Die anfänglichen Arbeitsbedingungen des lutherischen Geistlichen Heinrich Melchior Mühlenberg im ländlichen Pennsylvania 1742-1750

- Eine Analyse anhand seines ersten Briefes –


Hausarbeit, 2011
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mühlenbergs Zeit in Pennsylvania 1742/1743
2.1 Pennsylvania um 1742/1743
2.2 Religiöse Gruppierungen in Pennsylvania bis 1742
2.3 Der Grund für Mühlenbergs Entsendung und die Einordnung seiner Briefe
2.4 Mühlenbergs Ankunft und seine ersten Tage in Pennsylvania
2.5 Glaubhaftigkeit und subjektive Einschätzung von Mühlenbergs Brief Nummer

3. Fazit

Literaturverzeichnis und Karten

1. Einleitung

Als der lutherische Geistliche Heinrich Melchior Mühlenberg, später bekannt als Henry Melchior Mühlenberg, am 14. April 1742 aus Halle in London ankam, um von dort aus über Charleston nach Philadelphia zu reisen, wusste er nicht was ihn in Pennsylvania für Probleme erwarten sollten. Er wollte sich vor Ort um die dort angesiedelten Lutheraner kümmern. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einer immer wiederkehrenden Herausforderung, mit der sich Mühlenberg konfrontiert sah: den Entfernungen zwischen den einzelnen Orten die unter seiner geistlichen Obhut standen.

Besonderes Augenmerk wird auf seine Erlebnisse in den ersten Tagen in Pennsylvania gelegt. Es wird überprüft, mit welchen Problematiken Mühlenberg sich konfrontiert sah und wie er ihnen begegnet. Dabei spielt seine subjektive Wahrnehmung der Geschehnisse eine wichtige Rolle.

Als Quelle dient dabei nicht die Original-Korrespondenz Mühlenbergs, da sie zum Teil verloren ging, sondern die Kopien seiner Briefe, welche von Kurt Aland unter Zuhilfenahme der original Tagebücher Mühlenbergs (bearbeitet von Tappert/Doberstein) erstellt und 1986 veröffentlicht wurde1.

Die Fragestellung der Entfernungsproblematik wurde bis jetzt noch nicht gesondert behandelt, taucht jedoch in T.J. Müllers Werk „Kirche zwischen zwei Welten“2 sporadisch auf.

Um ein besseres Verständnis der Ausgangssituation bei Mühlenbergs Ankunft liefern zu können, wird die vorherrschende Situation in Pennsylvania sowie die dort herrschenden sozialen und religiösen Strukturen kurz erläutert. Darüber hinaus wird ein Abriss der Ereignisse, die zu Mühlenbergs Entsendung führten, gegeben und seine Korrespondenz auf Glaubwürdigkeit und Stimmigkeit untersucht. Es folgt eine ausführliche Analyse seines ersten Briefes aus Philadelphia, welchen er am 03. Dezember 1742 losschickte, in Bezug auf die Entfernungen der einzelnen Orte zueinander.

Abschließend wird beurteilt, wie sich die Entfernungen auf seine Arbeit und die Organisation der Kirchenstrukturen auswirkte.

2. Mühlenbergs Zeit in Pennsylvania 1742/1743

2.1 Pennsylvania um 1742/1743

Das Gebiet, welches später Pennsylvania werden würde, wurde 1681 von England an W. Penn als Eigentümerkolonie verliehen. Als Anhänger der Quäker Bewegung sorgte Penn per Verfassung nicht nur für ein besonders hohes Maß an Religionsfreiheit, sondern schuf auch, durch eine großzügige Landespolitik, einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung der Kolonie3.

