Rolle der Brünhild im Nibelungenlied


Seminararbeit, 2012

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die historische Brünhild - Königstochter der Westgoten

Zwischenstopp: Island - Die Brünhildsage

Die Sonderstellung der Brünhild im Nibelungenlied

Die Virginität Brünhilds

Brünhilds heimliche Liebe zu Sigfried

Streit der Königinnen und die Ermordung Sigfrieds
Hebelfigur Brünhild

Die Minne im Vergleich: Gunter und Brünhild vs. Sigfried und Kriemhild

Schlussworte

Quellenverzeichnis

Einleitung

Wenn man sich Brünhild aus dem Nibelungenlied vorstellt, erhält man zumeist das traditio- nelle Bild - eine stolze und edle Kriegerin mit Helm, Lanze und Schild. Was verbirgt sich hinter diesem geheimnisvollen „Mannsweib“ und welche Rolle spielt sie im Nibelungenlied?

Unter anderem auf diese zwei Fragen möchte ich in der nachfolgenden Arbeit im Rahmen des Proseminars eingehen. Zudem findet man diese Figur nicht nur im Nibelungenlied, die Erzählungen über Brünhild reichen noch weiter zurück. Ich möchte auch die Quellen, die nicht so populär sind, aufgreifen und sie mit den Darstellungen im Nibelungenlied verglei- chen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Brünhild1

Die historische Brünhild - Königstochter der Westgoten

Laut historischen Aufzeichnungen wurde Brünhild um 500 n. Chr. In Spanien geboren. Sie war die Tochter des Westgotenkönigs Athanagild.

Diese heiratete Sigibert I., König des merowingischen Ostgebiets Austrien.

Durch diverse Familienkonflikte, die zumeist in Mord mündeten, starb Sigibert I. und Brünhild erlangte mehr Macht, da sie dessen Herrschaftsgebiete übernahm. Zudem gab es eine ihr nicht wohlgesinnte Verwandte namens Fredegunde, die Brünhild und ihre Nachkommenschaft beseitigen wollte, um selbst diese Gebiete zu besitzen. Brünhild festigte durch eine Inzest-Heirat mit ihrem Neffen ihre Macht und verhinderte somit, dass Fredegunde ihren Erbanteil an Land annehmen konnte. Dies führte wiederum zu Racheakten Fredegundes. Außerdem folgten weitere Morde innerhalb der Familie. Schließlich schaffte sie es, Alleinherrscherin Neustriens zu werden - unter anderem durch den Mord des Königs, der der Erzeuger ihres Sohnes war.

Fredegunde begab sich daraufhin zu Guntram, König der Burgunder und Schwager Brünhilds. Sie wollte ihn zu einer Adoption oder Heirat bewegen. Doch dieser Plan, Burgund zu besitzen, ging nicht auf - Guntram lehnte ab. Er adoptierte Childebert, den Sohn Brünhilds und dieser wurde Alleinerbe. Childebert erbte und vereinigte Burgund mit Austrien. Sowohl er als auch Guntram starben jedoch bei einem Giftmordanschlag.

Childebert erhielt zwei Söhne. Aufgrund ihres starken Temperaments sollten sie jeweils eigene Gebiete erhalten, der eine sollte Burgund verwalten, der andere Austrien. Bis zu deren Volljährigkeit herrschte Brünhild allein. Die Mörderin einer ganzen Generation, Fredegunde, starb inzwischen einen qualvollen und langsamen Tod.

Brünhilds Enkel Theuderich ließ seinen Bruder Theudebert ermorden, damit er das gesamte Gebiet erben konnte. Brünhild griff ein, als Theuderich die Tochter seines toten Bruders ehelichen wollte, er griff sie an, doch Brünhild kam ihm zuvor und tötete ihn.

Brünhild schaffte sich in Worms ihre Residenz, von der aus sie herrschte. Sie errichtete unter anderem die Kirche, auf deren Fundament der Wormser Dom gebaut wurde. Chlotar, ein Neffe Brünhilds, überlistete sie - er bat ihr Frieden an und Brünhild vertraute ihm von daher. Jedoch wurde sie von Chlotar überlistet und bald darauf in Stücke gerissen, indem man die vier Gliedmaßen an vier Rösser band. Sie wurde eingeäschert und in einem schwarzen Marmorsarg begraben. Sie wurde unterhalb der „blauen Basilika“ des Martins- kloster von Autun bestattet.

1633 wurde der Sarg geöffnet und man fand Knochenreste sowie Asche und einen Reiter- sporn. 2

Der wesentliche Unterschied zwischen den historischen Schilderungen und dem Nibelungenlied besteht darin, dass Brünhild neun Jahre lang mit Sigibert (=Sigfried) verheiratet war. Die Heirat zwischen Gunther und Brünhild im Nibelungenlied lässt sich wohl dadurch vergleichen, dass die historische Brünhild über Burgund herrschte, das zuvor Guntram gehörte. Zudem adoptierte Guntram ihre Kinder.

Die Feindschaft zwischen ihr und Fredegunde kann parallel zum Königinnenstreit im Nibelungenlied betrachtet werden. Diese Feindschaft ist der stärkste Zusammenhang zwischen den historischen Aufzeichnungen und der Erzählung im Nibelungenlied. Denn Fredegunde initiierte Mord, Verrat und Untergang einer ganzen Fürstengeneration, dies ist durchaus mit Kriemhild vergleichbar.

In beiden Darstellungen ist Brünhild eine Königin mit Helm, Schwert und Harnisch.

Somit ist das Bild, das man von Brünhild auch heutzutage hat, in beiden Quellen verankert.

