Wie Hollywoodstars gemacht werden – Die systematische Starproduktion von Brangelina & Co.


Seminararbeit, 2011

25 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Star-Begriff

3 Der Starkult

4. Die Starproduktion
4.1 Agenturen
4.2 Personal Manager
4.3 Public Relations
4.4 Medienrechtsanwälte

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Überall in unserem Alltag begegnen uns: Stars. Ob beim Arztbesuch im Wartezimmer in einer Zeitschrift, in einem Café in der Tageszeitung, auf dem Weg zur Arbeit auf dem U-Bahn-Monitor oder zu Hause auf dem Fernseherbildschirm. Über Stars[1] wird in allen Medien permanent berichtet: In Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Radio und im Internet. Überall und ständig erhält man die neusten, medienvermittelten News aus dem Leben von Filmstars wie Brangelina & Co. und anderen Stars aus der Musik-und Fernsehbranche, sowie aus Politik und Sport. Suggeriert wird dabei meist das zauberhafte und ausschweifende (Luxus-)Leben der Stars, das für seine Zuschauer meist unerreichbar ist und aber auch Verhaltensweisen wie Starallüren oder Drogenexzesse zeigt, bei denen jeder „Normalbürger" schnell von der Gesellschaft als nicht kompatibel ausgegrenzt werden würde - es aber bei einem Star toleriert und oft sogar bewundert wird. Für Ihre Zuschauer sind Stars oft Leitbilder in Form von Idolen, Schönheitsidealen oder Trendsetter und bieten Projektionsflächen für die Wünsche und Träume seiner Fans an.[2] Am wichtigsten ist dabei das jeweilige Image des Star, dass ihn unverwechselbar und einzelartig machen soll, auf dem sein ganzes Selbstverständnis ruht[3] und vor allem auch seinen Marktwert bestimmt. Bei der Konstruktion und Erhaltung des Images eines Stars agiert dabei im Hintergrund ein über Jahrzehnte ausgeklügeltes Starproduktionssystem, dass die Schauspieler erst zu Stars mit bestimmten Profilen heranwachsen lässt und nur ein Ziel vor Augen hat: Die möglichst gewinnbringende Vermarktung des Stars in einem Hollywood-Film, beziehungsweise des Filmes an sich. Die Produktion eines Filmes ist für die Produktionsfirmen eine finanziell hoch riskante Investition, da nie genau vorausgesagt werden kann, ob ein Film möglichst viele Menschen an die Kassen der Kinos lockt und einen satten Gewinn abliefert oder aber wenigstens die Produktionskosten einspielt.[4] Die US-Filmindustrie ist der zweitgrößte Exportfaktor in der Handelsbilanz von US-Amerika.[5] 2004 betrugen die durchschnittlichen Produktionskosten für einen Hollywood A-Movie 63,8

Millionen US$. Die durchschnittlichen Marketingkosten alleine für den US- Amerikanischen Markt betrugen 39 Millionen US$. Damit betrugen die durchschnittlichen Gesamtkosten für ein „A-Movie" über 100 Millionen US$.[6] Gleichzeitig wird aber nur jeder dritte Spielfilm ein Erfolg. Hollywood-Stars stellen für die Produktion eines Filmes dabei oft (aber nicht immer] einen Art Garanten für eine Mindesteinspielsumme dar.[7] Damit Stars populär werden ist eine große Anzahl von Akteuren im Einsatz: Agenten und Berater (PR-Berater, Personal Managers, Medienrechtsanwälte), die bei dem Aufbau eines Stars nichts dem Zufall überlassen. Das Ergebnis dieser Arbeit, nämlich die Profilierung in Form der Imagebildung eines Stars können wir uns dann beispielsweise in den Massenmedien anschauen, die uns tagtäglich begegnen. Der Fokus dieser Hausarbeit liegt hier auf den Schauspiel-Stars der Filmindustrie Hollywoods und zeigt die verschiedenen Akteure und Marktmechanismen auf, die an der Starproduktion in Hollywood systematisch beteiligt sind. Hollywood ist die finanziell erfolgreichste und, neben Bollywood (das „Hollywood" Indiens) und Nollywood (das „Hollywood" Nigerias), größte Filmindustrie der Welt. Sich die professionelle Produktion eines Stars hier anzuschauen erscheint daher interessant. Um sich diesem Ziel zu nähern, werden zunächst die mit der Starproduktion zusammenhängenden und grundlegenden Begriffe des Stars und des Starkultes, unter besonderer Berücksichtigung der Funktion des Images für die Vermarktung eines Stars erarbeitet und vor dem Hintergrund der unmittelbaren Verzahnung des Starsystems mit der historisch gewachsenen Organisationsstruktur in Hollywood gesetzt. Zum Schluss folgt die Darstellung der vier Hauptakteure im System der Starproduktion. Ein Fokus wird insbesondere auch auf die Herausarbeitung marktwirtschaftlicher Aspekte gelegt, die Hollywood zu einer der finanziell erfolgreichsten Filmindustrien hat werden lassen und zum Verstehen seiner Funktionsweise deshalb nicht vernachlässigt werden darf. Aspekte wie beispielsweise die Starrezeption werden daher nur am Rande erörtert.

