Completing Globalization

Globalisierung zuende gedacht


Essay, 2004

54 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung - Building the Platform for Tomorrows Business

1. The Path to Freedom and Prosperity
a) Ending the Age of Misery
b) The LIFENET Plan - A Marshall Plan for the Rest of the World

2. The Future of Global Security
a) Pre-emptive Strike
b) Preventive Integration

3. End of the Nation State?
a) A Union of Unions
b) Steps towards World-Nation-Building

4. An integrated Global Infrastructure-Upgrading-Process
a) Terraforming Terra
b) Getting the Job done within 3 Decades
c) The Solar-driven Revolution

Schluss – A Backbone for Security

Einleitung

Building the Platform for Tomorrows Business

Die Frage des Friedens ist untrennbar verbunden mit der Frage eines umfassenden Interessenausgleichs der Nationen und gesellschaftlichen Gruppierungen der Erde. Der Friede des Einzelnen und der Gemeinschaft – hier verstanden als Sicherheit des Individuums vor politisch motivierter Gewaltanwendung durch Staaten, Organisationen oder Individuen – basiert auf dem Erreichen eines Zustandes wirtschaftlicher und sozialer Harmonie, die – aufbauend auf einer für jeden Weltbürger ausnahmslos zu erreichenden Befriedigung der Grundbedürfnisse und Freiheit von Existenzängsten – Raum und vielfältige Gelegenheiten zur konkreten Verwirklichung materieller und professioneller Aspirationen bietet. Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika als einer strukturierenden Kraft in der Entwicklung und konkreten Ausgestaltung der internationalen Beziehungen bedeutet dies die Notwendigkeit, in kontinuierlicher behutsamer Bewusstheit zu agieren bezüglich der eigenen Eingebundenheit in ein Regelkreissystem aus politischer Gestaltung, Wahrnehmung und Bewertung des Gestalteten in seinen Auswirkungen auf Bewohner in anderen Teilen der Welt und der Möglichkeit des mehr oder weniger koordinierten Aufbegehrens von Gruppierungen, die sich als Vertreter der Marginalisierten bzw. unterprivilegierten Weltbevölkerungsteile verstehen, gegen bestimmte strategische Gestaltungsprinzipien, die - aus der Sicht genannter Gruppierungen – diese daran hindern, die oben erwähnte Befriedigung der Grundbedürfnisse zu erreichen. Dies gilt in geringerem Maße auch für andere reiche Industrienationen und weitere Akteure im internationalen System, wie z.B. von ihnen dominierte internationale Organisationen (UN, WTO, OECD, IWF, Weltbank etc.), sowie transnationale Konzerne.

Es gilt also für die nächste Administration erneut abzuwägen, inwieweit die strategische Ausrichtung außenpolitischer Entscheidungsprozesse, die – eingebunden in die vielfältigen Verbindlichkeiten vertraglicher und völkerrechtlicher Art, die im internationalen System bestehen – dergestalt neu justiert werden kann oder sogar muss, dass es gelingt zu verhindern, dass politisch motivierte Gewaltausübung Produkt des oben genannten Regelkreises ist. Hierin liegt nicht nur eine spieltheoretische Option, sondern eine Verpflichtung gegenüber der Sicherheit der eigenen Bevölkerungen, sowie großer Teile der Menschheit begründet. Es gilt, eine neue, umfassende Strategie, ein „Grand Design“ zu entwerfen, welches einfühlsam genug strukturiert ist, um allen Stakeholders und Akteuren der internationalen Beziehungen als vertretbarer Kompromiss zu erscheinen und gleichzeitig wirkungsmächtig genug ist, um zu einer mittelfristigen Überwindung der Defizite, die für die Versorgungsmängel in großen Teilen der Weltbevölkerung verantwortlich zu machen sind, führen zu können. Nach unserem Dafürhalten sollte ein solcher Prozess nicht länger als 30, besser aber 20 Jahre dauern, um tatsächlich die konkrete Hoffnung der Betroffenen auf eine spürbare Verbesserung ihrer Lebensumstände in einem überschaubaren Zeitraum in einen Enthusiasmus aktiver Kooperationsbereitschaft an den Transformationsprozessen zu verwandeln, der allein die Verwirklichung der erstrebten Ziele mit sich bringen bzw. nach sich ziehen kann. Unsere Vision einer voll-integrierten Weltwirtschaft, die auf einer voll-integrierten Versorgungs-, Bildungs-, Wohn- und Verkehrsinfrastruktur und einer weltweiten Angleichung der Kaufkraft und Einkommensverhältnisse aufsetzt, geht aber noch einen Schritt weiter, als nur konkrete Lösungsszenarien für eine Überwindung von Armut, Kriegsgefahren, Migrationsströmen und Terrorgefahren zu formulieren: es geht letztendlich darum, ein globales Wirtschaftswunder von bisher nicht da gewesenen Ausmaßen zu instrumentieren, den globalen Schritt in die Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft und die Solar-/ Wasserstoffwirtschaft zu vollziehen und damit eine neue Epoche in der Geschichte der Menschheit einzuleiten.

