Versteht uns denn keiner mehr?

Soziolinguistische Herausforderungen an die Soziale Arbeit mit Jugendlichen


Bachelorarbeit, 2012

92 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einführung
1.1 Persönliche Motivation der Arbeit
1.2. Ansprüche an diese Arbeit
1.3. Logisches Gerüst der Arbeit

2 Kommunikation
2.1 Kommunikationsbegriff
2.2 Systemtheoretische Grundlagen
2.3 Interpersonale Kommunikation
2.4 Nonverbale Kommunikation
2.5 Menschliche Kommunikation - Ein kommunikationstheoretisches Modell.
2.5.1 Die Unmöglichkeit des Nichtkommunizierens
2.5.2 Die Inhalts- und Beziehungsaspekte
2.5.3 Ursache und Wirkung
2.5.4 Digitale und analoge Kommunikationsmodalitäten
2.5.5 Symmetrische und komplementäre Wechselbeziehungen

3 Sprache
3.1 Modelle von Sprachentwicklung
3.2 Vier Ebenen von Sprache
3.3 Sprache in sozialen Gruppen
3.4 Sprachfunktionen - Sprache als „Hologramm“
3.5 Fachsprache vs. Jugendsprache

4 Begriffsbestimmungen
4.1 Jugend - Eine eigenständige Phase im menschlichen Lebenslauf
4.2 Merkmale der Lebensphase Jugend aus psychologischer Perspektive
4.3 Merkmale der Lebensphase Jugend aus soziologischer Perspektive
4.4 Jugendkulturen
4.5 Soziolinguistik
4.5.1 Eine philosophisch-anthropologische Soziolinguistik
4.5.2 Eine psycho-kognitive Soziolinguistik
4.5.3 Eine soziologisch-gesellschaftswissenschaftliche Soziolinguistik
4.5.4 Eine interaktionistisch-kommunikationstheoretische Soziolinguistik

5 Empirische Untersuchung
5.1 Design der empirischen Untersuchung
5.2 Das Experteninterview als leitfadengestütztes Interview
5.3 Die systematische Beobachtung von Gruppeninteraktionen
5.4 Auswertungsmöglichkeiten
5.5 Grenzen der methodischen Untersuchungen
5.6 Ergebnispräsentation des leitfadengestützten Experteninterviews

6 Diskussion
6.1 Theoretische Grundlagen vs. Experteninterview
6.1.1 Wer spricht
6.1.2 ...Was wie mit wem und in welcher Sprache
6.1.3 .Und unter weichen sozialen Umständen
6.1.4 ..mit welchen Absichten und Konsequenzen?
6.2 Interaktions-Prozess-Analyse

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Design der Einrichtung

Jugendkultur(en)

Kommunikatives Verhalten

Herausforderungen in der Sozialen Arbeit

Erste Beobachtungsphase, Person A

Erste Beobachtungsphase, Person B

Erste Beobachtungsphase, Person C

Zweite Beobachtungsphase, Person A

Zweite Beobachtungsphase, Person B

Zweite Beobachtungsphase, Person C

Dritte Beobachtungsphase, Person A

Dritte Beobachtungsphase, Person B

Dritte Beobachtungsphase, Person C

Dritte Beobachtungsphase, Person D

1 Einführung

1.1 Persönliche Motivation der Arbeit

Der Moment, wenn sich das Studium dem Ende neigt, sieht wohl bei allen Studierenden ähnlich aus. Man muss sich spätestens dann die Fragen stellen: Was interessiert mich wirklich? Wo will ich nach meinem Studium einmal hin? Für welche Form der Arbeit kann ich mich entscheiden, um diese (hoffentlich) längerfristig zu betreiben?

Diese Form der reflexiven Arbeit mit sich selbst brachte in meinem Fall folgende Ergebnisse: Ich bin bereits seit der schulischen Ausbildung an Sprachen interessiert, habe viele Länder bereist und dadurch stets neue Kulturen und Sprachen kennengelernt. Ferner wurde ich in meinem Studium der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Freiburg darin bestärkt, dass ich nach meiner Ausbildung gerne mit Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen arbeiten möchte. Natürlich sei es an dieser Stelle noch dahingestellt, ob sich dieser Wunsch bewahrheiten wird, allerdings kann es wohl auch nichts schaden, wenn man sich vorab tiefer in die Materie einarbeitet.

Vor diesem Hintergrund habe ich versucht ein Thema für diese Abschlussarbeit zu finden, dass sowohl die Zielgruppe der Jugendlichen als auch das Thema Sprache miteinander verbindet. „Jugendsprache“ oder „sprachliche

Ausdrucksformen“ von Jugendlichen rückten sofort in das Zentrum meiner Überlegungen. Kann man wirklich von „der Jugendsprache“ sprechen? Wenn ja, wie ist diese wohl charakterisiert und welche Bedeutungen hat das für einen Sozialarbeiter, der in seinem Arbeitsfeld intensiven Kontakt mit Jugendlichen pflegt? Worin kann ein Spannungsverhältnis bestehen, zwischen der „Fachsprache“ eines Sozialarbeiters und der „Sprache von Jugendlichen“? Ist es vielleicht sogar möglich oder gar nötig in ferner Zukunft Dolmetscher für die Jugendarbeit zu installieren, um bessere Soziale Arbeit leisten zu können?

