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Pierre Bourdieu und die Kultur des Lesens

Title: Pierre Bourdieu und die Kultur des Lesens

Term Paper , 2011 , 11 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sebastian Hülperath (Author)

Social Studies (General)
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Summary Excerpt Details

Um die Lesekompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler steht es eingedenk der Tatsache,
dass es in den vergangenen Jahren gelungen ist, selbige spürbar zu verbessern, nicht zum
Besten. Auch die vierte PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (vgl. OECD), deren Schwerpunkt auf der Fähigkeit zu lesen lag, hat in ihrer
im Jahr 2009 durchgeführten Erhebung ergeben, dass sich Deutschland, im Vergleich zu den
anderen 34 OECD-Mitgliedsstaaten, nur im Mittelfeld befindet (vgl. OECD 2010). [...] Aus diesem vordergründig bildungspolitischen Thema lässt sich jedoch eine weitaus breitere
Tragweite extrahieren, welche nicht nur auf der Mikroebene zu einer gesellschaftlichen
Diversität hinsichtlich der Lesefähigkeit führt, sondern auch auf der Makroebene eine
Entwicklung vorauszeichnet, die eine Veränderung der intrinsischen Bedeutungszuweisung
zeigt. So sind wir alle in unserem Alltag ständig von Objekten umgeben, denen wir eine
symbolische Bedeutung zumessen, die über ihren bloßen Sachwert hinaus geht und die in uns
verinnerlichte Handlungs- und Denkmuster aktivieren (vgl. Bourdieu 1989, S. 172 f.). Für die
einen hat der überdimensionale Flachbildfernseher eine besondere Bedeutung, für die anderen
sind es Bücher, die nicht einfach in einer Schublade im Schrank verstaut werden, sondern als
Ausweis höherer Geistigkeit inszeniert werden und in Vitrinen eben diese repräsentieren
sollen. Neben dieser Darstellung des eigenen Lebensstils, bieten Bücher auch die Gelegenheit
der Lektüre des menschlichen Gegenübers – vorausgesetzt, die Bibliothek vergegenwärtigt
die Bildung ihres Inhabers und es wurden nicht nur Potemkin’sche Dörfer errichtet.
Auch aus dem hier nur kurz skizzierten Bedeutungsrahmen, welchen das Lesen einnehmen
kann, lässt sich die soziologische Relevanz dieses Lesens extrahieren. Die Kultur des Lesens
stellt daher auch in den von Pierre Bourdieu beschriebenen Vorgängen im sozialen Raum
einen nicht ignorierbaren Mikrokosmos dar, welcher in dieser Arbeit zunächst anhand des
kulturellen Kapitalbegriffs Bourdieus beschrieben wird. Sodann wird auf den Habitus-Begriff
eingegangen, bevor das Lesen als kulturelle Praxis sowie dessen Einfluss auf die
gesellschaftlichen Ordnungssysteme erläutert wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kulturelles Kapital

1.1. Inkorporiertes Kulturkapital

1.2. Objektiviertes Kulturkapital

1.3. Institutionalisiertes Kulturkapital

2. Habitus

3. Lesen als kulturelle Praxis

4. Elitäre Codes

Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die soziologische Relevanz des Lesens unter Anwendung der Kapital- und Habitustheorie von Pierre Bourdieu, um aufzuzeigen, wie kulturelle Praktiken zur sozialen Reproduktion und zur Manifestierung von Bildungsungleichheit beitragen.

  • Analyse der verschiedenen Formen des kulturellen Kapitals nach Bourdieu
  • Verbindung zwischen Habitus und individuellen kulturellen Handlungsweisen
  • Dechiffrierung von Lesen als eine Form der distinktiven kulturellen Praxis
  • Untersuchung der Rolle des Bildungssystems bei der Legitimierung von Klassenvorteilen
  • Kritische Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Herkunftsmilieu und Schulerfolg

Auszug aus dem Buch

1. Kulturelles Kapital

Die Ausdifferenzierung des Kapitalbegriffs stellt ein zentrales Element der bourdieuschen Kapitaltheorie dar; neben dem ökonomischen Kapital werden von Bourdieu drei weitere Kapitalformen beschrieben: soziales, kulturelles und symbolisches Kapital. Dabei wird das kulturelle Kapital in weitere Varianten untergliedert, welche einer näheren Betrachtung bedürfen.