Ein solcher Prozess, der – frei von aller Halbherzigkeit – mit der echten Bereitschaft zu teilen von einem Großteil der Stakeholder aus Politik, Wirtschaft und NGOs mitgetragen werden würde, hätte nicht nur die auf der Erfahrung eines solidarischen Miteinanders basierende Kraft, Entscheidungsträger aller Couleur, d.h., Repräsentanten des Nordens, Südens, Ostens, sowie der verschiedenen Religionen auf ein gemeinsam erstrebtes Ziel hin zu einen, sondern würde gewissermaßen fast nebenbei 5 Milliarden neue kaufkräftige Kunden innerhalb von 1 oder 2 Dekaden schaffen. Diese gigantischen latenten Kundenpotenziale für den Massenkonsum us-amerikanischen bzw. westlichen Zuschnitts können in den globalen Wirtschaftskreislauf integriert werden und dort lokalen wie globalen Akteuren der Wirtschaft zu Aufschwung und Wachstum verhelfen. Dies allein würde in eine Win-Win-Situation münden, die sowohl einen erheblichen Zuwachs an Zufriedenheit für die Bevölkerungen der Krisenregionen im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika, sowie Teilen von Asien, Südamerika und Osteuropa mit sich brächte, als sie auch Wachstumspotenziale riesigen Ausmaßes für die amerikanische Wirtschaft schaffen würde. Man muss in diesem Zusammenhang allerdings klar sagen: Umsätze in großem Umfange lassen sich nur dort realisieren, wo große Teile der Bevölkerung über ein genügend hohes Einkommen verfügen und somit konkret dazu in der Lage sind, Produkte und Dienstleistungen jeglicher Art zu konsumieren und damit auch die Nachfragebasis der Unternehmensabsätze kontinuierlich zu stärken und zu verbreitern. Deshalb muss auch den Global Players aus Sicht eines nachhaltigen und tiefgreifenden Wachstums daran gelegen sein, die Differenz zwischen dem Reallohn eines Mitarbeiters und dem für die Existenzsicherung benötigten Teil desselben so groß wie wirtschaftlich vertretbar zu gestalten, um somit den Massenkonsum in den heute noch von Armut und Versorgungskrisen geplagten Regionen technisch zu fazilitieren und damit eine kontinuierliche Steigerung der Produktionsmengen und der Produkt- und Dienstleistungsvielfalt zu ermöglichen. Eine Erhöhung der Löhne führt natürlich auch zu einer Erhöhung des Steuereinkommens der jeweiligen Staaten, was deren Handlungsspielraum in Bezug auf Infrastruktur-, Bildungs- und Versorgungsmaßnahmen vergrößert. Vor allem führt es aber zu jener eingangs zitierten Zufriedenheit mit den Lebensumständen, bzw. einer Hoffnung der Bewohner von Versorgungskrisenregionen auf eine spürbare kontinuierliche Verbesserung ihrer Lebensumstände, die den Hass überwindet und der Gewaltbereitschaft und dem Terrorismus den Nährboden entzieht. Einen solchen Zustand auf globaler Ebene im Konsens mit den Entscheidungsträgern in den Zielregionen zu erreichen sollte das Ziel der nächsten US-Administration sein.

