„Menschlichkeit“ – Androiden und Menschen in Ridley Scott’s "Blade Runner" (1982)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
11 Seiten, Note: 2,0
Marc Schubert (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die menschliche Identität
2.1 Erinnerungen und eine eigene Geschichte
2.2 Gefühle

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Menschheit ist nicht mehr allein“ (Asimov 1982): Künstliche Lebewesen waren schon immer essentieller Bestandteil von Science-Fiction Filmen. Angefangen mit ersten Robotern in Metropolis (1926) und Frankenstein (1931) über böse Maschinenmenschen in Gog und Target Earth (beide 1954) und den ersten „totalen Ersatzmenschen“ in Westworld (1974) sowie nach der Mondlandung Star Trek (1979), Blade Runner (1982) und Terminator (1984) und technisch ausgereiften Cyborgs, die Weiterentwicklung von Androiden, die mit „künstlichen Organen“ ausgestattet sind (Altendorf/Mathey 1990: 68-71).

Das zentrale Thema dieser Hausarbeit ist die Unterscheidung zwischen diesen Androiden und den Menschen, wobei die Maschinen in diesem Fall so humanoid wirken, dass sie leicht mit einem Menschen verwechselt werden können. Dabei soll die Frage im Vordergrund stehen, ob eine Unterscheidung von Menschen und Androiden überhaupt möglich ist, beziehungsweise wie sie vorgenommen werden kann:

„Human beings in science-fiction films have already lost their uniqueness to robots, androids, and cyborgs. Replicants - genetically engineered androids –were touted as 'more human than human' by their corporate creators in [...] Blade Runner, and the film's contrast between dejected humans resigned to a dreary existence dictated by corporate greed and the replicants' passionate intensity proves the motto depressingly true.“

(Springer 1999: 203, zit. nach Trischak 2002)

Trotzdem ist das charakteristische, distinktive Merkmal der Menschen ihre eigene Identität, die sich aus Erinnerungen und Gefühlen sowie der Möglichkeit der Selbstreflexion zusammensetzt. Daher werden im Folgenden insbesondere diese beiden Elemente theoretisch vertieft und ihre Bedeutung anhand von Beispielen aus Ridley Scott’s Blade Runner (1982) und den darin vorkommenden Replikanten erläutert, um diese möglichst detailliert zu beschreiben. Dabei werden auch bestimmte wiederkehrende Motive (beispielsweise des Auges und der Fotografien) näher beschrieben.

2. Die menschliche Identität

Die Autorin Katharina Pietsch schreibt treffend:

„Im Jahre 2019 der Filmhandlung ist es den genetischen Konstrukteuren gelungen, die höchste Form künstlichen Lebens zu erschaffen: Wesen, die stärker und beweglicher als Menschen und mindestens ebenso intelligent sind wie ihre Geningenieure. ReplikantInnen sind aus Fleisch und Blut, und sie ähneln Menschen so sehr, dass sie nur durch eine hochspezialisierte Diagnostik von diesen zu unterscheiden sind: Dem ,Voight-Kampff-Test’, der unbewusste emotionale, insbesondere empathische Reaktionen misst.“

(Pietsch 2005: 2)

Die Replikanten sind demnach eine perfekte Kopie des Menschen. Trotzdem gibt es zwei Charaktereigenschaften, mit denen man sie objektiv von Menschen unterschieden kann: Sie haben auf Grund der künstlichen Erschaffung keine eigene Geschichte und damit keine Erinnerungen. Außerdem haben ihre menschlichen Schöpfer bewusst entschieden, dass sie keine natürlichen Emotionen empfinden können: „Die Ingenieure meinten, dass sie nach ein paar Jahren emotionale Reaktionen entwickeln, deshalb haben sie ihnen eine Sicherung eingebaut: 4 Jahre Lebenserwartung“ (Pietsch 2005: 2).

In diversen Diskussionsforen über den Film wird außerdem häufig die Frage aufgeworfen, ob Deckard selber ein Replikant ist:

"Its one addition [in the director’s cut], in which Deckard dreams of a unicorn, seemed in context to suggest that the central character was himself a replicant and thus overturned all prior audience assumptions about stable human identity and the dividing lines between self and other."

(Brooker 1999: 58)

Diese Sequenz beweist für viele, „dass Deckard ein Replikant ist, da Gaff, ein Polizistenkollege von Deckard, ebenfalls ein Einhorn vor seiner Tür zurücklässt und dieser scheinbar seine Träume kennt“ (Trischak 2002). Dies ist aber nur möglich, wenn der Einhorntraum letztendlich auch nur ein Implantat war.