Meiner Meinung nach steht fest, dass Sprache oder besser „Sprechen“ das wichtigste Werkzeug in der Sozialen Arbeit ist. Deshalb habe ich mich entschieden, dieses Thema zu wählen.

1.2. Ansprüche an diese Arbeit

Selbstverständlich hat man an eine solche Arbeit auch einen persönlichen Anspruch. Bestimmte Ziele und Aufgaben gilt es zu identifizieren und anschließend zufriedenstellend zu meistern. Es wäre utopisch diese Arbeit als einen ganzheitlichen Text zum obigen Thema zu erklären. Vielmehr wurde versucht, die wichtigsten Komponenten herauszufiltern und transparent zu machen. Gleichzeitig jedoch dem erforderlichen Niveau für eine solche Abschlussarbeit gerecht zu werden. Als Ziel habe ich mir ferner gesetzt, in meiner Grundlagenforschung, also der Ausarbeitung der theoretischen Grundlagen, die wichtigsten Faktoren zu berücksichtigen, eingehend zu studieren und verständlich zu formulieren. Im zweiten Teil besteht für mich ein weiteres Ziel darin, durch empirische Untersuchungsmethoden genügend Daten zu erfassen, diese in einen sinnvollen Kontext einzubetten und anschließend adäquat interpretieren zu können.

Gerade in der Literatur zu diesem Thema gibt es die unterschiedlichsten Meinungen und Ansichten. Deshalb bestand ein letztes Ziel darin, einen klaren Eindruck darüber zu bekommen und einen persönlichen Beitrag zu diesem doch recht spannenden Thema leisten zu können.

1.3. Logisches Gerüst der Arbeit

Der Aufbau dieser vorliegenden Arbeit sieht vor zunächst die hierfür relevanten theoretischen Grundlagen zu erörtern. Dazu gehören die Themen Kommunikation, Sprache und nähere Begriffsbestimmungen. Dabei ist zu beachten, dass diesen Themen jeweils eine Zusammenfassung anhängt. Dadurch soll dem Leser ein besserer Überblick ermöglicht werden. Anschließend wird die empirische Untersuchung differenziert dargestellt. Daran anknüpfend, werden zuerst die Ergebnisse der ersten Untersuchungseinheit vorgestellt und anschließend diskutiert. Den Ergebnissen der zweiten Untersuchungseinheit, sowie ihrer Diskussion wird daran anhängend der nötige Raum gegeben. Abschließend folgt das Resümee dieser Arbeit.

2 Kommunikation

Das alltägliche Leben zu führen bedeutet in den unterschiedlichsten Situationen, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Um diese Herausforderungen erfolgreich meistern zu können benötigt eine Person, als aktives Mitglied einer Gesellschaft, das Wissen über bestimmte Fähigkeiten und deren Einsatz- und Umgangsmöglichkeiten. Kurz gesagt, es ist notwendig unterschiedliche Kompetenzen und Fertigkeiten zu erlangen und weiter zu entwickeln.

Die Wechselbeziehungen zwischen Personen in unserer heutigen Gesellschaft sind sowohl im Privatleben, als auch im Arbeitsleben von großer Bedeutung. Ein starkes Wachstum von tertiären Dienstleistungsindustrien bedeutet, dass „interpersonale Kompetenzen“ mehr an Bedeutung gewinnen. Für viele Gesellschaftsmitglieder heißt das, dass Fähigkeiten zur Interaktion, zum Sprechen und Handeln, also „Interaktionskompetenzen“, den Hauptbestandteil ihres beruflichen und alltäglichen Lebens bilden (Forgas 1999, VIII). Die Interaktion „besteht zum großen Teil im geregelten Austausch von Botschaften, der Kommunikation.“ (Forgas 1999, S.106)

2.1 Kommunikationsbegriff

Die „Kommunikation“ ganzheitlich verstehen zu können ist wie bei anderen wissenschaftlichen Grundbegriffen ein komplexes Vorhaben. Hierbei gehen die Meinungen weit auseinander. Dies liegt an den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten: Kommunikationswissenschaftler, Soziologen, Psychologen,

Linguisten, Philosophen und Vertreter aus anderen Disziplinen definieren Kommunikation jeweils aus ihren spezifischen Interessen heraus (Strohner 2006, S.17). In Anlehnung an Dr. Hans Strohner, seines Zeichens Professor für Kognitive Linguistik an der Universität Bielefeld, wird aus diesem Grund im Folgenden eine integrative Sichtweise des Kommunikationsbegriffs dargestellt. Dafür ist es zunächst notwendig einige „systemtheoretische“ Grundlagen zu erläutern. Dem folgt ein tieferer Einblick in die „interpersonale Kommunikation“. Diese gilt für die Soziale Arbeit als eine wichtige Ebene, da sie „[...] sich auf die

