Das Knigge-Missverständnis

Die historische Persönlichkeit hinter der Benimminstanz


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2012
47 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Warum Knigge nichts mit dem Knigge zu tun hat - Einleitung

2. Wer war Freiherr Knigge? - Zu Knigges Biographie
2.1 Herkunft
2.2 Hofkarriere
2.3 Geheimbundtätigkeit
2.4 Das Familiengut

3. Knigges Zeit - Das Heilige Römische Reich deutscher Nation im 18. Jahrhundert

4. Der Schriftsteller Knigge
4.1 Die Existenzform des freien Schriftstellers im 18. Jahrhundert - ein realisierbares Idealbild?
4.2 Der Schriftsteller Knigge

5. Wie wurde Knigge zu Knigge? - Rezeptionsgeschichte des Werkes „Über den Umgang mit Menschen“

6. Was steht in dem Buch „Über den Umgang mit Menschen“?
6.1 Ein aufklärerischer Ratgeber
6.2 Gesellschaftskritik Knigges

7. Das 18. Jahrhundert: Aufklärung und Adelskritik
7.1 Aufklärung im heiligen römischen Reich deutscher Nation
7.2 Bürgerliche Adelskritik

8. Der adelige Knigge als Adelskritiker!
8.1 Fürstenkritik
8.2 Kritik am Hofadel
8.3 Adlige Reformer

9. Knigge ist nicht Knigge - Schluss

Anhang:

Biographie

Quellen:

Darstellungen zu Knigge

Allgemeine Quellen und Darstellungen

1. Warum Knigge nichts mit dem Knigge zu tun hat - Einleitung

Knigge - bei der Nennung dieses Namens kommen einem Dinge in den Sinn wie Benimmregeln oder Fragen, ob Mann der Frau die Türe aufhalten und nach ihr einen Raum betreten soll. Knigge ist heute zu einem universell verwendbaren und gebräuchlichen Begriff geworden. Knigge ist in aller Munde, geht es um das richtige Benehmen oder wie man dieses erlernen kann. Es gibt für nahezu jede Lebenslage einen Knigge, der das richtige Verhalten aufzeigt: Knigge für Auslandsreisende, Campus-Knigge, Knigge für Kids, Business-Knigge für Indien, Russland, Korea, Klima-Knigge bis hin zum Ministranten-Knigge.

Für sämtliche Lebenslagen und für alle denkbaren Anlässe - Bewerbungen, Business, Beziehungen - und Gemütszustände steht ein Knigge-Ratgeber zur Verfügung. Selbst diejenigen, die sich für eine Zicke halten oder von anderen dafür gehalten werden, können den passenden Knigge zur Hand nehmen.

Dass hinter diesem Synonym für Benimmratgeber in sämtlichen Facetten des Alltags eine Person steht, die tatsächlich gelebt hat, wissen die meisten. Eben ein Herr Knigge, der ein Werk über Benimmregeln geschrieben hat - so zumindest die landläufige Meinung. Da selbst unter Geschichtsstudenten sich das Wissen über diesen bekannten Namen sich auch nur in wenigen Fakten erschöpft: „Knigge - war das nicht ein Herr, der im 18. Jahrhundert gelebt hat? Ein Adolph Freiherr Knigge, der ein Buch über den Umgang mit Menschen geschrieben hat?“ soll nun Abhilfe geschaffen werden.

Denn hinter dem Begriff Knigge steht viel mehr als jemand, der ein berühmt gewordenes Werk geschrieben hat. Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) schrieb im Jahre 1788 das Werk „Über den Umgang mit Menschen“. Doch dieses Buch hat herzlich wenig mit den heutigen „Kniggen“ in vielfältigster Ausprägung zu tun.

Denn Knigge ist nicht Knigge.

Dieses Buch ist keine Biographie über Knigge. Dessen wichtigste Lebensstationen werden nur in Grundzügen nachgezeichnet. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt auf Knigges eigentlicher Bedeutung als Person, Schriftsteller adliger Vertreter der Aufklärung.

Zunächst wird das Leben des Hauptprotagonisten Adolph Freiherr Knigge thematisiert. Die Rezeptionsgeschichte zeigt, wie aus dem ursprünglichen Knigge das werden konnte, was wir heute für Knigges Werk halten. Was Knigges Hauptwerk „Über den Umgang mit Menschen“ eigentlich behandelt, wird danach vorgestellt. Anschließend kommt Knigge mit seinen tatsächlichen Aussagen und Intentionen zu Wort. Ergänzend werden die Rahmenbedingungen - das 18. Jahrhundert, Personen, die ähnlich wie Knigge dachten und Adlige, die ganz anders dachten als Knigge - angerissen.

2. Wer war Freiherr Knigge? - Zu Knigges Biographie

2.1 Herkunft

Knigges Lebenserfahrungen liefern den Hintergrund und die Themen für seine schriftstellerische Tätigkeit. Da eine Analyse seiner Schriften ohne das Wissen über seine Biographie kaum möglich ist, werden im Folgenden die wichtigsten Stationen seines Lebens skizziert.