1. The Path to Freedom and Prosperity

a) Ending the Age of Misery

Bis zum heutigen Tage stehen die großen Forderungen der Heiligen Schrift an uns unerfüllt als Mahnmal und Beweis des Ausmaßes unserer Wahrhaftigkeit und unserer Fehlbarkeit und belasten unser Gewissen ob unserer Inkonsequenz trotz vielfach vorhandener Mittel. Dennoch gilt es auch, sich des Erreichten zu freuen und nicht nur zu beklagen, sondern zu ermutigen und neue, umfassendere Pläne zu entwickeln, um das, was wir nach bestem Wissen und Gewissen glauben, dass es Gottes Wille für unser Handeln ist, tatsächlich umzusetzen. Den Krieg, die Ungerechtigkeit und die Armut zu überwinden und auch den Witwen und Waisen ihren Lebensunterhalt zu sichern sind göttliche Aufgaben von höchstem sittlichen und ethischen Wert, die seit den Zeiten des Alten Testaments an uns gerichtet sind. Sie für alle Menschen zu erfüllen bedeutet nicht nur wahres Judentum und wahres Christentum, sondern auch wahren Islam. Und auch die Lehren Buddhas und des hohen Hinduismus gehen vollständig konform mit einer solchen Zielsetzung auf globaler Ebene, die dadurch im Zeitalter der Globalisierung auch zu einem gemeinsamen Hauptnenner für die sozialpolitischen Zielsetzungen von Völkern und Menschen in allen Teilen der Welt werden kann.

Aber es geht um noch mehr, als nur darum, eine ungefähre Zielsetzung zu formulieren, wohin die Reise gehen soll: Es geht darum, eine konkrete Zeitplanung vorzunehmen, die Überwindung des Elends in allen Teilen der Welt zu einem konkreten Businessplan zu machen und – im Zeitalter der technischen Machbarkeit dessen, was der Wille Gottes uns gebietet – die konkrete individuelle Verantwortung dafür zu übernehmen, nichts unversucht zu lassen, was in unserem eigenen Einflussbereich liegt, um diese großen Menschheitsfragen und –aufgaben auch mit vollem Einsatz unserer eigenen Mittel zu unseren Lebzeiten gemeinsam mit Gleichgesinnten zu bewältigen. Für den wahren Christen, oder den, der sich dafür hält, ist dies nicht nur eine gedankliche Option, sondern – gemäß des Jakobiner-Briefes im Neuen Testament -, ein absolutes unabänderbares ‚Muss’ -, denn ohne Werke kein wahrer Glaube. Sich dieser Verantwortung zu entziehen heißt also, den Willen Gottes und den wahren Glauben zu verleugnen – um des eigenen, meist materiellen, Vorteils willen. Zurückzugehen an den christlichen Urgrund der Nächstenliebe als treibende Kraft für karikatives Handeln von Individuen und Organisationen ist auch deshalb von so großer Bedeutung, weil eben auch die Ausgestaltung internationaler Beziehungen und Rechtsbegriffe in vieler Hinsicht davon geprägt oder zumindest bis zu einem gewissen Grade beeinflusst ist. Der Ruf nach einer Neuen Weltsicherheitsarchitektur, der seit dem 11. September 2001 in den USA aufbrandete und in weiten Teilen der Welt immer lautstärker zu vernehmen ist, muss daher in eine umfassende multidimensionale Friedenssicherungsstrategie münden, die – basierend auf einer gründlichen und wahrheitsverpflichteten Bestandsanalyse der konkreten wirtschaftlichen, sozialen, humanitären, umweltbezogenen und politischen Ist-Situation in allen Ländern und Regionen der Welt – nicht nur auf eine Eindämmung der möglichen Auswirkungen von gegebenen Missständen in Krisenregionen auf die USA und die westlichen Industrieländer hinzielt, sondern auf eine vollständige Überwindung derselben innerhalb eines überschaubaren Zeitraums hin ausgerichtet ist. Nur auf diese Weise können die tatsächlichen Wurzeln der unzähligen potenziellen Bedrohungsszenarien nicht nur identifiziert und versuchsweise eingedämmt, sondern tatsächlich durch kollektive Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft entschärft und überwunden werden.