Interaktion einzelner Personen in Zweierbeziehungen oder größeren Gruppierungen bezieht“ (Strohner 2006, S. 59). Nachdem dadurch die verbale Kommunikation ausführlicher beschrieben wurde, rückt auch die nonverbale Kommunikation in den Fokus. Hierbei werden Ähnlichkeiten und Unterschiede zur verbalen Kommunikation dargestellt. Diese Ausführung ist wichtig, da in den interpersonalen Kommunikationen die nonverbalen Signale eine wichtige Rolle haben (vgl. Forgas 1999, Strohner 2006). Abschließend fließen die Grundideen von Paul Watzlawick (1921-2007), einem renommierten Kommunikationswissenschaftler und Soziologen, in diese Betrachtungsweise ein. Sein Werk „Menschliche Kommunikation“ zählt zu den „Pionierarbeiten“ auf diesem Gebiet, da es versucht „[...] Kommunikationsprozesse systematisch in einer Theorie zusammenzufassen, die es gestattet, auch unmittelbar praktische Konsequenzen abzuleiten“ (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge 1993, S.572). Dadurch sollen die pragmatischen Wirkungen der menschlichen Kommunikation hervorgehoben werden.

2.2 Svstemtheoretische Grundlagen

Vorwissenschaftlich kann ein Svstem als ein Gefüge von Teilen, die voneinander abhängig sind, ineinandergreifen oder zusammenwirken, definiert werden. Man spricht in diesem Kontext auch von „funktionalen Relationen“ zwischen diesen Teilen. Weitere Komponenten eines Svstems, die sich in seiner Umgebung finden lassen, werden für gewöhnlich als seine „Umwelt“ bezeichnet. Des Weiteren sind Svsteme keineswegs statischer Natur, sondern verändern mit der Zeit. Sie sind somit „dynamische Systeme“ (Strohner2006, S.17ff).

Eine Herausforderung besteht darin, die Ursache und Wirkung innerhalb eines Wirkungsgefüges zu bestimmen. In Bezug auf die Kommunikation ist dies nicht immer eindeutig. „Liegt die Ursache für eine bestimmte Formulierung beim Sprecher, beim Gesprächspartner, bei beiden oder vielleicht gar in der Gesprächssituation“ (Strohner 2006, S. 18)? In vielen Fällen liegt dann ein Problem des Verstehens vor. Kommunikation ist auf Verstehen angewiesen und „lässt sich in diesem Zusammenhang als ein emergentes (neu auftretendes) Geschehen beobachten[...]“ (Hohm 2000, S.65). Die drei Bestandteile dieser

Zustandsveränderung (dieses Prozesses) sind Information, Mitteilung dieser Information und (Miss-)Verstehen dieser Information (Ebd.). Wie bereits erwähnt kann durch Verstehen weitere Kommunikation ermöglicht werden. In diesem Zusammenhang spricht man von einem „rekursiven Netzwerk von Kommunikation“ (Hohm 2000, S. 66). Dies bedeutet den Anschluss von Kommunikation an Kommunikation. Ein weiteres Merkmal menschlicher Kommunikation ist ihre Anpassungsfähigkeit auf veränderte Umweltbedingungen (Adaptivität). Eine Person zeigt in der Regel in einem Vorstellungsgespräch ein anderes kommunikatives Verhalten, wie in der Interaktion mit Freunden (vgl. Strohner 2006, S.20).

Strohner entwickelt in seiner Arbeit eine Definition von Kommunikation: „Kommunikation ist Informationsübermittlung zwischen kognitiven Systemen“ (Strohner 2006, S.26), wobei kognitive Systeme hier als Systeme, die Information verarbeiten können, verstanden werden. Um diese Definition komplettieren zu können, muss man beachten, dass Kommunikation nicht nur in eine Richtung, sondern in beide Richtungen läuft und somit Wechselbeziehungen (Interaktion) einschließt (Strohner 2006, S.27). Für die menschliche

Kommunikation ist dieses interaktive Charakteristikum die Grundlage für ein „Feedback“, das wiederum die Voraussetzung eines Lernprozesses ist. „Er [der Produzent] kann das Feedback nutzen, um daraus den Erfolg oder Misserfolg seiner Informationsübermittlung zu erschließen und sein zukünftiges Kommunikationsverhalten eventuell dementsprechend zu ändern“ (Strohner 2006, S.28).

Daraus lässt sich ableiten, dass Kommunikation auf der einen Seite notwendig ist um soziale Beziehungen zustande kommen zu lassen, auf der anderen Seite soziale Beziehungen auch auf Kommunikationsprozesse einwirken. Diese sozialen Beziehungen bilden die Basis der interpersonalen Kommunikation.

Versteht uns denn keiner mehr?j^^^

2.3 Interpersonale Kommunikation

Die im vorherigen dargestellte Definition der Kommunikation von Strohner liefert die Grundlage für einen vertiefenden Einblick in die interpersonale Kommunikation. Bei der Informationsvermittlung können unterschiedliche Signale zum Vorschein treten, angefangen bei Signalen der Akzeptanz, der Freude, der Überraschung bis hin zu solchen der Verärgerung, der Wut, des Missverstehens und der Trauer (vgl. Rothe 2006, S.7f). Dies sind beispielhafte Antworten auf die folgenden Fragen: „Wie zeigt sich das Phänomen 'zwischenmenschliche Kommunikation', was erleben zwei gesunde erwachsene Menschen mit intakten Sinnesorganen, die miteinander kommunizieren (Rothe 2006, S.7)?‘‘ Um sich der „interpersonalen Kommunikation“ zu nähern, soll in erster Linie das Grundlegende geklärt sein.