Während die ökonomische Definition ausschließlich die Akkumulation von Objekten meint und die Besitz- und Verteilungsverhältnisse umfasst, können nach Bourdieu mit dem sozialen, kulturellen und symbolischen Kapital auch gesellschaftliche Austauschbeziehungen beschrieben werden, die sich nicht auf den bloßen eigennützlichen Warenaustausch beziehen (vgl. Bourdieu 1992a, S. 50). Das ökonomische Kapital sei folglich nur in der Lage, solche Investitionen und Profite miteinzubeziehen, „die sich in Geld ausdrücken oder direkt in Geld konvertieren lassen“ (Bourdieu 2006, S. 112). Die Bildung hängt jedoch auch maßgeblich vom sozialen Kapital ab, worunter Bourdieu diejenigen Vorteile versteht, die sich aus sozialen Kontakten, aus Verwandtschaft, sozialen Netzwerken oder – allgemein – aus der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen und Institutionen ergeben (vgl. Bourdieu 1983, S. 190 ff.). Die soziale Ungleichheit in der modernen Gesellschaft ist nach Bourdieu mit der Beschreibung ökonomischer Ungleichheiten nicht ausreichend beschrieben. In Zeiten, da die Vererbung des ökonomischen Kapitals zunehmend missbilligt wird und unter staatlicher Kontrolle sowie der Besteuerungspflicht unterliegt, kommen weit weniger sichtbare, aber dennoch genau so wirksame Wege der Kapitalvererbung zur Anwendung, so Bourdieu. Die „am besten verborgene und sozial wirksamste“ sei dabei die „Transmission kulturellen Kapitals in der Familie“ (Bourdieu 2006, S. 113), wo sowohl soziales als auch kulturelles Kapital zum Tragen komme. Das kulturelle Kapital wird von Bourdieu wiederum in drei Dimensionen unterschieden, welche seine Erscheinungs- und Zustandsformen genauer beschreiben: das inkorporierte, objektivierte sowie das institutionalisierte Kapital.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die PISA-Problematik ein und skizziert die soziologische Relevanz des Lesens als Mikrokosmos innerhalb des sozialen Raums nach Bourdieu.

1. Kulturelles Kapital: Es wird die bourdieusche Theorie erläutert, die zwischen inkorporiertem, objektiviertem und institutionalisiertem kulturellem Kapital unterscheidet, um soziale Ungleichheit zu erklären.

2. Habitus: Dieses Kapitel definiert den Habitus als verinnerlichte Geschichte und strukturierendes Prinzip, das durch das soziale Umfeld und die Familie geprägt wird.

3. Lesen als kulturelle Praxis: Lesen wird hier als eine kulturelle Praxis analysiert, die stark vom sozialen Status und dem kulturellen Kapital des Individuums abhängt.

4. Elitäre Codes: Es wird untersucht, wie Literatur in der Schule gelehrt wird, um legitime Interpretationsweisen als Machtinstrumente und Distinktionsmerkmale zu etablieren.

Schluss: Zusammenfassend wird dargelegt, wie das Bildungssystem unter dem Deckmantel der Chancengleichheit soziale Verhältnisse reproduziert, indem es den Habitus der Oberschicht privilegiert.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, kulturelles Kapital, Habitus, Lesekompetenz, soziale Ungleichheit, Bildungssystem, Reproduktion, soziale Distinktion, legitime Kultur, Bildungsbiographie, Klassengesellschaft, Machtverhältnisse, Sozialisation, literarisches Feld, symbolisches Kapital.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die soziologische Bedeutung des Lesens unter Verwendung der Theorien von Pierre Bourdieu, um aufzuzeigen, wie kulturelle Aktivitäten zur sozialen Differenzierung beitragen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Kapitaltheorie (insbesondere kulturelles Kapital), das Habituskonzept, die Praxis des Lesens und die Rolle des Bildungssystems bei der Aufrechterhaltung sozialer Klassenunterschiede.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Lesekompetenz und literarische Praxis stark von der sozialen Herkunft und dem familiären kulturellen Kapital geprägt sind und das Bildungssystem diese Unterschiede oft eher zementiert als abbaut.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Anwendung soziologischer Konzepte von Pierre Bourdieu auf den Bereich der Lesekultur und des Bildungssystems.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch den Kapitalbegriff, die Erläuterung des Habitus-Konzepts sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Praxis des Lesens und der elitären Codierung von Kultur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kulturelles Kapital, Habitus, soziale Reproduktion und legitime Kultur charakterisiert.

Wie unterscheidet Bourdieu laut dem Text die drei Formen des kulturellen Kapitals?

Bourdieu unterscheidet in das inkorporierte Kapital (verinnerlichte Fähigkeiten), das objektivierte Kapital (materielle Kulturgüter wie Bücher) und das institutionalisierte Kapital (akademische Titel).

Warum spielt das Familienmilieu für den Schulerfolg eine so entscheidende Rolle?

Das Familienmilieu prägt den Habitus und die kulturellen Fähigkeiten des Schülers; Kinder aus privilegierten Elternhäusern verfügen über einen Habitus, der den Anforderungen des Bildungssystems entspricht, wodurch sie systematisch bevorzugt werden.

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Details

Title
Pierre Bourdieu und die Kultur des Lesens
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Konsumsoziologie
Grade
2,0
Author
Sebastian Hülperath (Author)
Publication Year
2011
Pages
11
Catalog Number
V196046
ISBN (eBook)
9783656223573
ISBN (Book)
9783656223870
Language
German
Tags
Bourdieu Kultur Lesen Sozialkapital kulturelles Kapital inkorporiertes Kapital objektiviertes Kapital institutionalisiertes Kapital Habitus kulturelle Praxis elitäre Codes PISA-Studie PISA Schule Bildung Definitionsmacht Bildungssystem Milieu Gesellschaft Klassen ökonomisches Kapital Chancengleichheit Lesekompetenz legitimer Geschmack Familienmilieu Bildungstitel sozialer Raum Vererbung sozial-kulturelle Vorprogrammierung Herkunftsmilieu Reproduktion Talente Denkgewohnheiten Benimm symbolisches Kapital auctor lector Institutionen Akkumulation Leistungsprinzip Bildungserfolg literarisches Feld
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Hülperath (Author), 2011, Pierre Bourdieu und die Kultur des Lesens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196046
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