Das Fernsehen ist das beliebteste Medium der Deutschen, durchschnittlich schaut jeder Bürger
drei Stunden und 49 Minuten am Tag fern (Stand 2011)1. Das die Menge an Zeit, die für den
Fernsehkonsum aufgewendet wird auch das Interesse der Wissenschaft weckt, ist nicht
verwunderlich. Doch dabei konzentriert man sich nicht nur auf rein quantitative Aspekte wie,
wie lange und oft wird ferngesehen oder welche Personengruppen welche Programme schauen
sondern auch detailliertere Sachverhalte, wie die Nutzungsmotive der Zuschauer.
Ich möchte mich daher in meiner Arbeit dem Gegenstand der Konvergenz widmen. Dieses
Thema bietet verschiedenste Herangehensweisen, sowohl qualitativer als auch quantitativer
Natur. Ich werde auf den nächsten Seiten versuchen, den Begriff der Konvergenz erst in
grundlegendem Maße und dann auf der Ebene des Fernsehens zu erläutern und darauf folgend
eine Einführung in die Konvergenzhypothese, welche von Schatz/ Immer und Marcinkowski
aufgestellt wurde, geben. Es wird überprüft, aus welcher Perspektive Konvergenz überhaupt
möglich ist und welche dieser Sichtweisen die ausschlaggebendste ist.
Die bereits erwähnte Hypothese zur Konvergenz im Fernsehen soll mir als Ausgangspunkt
dienen und ich werde untersuchen, in welchen Gebieten es empirisch belegbar zu Konvergenz
gekommen ist.
Beginnen möchte ich mit der Definition von Konvergenz, was Konvergenz im Zusammenhang
mit Fernsehen bedeutet und eine kurze historische Entwicklung der Forschung zu diesem Thema
aufzeigen. Danach will ich mich der Konvergenz aus drei Blickwinkeln nähern, dabei handelt es
sich einmal um die Konvergenz der Programmstruktur, darauf folgend die Sicht der Zuschauer
und zuletzt auf Basis von Rezeptionsurteilen. Ich werde die drei Perspektiven kritisch betrachten
und versuchen Schwachstellen der jeweiligen Herangehensweise aufzuzeigen.
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich etwas genauer auf die Entwicklung der einzelnen
Programme eingehen und sie ebenfalls auf konvergente Entwicklungen hin untersuchen und
betrachten wie sich die Profile der Sender im Zeitverlauf verändert haben.
Hauptaugenmerk will ich dabei auf die Entwicklung der Spartenprofile von öffentlich/
rechtlichen und privaten Sendern in den letzten zehn Jahren legen.
Ich werde anschließend die gefundenen Ergebnisse interpretieren und sie in einem Fazit
zusammenfassen und eine Antwort darauf geben ob die zugrundeliegende Hypothese in den
untersuchten Bereichen zutrifft.
Inhaltsverzeichnis
1 Überblick
2 Definitionen von Konvergenz und die „Konvergenzhypothese“
3 Konvergenz aus unterschiedlichen Blickwinkeln
3.1 Konvergenz der Programmstruktur
3.2 Konvergenz aus Zuschauersicht
3.3 Konvergenz auf Basis von Rezeptionsurteilen
4 Spartenprofile, Sendungsformen und Sendungsformen der Sparte
4.1 Spartenprofile
4.2 Sendungsformen
4.3 Sendungsformen der Sparte
5 Entwicklung der Spartenprofile von ARD/ ZDF/ RTL/ Sat.1 und ProSieben
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das duale Rundfunksystem in Deutschland hinsichtlich der Konvergenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. Ziel ist es, die sogenannte „Konvergenzhypothese“, die eine funktionale Annäherung der unterschiedlichen Mediensysteme prognostiziert, anhand von Programmstrukturen, Spartenprofilen und Zuschauerwahrnehmungen empirisch zu prüfen.
- Grundlagen der Konvergenzforschung und Definition der Konvergenzhypothese
- Analyse der Programmstruktur aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Perspektiven
- Untersuchung von Spartenprofilen und Sendungsformen als Indikatoren für konvergente Entwicklungen
- Vergleichende Analyse der Sender ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und ProSieben im Zeitraum 2001 bis 2010
- Kritische Bewertung der Konvergenzhypothese im Kontext des deutschen Rundfunksystems
Auszug aus dem Buch
3.1 Konvergenz der Programmstruktur
Ich werde nun im Folgenden die Konvergenz aus diversen Blickwinkeln betrachten und versuchen zu zeigen ob Konvergenz vorherrscht. Beginnen werde ich damit zu überprüfen ob es Belege dafür gibt, dass sich die Programmstrukturen der Sender aneinander annähern. Davor möchte ich noch die konvergente Entwicklung als solche etwas genauer differenzieren, denn es wird zwischen einseitiger und zweiseitiger Konvergenz unterschieden. Bei der einseitigen Konvergenz bewegt sich ein Sendetyp auf den anderen zu, ob sich dabei die öffentlich/ rechtlichen den privaten annähern oder umgekehrt ist dabei unerheblich. Von zweiseitiger Konvergenz spricht man, wenn sich beide Typen auf einen gemeinsamen Mittelwert zubewegen. In der Forschung lassen sich sowohl für als auch gegen konvergente Entwicklungen im dualen Rundfunksystem, Belege finden. Zu den renommiertesten Arbeiten zu diesem Thema zählen die Programmstrukturanalysen von Krüger, die seit 1985 durchgeführt werden. Die Studie „unterteilt sich in eine quantitative Analyse zur Erfassung der Programmstruktur und eine quantitative Analyse zur Erfassung der Themenstruktur bei nichttagesaktuellen non – fiktionalen Sendungen auf Beitragsebene“.