Semantisch betrachtet heißt „interpersonal“ zunächst „zwischen zwei oder mehreren Personen [ablaufend], zwei oder mehrere Personen betreffend“ (http://www.duden.de/suchen/dudenonline/interpersonal). Dies bezieht sich sowohl auf den privaten, als auch auf den öffentlichen Bereich des persönlichen Lebens. Deshalb kann man in diesem Kontext durchaus von einem „sozialen Ereignis“ (Rothe 2006, S.10) sprechen. Dem Verständnis von interpersonaler Kommunikation liegt das Verständnis von „Face -to-face- Kommunikation“1 zu Grunde, da sie „nicht nur evolutionär gesehen die ursprüngliche Kommunikationsform, sondern nach wie vor die umfassendste [darstellt]“ (Rothe 2006, S.1).

Um zu klären, wie Selbstgespräche in diesem Zusammenhang zu betrachten sind, kann man davon ausgehen, dass es sich hierbei nicht um einen echten Gesprächspartner handelt, sondern nur um einen fiktiven, sodass folglich nicht von einem sozialen Ereignis gesprochen werden kann. „Zwischenmenschliche Kommunikation geschieht also zwischen zumindest zwei realen Menschen und ist von daher ein soziales Ereignis“ (Rothe 2006, S.10). Ervin Goffmann, ein renommierter Soziologe, hingegen betont in seinem Werk „Rede-Weisen“ die

„Intersubjektivität“ von einem Selbstgespräch und definiert es als eine Form, die „in einem anderen Kontext ein Gespräch [nachahmt], wie es zwischen Personen stattfindet“ (Knoblauch [Hg] 2005, S.21).

Dieses soziale Ereignis ist somit ein Prozess während dem Information von einem „Sender“ an einen „Empfänger“ übermittelt wird. Genau betrachtet ergeben sich daraus drei Beteiligungen an diesem Prozess, nämlich ein „Sender“, eine „kodierte Botschaft“ und ein weiterer „Sender“, der die Botschaft „dekodiert“. Diese Grundelemente können mit ihren besonderen Eigenschaften (wie zum Beispiel Macht, Status, Intelligenz) Einfluss auf die Kommunikation nehmen. Die Voraussetzung ist ein „gemeinsames soziales Wissen“. Je mehr geteiltes Wissen vorhanden ist, desto einfacher ist es zu kommunizieren und umso mehr Mühe haben Außenstehende beim Verstehen (Forgas 1999, S.106f).

Letzteres schafft wiederum die Verbindung zu der systemtheoretischen Erklärung des Kommunikationsbegriffs, die das Kommunikationssystem als „ein vollständig geschlossenes System, das all seine Einheiten produziert und reproduziert [sieht]“ (Hohm 2000, S.66).

Es lässt sich resümieren, dass interpersonale Kommunikation wesentlich durch die Beteiligten beeinflusst wird. Diese sind im Speziellen geprägt von ihren „interpersonalen Beziehungen“ und „sozialen Einstellungen“ (dazu gehören „Wissen“, „Emotion“ und „Verhalten“). Ferner ist die Relation zwischen den Kommunikationspartnern von großer Bedeutung und ausschlaggebend bei der Entwicklung einer Person. „In diesem Sinne [hat] zwischenmenschliche Kommunikation[...], also ihre Qualität, existenzielle Bedeutung für unsere Entfaltung oder Beeinträchtigung als Person“ (Rothe 2006, S.221 & Strohner2006, S.60). Man erkennt somit die interdisziplinären Bausteine, die für das Verstehen von interpersonaler Kommunikation notwendig sind. Rothe (2006, S.3) stellt fest, dass „[...] es ein hermeneutisches Vorgehen [ist]“.Wenn verbale zwischenmenschliche Kommunikation aus bestimmten Gründen nicht geschehen kann (zum Beispiel wegen Lärm oder der Distanz zwischen den Beteiligten), dann kann ein gegenseitiges Senden und Empfangen von nonverbalen Signalen (wie „Blicke“ oder „Körperhaltung“) die verbale Kommunikation vertreten (Forgas 1999, S.126). Im Folgenden sollen hauptsächlich die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der verbalen und nonverbalen Kommunikation illustriert werden.

2.4 Nonverbale Kommunikation

Sowohl die nonverbale als auch die verbale Kommunikation haben grundlegend eine Gemeinsamkeit: In beiden Fällen werden Signale oder Botschaften gesendet und empfangen. Dies geschieht entweder bewusst oder weniger bewusst und es sind in jedem Fall komplexe Prozesse. „Ohne die Fähigkeit, solche nonverbalen Botschaften zu senden und zu empfangen, ist, wie wir sehen werden, erfolgreiche Interaktion unmöglich“ (Forgas 1999, S.126).

