Spannungsfelder in Lessings "Emilia Galotti"


Seminararbeit, 2012

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

G. E. LESSINGS EMILIA GALOTTI

DIE FIGUREN IN EMILIA GALOTTI UND DER MORALISCHE KOLLAPS
Jung versus Alt
Emilia
Prinz von Guastello
Odoardo
Marinelli

KONTRASTPOSITIONEN
Privatsphäre
Adelskritik

RESÜMEE

QUELLENVERZEICHNIS

Einleitung

Die Literatur des 18. Jahrhunderts ist durch die geistige Strömung der Aufklärung geprägt. Zudem ist diese Strömung nicht die einzige, sie ist in eine heterogene Epoche eingebunden, es existieren zu dieser Zeit parallel verlaufende Strömungen. Somit kann man hier von einer exemplarischen Gleichzeitigkeit verschiedener literarischer Haltungen sprechen.

Lessings bürgerliches Trauerspiel fällt nicht nur in die Periode der Aufklärung, sondern auch in den Bereich der Empfindsamkeit. Nebenbei entwickeln sich in etwa zeitgleich der Sturm und Drang1 oder auch diverse Aufklärungsromane.

Bevor man sich mit bestimmten Werken dieser Zeit auseinandersetzt, muss man auch die literarischen Entwicklungen betrachten. Der Rationalismus in der frühen Aufklärung veranlasste mitunter die Regelpoetik. Sowohl Vertreter der Empfindsamkeit als auch Vertreter des Sturm und Drang beschreiben dagegen hauptsächlich Innenzustände, Gefühle oder Gemütszustände.

Eines der Ziele dieser Strömungen ist, Vernunft mit Gefühl zu verbinden.

Die Empfindsamkeit ist auf der einen Seite tugendhaft-vernünftig und auf der anderen Seite emotional-sinnlich. Die Radikalisierung dieser Strömung wird heutzutage als Sturm und Drang bezeichnet. Eine der Folgen ist mitunter, dass sich eine neue Dichterform herauskristallisierte.2

Das Drama gilt als Mustergattung der Aufklärung. Gottsched und Neuber wollten unter an- derem ein geregelteres Theater, was mitunter die Abschaffung der Hans-Wurst-Figur beinhaltete.

Diese Reform war implizit höfisch orientiert und dagegen lehnte sich niemand anderes als Gotthold Ephraim Lessing auf. Er nimmt das Bürgertum mit auf die Bühne und verleiht diesem Präsenz. Lessing zeigt in seinen Dramen neuartige Familienstrukturen mit verschiedenen Rollen und auch familiärer Intimität.3

Dieser Autor sticht in diesem Jahrhundert heraus, er findet seine individuelle Ansicht zu seiner Zeit und zum Theater. Damit beeinflusst er maßgeblich die deutschsprachige Literatur: „Lebe mit deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein Geschöpf; leiste deinen Zeitgenossen, über was sie bedürfen, nicht was sie loben“4

Er bewahrte die aufklärerischen Ideen und schuf somit eine Kontinuität, welche die deutschsprachige Literatur vorantrieb.5

Seine Werke sollten von verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, denn das 18. Jahrhundert ist eine Umbruchszeit.

Ich versuche nun, im Rahmen des Proseminars zur Dramentheorie um 1800, anhand des Werkes Emilia Galotti, diverse Spannungsfelder dieser Zeit aufzugreifen und zu diskutieren.

G. E. Lessings Emilia Galotti

Prinz von Guastalla, der Protagonist, will Emilia Galotti für sich haben. Er erfährt, dass sie Grafen Appiani heiraten soll. Somit setzt er alles in Bewegung, um diese Heirat zu verhindern.

Der Prinz gibt Marchese Marinelli freie Hand. Marinelli lässt die Kutsche des Bräutigams überfallen und somit wird Appiani ermordet. Emilia ist inzwischen in der Kirche und der Prinz versucht sie zu verführen, was ihm jedoch nicht gelingt. Sie und ihre Mutter werden auf Schloss Dosalo, welches dem Prinzen gehört, in „Sicherheit“ gebracht. Odoardo, Emilias Vater folgt ihnen auf das Schloss. Dort trifft Odoardo auf Gräfin Orsina. Sie berichtet Odoardo vom Tod des Grafen Appianis. Orsina gibt Odoardo einen Dolch, damit er sie und Appiani räche. Er will die Rache jedoch Gott selbst überlassen.

Als er auf Emilia trifft, erahnt sie bereits den Sachverhalt und hat dennoch Angst, den Verführungen des Hoflebens zu erliegen. Um ihre Ehre zu retten, sieht sie als einzigen Ausweg ihren eigenen Tod. Sie fleht ihren Vater an, ihr den Dolch zu geben oder sie zu töten. Schließlich erdolcht Odoardo seine eigene Tochter.6

Emilia Galotti ist in der Tradition des aristotelischen Theaters geschrieben. Man findet in diesem Text eine Einheit des Orts, der Zeit und der Handlung. Es spielt innerhalb des Hochzeittages, die Ortswechsel sind gering und der primäre Handlungsstrang der Intrige wird konsequent bis ans Ende durchgeführt. Es gibt fünf Aufzüge bzw. Akte.

Die antiken Maßstäbe der Katharsis-Lehre, also das Erregen von Furcht und Mitleid7, kommt ebenso vor wie eine abgeschwächte Form der Ständeklausel.

Dieses bürgerliche Trauerspiel ist stark aufklärerisch geprägt und trägt durchaus einige Merkmale der Empfindsamkeit.

[...]


1 Unter anderem: Herder oder auch Goethe

2 Poeta vates

3 Vgl. Jeßing/Köhnen: Einführung in die neuere deutsche Literatur S. 31ff

4 Lessing in: Ästhetische Erziehung, Brief 9

5 Vgl. Heftrich: Lessings Aufklärung S. 7f

6 Lessing: Emilia Galotti

7 Oft irreführende Übersetzung der griechischen Originalbegriffe phobos und eleos

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Spannungsfelder in Lessings "Emilia Galotti"
Hochschule
Universität Salzburg  (Germanistik)
Veranstaltung
PS Neuere deutsche Literatur - Dramentheorie um 1800
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V195945
ISBN (eBook)
9783656218739
ISBN (Buch)
9783656219279
Dateigröße
924 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emilia Galotti Lessing, Spannungsfelder, Gegensätze
Arbeit zitieren
Anna Prodinger (Autor), 2012, Spannungsfelder in Lessings "Emilia Galotti", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195945

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