Krüger kann in seinen Studien nur wenige Belege dafür finden, dass es zu konvergenten Entwicklungen kommt, doch er hebt hervor, dass sich die beiden Typen vor allem durch unterschiedliche Profile definieren. Doch es gibt auch Untersuchungen, die sehr wohl die in der Konvergenzhypothese beschriebene Entwicklung bestätigen. Eine dieser Studien stammt von Klaus Merten, dieser untersuchte die Programme im Zeitraum von 1980 bis 1993 und findet zwei aussagekräftige Tendenzen. Auf der einen Seite vergrößern die Privaten ihr Sendevolumen im Bereich Information, die Öffentlich/ Rechtlichen wiederum dies im Bereich der Unterhaltung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Überblick: Einführung in das Thema Fernsehen, Erläuterung der Relevanz von Konvergenzuntersuchungen und Vorstellung der methodischen Herangehensweise.
2 Definitionen von Konvergenz und die „Konvergenzhypothese“: Theoretische Herleitung des Begriffs Konvergenz im Medienkontext und Vorstellung der spezifischen Konvergenzhypothese nach Schatz/ Immer und Marcinkowski.
3 Konvergenz aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Analyse der Annäherung von Rundfunksystemen anhand der Programmstruktur, der Zuschauersicht und der Rezeptionsurteile.
4 Spartenprofile, Sendungsformen und Sendungsformen der Sparte: Definition der für die Untersuchung relevanten Kategorien wie Sparten (Information, Sport, etc.) und deren Bedeutung für das Senderprofil.
5 Entwicklung der Spartenprofile von ARD/ ZDF/ RTL/ Sat.1 und ProSieben: Empirischer Hauptteil mit einer detaillierten Analyse der Sendezeiten und Programmschwerpunkte im Zeitraum 2001 bis 2010.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Abschließende Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Validität der Konvergenzhypothese für das deutsche Rundfunksystem.
Schlüsselwörter
Konvergenz, Konvergenzhypothese, Rundfunksystem, Programmstruktur, Spartenprofile, Sendezeiten, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Privatsender, Medienforschung, Fernsehnutzung, Zuschauerperspektive, Rezeptionsstudie, Programmplanung, Medienwirtschaft, Medienanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sich öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender in Deutschland inhaltlich und strukturell einander annähern, ein Phänomen, das als Konvergenz bezeichnet wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Programmstrukturen, die Definition von Spartenprofilen sowie die Analyse von Sendezeiten und Inhalten über einen Zeitraum von zehn Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die empirische Überprüfung der sogenannten Konvergenzhypothese, welche eine funktionale Verschiebung zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern voraussagt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quantitativen Sekundäranalyse von Programmdaten (hauptsächlich aus der Fachzeitschrift Media Perspektiven) sowie einer ergänzenden Auseinandersetzung mit bestehenden qualitativen Rezeptionsstudien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Sender ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und ProSieben hinsichtlich ihrer Spartenverteilung und deren Veränderung über den Zeitraum von 2001 bis 2010 detailliert ausgewertet und verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Konvergenz, Konvergenzhypothese, duales Rundfunksystem, Spartenprofile, Programmstruktur und Medienanalyse.
Gibt es eine eindeutige Bestätigung der Konvergenzhypothese?
Nein, die Ergebnisse zeigen kein einheitliches Bild. Zwar gibt es in einzelnen Sparten Trends in eine gemeinsame Richtung, diese sind jedoch selten konsistent über alle untersuchten Sender hinweg.
Warum ist die Unterscheidung zwischen einseitiger und zweiseitiger Konvergenz wichtig?
Die Unterscheidung hilft zu verstehen, ob sich ein Sender einem anderen angleicht (einseitig) oder ob sich beide Sender auf einen gemeinsamen inhaltlichen Mittelwert zubewegen (zweiseitig), was für die Beurteilung der Hypothese entscheidend ist.
- Arbeit zitieren
- Thomas Praschak (Autor:in), 2012, Konvergenz des Fernsehens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196265