Im Kontext der therapy managing group stellt sich die Frage, welche Probleme sich hierbei auf Seiten der Gruppe im Umgang mit Krankheit ergeben und mit welchen soziokulturellen Schwierigkeiten auf medizinisch-professioneller Seite umgegangen werden muss. Vor allem die Konfrontation der beiden Parteien verlangt gegenseitige Rücksichtnahme wie die zu Beginn beschriebene Szene vorbildlich zeigt. In diesem Sinne gilt es sowohl den Personenkreis als auch die Aufgaben der therapy managing group zu definieren, sodass der entsprechende Prozess des therapy managements zu verstehen ist. Im Anschluss daran werden Probleme erläutert, mit denen die therapy managing group konfrontiert ist, und solche, die durch die Begegnung von westlichem Arzt und Laien entstehen. Insbesondere bei einer langwierigen Krankheit wie HIV/Aids behindern diese Probleme die Pflege erheblich, weshalb es wichtig ist die Schwierigkeiten zu erkennen, um in der Praxis konstruktiv an deren Lösung arbeiten zu können. Zum Schluss wird noch einmal ein Überblick über die Problematik gegeben, um Chancen und Handlungsoptionen aufzuweisen.
Eine Beurteilung über den Nutzen der therapy managing group und ob das westliche Konzept mit einem isolierten ‚Single-Patienten‘ oder das afrikanische ‚Gruppen-Prinzip‘ sinnvoller erscheint soll hier nicht vorgenommen werden, da dies nicht Anspruch der Debatte ist: es gilt das therapy management zu erkennen, um entsprechend im Gesundheitswesen darauf eingehen zu können. Zudem beschränkt sich die Betrachtung auf ärztliche Mediziner als Experten; Heiler als Experten werden bei dieser Darstellung ausgeklammert, da diese meist den gleichen sozialen Kontext wie der Patient besitzen und somit die bedeutenden Probleme nicht auftreten.
Bei der Diskussion wird sich hauptsächlich auf Janzen (1978) bezogen, da er das Konzept erkannte und als solches betitelte. Andere wissenschaftliche Rezeptionen beziehen sich mehrheitlich auch auf Janzen, sodass keine neuen Erkenntnisse und neueren Untersuchungen zu speziell diesem Verhaltensmuster herangezogen werden können. Die Überlegungen bezüglich der eigentlichen Fragestellungen beruhen auf eigenen Interpretationsansätzen und erheben somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Therapy Management
2.1 Personengruppe
2.2 Aufgabenbereiche
3 Probleme der Auseinandersetzung
3.1 Schwierigkeiten auf Seiten der therapy manager
3.2 Schwierigkeiten bei direkter Auseinandersetzung
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht aus ethnologischer Perspektive das Konzept des "Therapy Management" und analysiert die soziokulturellen Herausforderungen bei der Interaktion zwischen westlich geschulten Medizinern und afrikanischen Patienten beziehungsweise deren pflegenden sozialen Gruppen. Ziel ist es, die Komplexität dieses Versorgungsmodells aufzuzeigen und Strategien für eine konstruktivere Kommunikation in der medizinischen Praxis zu identifizieren.