Ein markanter Unterschied zwischen diesen beiden Formen ist, dass nonverbale Botschaften weniger aufmerksam interpretiert werden müssen, als Sprache. Forgas (1999, S.127) unterstreicht diese Aussage und erklärt, dass man zu sofortiger Interpretation neigt, „wenn ihr Interaktionspartner Sie anlächelt, Sie anstarrt, oder Ihnen zuwinkt.“ Ein weiterer Unterschied liegt in der Effektivität beider Botschaften. „Information über Einstellungen und Emotionen wird nonverbal tendenziell effektiver übermittelt als verbal“ (Ebd.). Forgas (1999, S.130) illustriert dies mit einer pragmatischen Handlungsanleitung:

Aktivität 8.1: Was ist wichtiger: Was wir sagen oder wie wir es sagen?

Sie können sich die Ergebnisse von Argyle und seinen Mitarbeitern selbst bestätigen. Dazu müssen Sie sich nur vor einen Spiegel stellen und üben, verbal und nonverbal widersprüchliche Information zu kommunizieren. Dann können Sie diese widersprüchliche Art der Kommunikation in der Praxis erproben und beobachten, wie ihre Partner reagieren. Sagen Sie zum Beispiel etwas sehr Freundliches und senden Sie gleichzeitig sehr unfreundliche nonverbale Botschaften. Oder sagen Sie etwas, das auf Unterwürfigkeit oder Unterlegenheit schließen lässt, und kommunizieren Sie nonverbal Überlegenheit. Worauf achten Ihre Partner mehr - darauf, was Sie sagen, oder darauf, wie Sie es sagen? Ebenso wie Argyle müssten Sie feststellen, dass die Art, wie man etwas sagt, oft sehr viel wichtiger ist als der Inhalt des Gesagten.

Rückblickend lässt sich somit zusammenfassen, dass nonverbale Botschaften schneller gesendet und empfangen werden als verbale und gleichzeitig weniger bewusst kontrolliert werden. „Eine wichtige Bedeutung kommt nonverbalen Botschaften bei der Kommunikation emotionaler Botschaften zu“ (Forgas 1999, S.129). Im Folgenden wird nun Raum geschaffen für einen Versuch Kommunikationsprozesse in einerTheorie zusammenzufassen. Federführend und weiterhin richtungsweisend auf diesem Gebiet ist der Kommunikationsforscher und Soziologe Paul Watzlawick (1921 - 2007). Zu den Pionierarbeiten der Kommunikationsforschung zählt Watzlawicks Werk 'Menschliche Kommunikation'. Darin wird „eine der bekanntesten Kommunikationstheorien“ präsentiert (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. 2011, S. 525). Dieses kommunikationstheoretische Modell wird nachfolgend vorgestellt, wobei an dieser Stelle zu betonen ist, dass der Ganzheitlichkeit nur annähernd entsprochen werden kann und so nur das Wesentliche im Fokus steht, da sonst der Rahmen dieser vorliegenden Arbeit nicht eingehalten werden könnte.

2.5 Menschliche Kommunikation - Ein kommunikationstheoretisches Modell

Dieses kommunikationstheoretische Modell basiert auf fünf Grundregeln (vgl. Watzlawick, Beavin & Jackson, 2011). Diese fünf Axiome werden auf das Wesentliche reduziert dargestellt. Dadurch kann sowohl ein Einblick in dieses Werk geschaffen werden, als auch die Praxis betreffende Folgen abgeleitet werden.

2.5.1 Die Unmöglichkeit des Nichtkommunizierens

Wie nun bereits bekannt ist, hat Kommunikation nicht nur Worte als operantes Mittel, sondern auch alle „paralinguistischen Phänomene“. Hierzu zählen unter anderem die Redegeschwindigkeit, die Körperhaltung und Körpersprache, um nur einige beispielhaft zu nennen. Es gehört somit jegliches Verhalten zum „Material“ von menschlicher Kommunikation. Da es keinen Gegensatz zu „Verhalten“ gibt und man dieses nicht abschalten kann, kann man als Konsequenz dessen „nicht nicht kommunizieren“. Es lässt sich somit festhalten, dass ein Nichthandeln oder ein Schweigen auch „Mitteilungscharakter“ hat und eine Reaktion auf ein Verhalten, egal welcher Art, wiederum Kommunikation bedeutet (Watzlawick et al., 2011, S.58ff). Watzlawick (et al., 2011, S.60) formuliert daraus ein erstes „metakommunikatives“ Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren.“

2.5.2 Die Inhalts- und Beziehungsaspekte

„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass Letzterer den Ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist“ (Watzlawick et al., 2011, S.64).

Hierbei wird grundlegend festgestellt, dass jede Kommunikation sowohl Inhalts- als auch Beziehungsaspekte enthält. Die Funktion des Beziehungsaspekts besteht darin, zu kennzeichnen, wie der Inhalt zu interpretieren ist. Ferner wird angenommen, dass die Definition der Beziehung zwischen den Gesprächspartnern mehr in den Hintergrund rückt, je „gesünder“ die Beziehung ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, wenn eine Beziehung mehr durch Konflikte charakterisiert ist, rückt ein „wechselseitiges Ringen um ihre Definition“ mehr in den Vordergrund. Somit gelingt Kommunikation, wenn sich alle Gesprächspartner über den Beziehungs- und Inhaltsaspekt einig sind und sie misslingt, wenn entweder falsch interpretiert wurde, oder unterschiedliche Botschaften gesendet wurden, was unter anderem bereits durch das Beispiel in Kapitel 2.4 illustriert wurde (Watzlawick et al., 2011, S.61ff).

