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Verteilungsgerechtigkeit - Ein Vergleich der Theorien von Robert Nozick und John Rawls

Title: Verteilungsgerechtigkeit - Ein Vergleich der Theorien von Robert Nozick und John Rawls

Term Paper , 2010 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Beck (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die Geschichte der Gerechtigkeit ist alt. Vielleicht genau so alt, wie die der Menschheit selbst. Als Bewertungsmaßstab für eine gesellschaftliche und damit politische Ordnung trat der Begriff erstmals nennenswert in der griechischen Mythologie in Erscheinung. Der übermächtige Zeus war es, der dort einst den olympischen Naturzustand, den von Fehden und Freveln geprägten Alltag seiner Ahnen, überwinden konnte und mittels machtvoll durchgesetzter Gerechtigkeit erstmals Frieden im Olymp schuf. Mit der Reflexion solcher mythologischen Vorstellungen durch antike Philosophen und dem partiellen Einfluss der griechischen Mythologien auf die gesellschaftlichen und politischen Ordnungsvorstellungen ihrer Zeit entstand zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit auch ein philosophischer Diskurs, der Gerechtigkeit als Maßstab, als Ideal und Leitprinzip einer Ordnung begriff, indem er Kriterien aufzuzählen versuchte mit denen gerechte von ungerechten politischen Ordnungen unterschieden werden konnten.

Die Reflexion des Politischen (‚episteme politike´), d.h. des Ideals guten und gerechten politischen Handelns war geboren und setze seinen Siegeszug durch das Mittelalter über die Neuzeit bis tief in die Moderne hinein fort, wo die Frage der Gerechtigkeit zum universalen Wertmaßstab westlicher Staatsphilosophien wurde. „Die Gerechtigkeit ist einer der angesehensten Begriffe unserer geistigen Welt. Ob Gläubiger oder Ungläubiger, Konservativer oder Revolutionär, jeder beruft sich auf die Gerechtigkeit und niemand wagt, sie zu verleugnen. (...) Man ruft sie an, um die bestehende Ordnung zu schützen und um revolutionäre Umstürze zu rechtfertigen. So verstanden ist die Gerechtigkeit ein universaler Wert“ , erklärt der Philosoph und Universitätsprofessor Chaim Perelman in seiner philosophischen Abhandlung über den Geltungsbereich der Gerechtigkeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

BEGRIFFSTHEORETISCHE EINFÜHRUNG

GERECHTIGKEIT

VERTEILUNGSGERECHTIGKEIT

1. JOHN RAWLS UND DIE THEORIE DER GERECHTIGKEIT

1.1 GERECHTIGKEITSTHEORETISCHER KONTRAKTUALISMUS

1.2 NATURZUSTAND UND SCHLEIER DES NICHTWISSENS

1.3 GLEICHHEIT UND UNGLEICHHEIT – ZWEI GERECHTIGKEITSPRINZIPIEN

1.4 NACHTRÄGLICHE KORREKTUR DER VERMÖGENSVERTEILUNG

2. ROBERT NOZICK UND DIE ANSPRUCHSTHEORIE

2.1 THEORIEPRÄMISSEN UND LEGITIMATIONSGRUNDLAGE DES STAATES

2.1.1 ÜBERWINDUNG DES NATURZUSTANDES

2.1.2 VON DER SCHUTZGEMEINSCHAFT ZUM MINIMALSTAAT

2.2 EIN HISTORISCHES ANRECHT AUF EIGENTUM – NOZICKS ANTWORT AUF DIE FRAGE DER VERTEILUNGSGERECHTIGKEIT

2.3 UMVERTEILUNG IM NACHTWÄCHTERSTAAT

SCHLUSSWORT

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert und vergleicht die gegensätzlichen Gerechtigkeitstheorien von John Rawls und Robert Nozick, um die Legitimität staatlicher Umverteilungsmaßnahmen und die grundlegende Beschaffenheit politischer Gerechtigkeit zu hinterfragen.

  • Gegenüberstellung von Rawls' Theorie der Gerechtigkeit und Nozicks Anspruchstheorie
  • Bedeutung des "Schleiers des Nichtwissens" bei Rawls
  • Die "Self-Ownership"-These und der libertäre Ansatz von Nozick
  • Das Spannungsfeld zwischen Freiheit, Gleichheit und ökonomischer Effizienz
  • Kritische Bewertung der Legitimität staatlicher Eingriffe in die Eigentumsverhältnisse

