Selbstbestimmung zwischen formaler Freiheit und Wirklichkeit

Das Konsumverhalten der Theorie der Kulturindustrie auf dem Prüfstand der Realität


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Authentische Kunst und Kulturindustrie
1.1 Begriffstheoretische Einführung
1.2 Wesen der industriellen Kulturprodukte

2. Konsumentenkonzept der Theorie der Kulturindustrie
2.1 Anti - Idealzustand der Aufklärung
2.2 Konsumsozialisation, Level Verhalten und Pseudo-Individualität
2.3 Marktforschung und Werbung

3. Kulturindustrie und Realität: Konsumverhalten heute
3.1 Das Kaufverhalten: ein multifaktorieller Entscheidungskomplex
3.2 Ich kaufe, also bin ich – Zusammenhang zwischen Produkt und Identität

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Es ist ein Samstag, genauer gesagt der erste Samstag im April dieses Jahres und es ist kalt und still so früh morgens auf den Straßen New Yorks. Der Wind pfeift und die sonst vor Energie nur so strotzende Weltstadt zeigt sich von ihrer ruhigen Seite. Lediglich ein paar unerschrockene Technikjünger gruppieren sich enthusiastisch um einen gigantischen Glaswürfel in der Fifth Avenue, ein beeindruckender, transparenter Kubus mit einem großen, weißen Apfelemblem auf seiner Stirn. Die Euphorie ist groß. Eine technische Revolution liegt in der Luft. Punkt 9.00 Uhr dann die Erlösung. Der große Glaskubus, bei dem man sich irgendwie an die Kaaba in Mekka erinnert fühlt, ist nichts weniger als der weltweit größte Apple Store und der öffnet nun seine Tore. Der Verkaufsstart des neuen Apple iPads, eines handlichen Tablet-PCs, der in der Produkttradition der Erfolgsmarke steht und wieder einmal die technische Welt revolutionieren soll, steht kurz bevor. Die Menge der wenigen hart gesottenen Technikfans hat sich inzwischen um ein Vielfaches potenziert. Tausende Pilger stürmen in den Laden und greifen nach den wenigen Exemplaren, die noch verfügbar sind. Ein paar Stunden später ist alles ausverkauft. Ein paar Tage später in den gesamten Vereinigten Staaten kein einziges iPad mehr zu haben. Lieferpause heißt es von offizieller Seite. Der Konzern kann die immense Nachfrage nicht mehr stillen.[1],[2]

Was sich wie ein bizarres Szenario beschreiben lässt gehört inzwischen zur Realität der westlichen Konsumsphäre. Große globale Konzerne, wie der amerikanische Hersteller Apple, inszenieren wirkungsvoll den Verkaufsstart ihrer Produkte. Sie feiern jede einzelne Neuerung als opus magnum, als technische Revolution und zelebrieren diese Erlebnisse gemeinsam mit ihren Kunden und der Weltöffentlichkeit. Konsumeifer scheint zum neuen Ethos unserer Gesellschaft geworden zu sein oder wie es der Journalist Harry Pross in seinem Zeitschriftenreport prägnant formuliert: „Konsum ist das Zauberwort der Wirtschaftstätigkeit wie der politischen Aktion geworden, weil die Massen ihre individuelle Selbstverwirklichung im Konsum suchen.“[3] Das, so Pross, sei nicht immer so gewesen, aber die gemeinsame materialistische Philosophie von Kapitalismus und Sozialismus habe sie dahin gebracht, es für selbstverständlich zu halten.[4]

Gerade vor dem Hintergrund solcher (Fehl-) Entwicklungen scheint die Rezeption der kritischen Texte der Frankfurter Schule, allen voran des von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in den 40er Jahren des letzten Jahrtausends im amerikanischen Exil verfassten und 1947 erstmals für einen ausgewählten Kreis an Freunden und Bekannten veröffentlichten Hauptwerkes, einer Sammlung philosophischer Essays unter dem Titel Dialektik der Aufklärung , heute umso interessanter denn je. In ihrer Theorie der Kulturindustrie, dem vierten Kapitel des wortgewaltigen Werkes, fokussieren Horkheimer und Adorno ein totalitär - kapitalistisches Kultursystem: die Kulturindustrie. Dabei zeichnen Sie ein höchst kritisches Konsumentenbild, das nicht zuletzt übertrieben und überspitzt wirkt. Ziel dieser Arbeit soll es sein, eben diese Übertreibung näher darzustellen und das Konsumentenbild der Theorie der Kulturindustrie dem der Realität gegenüberzustellen. Da Horkheimer und Adorno jedoch eine Vielzahl an Argumenten formulieren, wird sich diese Abhandlung bei der Gegenüberstellung auf lediglich zwei Kernthesen beschränken.