In einer Welt, in der die Herstellung von thermonuklearen Waffen bereits seit 6 Jahrzehnten bekannt ist und die technologischen Barrieren zu ihrer Herstellung aufgrund des allgemeinen Fortschritts zunehmend sinken, kann die US-Administration es nicht dem Zufall oder der Gunst des Schicksals überlassen, ob die tieferen Ursachen für Hass, Unzufriedenheit und Gewaltbereitschaft von Menschen – und in verschiedenen Fällen Großteilen der Bevölkerungen ganzer Nationen – durch geeignete weltpolitische Gestaltungsmaßnahmen überwunden werden können, oder nicht. Dies hieße, mit dem von Terroristen ausgelösten thermonuklearen Holocaust russisch Roulette zu spielen. Dies gilt natürlich auch für andere regionale Hegemonen wie die EU, die Russische Föderation, die Volksrepublik China, die Indische Union, Japan, Brasilien, Süd-Afrika und Nigeria als Gravitationszentren der Afrikanischen Union (AU), Saudi-Arabien als Zentrum der islamischen Welt und Israel als möglichem Zentrum des südöstlichen Mittelmeer-Raums auf deren mögliche kooperative Rolle noch weiter unten eingegangen werden wird. In besonderem Maße wird es jedoch von der US-Administration abhängen, in Abstimmung mit der EU und den anderen genannten regionalen Hegemonen Initiativen zu entwickeln, die geeignet erscheinen, eine nachhaltige Befriedung, Entwicklung und Sicherung der Daseinsvorsorge in den verbliebenen Versorgungskrisenregionen zu erreichen.

b) The LIFENET Plan - A Marshall Plan for the Rest of the World

Es geht also zunächst darum, was zu tun ist und alsdann um die Frage, wie es realpolitisch umgesetzt werden kann in einer Welt, die von Konflikt-Szenarien, Korruption und inneren Instabilitäten in einer Vielzahl der Nationen übersät ist, die zudem in der Realität weit davon entfernt erscheinen, idealistische und altruistisch motivierte Grand Strategies gemeinsam und bereitwillig zu akzeptieren. Und genau hier liegt die Schwierigkeit der Strategie-Formulierung, einer Strategie-Formulierung, die pragmatisch genug sein muss, um die Filter der Netzwerke internationaler Verpflichtungen, die die Freiheit außen- und weltpolitischer Entscheidungsprozesse limitieren, passieren zu können und zu einer nahtlosen, unverzüglichen und möglichst reibungsverlustarmen Implementierung durch alle als Stakeholder involvierten Akteure zu führen, aber gleichzeitig auch visionär genug ist, um des Problems der Überwindung der globalen planetaren Krise als Ganzem Herr werden zu können und auch die paradigmatischen und normativen Wandlungen der weltgesellschaftlichen Realität als Folge der Implementierung des Krisenmanagementprozesses erkennen und realistisch abschätzen zu können.

Hierbei kommt es für den Erfolg der zu verabschiedenden Maßnahmenpakete in entscheidender Weise darauf an, die tatsächlichen Handlungsmotivationen und Zielstellungen der verschiedenen Akteure zu verstehen und im Rahmen der Planungsprozesse zu berücksichtigen, sodass ein Konzept geschaffen werden kann, dass zu einem tatsächlichen Ausgleich der Interessen führt, die Wurzeln aller bestehenden Konflikte und Parameter der Krise zu überwinden imstande ist und somit die Grundlage für ein integratives und – innerhalb gewisser Schwankungsgrenzen – gleichmäßiges Weltwirtschaftswachstum nach Abschluss der notwendigen heranführenden Ausgleichsprozesse der weltweiten Leistungs- und Versorgungsinfrastrukturen schafft. Hierbei wird sich zeigen, dass dieser Interessenausgleich im Wesentlichen durch einen Abgleich der Fundamentalinteressen der 10 regionalen Hegemone erreicht und deren gemeinsame Gestaltungsmacht zur tatsächlichen Implementierung des Krisenmanagementprozesses auch aktiv in Form einer konzertierten Aktion genutzt werden kann. Dadurch, dass es sich um einen relativ kleinen Kreis von Entscheidern in diesem Szenario handelt, kann erwartet werden, dass ein hoch-effizientes Handeln in den Bereichen Konfliktprävention, Zukunftssicherung und Infrastrukturvervollständigung gewährleistet ist und die Umsetzungsmaßnahmen sowohl in den von den Hegemonialmächten direkt kontrollierten Territorien (eigenes Staatsgebiet) als auch in deren Einflussgebiet bzw. durch nacheifernde Staaten realisiert werden können. Der Erfolg der angestrebten Maßnahmen wird also in großem Maße davon abhängen, ob es gelingt, eine vertragliche Grundlage zwischen den Regional-Hegemonen zu schaffen, welche eine geeignete Plattform sowohl für die reibungslose Durchführung des LIFENET-Prozesses, als auch die integrativen Vernetzungen der 10 Hegemonen untereinander während und nach der Umsetzung des LIFENET-Vorhabens zu schaffen.