2.5.3 Ursache und Wirkung

Der Hintergrund dieses dritten Axioms ist die Tatsache, dass der Mensch ständig Wesentliches von Unwesentlichem zergliedern muss (interpunktieren). Die Interpunktion im Kommunikationsablauf geschieht bei den Gesprächspartnern unterschiedlich, sodass das Verhalten für eine Reaktion in manchen Fällen dem Gegenüber zugeschrieben wird. Ferner gibt es keinen Anfangspunkt, da Kommunikation kreisförmig zu verstehen ist. Kommunikation kann also dann gelingen, wenn sowohl die Ursache als auch die Wirkung dem gleichen Sachverhalt zugeschrieben und Kommunikation als kreisförmig anerkannt wird (Watzlawick etal., 2011, S.65ff).

„Aus dem oben Gesagten lässt sich ein drittes metakommunikatives Axiom formulieren: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt“ (Watzlawick et al., 2011, S.69)

2.5.4 Digitale und analoge Kommunikationsmodalitäten

„Das vierte Axiom benennt 'digitale' und 'analoge' Ausdrucksformen als die zwei 'Sprachen', deren sich menschliche Kommunikation bedient“ (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge 1993, S.572).

Die digitale Kommunikation wird meist als geschriebene Sprache verstanden, wohingegen die analoge Kommunikation alle anderen Ausdrucksmöglichkeiten (zum Beispiel Stimmqualität) umfasst. Diese beiden Modalitäten weisen spezifische Eigenschaften auf. Während die digitale Kommunikation meist eindeutig und präzise ist, muss die analoge Kommunikation im Kontext genauer betrachtet werden. Digitale Kommunikation meint damit die „Sprache des Inhaltsaspekts“ und die analoge Kommunikation die „Sprache des Beziehungsaspekts“ (Watzlawick et al., 2011, S. 70ff).

Mit den Worten von Watzlawick (et al., 2011, S.78) ergibt sich folgendes viertes Axiom: „Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln, aber der für eindeutige Kommunikation erforderlichen logischen Syntax.“

2.5.5 Symmetrische und komplementäre Wechselbeziehungen

Hierfür ist anzunehmen, dass Beziehungen entweder auf Gleichheit oder auf Ungleichheit fundieren. Bei Gleichheit ist die Interaktion symmetrisch, bei Ungleichheit komplementär. Komplementäre Interaktionen basieren auf gegenseitig ergänzenden Unterschieden, gesellschaftlichen oder kulturellen Kontexten. Symmetrische Beziehungsformen kennzeichnen sich dadurch, dass die Beteiligten die Zahl der Ungleichheiten untereinander reduzieren (Watzlawick et al., 2011, S.78ff). Hieraus leitet sich das letzte der fünf Axiome ab: „Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht“ (Watzlawick et al., 2011, S.81).

Zusammenfassung

Kommunikation im Allgemeinen ist etwas alltägliches, womit sich jede Person, die sich aktiv in der Gesellschaft beteiligt, auseinander setzen muss. Dieses Phänomen der Kommunikation ganzheitlich verstehen zu können bedarf einer interdisziplinären Vorgehensweise. Aus diesem Grund wurden die systemischen Grundlagen basal erläutert. Man kann festhalten, dass Kommunikation stets in zwei Richtungen geht und unter anderem dynamische und adaptive Eigenschaften besitzt. Ferner wurde ihre Wichtigkeit für soziale Beziehungen dargestellt. Kommunikation ist ein soziales Ereignis (wobei in diesem Zusammenhang die Besonderheit des Selbstgesprächs herauskristallisiert wurde) und beeinflussbar. Nachdem die verbale Kommunikation ausführlich illustriert wurde, ist auch der nonverbalen Kommunikation Beachtung geschenkt worden. Hier wurden speziell die Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Kommunikationsformen beschrieben. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Art wie man etwas sagt oft wichtiger ist, als der Inhalt des Gesagten. Letztlich standen die Gedanken von Paul Watzlawick im Fokus, mit der Darstellung eines kommunikationstheoretischen Modells. Dieses Modell basiert auf fünf verschiedenen Axiomen und dient unter anderem dazu, pragmatische Wirkungen näher zu beleuchten. Weiterhin kann man beobachten, dass Kommunikation - gerade wegen ihrer Alltäglichkeit und Besonderheit - wohl zu den wichtigsten Komponenten in der Sozialen Arbeit zählt. Sie schafft soziale Beziehungen und ist ein wichtiger Bestandteil von sozialen Interaktionen. Die sozialen Fähigkeiten, wie Perspektivenübernahme, Empathie (und damit auch das Wissen über den Gesprächspartner) schaffen die Grundlage für eine Qualitätssteigerung der Kommunikation. Dadurch gelingt es „die Kommunikation von einer zielorientierten Handlung in ein gemeinsames Aushandeln des Gemeinten zu transformieren. [...] Auf [dieser] Grundlage von Interaktion, Partnermodellierung und Intentionalität kann eine Emergenzstufe erklommen werden, die nur dem Menschen vorbehalten bleibt: die sprachliche Kommunikation“ (Strohner2006, S.28f).