Zwischenstopp: Island - Die Brünhildsage

Die Rettungsinsel heimatvertriebener Sagen war Island. Um etwa 874 wurde die kleine Insel im Norden besiedelt und die Einwanderer nahmen unter anderem alte Sagen und Hel- denepen mit, die auf dem europäischen Festland nicht mehr gelesen wurden. Somit blieb die Zeit in Island sprichwörtlich stehen. Die Christianisierung fand erst im 13. Jahrhundert statt, darum blieb der nordisch-germanische Kult lange aktiv und erhalten. Die „Liederedda“ fasst diverse alte Geschichten rund um große Helden wie Brünhild oder Sigfried zusammen, jedoch wurden die Sagen verändert oder vermischt. Die historischen Aufzeichnungen der Brünhild wurden zur Brünhild-Sage verändert, in der bereits Charaktere wie Sigfried oder Gunther eingebaut wurden.

In der Brünhild-Sage wird sie als eine Walküre dargestellt. Walküren sind mythische Wesen, so genannte „Totenwählerinnen“. Sie schweben oder reiten über Schlachtfelder und küssen - in Auftrag des Göttervaters Odin - gefallene Helden wach, um sie mit nach Walhalla, dem Jenseits der Heiden, zu nehmen.

In einer Schlacht greift Brünhild gegen den Willen Odins ein und somit stellt sich die Schlacht als nicht zufriedenstellend für ihn heraus. Er gibt Brünhild die Schuld und verbannt sie zur Strafe auf eine Burg, die von einem Feuerring umzingelt war. Zudem versetzt er sie in einen Trance-Zustand. Erst derjenige, der es schaffen sollte, den Feuerring zu durchbrechen und sie zu küssen, wird sie retten können.

Der junge Drachentöter und Besitzer des Hortes namens Sigurd schafft es, Brünhild zu erret- ten und verspricht ihr daraufhin ewige Treue, da sich beide ineinander verliebt hatten. Er muss jedoch fort, Brünhild bleibt inzwischen auf ihrem Verbannungsort, damit kein wei- Zwischenstopp: Island - Die Brünhildsage terer Mann um sie werben kann. Als Zeichen der Treue und Liebe schenkt sie ihm einen Ring.

Daraufhin zieht Sigurd weiter zu König Giuki, Herrscher des Volks der Niflungen. Durch einen Zaubertrank, den er unwissentlich zu sich nimmt, vergisst er Brünhild. Sigurd heiratet die Königstochter Gudrun und schließt mit ihren Brüdern Gunnar und Högni Blutsbrüderschaft.

Als Gunnar König wird, will er Brünhild retten und schickt daraufhin Sigurd zu ihr. Sie betrügen dabei Brünhild, da Sigurd die Mutprobe löst und sich als Gunnar ausgibt.

Der Betrug kommt erst Jahre später heraus, als Gudrun mit Brünhild über die Heldentaten ihres Mannes spricht. Um sich zu versichern, dass Gudrun die Wahrheit erzählt, lässt sich Brünhild von ihr den Ring zeigen, den sie damals Sigurd als Zeichen der ewigen Verbundenheit geschenkt hatte.

Brünhild will sich rächen, da sie zutiefst verletzt ist. Sie verbreitet die Lüge, dass sie im Flammenring von ihm verführt wurde, als er im Auftrag Gunnars unterwegs war. Dies bedeutet den Wortbruch der Männer und Sigurd wird ermordet. Erst jetzt erfährt Brühnhild, dass Sigurd unter einem Zauber stand und somit unschuldig war.

Brünhild stellt nach seinem Tod seine Ehre wieder her und folgt ihm, indem sie sich mit seinem Leichnam auf dem Scheiterhaufen verbrennen lässt.3

Nach nordischer Überlieferung kann Brünhild Sigurd vergeben, währenddessen dies im NL nicht geschieht. Dieses Faktum ist ein wichtiger Unterschied zwischen der isländischen Sage und dem Nibelungenlied.

Es kommen in dieser Sage bereits die Vorgänger der Figuren Hagen, Gunther und Sigfried vor. Auch der Konflikt mit Gudrun kann als Streit der Königinnen betrachtet werden.

Brünhild wird in dieser Sage als übernatürliches Wesen beschrieben, um ihre Macht und ihre Kraft zu unterstreichen.4

Die Brünhild-Sage kam mit den anderen Edda-Texten in der Stauferzeit zurück ins deutschsprachige Reich. Es war eine sehr deprimierte Zeit, geprägt durch Raubrittertum und Kreuzzügen. Die Sagen und Mythen erhielten zu dieser Zeit einen Aufschwung, da sie einen Zugang zu unerforschten und traumhaften Welten bieten.

[...]


1 Quelle: http://wrappedtroubles.blogspot.com/2011/01/song-of-nibelungs.html (Stand: 14. Februar 2012)

2 Hansen, Walter: „Die Spur der Helden͘ Die Gestalten des Nibelungenlieds in Sage und Geschichte“

3 Hansen, Walter: „Die Spur der Helden͘ Die Gestalten des Nibelungenlieds in Sage und Geschichte“

4 In anderen Überlieferungen gibt es auch den Vergleich mit einer Amazone (ebenso eine kriegerische Gestalt) Seite 6

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Rolle der Brünhild im Nibelungenlied
Hochschule
Universität Salzburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Literatur des Mittelalters
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V195947
ISBN (eBook)
9783656218722
ISBN (Buch)
9783656219316
Dateigröße
927 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ältere deutsche Literatur, Brünhild, Sigfried, Nibelungenlied, Mediävistik
Arbeit zitieren
Anna Prodinger (Autor), 2012, Rolle der Brünhild im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195947

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