Der adlige Freiherr1 Knigge, dessen Titel übrigens korrekterweise kein „von“ enthält, wurde am 16. Oktober 1752 auf Schloss Bredenbeck südwestlich von Hannover, am Rande des Deisters im Calenberger Land, geboren.2 Knigge war ein Spross einer alten Adelsfamilie, die zum niederen Adel zählte.3

Das alte, landsässige Adelsgeschlecht Knigge lässt sich bis ins Jahr 1135 zurückdatieren und wurde 1665 von Kaiser Leopold I. in den Reichs- und erbländisch-österreichischen Freiherrnstand erhöht.4

Aufgrund seiner Herkunft und der adelstypischen Erziehung, die ihm - wie es für adlige Sprösslinge üblich war - durch Hauslehrer erteilt wurde, schienen die Weichen für eine standesgemäße Laufbahn gestellt. Doch schon früh erschütterten Schicksalsschläge seine durch Geburt, Stand und gute Ausbildung vorgezeichnete Karriere als Adliger.5 Der frühe Tod beider Eltern sollte seinem Leben eine neue Richtung geben. Seine Mutter Luise Wilhelmine starb 1763, sein Vater drei Jahre später. Sein Vater Carl Philipp Freiherr Knigge hinterließ ihm die ungeheuer hohe Summe von 130.000 Reichstalern an Schulden. Dementsprechend war an ein standesgemäßes Leben fortan nicht mehr zu denken - im Gegenteil, der Besitz seiner Familie kam unter Zwangsverwaltung der Gläubiger und er war gezwungen, Obdach bei Verwandten zu suchen. Knigge blieb nur eine kleine Leibrente von 500 Reichstalern jährlich, was ihn in ein bürgerliches Dasein zwang. Die Rückgewinnung des Familienguts und die Begleichung der Schulden seines Vaters wurden zu den wichtigsten Zielen in Knigges Leben.

Unter diesen schlechten Vorzeichen begann Knigge 1769 an der Universität Göttingen ein Studium der Jurisprudenz, das er nicht abschloss, was allerdings damals noch bei Adligen nicht unüblich war. Im Gegensatz zum Bürgertum legte der Großteil des Adels Mitte des 18. Jahrhunderts noch wenig Wert auf universitäre Bildung. Angetrieben durch einen immensen Ehrgeiz, etwas zu bewirken und sich der Gesellschaft nützlich zu erweisen, strebte er stattdessen eine Karriere bei Hofe an. Doch auch dieses Unterfangen stellte sich als schwierig heraus. Denn das Leben bei Hofe und der Besitz eines Titels stellte für einen Adligen nicht etwa eine Einnahmequelle dar, sondern einen hohen Kostenfaktor. Das lag daran, dass man bei Hofe eines Angehörigen des Ersten Standes geziemend leben musste, mit all den Bediensteten, Ausgaben für eine umfangreiche ständig erneuerte Garderobe und ähnlichem Putz. Für viele Standesgenossen, besonders den größtenteils verarmten Landadel, war ein Leben am Hofe eines Landesfürsten schlichtweg unerschwinglich.6

2.2 Hofkarriere

Dem Einsatz seiner Tante verdankte Knigge schließlich 1771 seine Ernennung zum Hofjunker und zum Assessor an der Kriegs- und Domänenkammer am Hof des Landgrafen Friedrich in Kassel.7 Aber die Bezüge, die er aus dieser Anstellung erhielt, reichten nicht, um ein höfisches Leben zu finanzieren.8 Erschwerend kam hinzu, dass er durch seine Heirat mit der Hofdame Henriette von Baumbach-Nettershausen 1773 nicht mehr nur für sich alleine sorgen musste. 1774 wurde sein einziges Kind Philippine9 geboren, womit Knigge fortan eine Familie zu versorgen hatte. Mit großem Ehrgeiz trieb er seine Hofkarriere voran und wurde Mitdirektor der hessischen Tabakfabrik und Mitglied der Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaus und der Künste am Kasseler Hof.

Dass aber gerade Knigge alles andere als prädestiniert war, ein Werk über korrekte Umgangsformen zu verfassen, zeigt sich schon alleine daran, dass seine Karriere am Kasseler Hof, die sich zunächst viel versprechend angelassen hatte, jäh durch sein Unvermögen, sich anzupassen, beendet wurde. Knigge eckte durch sein sehr selbstbewusstes Auftreten und seine direkte Art bei der Hofgesellschaft an. Er weigerte sich, sich der Gesellschaft anzupassen und provozierte durch sein Verhalten. Knigge handelte sich den Ruf eines Querulanten ein und wurde Opfer von Intrigen: „Er stellt Lasterhaftes bloß, verlacht Torheiten (…) Mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt gibt er den Damen und Kavalieren zu verstehen, wie sehr er sie geringschätzt, wie wenig ihm ihre Zuneigung bedeutet. Dadurch machte er sich schnell Feinde, vor allem, als die Hofgesellschaft von seinen desolaten finanziellen Verhältnissen erfuhr.“10 Schon nach drei Jahren schoss er sich also am Kasseler Hof selbst ins gesellschaftliche Aus.

Die schlechten Erfahrungen, die er mit der höfischen Gesellschaft machte, und das Scheitern seiner Ambitionen, in eine Anstellung in fürstlichen Diensten zu gelangen, beschäftigten ihn sein ganzes Leben. „Sie wissen, dass ich meinem 19. Lebensjahr in Kassel an einen äußerst intriguanten Hof kam. Die Gunst der Herrschaften, die aber miteinander uneinig lebten; das Heer schlechter Leute, Günstlinge, Neider, Projektmacher, mit denen ich täglich umging, die ich verachtete, die ich Unerfahrener glaubte stürzen zu müssen; Laster, die ich bekämpfte; Torheiten, über die ich lachte; Dummheit in der Hülle der Weisheit, die ich entlarvte und dann verspottete, - das Alles machte mich zu einem wichtigen Menschen. Weil ich aber fremd, ohne Schutz, ohne List und Erfahrung war, so sah ich mich auf einmal mit Feinden und Verleumdern umgeben, zurückgesetzt und ohne Hoffnung, irgend einen Plan auszuführen. Ich verließ also endlich den Kampfplatz und sah mich nach einem andern Wohnorte um.“11 Deutlich stellt sich Knigge hier selbst als intelligenter Idealist dar, der die Hofgesellschaft verbessern wollte, aber daran scheiterte und sich Feinden und Intrigen ausgesetzt sah.