Worum aber geht es im Einzelnen bei diesem Vorhaben? Stellen wir uns einmal vor, die Erde, bzw. der von Menschen prinzipiell bewohnbare Teil ihrer Oberfläche sei ein Organismus, vergleichbar einem Embryo im Mutterleib. Bei einem solchen würden sich nach einiger Zeit vernetzte Strukturen bilden, die das ganze System verbinden. Zu nennen wäre hier z.B. das Nervensystem, das in unserem Beispiel vielleicht dem Internet entspräche. Bei dem wachsenden Organismus würden später weitere vernetzte Systeme hinzutreten, wie z.B. Blutkreislauf, Lymphsystem, Knochengerüst usw. In unserem Beispiel würden diese ihre Entsprechung in einer Vielzahl von weltweit integrierten Versorgungs- und Infrastrukturnetzen finden, wie zum Beispiel einem integrierten Wasserversorgungs- und –entsorgungssystem (AQUANET), einem Solarenergieversorgungsnetz (SOLARNET), einem Netz von Infrastruktureinrichtungen (INFRANET) und einem Netz aus medizinischen Versorgungsstätten (MEDINET), um nur einige zu nennen. Während der Organismus im Mutterleib heranwächst, vervollständigt sich also auch seine „physische Infrastruktur“ und zwar auf eine global vernetzte Weise, die im Anschluss – nach der Geburt – ein reibungsloses Funktionieren und Agieren des dann voll-integrierten Organismus ermöglicht.

Obwohl das Beispiel sicherlich etwas unbeholfen wirkt, erlaubt es jedoch eine Analogie, die dem Verfasser wertvoll erscheint: Die Option einer hochintegrierten Weltgesellschaft der Zukunft, deren wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungsdynamik auf dem Vorhandensein einer weltweit auf annähernd einheitlichem Standard bestehenden Infrastruktur und Versorgungsleistungsstruktur aufsetzt. Ein solches Szenario würde großen Teilen der Weltbevölkerung mittelfristig Zugang zu kaufkraftbasiertem Massenkonsum eröffnen und somit zu einem globalen Wirtschaftswunder führen, da auch die Produktion stark ausgeweitet werden müsste, um den Anstieg der Nachfrage befriedigen zu können. Der Nutzen für die leistungsfähigsten Segmente der Weltwirtschaft wäre unabsehbar. Es erscheint also lohnend, einem solchen Zustand zuzustreben, die Frage ist nur: wie? Probleme ergeben sich in technischer, finanzieller, politischer, kultureller und sozialer Hinsicht, wobei nach Einschätzung des Verfassers die finanziellen und kulturellen Hemmnisse am schwierigsten zu überwinden sein werden. Es erscheint aber aufgrund der enormen Größe des Vorhabens unumgänglich, dass eine integrierte Gesamtstrategie entwickelt und zum Einsatz kommen muss, die auf einer umfassenden globalen Bedarfsanalyse, bzw. einer Darstellung des Ist-Zustandes aufsetzt. Ein Großteil der dazu erforderlichen Daten wird in Gremien der Weltbank, des IWF und der UNO regelmäßig ermittelt und ist daher verfügbar. Um die Rahmenbedingungen für das Erreichen der maximalen Leistungsfähigkeit der Weltwirtschaft innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu schaffen, gilt es daher, einen gerichteten, aufholenden Entwicklungsprozess zu initiieren, dessen Ziel die Heranführung aller strukturschwachen Regionen der Welt an jenen angestrebten, annähernd einheitlichen Standard von Infrastruktur und Versorgungsleistungen ist. Dies kann eigentlich sinnvollerweise nur durch einen Krisenmanagementprozess geleistet werden, der im Idealfall von allen Nationen der Erde gemeinschaftlich befürwortet und getragen wird, wobei aus unserer Sicht das bereits erwähnte Vertragssystem der 10 Hegemonen – (LIFEPACT), dem sich weitere Länder jederzeit anschließen können – und eine konzertierte Aktion zur Implementierung desselben eine integrative Motorfunktion für diesen aufholenden Entwicklungsprozess einnehmen werden.