Deckard’s Ursprung wird im Film nicht endgültig geklärt, allerdings auch dadurch, dass der Film sich für diesen Unterschied nicht interessiert, da er unerheblich ist (vgl. Pietsch 2005: 4). Viele Kritiker waren nach der Erstveröffentlichung daher verärgert: "Most critics missed an overtly humanist side to the film - a clear indication as to what being human was and what it meant" (Bukatman 2000: 34)

Jedoch führte genau dieses In-Frage-Stellen des Menschseins zum Erfolg des Films und verleiht ihm seine Tiefgründigkeit durch die Möglichkeit, über diese Themen nachzudenken und zu philosophieren (vgl. Trischak 2002). Diese Undurschaubarkeit wird im Film durch diverse Mittel unterstützt, beispielsweise durch das aufwendige Spiel mit Licht und Schatten, das im Zuschauer ein Gefühl von Misstrauen und Unvertrautheit hervorruft.

Damit bietet „der Film [...] einen Kontrast zu den sauberen, geometrisch aufgebauten Bildern anderer Science-Fiction-Filme, wie etwa 2001 (1968)“ (Bergstrom 1991: 34) und Diskussionsstoff - im Gegensatz zu populären Science-Fiction-Filmen wie etwa Terminator, die laut Ansicht einiger Kritiker fast ausschließlich spektakuläre Action und somit hauptsächlich sinnliches Spektakel bieten (vgl. Grant 1999: 28).

In Blade Runner geht es folglich um den Versuch, das Mensch-Sein zu definieren:

„Synthetic human narratives, from Pygmalion to Pinocchio to Terminator 2, have always challenged, or at least made explicit, definitions of 'natural' humanity and its role or function. Defining the human provides most of Blade Runner's philosophical focus.“

(Bukatman 2000: 64 -65)

Im Folgenden werden nun die möglichen Kriterien zur Unterscheidung von Menschen und Replikanten, die Vermutungen über die Trennungslinien von uns und ‚den anderen’, vorgestellt und analysiert.

2.1 Erinnerungen und eine eigene Geschichte

Erinnerungen sind für die menschliche Identität von großer Bedeutung und stehen daher auch in Blade Runner im Zentrum des Films (vgl. Trischak 2002).

Dabei ist unter anderem der Voight-Kampff-Test (ein neuartiger Test, der Menschen von Replikanten unterscheiden soll), den Deckart mit Rachael durchführt, von entscheidender Relevanz, der in ihrem Fall unverhältnismäßig lang dauert. Damit wird erneut verdeutlicht, wie schwierig die Unterscheidung zwischen Menschen und Maschinen ist. Auffällig ist dabei auch das häufig verwendete Motiv des Auges. Es symbolisiert in diesem Fall unter anderem die eigene Geschichte, die man mit den eigenen Augen erlebt und gesehen hat, aber auch die Verbindung von Außen und Innen (die eigentlich bei Maschinen nicht möglich ist) als Fenster zur Seele, das aber auch häufig als Symbol der Erkenntnis benutzt wird. Daher steht das Auge im Zentrum des Tests und symbolisch für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich.

Bei dem Test stehen ebenfalls die Erinnerungen von Rachael im Vordergrund:

„Sie wurde mit Erinnerungen der Nichte von Dr. Tyrell ausgestattet und fühlte sich nicht zuletzt deshalb bis zu diesem Zeitpunkt selbst als Mensch. Erinnerungen dienen den Cyborgs als emotionaler Puffer, wodurch sie besser handhabbar werden sollen. Bilder stützen diese Erinnerungen.“

(Trischak 2002)

Obwohl die eigenen Erinnerungen „das Intimste [sind], worüber ein Mensch verfügt“, gerät im Film „dieser innerste Kern der menschlichen Seele in den Bereich technisch herstellbarer Verfügbarkeit“ (König 1983), um bisher angenommene Grenzen zwischen Menschen und Maschinen zu durchbrechen.

Da die Replikanten bis auf die künstlich implantierten Erinnerungen über keine eigene Geschichte verfügen, suchen sie nach ihr beziehungsweise ihren eigenen Wurzeln. Rachael versucht dies und ist erfolgreich: „She has a document – as we know, the foundation of history“ (Bruno 2003: 183), ein Foto, auf dem sie von ihrer Mutter umarmt wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
„Menschlichkeit“ – Androiden und Menschen in Ridley Scott’s "Blade Runner" (1982)
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V195991
ISBN (eBook)
9783656220015
ISBN (Buch)
9783656220497
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
menschlichkeit, androiden, menschen, ridley, scott’s, blade, runner
Arbeit zitieren
Marc Schubert (Autor), 2012, „Menschlichkeit“ – Androiden und Menschen in Ridley Scott’s "Blade Runner" (1982), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195991

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