Knigge war gezwungen, mit seiner Familie auf den Gütern der Schwiegermutter Obdach zu suchen und zog auf das Gut Baumbach in Nentershausen. Erfolglos bewarb er sich um eine Anstellung bei Hofe in Berlin und in Weimar. Ergebnis seiner Bemühungen um eine Stelle am Weimarer Hof war immerhin die Verleihung des Titels eines Kammerherrn - doch diese Position war unbesoldet. Nach einigen, in erster Linie äußerst kostspieligen, Reisen durch deutsche Territorien zog Knigge mit seiner Familie an den Hof des hessischen Erbprinzen Wilhelm12 in Hanau. Dort erwartete ihn allerdings wiederum keine feste Anstellung - er widmete sich der Leitung eines Liebhabertheaters. Obwohl Knigge vorgehabt hatte, in Hanau für immer zu bleiben, spielte sich schnell Ähnliches wie am Kasseler Hof ab: Er wurde erneut Opfer von Intrigen und zog sogar den Zorn des Erbprinzen Wilhelm auf sich, sodass er unfreiwillig den Hof verlassen musste.13 Damit waren seine Bemühungen um eine standesgemäße Karriere bei Hofe und eine besoldete Stelle im Staatsdienst endgültig gescheitert und beendet. Es sollte ihm nicht mehr gelingen, eine Anstellung an einem Fürstenhof zu erhalten. Sein ideelles Hauptziel im Leben, über eine Position im Fürstendienst nützlich für Staat und Gesellschaft zu sein, war damit unerreichbar geworden.

Dieser Misserfolg bedeutete für Knigge nicht nur die offensichtliche finanzielle Katastrophe, sondern auch eine schwere persönliche Niederlage, die er zeitlebens nicht überwinden sollte. Denn Knigge war äußerst ehrgeizig und idealistisch, er wollte für Staat und Gesellschaft von Nutzen sein und über öffentlichen Einfluss verfügen. Berufliche Alternativen zu einer Hofkarriere gab es zu dieser Zeit für einen Angehörigen des Ersten Standes nicht. Im 18. Jahrhundert lebte der Adel von den Einnahmen seiner Güter und hielt eine Position an einem Fürstenhof inne - sofern er sich dazu berufen fühlte. Der Adel übte gewohnheitsrechtlich keine bürgerlichen Berufe aus. Die Beteiligung am Handel war für den Adel undenkbar und verpönt. Aufgrund mangelnder Alternativen und seines Wunsches, einen Wirkungskreis zu haben, wurde Knigge in den Beruf des freien Schriftstellers gedrängt.14

2.3 Geheimbundtätigkeit

Beeinflusst von der Neigung seines Vaters, begann sich Knigge schon früh für Geheimbünde zu interessieren. Schon während seiner Studienzeit in Göttingen hatte Knigge der „Gustav- Loge im unzertrennlichen Concordienorden“ angehört. Knigge wurde in Hanau Mitglied der Freimaurerloge „Zum gekrönten Löwen“. Auch in Kassel schloss er sich einem Geheimbund, der Loge „Wilhelmine Caroline“, an. Unter dem Decknamen Schwanenritter (eques a cygno) unterhielt er mit den Obersten dieser Loge und denen der Rosenkreuzer eine Korrespondenz.

Während seines Aufenthalts am Kasseler Hof engagierte sich Knigge für die Aufnahme in den Geheimbund der Freimaurer.15

Mit ihrem Hang zu solch geheimen Organisationen befanden sich Knigge Senior und Knigge Junior in bester Gesellschaft. Denn Geheimbünde waren insbesondere im ausgehenden 18. Jahrhundert eine regelrechte Modeerscheinung und gelten als entscheidender Teil der Politisierung der Aufklärung.16

Die meisten Geheimbünde standen in Verbindung zur Freimaurerei,17 die Anfang des 18. Jahrhunderts in England entstanden war. Die Freimaurer interpretierten christliche Traditionen des Kathedral- und Tempelbaus im humanistisch-aufgeklärten Sinne neu. In Deutschland setzten sich die Freimaurer-Logen der Strikten Observanz durch, die vor allem Praktiken der Alchemie anwendeten. Der Illuminatenorden entstand als einer von vielen Konkurrenz-Orden zu der Strikten Observanz.18

Knigges Bemühungen um eine Aufnahme in den Orden scheiterten, denn ihm wurde trotz seines Engagements und wiederholten Drängens die Aufnahme in die höheren Ordensgrade verweigert, weil er nicht vermögend war. Wieder einmal verhinderten seine desolaten finanziellen Verhältnisse den gesellschaftlichen Aufstieg.19

Trotz seiner erfolglosen Anstrengungen, Aufnahme bei den Freimaurern zu finden, versuchte Knigge weiterhin, auf dem Gebiet der Geheimbünde eine Möglichkeit zu finden, der Gesellschaft nützlich zu sein und so trat er 1780 in den Illuminatenorden20 ein. Der Illuminatenorden wurde 1776 von Adam Weishaupt, Professor für Kirchenrecht und praktische Philosophie in Ingolstadt, gegründet. Die ersten Mitglieder waren Studenten Weishaupts.21

Zu einer größeren Verbreitung in Deutschland gelangte der Orden tatsächlich erst durch den Eintritt Knigges - er war gewissermaßen der zweite Ordensgründer. In der Hoffnung, bei den Illuminaten eine geeignete Wirkungsstätte gefunden zu haben, warb Knigge viele einflussreiche neue Ordensmitglieder wie den Landgraf Karl von Hessen-Kassel und Herzog Ferdinand von Braunschweig. Zu diesem Zeitpunkt hatte Knigge aber selbst noch gar keinen Einblick in die höheren Grade und versprach seinen Neuanwerbungen zuviel. Da seine geworbenen Mitglieder immer unruhiger und misstrauischer wurden, drängte Knigge darauf, vollen Einblick in das Ordensystem zu erlangen. Bei seinem ersten persönlichen Treffen mit Adam Weishaupt stellte sich aber heraus, dass der Orden über keine feste Organisation verfügte. Knigge nutzte die sich bietende Gelegenheit und entwickelte eine Ordensorganisation, die sich an die Freimaurerei anlehnte.22

