ist, dass eine bürgerlich-höfische Beziehung nicht funktionieren kann, was auch durch das Ständebewusstsein der Väter impliziert wird. Doch nach Liewerscheidt versucht Luise gar nicht die Probleme zu beseitigen, welche die Beziehung stören. Stattdessen versucht sie ihre Beziehung ins Jenseits zu transferieren, da sie davon ausgeht, dass dort eine Beziehung fernab der

väterlichen Ansichten und auch der Ständeunterschiede problemlos möglich ist[12].

Doch Luise wird von ihrem Vater sehr geliebt, da er sehr besorgt um ihre Zukunft ist.Hingegen ist Luise ein gut erzogenes Mädchen, was man an ihrer Wortwahl erkennen kann[13]:

„Damals-o damals ging in meiner Seele der erste Morgen auf.“ (S.13 Z.35f.)

Doch auch durch seine Liebe engt er sie sehr ein, sodass Luise kaum Spielraum hat und sie sich ihre eigenen Wünsche,aufgrund der Einschränkungen des Vaters, nicht erfüllen kann.[14] Herrmann spricht in diesem Zusammenhang von einer Erpressung des Vaters, der Luise dazu verpflichten will, dass sie ihn am meisten lieben soll. Durch die „Beherrschung“, die der Vater Luise gegenüber ausübt, wird auch die Würde von ihr verletzt[15].

Denn weiterhin will er bestimmen wie agiert wird und wie das Verhalten nach außen hin sein muss. Hiermit will er das Familiengeschehen lenken und engt insbesondere Luise sehr stark ein. Die autoritäre Beeinflussung des Vaters durchzieht nahezu das ganze Trauerspiel und führt dazu, dass Luise von eigenen Absichten absieht und sich zum Wohl des Vaters entscheidet. Dies wird ersichtlich, als Luise und Ferdinand fliehen wollen und sich Luise dagegen verwehrt. Denn Luise hat Angst, dass der Zorn des Präsidenten ihren Vater treffen könnte und lehnt deswegen den Vorschlag von Ferdinand ab[16]:

„Ich habe einen Vater, der kein Vermögen hat, als diese einzige Tochter-der morgen sechzig alt wird-

der der Rache des Präsidenten gewiss ist.“ (S.64 Z.22ff)

„Und der Fluch deines Vaters uns nach ?-ein Fluch, Unbesonnener, den auch Mörder nie ohne Erhörung aussprechen, den die Rache des Himmels auch dem Dieb auf dem Rade hält, der uns Flüchtlinge, unbarmherzig, wie ein Gespenst, von Meer zu Meer jagen würde?-Nein mein Geliebter!“ (S.64 Z.33ff.)

Diese beiden Textstellen zeigen insbesondere die Macht und die Gewalttätigkeiten, die Luise dem Präsidenten im Falle einer Flucht zuschreibt, aber auch die Angst vor

[...]


[1] Vgl.Thorsten Zimmer: Friedrich Schiller: Kabale und Liebe.Interpretationen Deutsch.Freising 2003,S.50f.

[2] Vgl. Hans-Erich Struck: Friedrich: Kabale und Liebe. Oldenbourg Interpretationen. Oldenbourg 1998,S.24f.

[3] Friedrich Schiller: Kabale und Liebe. Ein bürgerliches Trauerspiel. Anmerkungen von Walter Schafarschik. Stuttgart 2001.

[4] Vgl. Struck (wie Anm.2), S.24f.

[5] Vgl. W.J.M. Loohuis: „Kabale und Liebe“ und“ Hermann und Dorothea“. Oldenbourg Interpretationen.Bad Honnef 1977,S.59.

[6] Vgl. Zimmer (wie Anm.1), S.50f.

[7] Vgl. Dieter Martin:.Friedrich Schiller: Kabale und Liebe.Schroedel Interpretationen. Braunschweig 2011,S.79.

[8] Vgl. ebd., S.110.

[9] Vgl. Dieter Liewerscheidt: Die Dramen des jungen Schillers: einführende Untersuchung.München 1982,S.69.

[10] Hans Peter und Martina Herrmann.Freidrich Schiller „Kabale und Liebe“.Grundlagen und Gedanken. Frankfurt am Main 1997,S.66.

[11] Vgl. ebd., S.66.

[12] Vgl. Liewerscheidt (wie Anm.9), S.73f.

[13] Vgl. Loohuis (wie Anm. 5),S.58.

[14] Vgl. Zimmer(wie Anm.1),S.50f.

[15] Vgl. Herrmann(wie Anm.10),S.64.

[16] Vgl. ebd., S.45.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Vaterrolle in Friedrich Schillers "Kabale und Liebe"
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V195853
ISBN (eBook)
9783656221487
ISBN (Buch)
9783668107793
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vaterrolle, friedrich, schillers, kabale, liebe
Arbeit zitieren
Christian Hundertmark (Autor), 2012, Die Vaterrolle in Friedrich Schillers "Kabale und Liebe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195853

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