Aufgrund ihrer herausragenden außenpolitischen Stellung sind die USA eigentlich dazu prädestiniert, einen solchen Prozess zu initiieren und – mit ihren politischen Verbündeten – eine Plattform zu bereiten und auszudifferenzieren, die es während der nächsten Legislaturperiode(n) ermöglicht, von einem konfrontativen zu einem integrativen Ansatz zur Bewältigung entwicklungs- und globalisierungsbedingter Konflikte überzugehen und so dauerhafte und nachhaltige Friedens- und Zukunftssicherungsprozesse im weltweiten Maßstab auf den Weg zu bringen und zu stabilisieren. Hierbei kann natürlich die EU mit ihrem reichen Erfahrungsschatz in Bezug auf die Integration unterschiedlichster staatlicher Gebilde mit stark differenzierten kulturellen Eigenheiten und national-politischen Interessensphären wichtige flankierende und strukturierende Hilfestellungen leisten. Von zentraler Bedeutung dürften in dieser Hinsicht der Barcelona-Prozess, in dem eine intensive Kooperation mit den Staaten des südöstlichen Mittelmeerraums seit ca. 20 Jahren gestaltet wird, und das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PCA) zwischen der EU und der Russischen Föderation (RF) sein. Besonders entscheidend ist hier sicherlich auch der Gemeinsame Wirtschaftsraum (Freiheit von Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehr / Quelle: SWP-Aktuell 54, 12/03), den die EU und die Russische Föderation anstreben. In den genannten Zusammenhängen sind rudimentäre Basisstrukturen bereits geschaffen worden, die ein systematisches Aufstocken von weiteren Verflechtungs-, Integrations- und Kohäsionsmodulen begünstigen und daher zu einer Verminderung von Reibungsverlusten bei den vertraglichen Aushandlungsprozessen und erheblichen Zeitgewinnen führen können. Von entscheidender Bedeutung ist natürlich die vollständige Einbeziehung und inhärente Unterstützung des islamischen Blocks, sowie Indiens und Chinas. In bezug auf die islamischen Länder ist es ohne Frage von zentraler Bedeutung, vor allem diejenige Instanz als notwendigen Vertragspartner zu identifizieren und zu gewinnen, die tatsächlich über die Gestaltungsmacht verfügt, ein Einhalten der ausgehandelten Bedingungen durch sämtliche islamischen Staaten zu garantieren und zu gewährleisten. Darauf wird weiter unten noch genauer eingegangen werden. Ähnliches gilt für die Afrikanische Union (AU), wo die Union als Ganzes zwar der gewünschte Adressat bzw. Vertragspartner ist, aber mit Südafrika, Nigeria und evtl. auch Libyen mehrere Gravitationszentren mit industrieller, rohstoffmäßiger (Nigerias Erdöl) und politischer Schwerpunktrolle bestehen.

Die Rolle Libyens sollte in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden, da Colonel Gaddafi die treibende Kraft, bzw. politische Führungspersönlichkeit hinter dem Gründungs- und Integrationsprozess der AU darstellte. Durch seinen Verzicht auf nukleare Aufrüstung ist Libyen zudem inzwischen auch für den Westen ein in vieler Hinsicht akzeptabler Verhandlungspartner geworden, der sich – gewissermaßen vom Saulus zum Paulus gewandelt – unter Umständen als zentrale politische Größe der AU auch in bezug auf das Aushandeln der LIFEPACT-Dokumente herauskristallisieren kann. Dies liegt nicht zuletzt auch in der starken Dynamik des gegenwärtigen politischen Wandels in der Region begründet. In bezug auf die Indische Union stehen die Chancen bezüglich einer vielschichtigen und hochintegrierten Kooperation unserer Auffassung nach besonders gut. Als neue Großmacht strebt Indien ambitioniert danach, in der internationalen Staatenwelt eine Rolle einzunehmen, die es dem Land ermöglicht, den Einfluss konkret und von allen anderen Staaten auch akzeptiert auszuüben, der ihm aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre de facto schon längst zusteht. Die weiter unten beschriebene Union der Unionen als „Dachverband“ und Lenkungskreis der 10 regionalen Hegemone stellt dafür wahrscheinlich die ideale Wirkungsplattform dar. Als größte Demokratie der Welt verfügt Indien darüber hinaus auch über eine weitgehende Systemkompatibilität und bedeutende wirtschaftliche Wachstumsregionen, die einen wichtigen Beitrag zu den globalen Integrations-, Stabilisierungs- und Kohäsionsprozessen leisten können. Dazu kommt, dass Chinas gewaltiger wirtschaftlicher Aufschwung und seine enorme Investitionstätigkeit in nahezu allen Kontinenten mit den daraus resultierenden Interdependenzen, beispielsweise zwischen den USA und China, die aktive Einbindung Chinas in das Konzert der Großmächte weiterhin begünstigt hat. Ohne die Beteiligung Chinas würde das ganze Vorhaben allerdings ebenso zum Scheitern verurteilt sein, wie ohne die Beteiligung des islamischen Blocks oder der USA, denn nur die Gewissheit, dass die Stärksten der Starken unabhängig von religiösen, ideologischen oder sonstigen kulturell bedingten Systemkompatibilitätsschranken bereit sind, auf der Basis eines breiten gemeinsamen Hauptnenners einen tragfähigen Pakt über die Instrumentierung eines Krisenmanagement-Programms mit globaler Reichweite zu schließen, würde die notwendige Gestaltungskraft und Entscheidungsfähigkeit realisieren, um die erforderlichen Zielstellungen – allen voran die Sicherung eines Existenzminimums für jeden Weltbürger – in einem überschaubaren Zeitraum zu verwirklichen.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Wege ist die Veranstaltung eines Konvents, dessen Ziel die Erarbeitung und Verabschiedung eines Implementationsdokumentes ist, welches sämtliche erforderlichen Umsetzungsschritte in Form eines Aktions-Programms enthält und von allen teilnehmenden Nationen mit getragen werden sollte. Darüber hinaus ist es notwendig, auf diesem Konvent auch die Verträge zu erarbeiten, die die Grundlage der Union der 10 regionalen Hegemone darstellt und diese ebenfalls zu ratifizieren. Die enorme Reichweite und Tragfähigkeit, die eine solche vertragliche Plattform mit sich bringen wird, liegt allein schon in der Tatsache begründet, dass die genannten 10 Mächte über 80 % der Einwohner der Erde vertreten und einen noch größeren Teil des Weltbruttosozialproduktes erwirtschaften. Entscheidend ist aber auch, dass sie in erheblichem Maße über erneuerbare Energien verfügen, die als wichtiger Baustein des mehrstufigen Integrationsprozesses und der Darstellung der Finanzierungsprozesse für umfassende Infrastruktur-Upgrading-Maßnahmen von zentraler Bedeutung sind.

