Eine Schulreform der Sekundarstufe I hin zu einer gemeinsamen Schule für 10- bis 14-Jährige wurde in Österreich politisch immer wieder diskutiert und 2011 auch in einem Bildungsvolksbegehren gefordert – als eines der wenigen europäischen Länder hält Österreich aber am differenzierten Schulsystem fest. Wie sinnvoll es ist, Kinder in diesem frühen Alter nach Talenten und Interessen zu trennen, ist umstritten: Die Aufteilung in unterschiedliche Schultypen führt dabei nicht zuletzt zu einer sozialen Selektion.
Die Durchsetzung der Gesamtschule scheitert dabei auf politischer Ebene allem voran am Widerstand der Österreichischen Volkspartei: Das konservative Lager hält an der Aufteilung in ein Gymnasium, das Begabte fördern soll, und eine Regelschule für alle anderen fest. Dabei ist die ÖVP eine von verzweigten Strukturen geprägte Partei, die in ihren Teil- und Vorfeldorganisationen unterschiedliche Interessen vereint.
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von Presseaussendungen zur Zeit der Aktualität des Volksbegehrens, welche Standpunkte der Partei zur Gesamtschule festzustellen sind. Es zeigt sich dabei, wie die Opposition zur Gesamtschule fast ungebrochen, aber in Teilen doch widersprüchlich, über den innerparteilichen Aufbau hinweg verfestigt ist, und unterstützt durch Schlagworte und Slogans nach außen getragen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK
1.2 ZIELSETZUNG DER ARBEIT
1.3 AUFBAU DER ARBEIT
2. DIE PARTEI
2.1 ÖVP – ÖSTERREICHISCHE VOLKSPARTEI
2.1.1 ENTWICKLUNG UND IDEOLOGISCHE AUSRICHTUNG DER ÖVP
2.1.2 ORGANISATIOANLER AUFBAU UND VERFLECHTUNGEN DER ÖVP
2.1.3 GRUNDPOSITIONEN ZUR BILDUNG IN PARTEIPROGRAMM & PUBLIKATIONEN
2.2 CLEAVAGE STRUKTUREN ZWISCHEN DEN PARTEIEN UND INNERHALB DER ÖVP
2.2.1 ANNAHMEN DER CLEAVAGE THEORIE NACH LIPSET/ROKKAN
2.2.2 ANWENDUNG DER CLEAVAGE THEORIE AUF DIE PARTEINSTRUKTUR ÖSTERREICHS UND DEN INNERPARTEILICHEN AUFBAU DER ÖVP
3. DIE BILDUNG
3.1 DIE SEKUNDARSTUFE I IM ÖSTERREICHISCHEN SCHULSYSTEM
3.1.1 ENTWICKLUNG DER SEKUNDARSTUFE I IN ÖSTERREICH
3.1.2 DERZEITIGES DIFFERENZIERTES SEKUNDARSTUFE I MODELL
3.1.3 OPTION GESAMTSCHULE: DEFINITION UND ABGRENZUNG
3.2 BILDUNG UND UNGLEICHHEIT
3.2.1 ZUSAMMENHANG SOZIALE HERKUNFT & BILDUNGSWEG
3.2.2 BOUDON’S ANSATZ PRIMÄRER UND SEKUNDÄRER HERKUNFTSEFFEKTE
3.3 VOLKSBEGEHREN BILDUNGSINITIATIVE
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
4.1 DIE VERWENDETE METHODE
4.1.1 DARSTELLUNG UND BEGRÜNDUNG DER METHODE
4.1.2 DIE AUSWAHL DES MATERIALS/DER ORGANISATIONEN
4.1.3 DIE DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG
4.2 QUANTITATIVE ANALYSE DER PRESSEAUSSENDUNGEN
4.3 QUALITATIVE ANALYSE DER PRESSEAUSSENDUNGEN
4.4 ZUSAMMENFÜHRUNG DER EMPIRISCHEN ERGEBNISSE & BEANTWORTUNG DER FORSCHUNGSFRAGEN
5. CONCLUSIO
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht die ideologische Opposition der ÖVP gegenüber der Gesamtschule im Kontext des Bildungs-Volksbegehrens 2011. Ziel ist es, anhand einer qualitativen und quantitativen Analyse von Presseaussendungen die fragmentierten Standpunkte der verschiedenen ÖVP-nahen Organisationen zu identifizieren und in das Gesamtbild der Partei einzuordnen.
