Die Arbeit präsentiert kurz die beiden Hauptrichtungen in der Debatte der globalen Gerechtigkeit und stellt anschließend eine kritische Alternative dar.
Inhaltsverzeichnis
I. Partikularismus vs. Kosmopolitismus
II. John Rawls und die RIAT
III. Innerstaatliche Probleme die extern bedingt sind
IV. Ungerechtigkeit durch strukturelle Macht- und Herrschaftsrelationen
V. Erneute Betrachtung des internationalen Rohstoffprivilegs
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretische Debatte zwischen Partikularismus und Kosmopolitismus im Kontext globaler Gerechtigkeit. Ziel ist es, eine kritische Perspektive aufzuzeigen, die Ungerechtigkeiten nicht nur als Versagen einzelner Institutionen betrachtet, sondern als Resultat komplexer, struktureller Macht- und Herrschaftsrelationen analysiert.
- Gegenüberstellung partikularistischer und kosmopolitischer Positionen
- Kritische Analyse von John Rawls' Ansatz der „rein innerstaatlich verursachten Armut“
- Untersuchung extern bedingter Probleme anhand von Thomas Pogges Privilegientheorie
- Erläuterung von Iris Marion Youngs Modell der sozialen Verbundenheit
- Synthese einer systemkritischen Theorie globaler Machtstrukturen
Auszug aus dem Buch
Innerstaatliche Probleme die extern bedingt sind
Pogge versucht nach seiner Kritik an Rawls RIAT-These zu zeigen, dass bestimmte Faktoren die auf den ersten Blick innerstaatlich erscheinen, doch global bedingt sind. Er wählt dafür die Beispiele des internationalen Rohstoff- und Kreditprivilegs. Das internationale Rohstoffprivileg legt fest, dass die Gruppe, die die Gewaltmittel in einem Land kontrolliert, die Verfügung über die Ressourcen des Landes hat und die Eigentumsrechte an andere übertragen kann. Das ist eine erhebliche Ursache von Bürgerkriegen, Putschversuchen und Korruption in vielen Ländern. Ähnlich verhält es sich mit dem internationalen Kreditprivileg. Die Frage ist nun: Wenn also unsere globalen Institutionen und Verträge Armut mit beeinflussen, sollten wir nicht Verantwortung dafür übernehmen?
Pogge argumentiert, dass wir neben positiven Pflichten („Armenhilfe“) auch negative Pflichten haben, und zwar, die Pflicht Schädigungen zu minimieren und ungerechte Verhältnisse nicht auszunutzen. Er sieht auch keinen Grund, warum kontingente Unterschiede, wie z.B. Nationalität, diese Pflichten abschwächen sollten. Außerdem sei der Aufwand um dies zu erreichen relativ gesehen gering. Pogge entwirft hier einen institutionell orientierten Blick und verwendet ein klassisches Haftbarkeitsmodell von Verantwortung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Partikularismus vs. Kosmopolitismus: Einführung in die philosophische Debatte und Definition der zentralen Kriterien beider Denkrichtungen im Hinblick auf globale Gerechtigkeitsansprüche.
II. John Rawls und die RIAT: Kritische Auseinandersetzung mit Rawls' Theorie, die die Ursachen von Armut primär in nationalen, kulturellen Bedingungen verortet.
III. Innerstaatliche Probleme die extern bedingt sind: Analyse von Pogges Kritik, in der er aufzeigt, wie globale Institutionen und Machtprivilegien vermeintlich innerstaatliche Armut erst erzeugen.
IV. Ungerechtigkeit durch strukturelle Macht- und Herrschaftsrelationen: Erweiterung der Perspektive durch das Modell von Iris Marion Young, um soziale Verbundenheit und systemische Ungerechtigkeiten jenseits individueller Schuld zu erfassen.
V. Erneute Betrachtung des internationalen Rohstoffprivilegs: Anwendung der erarbeiteten systemkritischen Theorie auf Eigentumsstrukturen und Rohstoffmärkte als Instrumente globaler Ausbeutung.
VI. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit einer neuen politischen Utopie zur Überwindung globaler Ungerechtigkeiten.
Schlüsselwörter
Globale Gerechtigkeit, Partikularismus, Kosmopolitismus, RIAT, Thomas Pogge, John Rawls, Iris Marion Young, Rainer Forst, soziale Strukturen, Machtstrukturen, Rohstoffprivileg, Kreditprivileg, strukturelle Ungerechtigkeit, politische Utopie, Weltmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die philosophische Debatte um globale Gerechtigkeit und hinterfragt, ob Armut ein rein innerstaatliches Problem ist oder durch globale Strukturen verursacht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Partikularismus und Kosmopolitismus sowie die Frage nach der institutionellen und strukturellen Verantwortung für globale Ungerechtigkeit.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Der Autor möchte eine kritische Alternative aufzeigen, die den Blick von rein politischen Institutionen auf soziale und ökonomische Machtverhältnisse verschiebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine diskursive Analyse und theoretische Auseinandersetzung mit Schlüsseltexten der politischen Philosophie gewählt, ergänzt durch die Anwendung theoretischer Modelle auf reale Beispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Kritik an John Rawls, der Diskussion von Thomas Pogges Privilegientheorie und der Einbindung von Iris Marion Youngs Modell sozialer Verbundenheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Globale Gerechtigkeit, Machtstrukturen, institutionelle Verantwortung und strukturelle Ungerechtigkeit.
Wie unterscheidet sich die Perspektive von Pogge zu der von Young?
Während Pogge sich auf Institutionen und deren Haftbarkeit konzentriert, betrachtet Young soziale Strukturen, die Menschen über institutionelle Grenzen hinweg miteinander verbinden.
Welche Rolle spielen Rohstoffe in der Argumentation?
Rohstoffe dienen als Beispiel dafür, wie globale Eigentumsrechte und das internationale Rohstoffprivileg Bürgerkriege und Korruption in Entwicklungsländern fördern.
Ist laut dem Autor ein Systemwechsel erforderlich?
Der Autor deutet an, dass angesichts der strukturellen Verursachung von Ungerechtigkeit durch den globalen Kapitalismus ein bloßes Kompensationsmodell nicht ausreicht und neue politische Utopien notwendig sein könnten.
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- Danny Krämer (Author), 2012, Globale Gerechtigkeit: eine kritische Theorie abseits von Partikularismus und Kosmopolitismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195949