- Ethnologische Analyse von Gesundheitssystemen in Afrika
- Strukturen und Funktionen der "therapy managing group"
- Konfliktfelder zwischen professioneller Medizin und sozialer Pflege
- Kommunikationskomplexität bei HIV/AIDS-Behandlungen
- Herausforderungen in der Arzt-Patient-Gruppe-Interaktion
Auszug aus dem Buch
3.1 Schwierigkeiten auf Seiten der therapy manager
Trotz der Tatsache, dass man in einer Gruppe organisiert ist, bringt die Aufgabe als Laien-Pfleger (therapy manager) viele Probleme mit sich. Die Betreuung des Patienten beansprucht zusätzliche Zeit, die eigentlich für die eigene Familie, den eigenen Haushalt oder für Geldverdienen vorgesehen war. Vor allem die eingeschränkte Möglichkeit zu arbeiten führt zu finanziellen Schwierigkeiten. Diese können sich intensivieren, wenn Kosten für Medikamente des zu betreuenden Patienten anfallen (Schatz/ Ogunmefun 2005: 251ff), die die Gruppe übernimmt, falls der Kranke dazu nicht mehr in der Lage ist. Insbesondere HIV/Aids-Patienten benötigen finanzielle Unterstützung (McDonald/Schatz 2006: 2), da ihre Medikamente teuer sind und während eines sehr langen Zeitraumes (bis zum Tod) eingenommen werden müssen. Abgesehen von Zeit und Kosten ist Pflege anstrengend, führt zu emotionalen und körperlichen Verausgabungen, da die therapy manager kein professionelles Wissen über Pflege haben und somit zu enormer Überforderung führt. Zudem finden sie sich in sozialer Isolation wieder, die bei einer so stark stigmatisierenden und ausgrenzenden Krankheit wie HIV/Aids verstärkt zum Tragen kommt (Kipp/ Tindyebwa/ Karamagi/ Rubaale 2007: 362).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt mittels einer filmischen Fallstudie in die Thematik der kulturellen Gebundenheit medizinischer Heilungsmethoden ein und begründet die Relevanz der ethnologischen Perspektive.
2 Therapy Management: Hier werden das Konzept der "therapy managing group" als soziale Unterstützungseinheit sowie deren personelle Zusammensetzung und Aufgabenbereiche definiert.
3 Probleme der Auseinandersetzung: Dieses Kapitel erläutert die Konflikte, die sowohl aus der Überforderung der pflegenden Gruppen als auch aus der komplexen Kommunikation zwischen Ärzten und den sozialen Einheiten entstehen.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, plädiert für ein besseres Verständnis des kulturellen Kontextes und regt staatliche Unterstützungsmaßnahmen für "therapy managers" an.
Schlüsselwörter
Therapy Management, Ethnologie, Medizinethnoologie, HIV/AIDS, Gesundheitspflege, therapy managing group, soziale Unterstützung, interkulturelle Kommunikation, Gesundheitswesen, Afrika, Laien-Pfleger, Arzt-Patient-Beziehung, Patientenverhalten, soziale Einheit, Kulturgebundenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den soziokulturellen Aspekten des Gesundheitsmanagements in Afrika und wie soziale Gruppen die medizinische Versorgung von Kranken organisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Familie bei der Krankheitsbewältigung, die Konfrontation zwischen westlicher Medizin und lokaler Praxis sowie die Kommunikationsprobleme im Heilungsprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die "therapy managing group" als soziale Struktur zu verstehen und aufzuzeigen, warum eine Kommunikation zwischen Ärzten und diesen Gruppen für einen erfolgreichen Behandlungsverlauf essenziell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ethnologische Literaturanalyse, die auf den Konzepten von John M. Janzen basiert und diese um aktuelle Forschungsergebnisse sowie eigene Interpretationsansätze ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Zusammensetzung der Pflegergruppen, deren Funktionen sowie die daraus resultierenden Schwierigkeiten – sowohl für die Pflegenden selbst als auch für die professionellen Mediziner in der Interaktion mit ihnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Therapy Management, Medizinethnoologie, soziale Einheiten, Kommunikationskomplexität und die kulturelle Gebundenheit von Heilung.
Warum ist das "Gruppen-Prinzip" bei HIV/AIDS besonders relevant?
Aufgrund der langwierigen Natur der Erkrankung und der damit verbundenen Stigmatisierung ist die Pflege eine enorme Belastung, die eine flexible und kollektive Organisation notwendig macht.
Wie sollte sich ein Arzt laut Autorin idealerweise verhalten?
Der Arzt sollte die Gruppe als zentrale Kommunikationsinstanz anerkennen, Diagnosen verständlich erklären und Handlungsalternativen aufzeigen, statt auf einem rein dyadischen Arzt-Patient-Verhältnis zu beharren.
- Arbeit zitieren
- Julia Helmstädter (Autor:in), 2009, Therapy Management - Probleme der medizinischen Pflege unter Berücksichtigung einer afrikanischen Form des Gesundheitsmanagements, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195926