Der Illuminatenorden wollte innerhalb der bestehenden staatlichen Strukturen Veränderungen durchsetzen, aber dafür wurden keine konkreten Pläne ausgearbeitet. Als Fernziel wurde eine humane Gesellschaft angestrebt, aber politische Handlungsanweisungen zum Erreichen dieses Ziels lagen nicht vor. Der Illuminatenorden erstreckte seinen pädagogischen Anspruch auf die gesamte Gesellschaft, er wollte eine Elite von Aufklärern, eine Bildungselite, erziehen - ohne diese selbst in alle Ziele des Ordens einzuweihen - und hatte dementsprechend eine pädagogisch-politische Funktion. Von Demokratie - sei es im Sinne einer Staatsform oder im Sinne der Mitbestimmung seiner Mitglieder - war der Illuminatenorden weit entfernt. Ganz im Sinne Knigges wollten die Illuminaten den Fürsten-„Despotismus“ bekämpfen, allerdings nicht durch eine Abschaffung des Absolutismus, sondern lediglich durch Beeinflussung der Fürsten, die mit illuminatischen Beratern umgeben werden sollten.23

Bald kam es zu Spannungen zwischen Knigge und Weishaupt. Dadurch dass Knigge dem Orden eine neue Struktur gab, machte er Weishaupt dessen Führungsrolle im Orden streitig. Die Uneinigkeit zwischen Knigge und Weishaupt wurde dadurch befördert, dass sich die Vorstellungen der beiden über die Mitgliederstruktur der Geheimorganisation nicht deckten. Aufgrund dessen kam es zwischen Knigge und Weishaupt rasch zu größeren Differenzen über die innere Ausgestaltung des Illuminatenordens. Während Knigge erfahrene und einflussreiche Logenmitglieder warb, um so sämtliche Freimaurerlogen unter die Kontrolle der Illuminaten zu stellen und um den politischen Einfluss des Ordens zu erhöhen, wollte Weishaupt vor allem junge Mitglieder akquirieren, die sich noch nach seinen Vorstellungen formen und erziehen ließen. Die Auseinandersetzungen zwischen Knigge und Weishaupt spitzten sich über längere Zeit zu, bis Knigge 1784 aus dem Orden gedrängt wurde. Tatsächlich hatte Knigge das Zugpferd für den Illuminatenorden dargestellt, denn mit seinem Austritt begann der Verfall des Ordens, der durch die zunehmende politische Verfolgung seiner Mitglieder noch beschleunigt wurde.24

Trotz seines Austritts stand Knigge weiterhin zu den Grundideen des Illuminatenordens.

Allerdings hatte Knigge mit diesem gescheiterten Illuminatenexperiment nicht nur über einige Jahre seine Energie verschwendet, sondern seine Mitgliedschaft brachte ihm auch nachträglich konservative Kritik ein und schadete seinem Ruf nachhaltig.25 Damit waren nicht nur seine Weltverbesserungspläne erneut missglückt, sondern Knigge hatte sich ein weiteres Mal vor der adligen Öffentlichkeit unmöglich gemacht.

Sein ganzes Leben lang ließen ihn die Geheimbünde nicht los, er beschäftigte sich immer wieder mit Projekten egalitärer Bünde. Noch 1795, kurz vor seinem Tod, erarbeitete er das Manifest eines Patriotischen Bundes. Aufgrund dieser Schriften und seiner anderen politischen Äußerungen machte er sich in den deutschen Territorien, deren Herrscher mit Besorgnis die Radikalisierung der Französischen Revolution beobachteten, zu einer Bedrohung für Staat und Gesellschaft. Die Wiener Geheimpolizei, die ihn als gefährlichen Demokraten und Jakobiner einstufte, schickte ihm 1796 im Namen des ehemaligen Illuminaten Aloys Blumauer gefälschte Schreiben, um durch Knigges Antwortschreiben Erkenntnisse über die Gruppe der deutschen Anhänger der Französischen Revolution zu erlangen.26

2.4 Das Familiengut

Zeitlebens versuchte Knigge, seine aufgrund der Spielsucht seines Vaters konfiszierten Güter zurückzuerlangen. Als er 1787 nach Hannover zurückkehrte, um die Freigabe des Familienbesitzes voranzutreiben, musste er feststellen, dass die Verwalter in erster Linie in die eigene Tasche gewirtschaftet hatten - nach über 20 Jahren waren erst zehn Prozent der Schulden abgetragen worden.27 Da Knigge auf diesem Wege keine Erfolgschancen mehr sah, wandte er sich an die oberste Instanz seines Landes - Georg III. in London, der in Personalunion König von Großbritannien und zugleich Kurfürst von Hannover war. Sein Erfolg hielt sich auch hierbei in Grenzen, denn anstatt dass der Kurfürst sich für die Rückgabe der Güter an Knigge einsetzte, wurde ihm eine Stelle als Oberhauptmann und Scholarch in Bremen angeboten. Diese erste richtige Anstellung verdankte der Freiherr vor allem der misslichen Entwicklung im Kampf um das Familiengut. Wohl als Beschwichtigungsmaßnahme veranlasste Georg III., dass Knigge diese besoldete Position zugeteilt wurde. Überschattet wurde dieser lang ersehnte berufliche Erfolg allerdings dadurch, dass sich Knigges Gesundheitszustand rapide verschlechterte.28

