Sport in der Geschichte. Ein Vergleich zwischen Japan und Griechenland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sport in der Antike – eine kleine Übersicht
2.1. Olympische Disziplinen

3. Sport in Japan
3.1. Bedeutung der Worte Sport und Spiel in Japan
3.2. Shinto
3.3. Spiel und Sport in Japan
3.3.1 Bogenschiessen
3.3.2 Ballspiele
3.3.2.1. Dakyu
3.3.2.1. Kemari
3.3.2 Sumo

4. Fazit

Literaturverzeichnis:
Elektronische Medien:
Bildnachweis:

1. Einleitung

Ein kultureller exakter Vergleich zwischen Japan und der Antike, bezüglich ihrer Sportgeschichte würde den knappen Rahmen dieser Arbeit mit Sicherheit sprengen. Deshalb wird der Autor ein paar wesentliche Punkte herausarbeiten, die den beiden Regionen gemein sind.

Die Arbeit an sich ist prinzipiell in zwei Teilen erarbeitet. Im ersten Teil wird die leibessportliche Entwicklung Griechenlands und einige olympische Disziplinen reflektiert. Der zweite und umfangreichere Teil beschäftigt sich mit Japan, wie man die Begriffe Sport und Spiel anzuwenden hatte, welche Bedeutung das Shinto hat und hatte und welche traditionellen Sportarten sich in Japan finden.

Der Autor hofft, einen interessanten Einblick gerade in den japanischen Sport geben zu können.

2. Sport in der Antike – eine kleine Übersicht

Der antike Grieche steht uns mit seinem Verständnis von Sport näher als der mittelalterliche Mensch. Wettkämpfe und Vergleiche waren bereits vor mehr als 3000 Jahren spannend und von größtem Interesse. Die griechische Bevölkerung pilgerte zu tausenden in die Spielarenen um sich die Sportler anzusehen. Freilich war der Anlass zu solchen Wettkämpfen ein anderer als Heute. Im folgenden möchte der Autor versuchen, 2000 Jahre griechische Sportgeschichte darzustellen.

Laut Decker (`95) stammen die ältesten Zeugnisse und Quellen zum Sport in der Antike von der Insel Kreta. Bereits 2000 Jahre v. Chr. Geburt gab es dort Faustkämpfe und Stierspiele (Decker `95, S. 17; Bohus[1] `86, S. 12), die ihren Ursprung in einem Fruchtbarkeitsritual haben sollen (Bohus `86, S. 12). Neben diesen Spielen hatte der Tanz, in Gruppen oder Einzeln, eine besondere Stellung in der kretischen Kultur. Getanzt wurde zu den verschiedensten Anlässen, z.B. zu Ernte- oder religiösen Festen (Bohus `86, S.13).

400 Jahre später geriet Kreta unter griechische Herrschaft und beeinflusste deren Sportkultur maßgeblich. Bis dato war Sport den Männern der aristokratischen Oberschicht vorbehalten und ihre Sportarten (Laufen, Ringen, Faustkampf etc.) hatten sich aus dem Kriegs- und Jagdwesen entwickelt und schlossen so die Frauen (als Nichtkrieger) aus (Bohus `86, S.14). Der Tanz jedoch eröffnete ihnen neue Möglichkeiten (Bohus `86, S.13). Trotz allem blieb der Sport eine Männerdomäne. Begründet liegt dies darin, dass der adelige Altgrieche als Einzelkämpfer lebte und eine wichtige Vorraussetzung für einen Krieger war es, mit seinen Waffen hantieren zu können. Zu diesen Fertigkeiten gehört es auch einen leistungsfähigen Körper zu entwickeln. Daraus lässt sich ein hoher Stellenwert der körperlichen Leistung in der altgriechischen Gesellschaft ableiten (Bohus `86, S. 11). Ruhm und Ehre, im Leben und nach dem Tod, galten als erstrebenswert und Konkurrenzverhalten wurde ein Merkmal der adligen Gesellschaft. Burckhardt (in Bohus, `86 S. 11) bezeichnet dies als „agonales[2] Verhalten“. Dieses Verhalten bestimmte dann auch den Modus des Sport in der damaligen Zeit, er wurde als Wettkampfsport betrieben.