- Struktur und interne Konfliktlinien der ÖVP
- Wissenschaftliche Grundlagen der Bildungsungleichheit (Cleavage-Theorie und Herkunftseffekte)
- Analyse des Bildungs-Volksbegehrens 2011 als politischer Trigger
- Qualitative und quantitative Untersuchung der Partei-Kommunikation
- Synthese der Positionen zur Gesamtschul-Debatte
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Derzeitiges differenziertes Sekundarstufe I Modell
Das Gesamtschulmodell ist ein diskutiertes Modell, das allerdings derzeit faktisch in Österreich nicht existiert. Eine Übersicht über das derzeitige Schulmodell in Österreich bietet die folgende Grafik. Auf Ebene der Sekundarstufe-I gliedert es sich in Hauptschule, Allgemeinbildende Höhere Schule und seit 2008 in Form von Schulversuchen auch die Neue Mittelschule. Daneben, existiert in Teilen noch die sogenannte „Sonderschule“, die praktisch nicht mehr relevante Volksoberstufe, und private Schulen – diese spielen in Österreich aber nur eine marginale Rolle (Bodenhöfer 2006, 653). Die Schulpflicht dauert bis zur 9. Schulstufe; die Sekundarstufe I endet mit der 8. Schulstufe. Abhängig von Schulerfolg und teilweise Schulform ist der weitere Verbleib im Bildungssystem möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Gesamtschuldebatte in Österreich sowie Darlegung der Forschungsfragen und des methodischen Vorgehens.
2. DIE PARTEI: Analyse der Struktur, der ideologischen Ausrichtung sowie der internen Interessenskonflikte innerhalb der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) unter Heranziehung der Cleavage-Theorie.
3. DIE BILDUNG: Untersuchung des österreichischen Sekundarschulsystems, der sozialen Selektionsmechanismen sowie des Einflusses des Bildungs-Volksbegehrens auf die politische Diskussion.
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Darstellung und Durchführung der qualitativen und quantitativen Analyse der Presseaussendungen ÖVP-naher Organisationen zum Thema Gesamtschule.
5. CONCLUSIO: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Reflexion der gefundenen Ergebnisse hinsichtlich der Positionierung der ÖVP.
Schlüsselwörter
Gesamtschule, ÖVP, Bildungspolitik, Bildungs-Volksbegehren, soziale Selektion, Sekundarstufe I, Neue Mittelschule, Cleavage-Theorie, Presseaussendungen, Leistungsdifferenzierung, Parteistruktur, soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, politische Kommunikation, Österreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die inhaltliche Opposition der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und ihrer Teilorganisationen gegen das Konzept der Gesamtschule vor dem Hintergrund des Bildungs-Volksbegehrens 2011.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Bildungsstruktur der Sekundarstufe I, den Einfluss sozialer Herkunft auf den Bildungserfolg, innerparteiliche Strukturen der ÖVP sowie die politische Argumentationsstrategie im Bildungsbereich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Identifizierung und Systematisierung der unterschiedlichen Standpunkte der ÖVP-nahen Akteure zur Gesamtschul-Debatte und deren Einordnung in die ideologische Gesamtlinie der Partei.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus quantitativer Auswertung der Frequenz von Presseaussendungen und einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring angewandt, um die Argumentationsmuster der Organisationen zu extrahieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Parteistruktur und Bildungstheorien erläutert, gefolgt von der empirischen Untersuchung der Aussendungen von Organisationen wie der Industriellenvereinigung, dem ÖAAB und anderen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gesamtschule, ÖVP, soziale Selektion, Neue Mittelschule, Cleavage-Theorie, Leistungsdifferenzierung und Bildungs-Volksbegehren.
Warum spielt die Cleavage-Theorie eine Rolle für die Analyse der ÖVP?
Die Theorie hilft zu verstehen, warum die ÖVP intern fragmentiert ist und wie sich unterschiedliche gesellschaftliche Interessensgruppen (wie Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer) innerhalb der Partei in Bezug auf Bildungsthemen positionieren.
Wie bewerten die untersuchten Organisationen das Bildungs-Volksbegehren?
Die Bewertung ist weitgehend kritisch; das Volksbegehren wird oft als parteipolitisch motiviert betrachtet, wobei insbesondere die Industriellenvereinigung eine differenziertere, wenngleich kritische Haltung gegenüber der "Einheitsschule" einnimmt.
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- Regina Kriechhammer (Author), 2012, Der Schulklassenkampf der ÖVP: Die hartnäckige Opposition zur Gesamtschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196318