Nach sechs Jahren im Amt und nach langer Bettlägerigkeit starb Knigge 1796 im Alter von 43 Jahren. Seine Grabplatte befindet sich im Bremer Dom. Die Resonanz auf seinen Tod hielt sich in Grenzen. Eine kuriose Ausnahme war ein Aufsatz mit dem Titel „Ob Baron Knigge auch wirklich todt ist“ im Wiener Magazin für Kunst und Literatur, in dem der Autor die Vermutung äußerte, dass Knigge sich nur tot stelle, um der politischen Verfolgung zu entgehen. Hintergrund waren zum einen Knigges Verbindungen zu Geheimbünden und zum anderen seine politischen Schriften, in denen er die Französische Revolution grundsätzlich bejahte, was in den deutschen Territorien nach der Radikalisierung der Französischen Revolution als eine staatsfeindliche Haltung aufgefasst wurde. Knigge sah sich deshalb in seinen letzten Lebensjahren zunehmend polizeilicher Verfolgung ausgesetzt.29

Von vornherein war Knigge durch den Umstand seiner unter Zwangsverwaltung stehenden Güter kein standesgemäßes Leben möglich. Durch seine von seinem Vater vererbten Schulden, die er zeitlebens vergeblich versuchte abzutragen, und sein Scheitern, in eine gut bezahlte Anstellung zu gelangen, war gezwungen, das Leben eines bürgerlichen Schriftstellers zu führen.

An Knigge nagte nicht nur der unwiederbringliche Verlust der Familiengüter, sondern auch, dass er - der er so vom aufklärerischen Nützlichkeitsideal getrieben war - es aus eigenem Antrieb nicht schaffte, ein auch nur annähernd finanziell abgesichertes Leben zu führen. Knigge führte ein rastloses, unstetes Leben, er verbrachte viel Zeit auf Reisen und zog - auch mit seiner Familie - oft um. Im Laufe der Zeit lebte er nicht nur auf Höfen von Territorialfürsten, sondern auch unter anderem in einem kleinen Gartenhaus in Frankfurt am Main. Sein nach außen hin ebenfalls äußerst bescheiden wirkender Lebensstil und die permanenten Existenzsorgen seiner Frau dürften ihn zusätzlich belastet haben. Der einzige Ausweg - die Schriftstellerei - brachte ihm kaum genug zum Überleben ein. Knigge lebte buchstäblich von der Feder in den Mund.30

Den Abschluss des biographischen Teils bildet ein Zitat des Dänen Jens Baggensen, der 1789 auf seiner Reise durch Deutschland Knigge kennengelernt hatte und Folgendes über die Begegnung schreibt: „Er ist ein sehr unterhaltsamer Mann, der in seinem ganzen Anstand und Wesen so viel Originalität besitzt, daß man allein über sein Kinn ein ziemlich dickes Buch schreiben könnte.(…) Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, feine Lebensart und vor allem eine wunderbare Gefälligkeit zeichnen Baron Knigge aus. Sein Haus ist ein Muster an Bescheidenheit, Ordnung und Ökonomie. Ich hätte acht Tage darauf verwenden können, die Einrichtung seines Museums zu studieren, so sorgfältig war alles auf Zeitersparnis angelegt. Er arbeitet mit unglaublichem Fleiß und nutzt jede Minute, als wäre es die letzte. Obgleich er Kammerherr ist, versteht er sich, wie ich glaube, auf alle notwendigen Professionen; zumindest kann er seine Bücher selbst einbinden, im entsprechenden Falle seine Strümpfe stricken und seine Schuhe nähen. Wunsch nach Unabhängigkeit und das Unglück haben ihn gelehrt, mit allen Pfunden zu wuchern und aus allen eigenen Kräften Nutzen zu ziehen. (…) Nachdem er durch den abscheulichsten Betrug seine ansehnlichen Besitzungen verloren hatte, hat er trotz all seiner Talente und seiner beispiellosen Arbeitsamkeit bislang Mühe gehabt, seinen Stand reputierlich zu erhalten.“31

3. Knigges Zeit - Das Heilige Römische Reich deutscher Nation im 18. Jahrhundert

Knigges schriftstellerische Tätigkeit ist durch die Zeit, in der er lebte, stark beeinflusst. Im Folgenden sollen einige Hauptaspekte, die Staat und Gesellschaft des 18. Jahrhunderts ausmachten, aufgezeigt werden.

Knigge wuchs in Fürstentum Hannover auf, das ein Teil des territorial zersplitterten Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation war. Ein einheitlicher Flächenstaat „Deutschland“ - und damit ein deutsches Nationalgefühl - begann sich erst im 19. Jahrhundert herauszubilden. Das heilige Römische Reich deutscher Nation bestand aus rund 300 einzelnen Territorien und war insgesamt ein „irregulärer und einem Monstrum ähnlichen Körper“ wie es der Natur- und Völkerrechtslehrer Samuel Pufendorf schon 1667 treffend formulierte. Seit dem 15. Jahrhundert bauten die Landesherren ihre Territorien zu modernen institutionellen Flächenstaaten aus. Aufgrund der Schwäche des Reiches und des Kaisers tätigten die zahlreichen souveränen Territorialstaaten die gewichtigen politischen Entscheidungen. Zu den Hoheitsrechten der Territorien zählten Gerichtsbarkeit und Gesetzgebung, Polizeigewalt, Landesverteidigung und Bündnisrecht sowie Religionsbann. In vielen Territorien gelang es den Landesherren, den Einfluss der landständischen Vertretungen zurückzudrängen. Lediglich in einigen Territorien wie Württemberg, Hannover, aus dem Knigge stammte, und Kursachsen konnten die Landstände ihren Einfluss bewahren.32 Ideologisch gründeten die Fürsten ihre Herrschaft auf die Ideen des Absolutismus. Für die Landesherren bildete die absolutistische Doktrin Basis und Legitimationsgrundlage ihrer Regierungsgewalt. Unter dem Einfluss der Aufklärung wandelte sich die Regierungsform der absolutistischen Herrscher in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einen aufgeklärten Absolutismus.33