Anlässe zum sportiven Vergleich waren Hochzeiten, Toten- oder Willkommensfeiern, aber auch religiöse Anlässe hatten in ihrem Rahmenprogramm Sport. Wettkämpfe an kultischen Stätten (z.B. Olympia) waren somit „rituelle Handlungen“ (Bohus `86, S.13) und beweisen nochmals den hohen Stellenwert der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte sicherte sich der Adel seine soziale Stellung[3] in der altgriechischen Gesellschaft und auf dieser Stellung beruhte auch die Werteordnung der Altgriechen. Kämpferische Tüchtigkeit und männliche Schönheit[4] galten als erstrebenswert (Bohus `86, S.18) und um dieses Ideal zu erreichen wurde der agonale Sport zu einem beliebten Medium der Selbstdarstellung (Bohus `86, S.18). Anlässe, sich und seine Leistungsfähigkeit unter Beweis zustellen, gab es, wie oben bereits erwähnt, genügend. Neben diesen entstanden die „großen heiligen Spiele“ (Bohus `86, S.18) an den verschieden Kultstätten, wie Olympia, Delphi, Korinth und Nemea. Eine Sonderstellung nahm dabei Olympia ein und es ist wahrscheinlich, dass dort bereits im 9. Jahrhundert v.Chr. agonale Wettkämpfe stattfanden. Schriftlich belegt sind sie aber erst ab dem Jahre 776 v. Chr., ab diesem Zeitpunkt fanden sie alle 59 bis 60 Monate[5] statt. Teilnehmen durfte nur der Adel. Verheirateten Frauen[6] war die aktive sowie die passive Teilnahme an den Spielen verboten. (Bohus `86, S.19). Versuchten sie es dennoch, mussten sie damit rechnen bestraft und von einem hohen und abschüssigen Berg gestoßen zu werden (Pausanias in van Royen / van der Vegt 2001, S.145).

Im Laufe des 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. fanden in der altgriechischen Gesellschaft einschneidende Veränderungen in allen Lebensbereichen statt. Kolonialisierung, Auswanderungen, Urbanisierung aufgrund steigender Bevölkerungszahlen, Produktion von Handelsgütern, Sklaven- und Geldwesen sorgten dafür, dass sich der Geburtsadel in einen Geldadel wandelte. Des weiteren entstand eine zahlungskräftige Mittelschicht mit politische Ansprüchen. Somit wurde der Altgrieche ein kritischer und selbstbewusster Mensch, der die Werte- und Gesellschaftsordnung in Frage stellte. Er suchte sich Alternativen für diese alten Werte und fand die Philosophie und neue Religionen[7] die nicht nur auf das Diesseits konzentriert waren (Bohus `86, S.20). Somit standen sich verschiedene Werteordnungen gegenüber: zum einen das alte Adelsideal und zum anderen die neuen Werte der neuen Religionen. In diesen Werten hatte der Körper eine ganz unterschiedliche Stellung. In der Orphik galt der Körper als „Grab der Seele“ (Bohus `86, S. 21), die Pythagoräer wollten die Seele aus dem „Kreislauf der Wiedergeburt“ befreien (Bohus `86, S.21).

Diese neuen Wertevorstellungen hatten natürlich Auswirkungen auf den Sport im antiken Griechenland. Die körperliche Leitungsfähigkeit als wichtigster Wert wurde von den Religionen entweder komplett abgelehnt (Orphik) oder in Frage gestellt (Pythagoräer) (Bohus `86, S. 21/22). Die Pythagoräer gaben dem Sport eine völlig neue Bedeutung, sie waren davon überzeugt, dass „körperliche Übungen [positiv] auf das seelische Befinden des Menschen“ wirkte und entwickelten die Diätik[8].