„Pennsylvania reicht von der atlantischen Küstenebene (im Südosten)über Piedmontplateau und Appalachen (Blue Ridge, Großes Appalachental, Alleghenyplateau) bis zum Eriesee. Im Alleghenygebirge werden 979 müber dem Meeresspiegel erreicht. Hauptflüsse sind Susquehanna River und Delaware River (Grenzfluss im Osten). Zusammen mit dem Ohio entwässern sie 95% der Staatsfläche; Pennsylvania ist reich an Seen. Das Klima ist besonders im Süden mild, im Jahresdurchschnitt 11 ° C, im Norden kälter mit starkem Schneefall. Mehr als die Hälfte von Pennsylvania ist bewaldet 4. “

2.2 Religiöse Gruppierungen in Pennsylvania bis 1742

Im Jahre 1682 emigrierten durch die Aussicht auf Religionsfreiheit und wirtschaftlichen Wohlstand, Scharen von Quäkern aus England nach Pennsylvania. Diese waren allerdings nicht ausreichend auf die Aufgabe vorbereitet ein Land selber zu regieren, da die englischen Quäker an einen Obrigkeitsbegriff gewohnt waren, der ihnen Schutz (auch mit Waffengewalt) bot und sie gegen Verbrechen Inner- und Außerlandes schützte. Ihre eigene religiöse Überzeugung verbot ihnen jedoch jeden Waffengebrauch. Sie konnten sich also weitestgehend selbst vor Ort verwalten, waren jedoch stark von England abhängig. Erst 1708 wurde ein verfassungsrechtliches System geschaffen, in welchem das Abgeordnetenhaus Vorrang hatte5.

Allerdings kamen nicht nur Engländer, sondern ab 1683 auch mehrere Wellen von deutschen Lutheranern, welche ab 1730 so verstärkt auftraten, dass man regelrecht von Massenauswanderungen sprechen kann. Diese Lutheraner waren auch an ein starkes Obrigkeitsverhältnis gewöhnt6.

Neben diesen beiden großen religiösen Gruppierungen fanden sich jedoch noch andere zahlreiche Glaubensrichtungen in Pennsylvania wieder. Dieses ist auf die dortige politische Struktur und die garantierte Religionsfreiheit sowie wirtschaftliche Aspekte zurückzuführen. So gab es neben Pietisten, Herrenhutern noch andere zahlreiche Sekten und religiöse Splittergruppen7.

Diese religiöse Vielfalt bemerkt Mühlenberg auch rasch nach seiner Ankunft in Philadelphia und berichtet davon in seinem ersten Brief: „Ist man nicht allezeit gegenwärtig, so kommen die alten unordinierten Prediger darzwischen und machen factionen. Wo diese letzteren nicht hinkommen, da kommen die Herrenhuter und viele anderen Secten Geister da zwischen.“8

2.3 Der Grund für Mühlenbergs Entsendung und die Einordnung seiner Briefe

Als Mühlenberg in Großhennersdorf in sein Amt gehoben wurde, wusste er anfangs nicht, wo ihn seine Mission hinführen würde. Ein konkretes Ziel schien er nicht vor Augen zu haben. Er schrieb dazu: „Wo am ersten ein Loch offen stünde, da müsse man sich am ersten hineinstopfen laßen.“9

Am 06. September 1741 änderte sich dieses allerdings, als er in einem Gespräch mit G.A. Francke mitgeteilt bekam, dass ihn sein Weg nach Pennsylvania führen würde.10

Der Grund seiner Entsendung lag allerdings schon gute 8 Jahre zurück. Alles begann im Jahr 1733, als sich die lutherischen Gemeinden Philadelphia, Providence und Neu-Hannover mit der Bitte um Entsendung eines Geistlichen an Franke, sowie den Londoner Hofprediger Ziegenhagen gewandt hatten. Eine Delegation war hierfür nach Europa entsendet worden, um neben der Bitte um geistlichen Beistand auch Kollektengelder für den Bau von Kirchen und Schulen zu sammeln. Sie erhielten die geforderten Gelder und verschwanden damit allerdings spurlos. Das Geld erreichte folglich nie seinen Bestimmungsort. Also wendeten sich die Gemeinden am 15. Oktober 1739 erneut mit der dringlichen Bitte an Ziegenhagen, geistlichen Beistand zu schicken. Dieser leitete den Ersuch zu Franke weiter, welcher Mühlenberg mit einem Beglaubigungsschreiben Ziegenhagens schlussendlich entsendete.11

Aufgrund dieser Vorgeschichte, lassen sich einige Passagen aus Mühlenbergs Briefen besser nachvollziehen. So erwähnt er zum Beispiel öfters das ihm mitgegebene Beglaubigungsschreiben12 und legt Rechenschaft darüber ab, was er mit dem Geld anfängt und wofür er es ausgibt, bzw. was er eventuell später noch für Gelder benötigt.