Die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts war klar ständisch geprägt. An ihrer Spitze standen Adel und Klerus. Dem hohen Adel nachgeordnet war der niedere Adel. Der hohe Adel regierte in den - teils großen, teils winzigen - Territorialstaaten. Der niedere, landsässige Adel herrschte über seine Untertanen, die Bauern, und hielt sich, sofern er es sich leisten konnte, an den Fürstenhöfen auf. Neben weltlich regierten Staaten gab es auch geistliche Fürstentümer. Auch wenn im Zuge der Ausbreitung der Aufklärung und der Reformen in den Staatswesen die Aufstiegschancen für Bürgerliche stiegen, so wurde an der Institution der Ständegesellschaft bis ins 19. Jahrhundert festgehalten. Die beginnenden Reformen beispielsweise im Bereich der Agrar- und Sozialverfassung wurden erst nach Ende des alten Reiches 1806 flächendeckend durchgeführt und zu einem Ende gebracht. Dass Knigge die Ständegesellschaft grundsätzlich nicht in Frage stellte, erweist in als Kind seiner Zeit.34

Im Zuge der Ausbreitung der Aufklärung, die sich zunächst und besonders in den norddeutschen protestantischen Territorien entfaltete, steigerte sich das Selbstbewusstsein des Bürgertums. Veränderungen in den frühmodernen Staatswesen begünstigten die Aufstiegschancen gebildeter Bürgerlicher. Durch die Notwendigkeit gebildeter, studierter Staatsdiener, die in der komplexer werdenden Verwaltung benötigt wurden, konnte sich das Bürgertum gegenüber dem Adel profilieren. Denn traditionell war der Adel eher ungebildet und hatte bislang keinen Wert auf ein abgeschlossenes Studium gelegt. Von bürgerlicher Seite sowie von Seiten der Kameralisten, denen es um Wachstum und Wohlstand ihrer Territorien ging, erwuchs nun zunehmend Kritik am Adel. Forderungen bürgerlicher und kameralistischer Adelskritiker waren die Abschaffung einiger Privilegien des Adels, die Beteiligung des Adels an Wirtschaft und Handel und die Bereitschaft des Adels, sich zu bilden. Im Sinne der Aufklärung sollten die Adligen zu nützlichen Teilen der Gesellschaft werden, die dem Gemeinwohl dienten. Die Adelskritiker gingen in ihren Ansprüchen an den Adel sogar so weit, aus dem Geburtsadel einen Verdienstadel machen zu wollen. Dennoch rüttelten bürgerliche Adelskritiker nicht an dem Ständesystem an sich und ihre politische Macht blieb bis Mitte des 19. Jahrhunderts vernachlässigenswert. Knigge, beeinflusst von aufklärerischen Idealen, befindet sich mit seiner Kritik am Ersten Stand des Staates zwar im Trend der Zeit, doch ist die Qualität seiner Adelskritik eine grundlegend andere als die der Bürgerlichen und Kameralisten. Dazu später mehr in Kapitel 7 und 8.35

In Knigges Lebenszeit von 1752 bis 1796 fallen zahlreiche Kriege. Nach dem Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzungen im 17. Jahrhundert, das geprägt war vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und dessen Folgen, waren im 18. Jahrhundert vor allem Machtstreitigkeiten um Territorialgewinne immer wiederkehrende Auslöser für Kriege. Besonders beeinflusst wurde das Heilige Römische Reich durch den Antagonismus zwischen Preußen und Österreich, der das gesamte 18. Jahrhundert prägte. Zwei Schlesische Kriege36 sowie den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) lieferten sich der preußische König Friedrich II und die österreichische Kaiserin Maria Theresia. Hauptstreitgrund dieser kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden „Großmächten im Reich“ der Besitz Schlesiens. Der Siebenjährige Krieg zog allerdings weite Kreise und wurde zwischen England und Frankreich sogar in Übersee ausgetragen. Ursache dafür war der Machtkampf zwischen England und Frankreich um Territorialbesitz.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen, allen voran der Siebenjährige Krieg, waren für große Landstriche im Reich verheerend, rissen große Löcher in die Staatskassen, aber wirkten letztlich als Katalysator für Modernisierungen und Reformen in den aufgeklärt- absolutistischen Staaten. Der Reformeifer, der sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts in deutschen Territorien ausbreitete, hatte nicht nur aufklärerische und gemeinnützige Motive, sondern hatte seine Ursache auch darin, die durch Kriege in Mitleidenschaft gezogenen Staaten wieder aufzubauen und deren wirtschaftliche Lage zu verbessern.37

Gewissermaßen war Knigge auch Zeitzeuge zweier zentraler Ereignisse, die er zwar nicht persönlich miterlebte, die aber sein Denken und seine Haltung bezüglich moderner und idealer Staatswesen maßgeblich beeinflussten - der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1766 und der Französischen Revolution 1789. Knigges 1791 veröffentlichte Roman „Benjamin Noldmanns Geschichte der Aufklärung in Abyssinien“ spiegelt seine Erfahrungen der Französischen Revolution wider.38 Mit dieser Schrift zählt der Freiherr zu den ersten in den deutschen Territorien, die sich öffentlich mit der Französischen Revolution auseinandersetzten. In diesem Roman beschreibt Knigge die Auswirkungen von Aufklärung und Revolution in dem fiktiven Land Abyssinien.39 Deutlich ist die Französische Revolution als Zäsur in Knigges Denken zu erkennen. Thematisierte Knigge in seinen Schriften vor diesem Ereignis vor allem moralphilosophische Fragestellungen und war an einer sittlichen Erneuerung der Menschheit interessiert, so wurde er im Zuge der Französischen Revolution zu einem politischen Publizisten. Neben der Satire „Schaafskopf hinterlassene Papiere“ schrieb Knigge 1792 seine wohl bedeutendste politische Schrift „Wurmbrand politisches Glaubensbekenntnis“. Die Figur des Wurmbrands hatte Knigge bereits in seinem utopischen Roman über die Geschichte der Aufklärung in Abyssinien eingeführt, dementsprechend stellt das politische Glaubensbekenntnis eine Art Erweiterung dieses Romans dar. Zwar sah Knigge sich in Wurmbrands politisches Glaubensbekenntnis in der Rolle des unparteiischen Geschichtsschreibers, doch verfolgte er das Ziel, die Revolution in Frankreich angesichts des auf die Spitze getriebenen Despotismus als unvermeidlich darzustellen. Da das französische Volk seit Jahrhunderten schwer unter dem Despotismus seiner Herrscher zu leiden hatte, sei die Revolution unausweichlich gewesen. Knigge bekennt sich zur Französischen Revolution in all ihren Phasen.40