Der agonale Sport verlor einerseits an Bedeutung, andererseits entstanden erste Ideen die Einseitigkeit des Wettkampfsports zu überwinden (Bohus `86, S. 22).

Diese neuen Wirtschafts- und Besitzverhältnisse sorgten für soziale Spannungen innerhalb der Gesellschaft und es kam im Laufe des 6. Jahrhunderts v. Chr. zu Widerständen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen (Bohus `86, S. 25). Um diese Spannungen zu lösen war es nötig gesetzliche Regelungen finden, die ein Zusammenleben ermöglichten. Im Laufe des 5. Jahrhundert wurde die Gesetzgebung so verändert, dass alle freien, männlichen Bürger[9] Einfluss auf die Volksversammlung nehmen konnten (Bohus `86, S.25). Diese Demokratisierung hatte eine Veränderung der Geisteswelt zur Folge in deren Zuge es zur Bildung des „klassischen Menschenbildes“ (Bohus `86, S. 26) kam. Zentrale Punkte in diesem Menschenbild waren (Bohus `86, S. 26):

- Identifizierung mit seiner Stadt
- Entwicklung eines sozialen Bewusstseins
- Gefühl von Gerechtigkeit und Sitte
- Herrschaftsform stellte hohe Anforderungen an den Bürger
- Vorrausetzung war hoher Bildungsstand
- Vermischung von bürgerlichen und aristokratischen Werten
- Wiederbelebung alter Werte wie Tüchtigkeit und Schönheit

Diese Wiederbelebung der Adelsideale wurden um die Werte einer demokratischen Gesellschaft erweitert. Als idealer Mensch galt nun, wer neben der körperlichen Leistungsfähigkeit soziales Verhalten und Weisheit zeigte. Um dieses Ziel zu erreichen wurde in Athen ein öffentliches Schulwesen eingerichtet, in dem neben Lesen, Schreiben, Rechnen, Tanzen, Singen etc. auch die Leibeserziehung einen gleichberechtigten Stand hatte. Unterrichtet wurden Ringen, Laufen, Speerwerfen, Diskus, Faustkampf, Bogenschiessen und Pankration (Bohus `86, S. 27).

Durch den schulischen Sportunterricht gewannen die Spiele wieder an Bedeutung. Die Demokratisierung erlaubte es jedem Griechen an den Spielen teilzunehmen, die Gesellschaft festigte sich und die im 8. bis 5. Jahrhundert v. Chr. aufgekommen Religionen verloren an Einfluss, d.h. der Zeusglaube festigte sich in den Städten. Des weiteren war ein Sieg eines Athleten bei den Spielen auch ein Sieg für seine Heimatstadt. Die Spiele, vor allem in Olympia, entwickelten sich zu enormen Ereignissen in der Antike mit vielen tausend Teilnehmern (Bohus `86, S. 28) und kennzeichnet den Höhepunkt des altgriechischen Lebens.