3 Sprache

„ln Handlungen lernt das Kind Sprache, ihre 'korrekte' Anwendung in sozialen Situationen, und durch Sprachhandlungen lernt es auch 'Welt', d.h. die Kategorien, die ihm in dieser bestimmten Gruppe zur Erfassung der Welt bereitgestellt werden. Durch das Leben in sozialen Zusammenhängen lernt es Sprache und mit Hilfe von Sprache zu kommunizieren und zu interagieren“ (Schlieben-Lange 1991, S.22).

Eines der wichtigsten Werkzeuge um seine persönlichen Gedanken und Ideen auszudrücken ist die Sprache. Sie zählt - wie auch bereits geschildert wurde - zeitgleich zu den Hauptkomponenten der Kommunikation. Ferner ist sie ein Phänomen, das sich lohnt näher betrachtet zu werden. Bereits die Tatsache, dass es mehrere Tausend verschiedene Sprachen gibt, die ihrerseits mit einer endlichen Anzahl an Wörtern die Fähigkeit besitzen unendlich viele Ausdrucksmöglichkeiten zu ermöglichen, zeigt ihre Komplexität (vgl. Adamzik 2010).

Aus diesem Grund wird zunächst der Sprachentwicklung Beachtung geschenkt. Dies wird durch die Darstellung von drei alternativen Modellen der Sprachentwicklung geschehen. Anschließend werden die vier Ebenen der Sprachanalyse fokussiert. Daraufhin wird die „Sprache in sozialen Gruppen“ erläutert. Im Anschluss daran werden ausgewählte Sprachfunktionen näher betrachtet. Auf diese Weise wird zum eigentlichen Kern hingeführt, nämlich der Gegenüberstellung von Fachsprache und Jugendsprache. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich hier ausschließlich auf das Wesentliche konzentriert wurde, welches sich als relevant für diese Gesamtarbeit herauskristallisiert hat. Einige Fakten zum Thema Sprache finden sich bereits im ersten Kapitel dieser Arbeit wieder, sodass auf eine erneute explizitere Ausführung verzichtet wurde.

„Keine andere Spezies verfügt über ein Kommunikationssystem, dass auch nur annähernd so komplex und subtil ist wie die menschliche Sprache“ (Forgas 1999, S. 108). Auf dieser Grundlage bietet es sich an, dass man die bestimmten Merkmale der Sprache genauer betrachtet. Forgas (Ebd.) bezieht sich in seinen Ausführungen diesbezüglich auf Hockett (1963) und illustriert dabei folgende Charakteristika: „Versetzung“, „Offenheit“, „Tradition“ und „Dualität der Strukturierung“.

Mithilfe von Sprache kann man sich somit auf Aspekte beziehen, die nicht in der unmittelbaren persönlichen Umgebung sind (Versetzung), es lassen sich neue Bedeutungen kreieren (Offenheit), die Fähigkeit zu lernen und neue Nachrichten weitergeben zu können (Tradition) wird ermöglicht und letztlich können mit einer begrenzten Anzahl von Wörtern und Zeichen unendlich viele Botschaften konstruiert werden (Dualität der Strukturierung) (Forgas 1999, S.108).

3.1 Modelle von Sprachentwicklung

Auf dem Gebiet der Sprachentwicklung können unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Zum einen werden Theoretiker der „Nativismusthese“ wie Lenneberg oder Chomsky genannt, für die der Erwerb von Sprache eine genetischverankerte Fähigkeit ist. Auf der anderen Seite stehen die Lerntheoretiker, wie Skinner, für die Sprache durch systematische Verstärkung erworben wird. Beiden Modellen steht ein drittes kritisch gegenüber, das von Bruner stammt. Er betont den Aspekt des sozialen Wissens und das Wissen zu interagieren, das dem Spracherwerb vorangeht (Forgas 1999, S.108ff).

„Wir bedienen uns der Sprache nicht nur [...] als Mittel sozialer Interaktion, sondern können Sprache offenbar auch nur lernen, weil wir wissen, wie man interagiert“ (Forgas 1999, S.109).

3.2 Vier Ebenen von Sprache

In der Sprachanalyse lassen sich vor allem vier Ebenen differenzieren: Die „Syntax“, darin finden sich Ordnung und Struktur, also Grammatik, von Wörterkombinationen wieder, die „Phonologie“ beschäftigt sich mit den Ausspracheregeln und der Bedeutung von Sprache und ihrer kleinsten Einheiten. Die „Semantik“ widmet sich den Wörtern. Die vierte Ebene ist die „Pragmatik“ (Reischer 2002, S.112ff). Diesbezüglich resümierte Forgas (1999, S.110), dass es neben den ersten drei Ebenen auch wichtig sei, „[zu] wissen, was man wann, wo, wie und zu wem zu sagen hat.“

3.3 Sprache in sozialen Gruppen

Es lässt sich bislang festhalten, dass Sprache formbar und beeinflussbar ist. Sobald Interaktion stattfindet werden bestimmte Sprachkodes entwickelt. Hierbei ist zu beachten, je enger die Beziehungen der Interagierenden sind, desto spezifischer wird ihr Sprachgebrauch. Die Entwicklung solcher Sprachkodes und damit das Bestehen einer „eigenen Sprache“, verschafft der sozialen Gruppe eine gemeinsame Identität. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen sich der sozialen Anforderungen einer Situation bewusst sind, Status und Beziehung der Kommunikationspartner kennen und deshalb eine bestimmte Ausdrucksalternative verwenden, die angemessen scheint (Forgas 1999, S.117ff).