Auszug aus dem Buch

1.2 Naturzustand und Schleier des Nichtwissens

Um die Frage zu beantworten, auf welche Prinzipien sich die Menschen im Naturzustand denn einigen würden, bedient sich Rawls einer klassisch - kontraktualistischen Argumentationsweise. Eine Art Naturzustand, ein Ausgangszustand für die Festsetzung der Gerechtigkeitsvorstellungen – ähnlich Lockes Konzept eines labilen Gleichgewichtszustandes - wird formuliert: die sogen. ‚original position’. Dieser Ausgangszustand ist ein theoretisches Konstrukt in dem: „diejenigen Grundsätze [festgelegt werden], die freie und vernünftige Menschen in ihrem eigenen Interesse in einer anfänglichen Situation der Gleichheit zur Bestimmung der Grundverhältnisse ihrer Verbindung annehmen würden.“ Weil Rawls um die Defizite der menschliche Natur, das Interesse am größtmöglichen individuellen Vorteil gesellschaftlicher Kooperation und den aus der Interaktion hervorgehenden Gütern weiß, eben jene, die den Naturzustand auch zu einer Konfliktsituation werden lassen, bedient er sich einer genialen Argumentationshilfe: dem Schleier des Nichtwissens (‚veil of ignorance’). Dieser Schleier kann als eine Art strategisches Informationsdefizit verstanden werden. Die Entscheidungsträger des Urzustandes verfügen bei der Verständigung auf gemeinsame Gerechtigkeitsgrundsätze allesamt über allgemeine sozialwissenschaftliche und psychologische Kenntnisse, wissen jedoch nicht, wer sie wirklich sind. Sie kennen weder ihr Geschlecht, noch das Alter, ihren sozialen Status oder eine mögliche Klassenzugehörigkeit – kurz: „Die Personen im Urzustand müssen (...) in Unkenntnis ihrer konkreten inhaltlichen Interessen (...) ihre Interessen vertreten.“

Zusammenfassung der Kapitel

BEGRIFFSTHEORETISCHE EINFÜHRUNG: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung des Gerechtigkeitsbegriffs ein und definiert das Spannungsfeld zwischen sozialer Gleichheit und wirtschaftlicher Ungleichheit in modernen Demokratien.

1. JOHN RAWLS UND DIE THEORIE DER GERECHTIGKEIT: Das Kapitel erläutert Rawls' kontraktualistischen Ansatz, bei dem durch den "Schleier des Nichtwissens" faire Gerechtigkeitsgrundsätze abgeleitet werden, die soziale und ökonomische Ungleichheiten nur unter spezifischen Bedingungen legitimieren.

2. ROBERT NOZICK UND DIE ANSPRUCHSTHEORIE: Nozick stellt diesem Ansatz eine radikal andere Theorie entgegen, die auf der Unverletzlichkeit des Selbsteigentums basiert und jede staatliche Umverteilung als illegitimen Eingriff ablehnt, sofern das ursprüngliche Eigentum rechtmäßig erworben wurde.

SCHLUSSWORT: Der Autor resümiert die theoretischen Differenzen und plädiert abschließend für eine Position, die soziale Grundsicherung als notwendige Säule einer demokratischen Ordnung betrachtet.

Schlüsselwörter

Verteilungsgerechtigkeit, John Rawls, Robert Nozick, Schleier des Nichtwissens, Anspruchstheorie, Selbsteigentum, Liberalismus, libertäre Philosophie, soziale Gerechtigkeit, Umverteilung, Differenzprinzip, Minimalstaat, kontraktualistische Ethik, Eigentumsrechte, politische Philosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht und vergleicht die zwei zentralen, aber gegensätzlichen Gerechtigkeitstheorien von John Rawls und Robert Nozick hinsichtlich ihrer Bewertung sozialer und ökonomischer Verteilung.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die Themenbereiche Verteilungsgerechtigkeit, Eigentumsrechte, die Rolle des Staates sowie die Vereinbarkeit von individueller Freiheit und sozialem Ausgleich.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die gegensätzlichen Positionen zu beleuchten, um die Frage nach der Legitimität staatlicher Umverteilung im Kontext unterschiedlicher staatsphilosophischer Grundlagen zu beantworten.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Analyse der einschlägigen philosophischen Primär- und Sekundärliteratur zu den Theorien von Rawls und Nozick.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Rawls' kontraktualistischem Modell und Nozicks libertärer Anspruchstheorie, wobei insbesondere ihre Ansätze zum Naturzustand und zur Vermögensverteilung analysiert werden.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Besonders prägend sind Begriffe wie "Schleier des Nichtwissens", "Selbsteigentum", "Minimalstaat" und "Differenzprinzip".

Wie unterscheidet sich Nozicks Begründung des Staates von klassischen Vertragstheorien?

Nozick argumentiert, dass der Staat nicht durch einen umfassenden Gesellschaftsvertrag, sondern durch einen ökonomischen Prozess der Monopolisierung von Sicherheitsdienstleistungen im freien Markt entsteht.

Warum lehnt Nozick eine nachträgliche Umverteilung ab?

Aus Sicht von Nozick stellt das Prinzip des Selbsteigentums das höchste Gut dar; staatliche Umverteilung würde dieses Prinzip verletzen und somit die auf freiem Tausch basierende legitime Ordnung untergraben.

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Details

Title
Verteilungsgerechtigkeit - Ein Vergleich der Theorien von Robert Nozick und John Rawls
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Grade
1,0
Author
Thomas Beck (Author)
Publication Year
2010
Pages
18
Catalog Number
V196348
ISBN (eBook)
9783656223474
ISBN (Book)
9783656224754
Language
German
Tags
Politik Verteilungsgerechtigkeit Gerechtigkeit soziale Gerechtigkeit Minimalstaat Liberalismus libertarismus John Rawls Robert Nozick
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Beck (Author), 2010, Verteilungsgerechtigkeit - Ein Vergleich der Theorien von Robert Nozick und John Rawls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196348
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