Knigges schriftstellerische Tätigkeit ist nicht nur durch seine persönlichen Erfahrungen, sondern auch durch Zeitströmungen, wie die Aufklärung, und politische Großereignisse, wie die Französische Revolution, beeinfluss. Die sich oft wiederholenden Themen seiner Schriften sind Themen, die nicht nur Knigge, sondern die gesamte Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts beschäftigten.41

4. Der Schriftsteller Knigge

Der ehrgeizige und idealistische Knigge wollte Staat und Gesellschaft positiv beeinflussen. Von der Aufklärung geprägt, wollte er die Welt verbessern. Als typischer Vertreter der norddeutschen Aufklärung wollte Knigge erzieherisch wirken und nützlich für Staat und Gesellschaft sein. Dass er seine Anschauungen durch das gedruckte Wort verbreiten und sich somit der Öffentlichkeit mitteilen wollte, ist typisch für die deutsche Aufklärung. Da er durch die Umstände seiner gescheiterten Karriere in höfischen Diensten und seiner gescheiterten Geheimbundexperimente nicht in diesen Kreisen seinen Einfluss geltend machen konnte, versuchte er, über seine Schriften einflussreich zu sein.

[...]


1 Freiherr: (spätmhd. vriherre „freier Edelmann“) seit der frühen Neuzeit Adelsprädikat (Titel!) der Angehörigen der höchsten Rangstufe des den niederen Adel bildenden Standes. Zu den Freiherrn gehören die im Mittelalter als freie Herrn bezeichneten Adligen und die durch kaiserliches oder landesherrliches Diplom (Briefadel) in den (Reichs-) Freiherrnstand Erhobenen. Seit dem 16.Jh. wurde der Freiherr mit „Baron“ angeredet.- Freifrau, Freiin, die Frau des Freiherrn; Freifräulein dessen unverheiratete Tochter.

2 Das Schloss Bredenbeck wurde im 13. Jahrhundert als Wasserburg errichtet. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Schlossgelände ein Guthof mit Herrenhaus, der im Besitz der Familie Knigge ist.

3 Definition des niederen Adels: „Der niedere Adel schied sich in Reichs- und Landadel (landsässiger Adel). Zum niederen Reichsadel gehörten die nicht reichständischen reichsunmittelbaren Familien, vor allem die Reichsritterschaft. Der niedere Reichsadel war keiner Landesherrschaft unterworfen, sondern unterstand nur Kaiser und Reich. Ihm fehlte jedoch das Recht der Reichsstandschaft, das dem hohen Adel vorbehalten war.“ Hermann Conrad: Deutsche Rechtsgeschichte Band II. Neuzeit bis 1806. Karlsruhe 1966, S.213.

4 Begriff des alten Adels: „Vielmehr war „alter Adel“ sinnverwandt mit „stiftsmäßiger“ oder „ritterbürtiger“ Adel. Ein Adliger aus altem Adel konnte den Beweis erbringen, dass er aus einem altadligen, durch eine gewisse statutenmäßig erforderliche Zahl von adligen, aus rechtsmäßiger und standesgemäßer Ehre hervorgegangenen Ahnen väterlicher und mütterlicher Seite qualifizierten Geschlechts durch rechtmäßige und standesgemäße Ehe abstammte.“ Wiliam D. Godsey: Vom Stiftsadel zum Uradel. Die Legitimationskrise des Adels und die Entstehung eines neuen Adelsbegriffs im Übergang zur Moderne. In: Victorine Hartmann u.a. (Hrsg.): Eliten um 1800. Erfahrungshorizonte, Verhaltensweisen, Handlungsmöglichkeiten. Mainz 2000, S. 371-391, hier: S. 372.

5 Göttert: Illusionen, S. 29.

6 Peter Kaeding: Adolph von Knigge. Begegnungen mit einem feinen Herrn. Berlin 1991, S. 8-15; Michael Rüppel: Adolph Freiherr Knigge in Bremen. Texte und Briefe. Bremen 1996, S. 8f; Hermann: Knigge. S. 30-33.

7 Friedrich II. von Hessen-Kassel (1720-1785) gilt als erster Fürst der Aufklärung in Hessen und wurde durch seine Soldatenvermietung im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) überregional berühmt.

8 Hermann: Knigge, S. 41-43.

9 Philippine (1774-1841) wurde von ihrem Vater in Sprachen und naturwissenschaftlichen Disziplinen unterrichtet. 1798 heiratete sie den Oberstleutnant Carl Friedrich von Reden. Neben ihrer 1789 erschienenen Schrift „Versuch einer Logic für Frauenzimmer“ verfasste sie 1823 eine knappe und fehlerhafte Biographie über ihren Vater mit dem Titel: „Kurze Biographie des Freyherrn Adolph“.