Die Idee eines „Marshall-Plans für die Entwicklungsländer“ hat aus zweierlei Hinsicht einen gewissen Charme: zum einen schafft sie ein Bewusstsein und Vertrauen in die Beherrschbarkeit der Krise bei den Akteuren wie bei den Bevölkerungen der Zielregionen. Dadurch entsteht eine berechtigte Hoffnung auf die Verbesserung der Lebensumstände bei einem Großteil derjenigen, auf deren Unterstützung und aktive Mithilfe das Gelingen des Vorhabens dringendst angewiesen ist. Zum anderen entsteht bei vollständiger Umsetzung des Projektes die konkrete Perspektive einer „world after (crisis)“, einer voll-integrierten Weltgesellschaft, deren ebenso voll-integrierte Entwicklungspotenziale um ein Vielfaches höher liegen, als zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Diese Welt, die am Ende eines Transformationsprozesses von der Globalisierung zur Globalität angelangt, in weitgehender Weise von Standardisierungs- und Strukturierungsprozessen geprägt wäre, die allen Weltbürgern gleiche politische, soziale, kulturelle und ökonomische Rechte und Pflichten zumäßen, wäre weitgehend frei von Krieg, Umweltverschmutzung, Ausbeutung, Unterdrückung, Arbeitslosigkeit, Versorgungsmängeln und regionalen Strukturschwächen. Dies nicht als Resultat eines revolutionären Prozesses, der in irgend einer Weise ideologisch, religiös oder von dem Primat der Profitmaximierung geprägt wäre, sondern auf der Basis eines vernunftbasierten gemeinsamen Aktionsprogramms, das es allen teilnehmenden Nationen und Bürgern gemeinsam ermöglicht, eine gesicherte Grundlage für die präventive Einhegung und Bewältigung von Konflikten und die Erlangung von Wohlstand, Mobilität und Zukunftssicherheit zu schaffen. Zur Friedenssicherung würden darüber hinaus auch ab Beginn der Maßnahmenimplementierung die inkremental von allen Projektteilnehmern wahrnehmbaren Umsetzungserfolge beitragen.

Dabei ist allerdings von herausragender Bedeutung, dass das dem Krisenmanagement zugrunde liegende Entwicklungsmodell tatsächlich einen umfassenden Ausgleich der faktisch vorhandenen Standards in den Bereichen Infrastrukturausbau, Versorgung und Bildung etc. bis zum Ablauf des primären Projektzyklusses vorsieht. Nur so kann eine „Entwicklung hin zur Ungleichentwicklung“ als ein Phänomen, das über Jahrhunderte die Beziehungen zwischen den verschiedenen Hemisphären der Welt paradigmatisch bestimmt hat, endgültig überwunden werden, was allein die Glaubwürdigkeit der Projektzielstellungen und –strategien gewährleisten und das vorbehaltlose Vertrauen aller Partnerländer und –organisationen in die Rechtschaffenheit und die aufrichtig angestrebte vollständige Lösung der Probleme bzw. die Überwindung der globalen planetaren Krise durch die Projektinitiatoren herstellen kann. Die Auswirkungen eines solchen vorbehaltlosen Vertrauens auf der Grundlage eines von allen Projektteilnehmern als gemeinsame Menge von Zielvorstellungen und Umsetzungsstrategien wahrgenommenen Implementierungsdokumentes, welches im wesentlichen auf die faktische Implementierung der Menschenrechte, die integrative Überwindung von Entwicklungsdefiziten und –differenzen, sowie die strukturierte Transformation sämtlicher, sich in unterschiedlichen Stadien des Globalisierungsprozesses befindlichen Weltregionen hin zu einer für alle Stakeholder mit gleichen Maßstäben geltenden Globalität hinzielt, wären allerdings – vor allem im Hinblick auf die Gewährleistung innerer wie äußerer Sicherheit und eine grundsätzliche Neuordnung der internationalen Beziehungen – in vieler Hinsicht bahnbrechend. Die Idee der Brüderlichkeit aller Menschen würde erstmals in der Geschichte eine realpolitische Entsprechung finden und soziale Realität werden. Das Gebot der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe würde im globalen Maßstab umgesetzt werden und somit der Christenheit endlich – nach 2000 Jahren – den Beweis der Aufrichtigkeit und religiösen Wahrhaftigkeit angedeihen lassen, den sie – trotz der unübersehbaren Taten Einzelner als rühmliche Ausnahmen – sich insgesamt wahrhaftig noch nicht erringen konnte. Dieser Zwiespalt zwischen zur Schau getragenem Glauben und realpolitischem Handeln der christlichen Großmächte vom Mittelalter bis zum heutigen Tag ist jedoch einer der tragenden Gründe für das verspielte Vertrauen und den „Clash of Civilizations“, wie wir ihn heute wahrnehmen. Eine friedliche Koexistenz der Religionen als ultimative Garantie für die Überwindung der Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung setzte aber das unbedingte Einlösen des christlichen Versprechens der barmherzigen Nächstenliebe durch diejenigen voraus, die sich als Christen bezeichnen und vorgeben, im Namen Christi zu handeln. Eine solche konkrete Vorbildwirkung allein könnte das Zeichen setzen, dass die vertrauensvolle Akzeptanz des – aus dortiger Sicht – anderen Glaubens in außerchristlichen Religions-Hemisphären zumindest insoweit ermöglichen würde, dass der wirtschafts- und sozialpolitischen Integration der verschiedenen Weltregionen zumindest von jener Seite her keine unüberwindbaren Hindernisse mehr entgegenstünden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Completing Globalization
Untertitel
Globalisierung zuende gedacht
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut; Prof. Elmar Altvater)
Veranstaltung
Internationale politische Ökonomie
Autor
Jahr
2004
Seiten
54
Katalognummer
V196020
ISBN (eBook)
9783656220008
ISBN (Buch)
9783656220688
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Frage des Friedens ist untrennbar verbunden mit der Frage eines umfassenden Interessenausgleichs der Nationen und gesellschaftlichen Gruppierungen der Erde. Der Friede des Einzelnen und der Gemeinschaft – hier verstanden als Sicherheit des Individuums vor politisch motivierter Gewaltanwendung – basiert auf dem Erreichen eines Zustandes wirtschaftlicher und sozialer Harmonie, die – aufbauend auf einer für jeden Weltbürger zu erreichenden Befriedigung der Grundbedürfnisse und Freiheit von Existenzängsten – Raum zur konkreten Verwirklichung materieller und professioneller Aspirationen bietet.
Schlagworte
Globalisierung, Solarenergieversorgung, Frieden, Sicherheit, Hegemone, Afrikanische Union, EU, Pre-emptive Strike, Integration der Finanzhaushalte, Interregionale Union
Arbeit zitieren
Michael A. Louis (Autor), 2004, Completing Globalization, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196020

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