1. Authentische Kunst und Kulturindustrie

1.1 Begriffstheoretische Einführung

Für die beiden Autoren beginnt die Entstehung der Kulturindustrie mit dem Wandel der Kunst zwischen dem bürgerlich-liberalen Zeitalter und dem des Spätkapitalismus. Wohingegen früher unangepasste, kritische Kunstwerke um ihrer Selbst willen entstanden und sich ausschließlich über ästhetische Gesichtspunkte definieren konnten, führt im Spätkapitalismus ein industrielles System der Kulturwarenproduktion praktisch zum Niedergang klassischer Kunst. Die Begründung für den verstärkten Warencharakter der Kultur erklärt sich in Anlehnung an Karl Marx wie folgt: Aus dem Gebrauchswert der Ware, also der immanenten Fähigkeit ein menschliches Bedürfnis zu befriedigen, ergibt sich ein Tauschwert, der das Produkt überhaupt erst zur Ware werden lässt. Der Gebrauchswert der Ware tritt im Kapitalismus allerdings immer weiter hinter den Tauschwert zurück.[5] Da die Tauschwertproduktion die Bedingung des freien Marktes ist, wurde ihr inzwischen auch Kunst und Kultur unterworfen. Sie lässt Kunst und Kultur zur Ware verkommen sodass „Kunst ihrer eigenen Autonomie abschwört, [und] sich stolz unter die Konsumgüter einreiht (...).“[6]

Die aufkommenden Kulturprodukte werden - getreu dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage - der Bedürfnisbefriedigung des Konsumenten, dessen Neigungen und Interessen angepasst. Dadurch entsteht, potenziert durch den technischen Fortschritt, ein von Profitgier gesteuertes System, das in einen ‚Zirkel von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis’ (Horkheimer, Adorno, S. 129) mündet in dem Industrie, Kultur und Konsument letztlich zu einer Einheit verschmelzen. Der ursprüngliche autonome und widerspenstige Charakter der Kunst, wie er im bürgerlich-liberalen Zeitalter existierte, geht verloren. Gesellschaft, als auch Wirtschaft werden durch die Maxime des neu entstehenden, totalitären Kulturbetriebs gelenkt und beherrscht.

[...]


[1] Vgl. Spiegel Online: Tablet-Hype. iPad-Fans stürmen Apple-Läden in den USA. In: http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,druck-787186,00.html - Zugriff: 25.08.2010.

[2] Vgl. Heise Online: Nur Geduld: iPad-Verkaufsstart in USA. In: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Nur-Geduld-iPad-Verkaufsstart-in-USA-970018.html - Zugriff: 25.08.2010.

[3] Harry Pross: Homo Nimmerstatt. Ein Zeitschriftenreport. In: Die Zeit Nr. 50, 07.12.1990.

[4] Ebd. (Pross), a.a.O.

[5] Vgl. Roger Behrens: Kulturindustrie. Bibliothek dialektischer Grundbegriffe. Band 15. Bielefeld 2004, S. 40 f.

[6] Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug. In: Horkheimer, Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt a.M. 1969, S. 166.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Selbstbestimmung zwischen formaler Freiheit und Wirklichkeit
Untertitel
Das Konsumverhalten der Theorie der Kulturindustrie auf dem Prüfstand der Realität
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V196351
ISBN (eBook)
9783656223443
ISBN (Buch)
9783656226567
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Konsumverhalten, Kulturindustrie, Frankfurter Schule, Adorno, Horkheim, Kritik, Selbstbestimmung, Freiheit, Soziologische Theorien
Arbeit zitieren
Thomas Beck (Autor), 2010, Selbstbestimmung zwischen formaler Freiheit und Wirklichkeit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196351

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