3.4 Sprachfunktionen - Sprache als „Hologramm“

Auf den ersten Blick könnte die Frage nach „Sprachfunktionen“ überflüssig erscheinen, so selbstverständlich, wie sie als Verständigungsmedium aufgefasst wird (vgl. Adamzik 2010, S. 30). Die folgende Ausführung von ausgewählten Sprachfunktionen wird jedoch mehr als nur ein Verständigungsmedium zum Vorschein bringen.

Adamzik (2010, S.30ff) beschreibt, dass sprachliche Ausdrucksformen der „psychischen Entlastung“ dienen können und vergleicht diese mit „Geschirr auf den Boden werfen“, sodass Energie abgebaut werden kann („emotionale Funktion“). Weiter wird die „Informationsfunktion“ genannt, durch die bestimmte Sachverhalte dargestellt werden. Außerdem diene Sprache sowohl der Kontaktaufnahme, als auch dem Aufrechterhalten von Kontakten („Kontaktfunktion“). Letztlich wird auf die „soziale Funktion“ näher eingegangen, wobei sich unter anderem zeigt, dass sich über Sprache identifiziert werden kann. Bestimmte Ausdrucksweisen und das Verwenden eines spezifischen Vokabulars können Rückschlüsse auf den sozialen Status einer Person geben. Sprachliche Verhaltensweisen „dienen also auch der Identifikation verschiedener Gruppen innerhalb einer Sprachgemeinschaft“ (Adamzik 2010, S. 40).

3.5 Fachsprache vs. Juqendsprache

Vor diesem Hintergrund, dass Sprache eine Identifikationsfunktion für Gemeinschaftsformen bedeutet, bietet es sich nun an den Fokus auf zwei Sprachgemeinschaften zu legen. Zunächst wird in diesem Kapitel die Fachsprache allgemein näher beleuchtet und somit auf mögliche Sprachvarietäten von Sozialarbeitern aufmerksam gemacht. Anschließend werden sprachliche Ausdrucksformen von Jugendlichen differenziert dargestellt.

Löffler (2010, S. 103f) definiert das Auftreten von Fachsprachen in „die Wissenschaften und beruflichen Sparten, die durch einen Forschungs- und Bearbeitungsgegenstand, durch eine spezielle Methode oder ein spezielles Instrumentarium gekennzeichnet sind.“ Gruppen oder Gemeinschaftsformen, deren Mitglieder derselben Profession angehören (zum Beispiel die Gemeinschaft von Sozialarbeitern) bilden Bezeichnungsnotwendigkeiten für die betreffende Sprache aus. Fachsprachen sind deshalb funktional angepasst (vgl. Löffler 2010). Man kann ferner fünf Unterscheidungen von Fachsprachen treffen: Die „Theoriesprache“ (dient dem schriftlichen Austausch) und die „fachliche Umgangssprache“ (dient dem mündlichen Austausch). Diese beiden Varietäten dienen der Kommunikation zwischen sogenannten Fachleuten, also Personen, die eine längere Ausbildung in diesem Bereich genossen haben. Innerhalb dieser Gespräche sind verwendete Fachbegriffe den Kommunikationspartnern durchaus bekannt. Bei der „Lehrbuchsprache“ (schriftliche Darstellung von Sachverhalten in wissenschaftlichen Lehrbüchern) und der „Unterrichtssprache“ (verbale Darstellung im fachlichen Unterricht) werden im Gegensatz hierzu bestimmte Fachtermini nicht als bekannt vorausgesetzt, sondern „schrittweise mit Hilfe von umgangssprachlicher Paraphrasen eingeführt (Löffler 2010, S.104). Letztlich wird noch die „Außen- oder Verteilersprache“ angeführt. Mit ihrer Hilfe werden Sachverhalte popularisiert und in den Medien oder im Schulunterricht dargestellt

[...]


1 „Die Face-to-face-Kommunikation im strengen Sinne ist gekennzeichnet dadurch, dass zwei Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort miteinander kommunizieren[...]“ (Rothe 2006, S.13).

Ende der Leseprobe aus 92 Seiten

Details

Titel
Versteht uns denn keiner mehr?
Untertitel
Soziolinguistische Herausforderungen an die Soziale Arbeit mit Jugendlichen
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
92
Katalognummer
V195871
ISBN (eBook)
9783656228707
ISBN (Buch)
9783656229964
Dateigröße
1217 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Linguistik, Jugendliche, Jugend, sprechen, kommunizieren, perr group, jugendsoziologie, Soziolinguistik, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Matthias Hinderberger (Autor), 2012, Versteht uns denn keiner mehr?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195871

Kommentare

  • Matthias Hinderberger am 19.9.2012

    Kleiner Kommentar meinerseits: Diese Arbeit wurde kürzlich auch mit dem Studienpreis 2012 vom Studentenwerk Freiburg ausgezeichnet :)

Im eBook lesen
Titel: Versteht uns denn keiner mehr?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden