Die vorliegende Arbeit ist eine Zusammenstellung von Thesen zur Vermittlung naturwissenschaftlicher Bildung an Kindertagesstätten und - exemplarisch - von der praktischen Umsetzung in Niedersachsen.
Zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen gibt es auf politischer Ebene Forderungen und Zielsetzungen, auch zu den Naturwissenschaften. Die Entwicklung ist in den Bundesländern verschieden. Der „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder“ gibt den Erzieherinnen beim Naturforschen mit den Kindern relativ freie Hand.
Die Literaturstudie gibt die Auseinandersetzung zwischen zwei pädagogischen Ansätzen wieder:
Gisela Lück: Lehrgangsorientiert
- lässt Kinder auf Grund vorgegebener Experimente nach Naturgesetzen forschen
Donata Elschenbroich: Erfahrungsorientiert
- lässt Kinder auf Grund ihrer Erfahrungen nach Experimenten suchen, die diese Erfahrungen naturgesetzlich erklären.
Die Erzieherinnen, die sich an der Befragung beteiligt haben, sehen die Relevanz des frühen Naturforschens und fördern die Kinder.
Die Kinder erhalten bei der Hälfte der Erzieherinnen mehrmals im Monat Gelegenheit zum Naturforschen. Die wünschenswerte Frequenz von mehrmaliger Naturforschung in der Woche praktizieren 21% der Erzieherinnen.
Die pädagogischen Fachkräfte haben in ihrer naturwissenschaftlichen
Bildungsbiographie überwiegend Biologie positiv, Chemie und Physik negativ erlebt. Die Erzieherinnen brauchen mehr Ideen für Versuche, 55% wünschen zur Vermittlung von Naturwissenschaften fachwissenschaftliche Unterstützung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Elementare Bildung
1.1. Forderungen nach mehr Bildung in der Früherziehung
1.2. Konkrete Forderungen nach Naturwissenschaften in der Früherziehung
1.3. Der (informelle) Markt: Naturwissenschaften in der Früherziehung
2. WIE sollte die naturwissenschaftliche Früherziehung erfolgen?
2.1. Grundkonzepte der Autorinnen Lück und Elschenbroich
2.2. Folgerungen aus den geistigen Voraussetzungen der Kinder zum Thema „Fragen“
2.3. Die Vorgehensweise: Das WIE
2.4. Die Rolle der Erzieherin/des Erziehers
2.5. Zur Auswahl der Experimente - Wege zur Nachhaltigkeit
2.6. Angebotspädagogik und Instruktion oder entdeckendes Lernen?
3. Befragung von pädagogischem Fachpersonal in Kindergärten
3.1. Einleitung
3.1.1. Persönliche Daten
3.1.2. Relevanz der frühen Vermittlung von Naturwissenschaften
3.1.3. Daten zur sachlichen Vorgehensweise
3.1.4. Daten zur personenbezogenen Vorgehensweise
3.1.5. Daten zur individuellen Erfahrung als Schüler
3.1.6. Daten zum Fortbildungsbedarf
3.2. Methodik
3.3. Ergebnisse
3.3.1. Persönliche Daten
3.3.2. Die Relevanz der frühen Vermittlung von Naturwissenschaften
3.3.3. Daten zur sachlichen Vorgehensweise
3.3.4. Daten zur personenbezogenen Vorgehensweise
3.3.5. Daten zur individuellen Erfahrung als Schülerin
3.3.6. Daten zum Fortbildungsbedarf
4. Theorie und Praxis, ein Vergleich
4.1. Die Erzieherinnen
4.2. Relevanz des frühen interdisziplinären Naturforschens mit allen Sinnen
4.3. Sachliche Aspekte beim Naturforschen
4.4. Personenbezogene Aspekte beim Naturforschen
4.5. Zur individuellen Erfahrung der Erzieherinnen als Schülerin
4.6. Zum Fortbildungsbedarf der Erzieherinnen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vermittlung naturwissenschaftlicher Bildung in Kindertagesstätten, wobei der theoretische Diskurs durch eine empirische Befragung von pädagogischem Fachpersonal in Niedersachsen ergänzt und in die Praxis eingeordnet wird.
- Bildungsauftrag und Naturwissenschaften in der Früherziehung
- Vergleich pädagogischer Ansätze nach Lück und Elschenbroich
- Empirische Analyse der naturwissenschaftlichen Arbeit in Kindergärten
- Rolle des pädagogischen Personals und deren Bildungsbiografie
- Entwicklungs- und Fortbildungsbedarf für Fachkräfte
Auszug aus dem Buch
2.2. Folgerungen aus den geistigen Voraussetzungen der Kinder zum Thema „Fragen“
„wenn - dann“
Lück setzt sich damit auseinander, welche geistigen Voraussetzungen die Kinder mitbringen, um naturwissenschaftliche Phänomene zu verstehen (Lück 2003, 23 ff.). Nach Piaget sei ein Kind in dem Alter noch nicht in der Lage, logische Regeln anzuwenden. Diese Fähigkeit stelle jedoch eine Voraussetzung zur Deutung naturwissenschaftlicher Phänomene (in Form von „Wenn-dann-Beziehungen“) dar. Inzwischen wird die Verbindlichkeit der altersspezifischen Stufentheorie von Piaget in Frage gestellt, die geistige Entwicklung im frühen Kindesalter habe sich seit den Forschungen Piagets beschleunigt. Nach Erikson befinden sich Kindergartenkinder im Spielalter. Charakteristisch sei das „Eindringen in das Unbekannte durch eine unersättliche Wissbegier“ (Erikson 1959, nach Lück 2003, 35).
Kinder im Kindergartenalter stellen häufig Warum-Fragen. Damit würden sie nach einer kausalen Begründung verlangen. Da sich insbesondere Phänomene der unbelebten Natur durch Kausalbeziehungen deuten lassen, sind diese für Experimente besonders geeignet (Lück 2006, 23, 29). Deshalb kommen nach Lück rekonstruierbare naturwissenschaftliche Experimente den Bedürfnissen der Kinder entgegen: Die Kinder können die Situation beim Experimentieren und Rekonstruieren selbst beherrschen. Außerdem lassen sich diese Versuche kindgerecht deuten – nämlich kausal. Lautet die Deutung eines Versuches „Immer wenn, ...dann“, so ist auch der Weg offen für eine Übertragung der Erkenntnis (Lück 2003, 22).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit beleuchtet Thesen zur naturwissenschaftlichen Bildung in Kitas und deren praktische Umsetzung, basierend auf einer Literaturstudie und einer Befragung.
1. Elementare Bildung: Dieses Kapitel erörtert Forderungen nach mehr Bildungsqualität in Kitas, insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften, getrieben durch internationale Vergleichsstudien und politische Reformen.
2. WIE sollte die naturwissenschaftliche Früherziehung erfolgen?: Es werden verschiedene Konzepte (Lück vs. Elschenbroich) gegenübergestellt, die zwischen instruktiven Experimenten und explorativem, erfahrungsorientiertem Lernen variieren.
3. Befragung von pädagogischem Fachpersonal in Kindergärten: Dieser Abschnitt präsentiert die Methodik und Ergebnisse der Befragung von Fachkräften in Oldenburg und Umgebung zu ihrem Vorgehen, ihrer Rolle und ihrem Fortbildungsbedarf.
4. Theorie und Praxis, ein Vergleich: Hier werden die Ergebnisse der Befragung in den theoretischen Kontext gesetzt, wobei Diskrepanzen zwischen Wunsch und praktischer Umsetzung sowie der Einfluss der eigenen Schulbiografie der Erzieherinnen analysiert werden.
Schlüsselwörter
Früherziehung, Naturwissenschaften, Elementare Bildung, Naturforschen, Experimente, Kindergarten, Pädagogisches Fachpersonal, Bildungsplan, Didaktik, Bildungsqualität, Naturphänomene, Lernbiografie, Fortbildungsbedarf, entdeckendes Lernen, Kausalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Vermittlung naturwissenschaftlicher Bildung in Kindertageseinrichtungen sowie die praktische Umsetzung dieser Bildungsziele in niedersächsischen Kindergärten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der naturwissenschaftlichen Frühbildung, pädagogische Konzepte, die Rolle der Erzieherinnen und der Einfluss von deren eigener Bildungsgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis von Literatur und einer eigenen empirischen Befragung aufzuzeigen, wie naturwissenschaftliche Kenntnisse im Alltag von Kitas vermittelt werden und wo Unterstützungsbedarf für das Personal liegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer quantitativen Befragung (Fragebogen) von pädagogischem Fachpersonal in ca. 170 Kindertagesstätten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze zur naturwissenschaftlichen Frühbildung, vergleicht diese mit den Ergebnissen der Befragung und diskutiert Faktoren wie Rolle, Selbstverständnis und Fortbildung der Erzieherinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Früherziehung, Naturwissenschaften, Experimentieren, Pädagogik, Bildungsqualität und Lernbiografie.
Welche Rolle spielt die eigene Schulbiografie der Erzieherinnen?
Die Untersuchung zeigt, dass viele Erzieherinnen negative Erinnerungen an ihren eigenen Chemie- und Physikunterricht haben, was ihre Kompetenzen und ihr Selbstvertrauen bei der Vermittlung dieser Fächer beeinflusst.
Gibt es einen Konsens zwischen Theorie und Praxis bezüglich der Methode?
Es existiert eine Diskrepanz: Während die Theorie zwischen „lehrgangsorientiertem“ und „erfahrungsorientiertem“ Forschen unterscheidet, zeigt die Praxis, dass die Erzieherinnen zwar naturwissenschaftliche Bildung für wichtig halten, aber für die Vermittlung oft Unterstützung und konkrete Ideen wünschen.
- Arbeit zitieren
- Kirsten Preuss (Autor:in), 2007, Vermittlung von Naturwissenschaften in der Früherziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195874