Aber nicht nur das schildert er in seinen Briefen, sondern er berichtet auch ausführlich und akribisch von seinen Erlebnissen und Eindrücken vor Ort. Seine Briefe können dabei als glaubwürdig angesehen werden, da sie viele Überschneidungen mit seinen Tagebüchern, welche von Tappert und Doberstein übersetzt und veröffentlicht wurden13, besitzen.

Bei der vorliegenden Arbeit wurde auf die von K. Aland angefertigte und bearbeitete Edition der Briefe zurückgegriffen. Aland hat bei seiner Bearbeitung der Originalquellen versucht, sie „diplomatisch getreu“14 wiederzugeben. Allerdings wurde die korrekte Großschreibung bei Ländern und Ortsnamen sowie der direkten Anrede durchgeführt. Darüber hinaus wurde das Siegel für „Gott“ sowie alle Kontraktionen für einen besseren Lesefluss aufgelöst. Abkürzungen wurden in eckigen Klammern ausgeschrieben sowie offensichtliche versehentliche Auslassungen rekonstruiert. Außerdem wurden Absätze hinzugefügt. Die Briefe liegen in gedruckter abgetippter Form vor, so dass eine optische Beurteilung der Quelle auf Handschrift, Verschleiß und Zustand nicht erfolgen kann.

[...]


1 Vgl. K. Aland, „Die Korrespondenz Heinrich Melchior Mühlenbergs“ Band I, Berlin 1986 S.XIII ff.

2 T.J. Müller, „Kirche zwischen zwei Welten“, Stuttgart, 1994. 3

3 „Brockhaus Die Enzyklopädie in 30 Bänden“. 21., neu bearbeitete Auflage. Leipzig, Mannheim 2005 2006.

4 Ebd. Absatz: Landesnatur.

5 H. Wellenreuther, „Glaube und Politik in Pennsylvania 1681 1776“ Köln, 1972. 4

6 T.J. Müller, „Kirche zwischen zwei Welten“, Stuttgart 1994, S. 9, Z. 7 9.

7 Ebd. S. 52, Z. 12 15.

8 K. Aland, „Die Korrespondenz Heinrich Melchior Mühlenbergs“ Band I, Berlin 1986 Brief 14 S.41, Z.38 41.

9 Ebd. Brief 2 S.4, Z.19 20 .

10 Ebd. S.XVII, Z. 32.

11 Vgl. K. Aland, „Die Korrespondenz Heinrich Melchior Mühlenbergs“ Band I, Berlin, 1986 S. XVIII, 1. Abs..

12 Ebd. Brief 9 (Beglaubigungsschreiben), sowie div. Briefe wo er das Vorzeigen explizit erwähnt.

13 T.G. Tappert und J.W. Dobersein, „The Notebook of a Colonial Clergyman: Condensed from the Journals of Henry Melchior Muhlenberg”, 2005.

14 K. Aland, „Die Korrespondenz Heinrich Melchior Mühlenbergs“ Band I, Berlin, 1986 S. XIX, Z.46. Vgl. Ebd. S XX.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die anfänglichen Arbeitsbedingungen des lutherischen Geistlichen Heinrich Melchior Mühlenberg im ländlichen Pennsylvania 1742-1750
Untertitel
- Eine Analyse anhand seines ersten Briefes –
Hochschule
Universität Hamburg  (Geschichte)
Veranstaltung
Atlantische Studien
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V196272
ISBN (eBook)
9783656222958
ISBN (Buch)
9783656226208
Dateigröße
1926 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pennsylvania, Mühlenberg, lutherische Geistliche, Deutsche in Amerika, Reiseberichte
Arbeit zitieren
Oliver Salewski (Autor), 2011, Die anfänglichen Arbeitsbedingungen des lutherischen Geistlichen Heinrich Melchior Mühlenberg im ländlichen Pennsylvania 1742-1750, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196272

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