Erneute Umbrüche in der Gesellschaft, eingeleitet durch Rivalität einzelner Gruppen und Machtkämpfe der Stadtstaaten, führten zum Zusammenbruch dieser Demokratie mit seinen Werten und Normen. An die nun freigeworden Stellen traten, wie auch in den Jahrhunderten zuvor, neue Ideale. Leitbild dieses neuen Ideals war die Lebensfähigkeit des Einzelnen. Diese Lebensfähigkeit sollte über sprachliche Gewandtheit, logisches Denken und sachbezogenes Wissen erreicht werden. Sport verlor seinen Bildungswert für die Griechen und wurde „ein Mittel zur Erhaltung und Festigung der Gesundheit“ (Bohus `86, S. 29). Der Niedergang der Olympischen Spiele fand somit ihren Anfang.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde Griechenland ins Römische Reich eingegliedert. Die Römer wurden von dem „geistigen Erbe“ (Bohus `86, S. 54) der Griechen stark beeinflusst, jedoch konnte sich das griechische Athletentum nicht gegen die römischen Leibesübungen[10] durchsetzen. Anklang bei den Römern hingegen fand die gesundheitsorientierte Gymnastik und die ersten Thermen wurden errichtet (Bohus `86, S. 51). Im Laufe der folgenden Jahrhunderte nahm diese Gesundheitsgymnastik eine wichtige Stellung innerhalb der griechisch-römischen Gesellschaft ein. Mit Aufkommen des Christentums und dessen steigendem Einfluss auf die geistige und politische Welt der Römer veränderte sich der Sport. Die Christen lehnten Spiele (sowohl römische wie griechische) und Athletentum kategorisch ab und betrachteten sie wegen ihrer Verbindung zum Götterkult der Griechen und Römer als Götzendienst (Bohus `86, S. 51). Des weiteren betrachteten sie das „Vergnügen am Hinmorden von Mensch“ und Tier als Sünde (Bohus `86, S. 51). Nach dem das Christentum im Jahre 380 n. Chr. zur Staatsreligion geworden war, fanden die Olympischen Spiele schnell ein Ende (Bohus `86, S. 52). Besser erging es zunächst der gesundheitsorientierten Gymnastik. Die Kirche vertrat einen positiven Standpunkt und erklärte diesen durch sein „ganzheitliches Menschenbild“ (Bohus `86, S. 52). Jedoch veränderte sich die Einstellung zu Beginn des 3. Jahrhundert n. Chr., Gymnastik die „dem reinen Vergnügen galt, wurde abgelehnt“ (Bohus `86, S. 53). Somit fand das eigentliche Körperverständnis der Altgriechen sein Ende.

[...]


[1] Laut Bohus (`86) gab es neben dem Faustkampf und dem Stierspiel noch Wagenrennen und Ringen. Decker (`95) bezeichnet dies als „Behauptung“ (Decker `95, S. 17) denen keine Zeugnisse und Quellen zu Grunde liegen.

[2] Bedeutet soviel wie Wettkampf

[3] diese soziale Stellung leitet sich von der militärischen Schutzfunktion des Adels ab (Bohus `86 S. 24)

[4] kämpferische Tüchtigkeit = agathón & männliche Schönheit = kalón

[5] zu diesem Zeitpunkt gab es im Antiken Griechenland keine einheitliche Zeitrechnung. Um nun einen einheitlichen Kalender zu haben wurde die Olympiade eingeführt. Sie bezeichnet den Zeitraum zwischen 2 Veranstaltungen und unterstreicht nochmals die Wichtigkeit von Olympia (van Royen / van der Vegt 2001, S.123)

[6] solange die Frauen nicht verheiratet waren durften sie zuschauen (Pausanias in van Royen / van der Vegt 2001, S.145)

[7] die neuen Religionen versprachen ein „Weiterleben im Reich des Geistes“ (Bohus `86, S.20)

[8] Diätik = „Regulierbarkeit des psychosomatischen Wohlbefindens durch zweckmäßige Verhaltensweisen“ Bohus `86, S. 22)

[9] nicht Stimmberechtigt waren Frauen und Sklaven (Bohus `86, S. 26)

[10] die römischen Leibesübungen waren ganz auf den Militärdienst ausgerichtet. Unterrichtet wurden Laufen, Springen, Schwimmen, Ringen, Fechten, Faustkampf etc. Ein Wettkampfwesen wie bei den Griechen gab es nicht. (Bohus `86, S. 46)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Sport in der Geschichte. Ein Vergleich zwischen Japan und Griechenland
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Sportwisenschaft Greifswald)
Veranstaltung
Spezialseminar Bewegung, Sport & Leistung
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V19617
ISBN (eBook)
9783638236966
ISBN (Buch)
9783638759014
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Geschichte, Vergleich, Japan, Griechenland, Spezialseminar, Bewegung, Leistung
Arbeit zitieren
Alfred Zaal (Autor), 2003, Sport in der Geschichte. Ein Vergleich zwischen Japan und Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19617

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