2. Der Star-Begriff

Wie in der Einleitung bereits erwähnt können Stars als „Multiplikatoren" oder Leitbilder unser Leben bis in die kleinsten Alltagsentscheidungen hinein beeinflussen[8], wie beispielsweise im Verhalten oder auch in der Auswahl der Kleidung oder der Frisur. Stars werden als ideale Repräsentation von Menschen verstanden, da sie sich auf Vorstellungen beziehen, wie Menschen sind beziehungsweise sein sollten. Sie bilden typische Verhaltensweisen, Gefühle und Gedanken einer Gesellschaft ab, die sozial, kulturell und historisch konstruiert sind[9]: „The star's existence guarantees the existence of the value he or she embodies".[10] Der ideologische Hintergrund hierzu ist zumeist der klassische amerikanische Traum, der Themen wie Geltungskonsum, Erfolg, Beziehungsleben und das Verhältnis von Gewöhnlichkeit oder Außergewöhnlichkeit beinhaltet.[11] Der Begriff des Stars wird allgemein in der Literatur folgendermaßen definiert:

„Das ,Starimage' ist eine öffentliche Repräsentation, die für das Publikum bedeutsam ist und sich in verschiedenen Texten finden läßt: in Promotion, Werbung, Filmen, Kritik und Kommentaren."[12]

Wie bereits in der obigen Definition setzt besonders Dyer den Begriff des Stars und des Images gleich, in dem er sagt, dass Image eine Konfiguration von visuellen, verbalen und auralen Zeichen, dass sich sowohl auf das generelle Image des Starkultes bezieht, als auch auf den einzelnen Star selbst und allen Mediatexten inhärent ist:

„By image [...] I do not understand an exclusively visual sign, but rather a complex configuration of visual, verbal and aural signs. This configuration may constitute the general image of stardom or of a particular star. It is manifest not only in films but in all kinds of media text.[13]

Stars werden also erst zu Stars, wenn sie ein bestimmtes Image öffentlichkeitswirksam präsentieren und damit ein bestimmtes Lebensgefühl transportieren oder symbolisch abbilden.[14]

Auf eine weitere Differenzierung des Starbegriffes, sowie die unterschiedlichen Ausprägungen der Starformen o.ä. wird hier verzichtet, beziehungsweise nur insoweit eingegangen, soweit es für die systematische Produktion von Hollywoodstars relevant erscheint. In dieser Hausarbeit wird unter „Star" der ursprüngliche Filmschauspieler in Hollywood verstanden und sich deshalb hier auf diesen konzentriert. Innerhalb des Starbegriffes ist hier relevant, dass der von einem Star ausgehende „Zauber" der Persönlichkeit systematisch von Hollywood produziert und zu konservieren versucht wird. Ob es die Inszenierung als Image oder die darstellerische Überhöhung bestimmter individueller Charakterzüge des Filmstars ist: Dabei ist der Ausdruck der Einmaligkeit, der Besonderheit dieser Person und Ihres Images besonders wichtig, denn die Persönlichkeitskonstruktion zeigt sich bei den Stars in der Ausprägung intertextueller Muster, die als Images wirksam werden.[15] Die Details des Begriffs des Images sind umstritten[16], jedoch drehen sich letztlich alle Definitionen um die an ein Objekt geknüpfte Vorstellungen, Emotionen und Werte.[17] Interessant ist hier die marktwirtschaftliche Funktion des Images, die deutlich wird, wenn man berücksichtigt, dass .Image' ein Begriff aus der strategischen Kommunikation ist. Die strategische Kommunikation hat den marktwirtschaftlichen Zweck sich vom Konkurrenten abzuheben, in dem sie beispielsweise ein bestimmtes (positives) Image in den Gedächtnissen der Konsumenten zu installieren versucht, in dem sie ein bestimmtes Erlebnisversprechen kommuniziert und den Konsumenten (hier: Zuschauer) letztlich zum Kauf des Produktes (hier: Des Filmes mit dem Schauspieler) anregen möchte. Es dient der Markenbildung und Absatzsteigerung.[18] Im Falle des Stars wird dieser durch sein Image mit einer bestimmten Art von Rolle verknüpft und fungiert schließlich als Aushängeschild für ein Filmgenre bzw. einen Charaktertypus.[19] Das kann beispielswiese das Erlebnisversprechen auf einen romantischen, lustigen, oder actionreichen Film sein. Festzuhalten bleibt hier also, dass das Image der .Markenbildung' eines Filmstars dient und damit auch Grundlage für seinen Marktwert ist. Je populärer das Image eines Stars ist, desto mehr Gage kann er für seine Dienste verlangen und desto wahrscheinlicher wird ein Erfolg des Filmes, in dem der Star mitspielt. Dies wissen sowohl Stars, wie auch die Produktionsfirmen. William Goldman sagte dazu: "Name value is the most value"[20] und John Belton beschreibt das System der Starproduktion folgendermaßen: „The industry that makes motion pictures also manufactures, with the aid of press and other media, movie stars"[21] Das Image hat also ein deutlich auf Vermarktung oder Absatzsteigerung gerichtetes Ziel und ist vor allem Mittel zum Zweck einen gewöhnlichen Menschen in einen Star zu verwandeln und diesen, beziehungsweise dessen Filme zu vermarkten. Um seine Personality oder Image nach außen zu kommunizieren, benötigt der Star eine Darstellungsplattform: die Medien. Ein Akteur der systematischen Starproduktion in Hollywood hat sich dabei auf die Öffentlichkeitsarbeit des Stars spezialisiert und nimmt damit eine der wichtigsten Positionen für das Image und damit der Vermarktbarkeit des Stars ein: Die PR-Berater, deren ausführliche Darstellung in Kapitel 4.3 behandelt wird.

Auch wenn hier die marktwirtschaftliche Seite des Startums beleuchtet werden soll, bleibt hier der Vollständigkeit halber aus der Rezeptionsforschung anzumerken, dass, wie Hall in seinem Encoding/Decoding-Modell bewies, Kommunikation keine „Einbahnstraße" in die Köpfe der Konsumenten ist und letztlich das Image des Stars im Kopf der Zuschauer selbst erst durch Aushandlungsprozesse entsteht.[22] Durch subjektive Rezeptionsfaktoren „von der individuellen Situation und psychischen Verfassung der Rezipienten bis hin zu sozialpsychologischen Tendenzen oder grundlegenden psychischen Mechanismen wie Identifikation, Projektion oder kognitiven Fähigkeiten"[23] wird also nicht das Bild eines Stars unmittelbar in den Köpfen der Zuschauer installiert, sondern der Zuschauer schafft sich sein Bild des Stars auch aktiv selbst. Die Akteure der Starproduktion versuchen allerdings dieses Bild beispielsweise durch kontrollierte Berichterstattung (s.u.J, also den Zugang und die Art und Weise („Gatekeeper-Funktion][24] des Informationsfluss so gut wie möglich vorzubestimmen, aus dem sich der Zuschauer das Image eines Stars konstruiert.[25]

[...]


[1] Aus Gründen der Lesbarkeit verzichte ich in dieser Hausarbeit auf das korrekte Gendering der Begrifflichkeiten. Gemeint sind jedoch immer männliche, als auch weibliche Akteurlnnen.

[2] Giesel (2007), S. 50; Lowrey/Korte (2000), S.148.

[3] Avenarius (1997), S. 149.

[4] McDonald (2008), S. 10.

[5] Willis (2004), S. 2; Unbekannt (2010) http://www.mpaa.org/Resources/9a9957fl-9dl9-4436- 98c4-dlb526cb456c.pdf (Zugriff am 01.07.2011).

[6] Unbekannt (2011b): http://www.the-numbers.com/market/ (Zugriff: 22.05.2011).

[7] Jacobsen (2004), S. 8; Faulstich (2004), S. 225; McDonald (2000), S. 114.

Faulstich/Korte/Lowry/Strobel (1997), S. 7.

[9] Dyer/McDonald (1972), S. 22.

[10] Ebd., S. 22.

[11] Ebd., S. 39.

[12] Staiger (1997), S. 49. Vgl. auch Dyer/McDonald (1972); Allen/Gomery (1985).

[13] Dyer, zitiert nach McDonald (2008), S. 6.

[14] Borgstedt (2009), S. 56.

[15] Borgstedt (2009), S. 57.

[16] Vgl. bsp. Faulstich/Korte/Lowry/Strobel (1997), die den Begriff des „Image" durch den Begriff der „Kontinuität" ersetzen, S. 1.

[17] Brachfeld (1976), zitiert nach Schwan (2011), S. 13.

[18] « Schwan (2010), S. 46.

[19] Borgstedt (2009), S. 58.

[20] Burmann (1998) S. 2.

[21] Beiton (1994), S. 85, zitiert nach McDonald (2000), S. 178.

[22] Hall (1980), S. 136.

[23] Lowiy/Korte (1998), S. 148.

[23] McDonald (2000), S. 175.

[25] Wegener (2007), S. 22.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Wie Hollywoodstars gemacht werden – Die systematische Starproduktion von Brangelina & Co.
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Das System Hollywood
Note
2,0
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V195906
ISBN (eBook)
9783656217336
ISBN (Buch)
9783656218449
Dateigröße
12998 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hollywoodstars, starproduktion, brangelina
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Wie Hollywoodstars gemacht werden – Die systematische Starproduktion von Brangelina & Co., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195906

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