10 Peter Kaeding: Adolf von Knigge. Begegnungen mit einem feinen Herrn. Berlin 1991, S. 41-43.

11 Brief Knigges an Greve, 28.9.1779. In: Fehn: Baron, S. 20.

12 Wilhelm I. von Hessen-Kassel (1743-1821) war der Sohn des Erbprinzen Friedrich II. von Hessen-Kassel. Er war ab 1760 Graf von Hanau, wurde 1785 regierender Landgraf von Hessen-Kassel und war ab 1803 als Wilhelm I. Kurfürst von Hessen-Kassel.

13 Hermann: Knigge, S. 63-77.

14 Bethmann: Knigge, S. 42 f.

15 Hermann: Knigge, S. 60 f.; Kaeding: Begegnungen, S. 126 f.

16 Richard van Dülmen: Die Gesellschaft der Aufklärer. Zur bürgerlichen Emanzipation und aufklärerischen Kultur in Deutschland. Frankfurt am Main 1986, S. 100 f.

17 Freimaurerei: (von engl. Freemasonry) eine international verbreitete Bewegung von humanitärer Geisteshaltung, die den Freimaurern über ihre Logen in rituellen „Arbeiten“ vermittelt wird. Die Mitglieder der Logen waren aufgeteilt in die drei Grade Lehrling, Geselle und Meister. In Achtung vor der Menschenwürde treten Freimaurer für Toleranz, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Hilfsbereitschaft, Brüderlichkeit und allgemeine Menschenliebe ein.

18 Winfried Dotzauer: Art. Freimaurer. In: Werner Schneiders (Hrsg.): Lexikon der Aufklärung. München 1995, S. 137-139.

19 Hermann: Knigge, S. 60 f.

20 Der Illuminatenorden war ein 1776 von dem Professor für Kirchenrecht und praktische Philosophie Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründeter, über die Freimaurerei hinausgehender Geheimbund, der durch die Prinzipien der Aufklärung weltbürgerliche Gesinnung fördern und die Willkür der Fürsten bekämpfen wollte. Mitglieder waren unter anderem Herder und Goethe. Der Orden wurde ab 1785 verfolgt und aufgelöst, 1896 wurde er neu gegründet.

21 W. Daniel Wilson: Art. Illuminaten. In: Schneiders: Lexikon, S. 184-186.

22 Vgl. Wolfgang Fenner: Knigge, Bode und Weishaupt. Zu Knigges Mitgliedschaft im Illuminatenorden. In: Rector: Weltklugheit, S. 83-91; L. Hammermayer: Höhepunkte und Wandel: Die Illuminaten. In: Max Spindler, Andreas Kraus (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. 2. München 1988, S. 1188-1179.

23 Dülmen: Gesellschaft, S. 104, 106 f.

24 Fenner: Knigge, S. 90; Göttert: Illusionen, S. 51; Hammermayer: Illuminaten, S. 1193 f.

25 Bethmann: Knigge, S. 126-130.

26 Ebd.

27 Hugo Dittberner: Der gute Herr aus Bredenbeck. In: Hugo Dittberner (Hrsg.): Adolph Freiherr Knigge. Göttingen 1996, S. 3-13, hier: S. 4.

28 Michael Rüppel: Adolph Freiherr Knigge in Bremen. Texte und Briefe. Bremen 1996, S. 17.

29 Göttert: Illusionen, S. 283.

30 Rüppel: Bremen, S. 136 f.

31 Jens Baggensen: Das Labyrinth oder Reise durch Deutschland und die Schweiz (1789), zitiert von www.knigge.de, Aufruf 22.12.2011.

32 Vgl. Walter Demel: Reich, Reformen und sozialer Wandel 1763-1806. Stuttgart 2005.

33 Vgl. Walter Demel: Absolutismus, Aufgeklärter (Deutsche Territorien). In: Helmut Reinalter (Hrsg.): Lexikon zum aufgeklärten Absolutismus in Europa. Herrscher -Denker - Sachbegriffe. Wien u.a. 2005, S. 29-35.

34 Vgl.: Ronald G. Asch (Hrsg.): Adel in der Neuzeit. Geschichte und Gesellschaft. Göttingen 2007; Ronald G. Asch (Hrsg.): Der europäische Adel im Ancien Régime. Von der Krise der ständischen Monarchien bis zur Revolution (ca. 1600-1789). Köln u.a. 2001.

35 Hans Erich Bödeker: Prozesse und Strukturen politischer Bewusstseinsbildung der deutschen Aufklärung. In: Ders./Ulrich Hermann (Hrsg.): Aufklärung als Politisierung - Politisierung der Aufklärung. Hamburg 1987, S. 10-31.

36 Der Erste Schlesischer Krieg (1740-1742) und der Zweite Schlesische Krieg (1744-1745) waren Teile des Österreichischen Erbfolgekriegs der von 1740-1748 dauerte.

37 Vgl. Kar Otmar Freiherr von Aretin: Das Reich. Friedensgarantie und europäisches Gleichgewicht 1648-1806. Stuttgart 1986.

38 Göttert: Illusionen, S. 194.

39 Ebd., S. 196.

40 Ebd., S. 212-220.

41 Zu diesem Kapitel vgl. Barbara Stollberg-Rilinger: Europa im Jahrhundert der Aufklärung. Stuttgart 2000; Barbara Stollberg-Rilinger: Politische und soziale Physiognomie des aufgeklärten Zeitalters. In: Notker Hammerstein/ Ulrich Hermann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte Band II, 18. Jahrhundert. München 2005, S. 1-32.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Das Knigge-Missverständnis
Untertitel
Die historische Persönlichkeit hinter der Benimminstanz
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2012
Seiten
47
Katalognummer
V196078
ISBN (eBook)
9783656220275
ISBN (Buch)
9783656220749
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adel, Adolph Freiherr Knigge, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Adelskritik, Schriftsteller
Arbeit zitieren
M.A. Franziska Hirschmann (Autor), 2012, Das Knigge-Missverständnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196078

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Knigge-Missverständnis


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden