Bewusstseinsbildende Soziale Arbeit im Kontext der Globalisierung

Welche Konsequenzen bringt eine globalisierungskritische Perspektive für die Soziale Arbeit mit sich? Eine kritische Analyse, konkretisiert an der Eine-Welt-Arbeit München


Diplomarbeit, 2007
193 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Arbeit
2.1 Was ist Soziale Arbeit?
2.1.1 Historische Herausbildung
2.1.2 Definition Brockhaus Enzyklopädie
2.1.3 Definition der International Federation Of Social Workers (IFSW)
2.2 Menschenrechte
2.2.1 Welche Rechte sind Menschenrechte
2.2.2 Menschenrechte und Soziale Arbeit

3. Bewusstseinsbildung
3.1 Hypothesen zur Entwicklung von Bewusstsein
3.2 Definition von Bewusstsein
3.3 Bewusstseinsbildung im Sinne Paulo Freire’s
3.4 Kritik

4. Systemtheorie und Soziale Arbeit
4.1 Das systemische Paradigma
4.2 Das systemisch-konstruktivistische Paradigma oder die subjektive Wirklichkeitskonstruktion
4.3 Kritik

5. Handlungstheoretische Ansätze
5.1 Der systemisch-prozessuale Ansatz nach Staub-Bernasconi
5.1.1 Gegenstand Sozialer Arbeit
5.1.2 Entstehung Sozialer Probleme
5.1.3 Behinderungsmacht versus Begrenzungsmacht
5.1.4 Kritik
5.2 Der Empowerment-Ansatz
5.2.1 Definition
5.2.2 Die politische Dimension von Empowerment
5.2.3 Die lebensweltliche Dimension von Empowerment
5.2.4 Kritik

6. Globalisierung
6.1 Begriffsklärung und Annäherung
6.2 Dimensionen der Globalisierung
6.2.1 Kulturelle Globalisierung
6.2.2 Ökologische Globalisierung
6.2.3 Technologische Globalisierung
6.2.4 Politische Dimension
6.2.5 Zivilgesellschaftliche Globalisierung oder „Globalisierung von unten“
6.2.5.1 Die Protestbewegung
6.2.5.2 Die internationalen Nichtregierungsorganisationen und ihre Vernetzung
6.2.6 Ökonomische Globalisierung

7. Globalisierung im Zeichen der Ökonomisierung oder „Globalisierung von oben“
7.1 Der klassische Liberalismus
7.2 Der Neoliberalismus
7.2.1 Kritische Betrachtung des Neoliberalismus
7.2.2 Auswirkung auf Demokratie und Politik (Makro-Ebene)
7.2.3 Auswirkungen auf die Gesellschaft
7.2.4 Auswirkungen auf die psycho-soziale bzw. individuelle Ebene (Mikro-Ebene)

8. Konsequenzen für die Soziale Arbeit
8.1 Konsequenzen auf drei Ebenen
8.1.1 Die Persönliche Ebene
8.1.2 Die Ebene der Profession
8.1.3 Die Ebene der Disziplin und Ausbildung
8.2 Zusammenfassung

9. Eine-Welt-Arbeit
9.1 Was ist Eine-Welt-Arbeit?
9.1.1 Ebenen der Eine-Welt-Arbeit
9.1.2 Konkrete Aktionen der Eine-Welt-Arbeit
9.1.3 Akteure der Eine-Welt-Arbeit
9.2 Eine-Welt-Arbeit in München
9.2.1 Konkrete Aktivitäten der Landeshauptstadt München
9.2.2 Agenda-21
9.2.3 Lokale Agenda-21 München
9.2.4 Das Eine-Welt-Haus München e.V. (EWH)
9.3 Das Nord-Süd-Forum München e.V. (NOSFO)
9.3.1 Die Arbeit des Nord Süd Forum München e.V
9.3.2 Projekte und Kampagnen des Nord Süd Forum München e.V
9.3.3 Die Kampagne „made by kinderhand“

Schluss

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Graue Literatur

Glossar

Anhang

1. Einleitung

Der Begriff „Globalisierung“ ist in aller Munde und kann mittlerweile als das am meisten gebrauchte und missbrauchte Schlagwort der Gegenwart bezeichnet werden. (vgl. Nuscheler 2004: S. 51) Die Globalisierung durchdringt unser gesamtes Leben, und macht auch nicht vor der Sozialen Arbeit halt.

In dieser Diplomarbeit wird deutlich, dass die vielschichtigen und komplexen Prozesse, wel- che durch die neoliberale Globalisierung in Gang gesetzt werden, auch die Rahmenbedingun- gen Sozialer Arbeit zusehends verändern. Die Ökonomisierung bzw. Monetarisierung des Sozialen, die zunehmende Privatisierung sozialer Dienstleistungen aber auch umfassende ge- sellschaftspolitische Veränderungen sind nur einige Beispiele entsprechender Entwicklungen, mit denen sich Profession und Disziplin Sozialer Arbeit heute und in den kommenden Jahren auseinandersetzen muss.

Ein Grund hierfür liegt in der Aufgabe der Prävention, welche die Soziale Arbeit innehat. Diese Aufgabe ergibt sich aus dem gesellschaftlichen Auftrag, einerseits benachteiligten Menschen zu Teilnahmechancen zu verhelfen, andererseits gesellschaftliche Strukturen und Prozesse zu erkennen und so zu gestalten, dass gesellschaftliche Grundwerte umgesetzt wer- den können. In diesem Zusammenhang ist Soziale Arbeit Teil eines gesellschaftlichen Ge- samtprozesses, der auf Optimierung hin angelegt ist. (vgl. Schumacher 2006: keine Angabe) Vor diesem Hintergrund erscheint die Auseinandersetzung mit Globalisierungsprozessen für die Soziale Arbeit notwendig, da Tendenzen und Zusammenhänge, welche sich aktuell und in Zukunft abzeichnen, erkannt und reflektiert werden müssen, um handlungsfähig zu bleiben. Ansonsten läuft die Soziale Arbeit Gefahr, von den Entwicklungen überrascht bzw. „über- rollt“ zu werden und den Anschluss zu verlieren.

Anhand der in dieser Arbeit vorgestellten theoretischen Ansätze werden einige Methoden und Möglichkeiten aufgezeigt, diesem Anspruch auf professioneller Ebene gerecht zu werden. Zu den Verlierern der Globalisierung gehört vor allem die Klientel Sozialer Arbeit. Eine eindeu- tige Zielgruppe im Sinne der Klientel lässt sich allerdings aufgrund der umfassenden Globali- sierungsthematik, welche sich sozusagen als Querschnittsthema durch sämtliche Aufgabenbe- reiche und Berufsfelder der Sozialen Arbeit zieht, nicht eindeutig ausmachen. Die dargestell- ten theoretischen Ansätze werden somit als „Werkzeuge“ verstanden mit deren Hilfe einer- seits individuellen sozialen Problemen professionell begegnet werden kann, andererseits dem Sozialarbeiter 1 ermöglicht wird, strukturelle Tendenzen und Zusammenhänge im Bereich der Globalisierung zu erfassen.

Ein weiterer Grund, weshalb die Soziale Arbeit die Augen vor den Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung nicht verschließen kann, liegt in der Bindung an die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit, wie es in der Definition der „International Federation of Social Workers“ formuliert worden ist. Diese Definition geht von einem Verständnis aus, wonach die genannten Prinzipien von fundamentaler Bedeutung für die Soziale Arbeit sind und somit als deren Kernanliegen angesehen werden können. Aus dieser Arbeit geht hervor, dass dieses Kernanliegen, aufgrund neoliberaler Globalisierungsprozesse droht, in Vergessenheit zu geraten bzw. verloren zu gehen. Hieraus ergibt sich die Aufgabe der Sozialen Arbeit, an das Kernanliegen anzuknüpfen und es in Profession und Disziplin zu erinnern und zu thematisieren. (vgl. Pfeiffer-Schaupp 2005: S.40)

Durch die Darstellung der Eine-Welt-Arbeit und eine Unterteilung der Auswirkungen in drei Ebenen wird die breite Thematik der Globalisierung konkretisiert und eingegrenzt. Eine weitere Eingrenzung erfolgt anhand der Fokussierung auf eine Form der Ökonomischen Globalisierung, welche mit dem Neoliberalismus verbunden ist.

Das Interesse an diesem Thema entwickelte sich während meines Jahrespraktikums, welches ich in der Geschäftsstelle des Nord Süd Forum München e.V. absolvierte. In diesem Praktikum erhielt ich zahlreiche Impulse und Anregungen, welche für die Idee zur Konzeption dieser Arbeit ausschlaggebend waren. Durch meine Mitarbeit an Seminaren, Veranstaltungen und Kampagnen erhielt ich einen umfassenden Einblick in den Bereich der Eine-Welt-Arbeit, der einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Aus diesem Grund ist es mir ein Anliegen, anhand dieser Arbeit, den Bereich der Eine-Welt-Arbeit, im Sinne des Mottos: „ Global denken, lokal handeln “ ins Blickfeld Sozialer Arbeit zu rücken.

Meiner Überzeugung nach können Probleme nicht durch die Behandlung einzelner Symptome gelöst werden. Vielmehr ist es notwendig, den damit verbundenen Ursachen auf den Grund zu gehen. Eine Ursachenforschung in diesem Sinne ist meines Erachtens notwendig, damit der Kern einer Problematik erkannt und somit eine Veränderung angestrebt werden kann. In Bezug auf die, in dieser Arbeit behandelte Thematik stellte sich mir die Frage, ob die mo- mentane globale Situation, welche sich in einer immer größer werdenden Kluft zwischen arm und reich widerspiegelt, auf Strukturen und Mechanismen zurückgeführt werden kann, wel- che eben diese sozialen Ungleichheiten bedingen und fördern. Anhand der Untersuchung des Neoliberalismus wird deutlich, dass die Globalisierung im neoliberalen Gewand Tendenzen verstärkt, die zu globaler sozialer Ungleichheit führen. Ferner wird ersichtlich, dass diese Globalisierungsform jedoch nicht alternativlos ist, sondern politisch gestaltet werden kann und muss.

Die utopisch anmutende Vorstellung einer besseren, gerechteren Welt, ist meinem Verständnis nach, nicht etwas Unmögliches und Unerreichbares, sondern eine Realität bzw. ein Ziel, welches es zu erreichen gilt. In diesem Sinne möchte ich an dieser Stelle abschließend folgendes Zitat Robert Kennedy’s wiedergeben:

„ Manche Menschen sehen die Dinge, wie sie sind, und erklären uns, warum sie so sind. Ich träume von dem, was es nicht gibt, und frage mich: » Warum nicht? «“ (R. Kennedy, zitiert nach: Stark 1996)

Hinweis:

Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit die männliche Form verwendet, dabei ist aber immer die weibliche Form mitgedacht worden. So schließt die Nennung der männlichen Form jeweils die weibliche mit ein.

2. Soziale Arbeit

In den folgenden Kapiteln wird der Versuch unternommen, den Begriff der Sozialen Arbeit näher zu erläutern und zu definieren. Um die Gefahr einer Begriffsverwirrung zu vermeiden, wird zunächst auf die unterschiedlichen Bezeichnungen der Studiengänge Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Soziale Arbeit sowie deren historische Herausbildung eingegangen. Es wird ferner versucht, diese Entwicklung als Prozess nachzuvollziehen um aufzuzeigen, warum es bis heute keine einheitliche Bezeichnung gibt und somit der Studiengang Soziale Arbeit nicht überall gleichermaßen benannt wird. Anschließend werden zwei unterschiedliche Definitio- nen von Sozialer Arbeit wiedergegeben.

2.1 Was ist Soziale Arbeit?

Da die Ausbildung in der Sozialen Arbeit nach Bundesländern unterschiedlich geregelt ist, wird auch der Studiengang Soziale Arbeit nicht überall so genannt. Beispielsweise existieren in Baden-Württemberg Sozialarbeit und Sozialpädagogik als unterschiedliche Studiengänge, welche zu den Abschlüssen, Diplomsozialarbeiter und Diplomsozialpädagoge führen. (vgl. Schumacher 2006: keine Angabe) In Bayern wurde bereits in den 1990er Jahren das Sozialar- beits-/Sozialpädagogikstudium in einen einzigen Studiengang zusammengefasst und als „So- zialwesen“ bezeichnet.

„ Der Begriff » Soziale Arbeit « wird allerdings inzwischen deutschlandweit als einheitlicher Titel für ein Arbeitsfeld gesehen, das zwar traditionell von Sozialarbeit und Sozialpädagogik unterschiedlich erschlossen wurde, heute aber, bei vielen substanziellen Ü berschneidungen, kaum mehr so aufgeteilt werden kann. Was von Seiten der beruflichen Praxis bereits seit den 80er Jahren als identisch aufgefasst wird (Zusammenschluss der Berufsverbände), ist dabei, auch in der Ausbildung zusammengeführt zu werden. “ (a.a.O.)

Dennoch herrscht immer noch eine erhebliche Begriffsverwirrung aufgrund dessen, dass ein- mal Sozialarbeit und ein anderes Mal Sozialpädagogik mit Sozialer Arbeit identifiziert wird. (vgl. a.a.O.) Ein besseres Verständnis des Sachverhaltes erschließt sich, in dem die Hinter- gründe und unterschiedlichen Entwicklungslinien, denen beide Disziplinen entspringen, näher beleuchtet werden.

2.1.1 Historische Herausbildung

Dem Sozialarbeitstheoretiker Hans Thiersch zufolge, haben sich Institutionen und methodi- sche Vorgehensweisen der Sozialarbeit wie auch der Sozialpädagogik im Zusammenhang mit der modernen Gesellschaft herausgebildet. (vgl. Thiersch 1996: keine Angabe, sinngem äß zitiert nach: Spiegel 2006: S.20) Im Zuge der Industrialisierung entstanden neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens aber auch neue soziale Ungleichheiten:

„ Ausgangspunkt der Sozialarbeit war die massenweise materielle Verelendung der Arbeiter im Zusammenhang mit der Industrialisierung. Armut galt als ein gesellschaftlicher Status, der auf Unterstützung angewiesen war und von den Armen Demut und Abhängigkeit forderte. “ (Spiegel 2006: S.20f.)

Dieser Status veränderte sich im Rahmen sozialer Bewegungen nur zögerlich und immer auch mit Einschränkungen bezüglich des Anspruches auf Hilfe durch die Gesellschaft. Nach Thiersch etablierte sich Sozialarbeit als:

- „ Hilfe zur Selbsthilfe bezüglich materieller Verelendung;
- Unterstützung und Beratung bei psychosozialen Problemen und der Alltagsgestaltung;
- Förderung und Stabilisierung in menschenwürdigen Verhältnissen, zur » Kunst, zu le- ben « (Alice Salomon) “ (Thiersch 1996: keine Angabe, zitiert nach: Spiegel 2006: S. 21)

Hingegen entstand die Sozialpädagogik im mittelalterlich-frühneuzeitlichen Waisenwesen in Form von Konzepten der Armenerziehung. Aus der Tatsache heraus, dass Menschen in ihrem Heranwachsen Unterstützung bedürfen, bezeichnet Thiersch die Sozialpädagogik als eine gesellschaftliche Reaktion auf eben diese Entwicklungstatsache. Aus einer solchen Tatsache heraus lasse sich ein Anspruch des Menschen auf Erziehung und Bildung, vor allem in belasteten Lebensverhältnissen, ableiten. Somit entwickelte sich die Sozialpädagogik innerhalb der Erziehung als Unterstützung der Bewältigung von Anpassungs- und Normalitätserwartungen der Moderne und als Hilfe und Unterstützung des Individuums zur Entfaltung seiner Bildungs- und Entwicklungschancen. (vgl. Spiegel 2006: S.21)

In den 60er Jahren näherten sich die beiden eigenständigen Traditionen einander an und verbanden sich, was in dem Begriff Soziale Arbeit seine Bestätigung findet:

- „ Sozialarbeit als Arbeit mit materiell Verelendeten befasst sich zwangsläufig mit Problemen der Entwicklung von Handlungs- und Bewältigungskompetenzen der Betroffenen, wie sie auch in der Erziehung und Bildung diskutiert werden und
- Sozialpädagogik schaut zunehmend auf die gesellschaftlichen Bedingungen, die für Erziehung und Bildung vorausgesetzt werden müssen, sowie auf allgemeine Fragen der Hilfe, Unterstützung, Beratung und Förderung. “ (a.a.O.)

Weitere Bedeutung gewann die durch diesen Aspekt gewachsene Soziale Arbeit aufgrund der zunehmenden Vergesellschaftung von Lebensbereichen sowie des Trends zur „Individualisie- rung der Lebensführung“ und zur „Pluralisierung der Lebenslagen“, (Beck 1986) wie es der Soziologe Ulrich Beck formulierte. Diese Entwicklungen brachten neue Chancen aber auch neue Risiken und Belastungen für die Menschen mit sich, was u.a. dazu führte und führt, dass die Aufgaben der Lebensbewältigung anspruchsvoller und schwieriger werden.

„ Neben den herkömmlichen Aufgaben der Sozialarbeit (im Kontext von Armut, Ausgrenzung und Verelendung) und der Sozialpädagogik (als Erziehung und Bildung in belasteten Verhältnissen) gibt es zusätzlich Angebote der Unterstützung und Beratung in den alltäglichen Schwierigkeiten der Lebensgestaltung und -bewältigung. “ (Spiegel 2006: S.21)

Anders als im Alltagsleben, wo Hilfe meist auf Gegenseitigkeit beruht, ist Soziale Arbeit heute eine gesellschaftlich organisierte Hilfe, die berufsmäßig durch ausgebildete Fachkräfte erbracht wird. Grundlage des Helfens ist in der Regel ein „Problem“ bzw. etwas, das von der „Normalität“ abweicht. (vgl. Spiegel 2006: S.22)

Nach Thiersch ist Soziale Arbeit heute, ein notwendiger und selbstverständlicher Bestandteil der modernen sozialen Infrastruktur. (vgl. Thiersch 1996: S.11 zitiert nach: Spiegel 2006: S.22)

Soziale Arbeit ließe sich auch als Gewährleistung gesellschaftlicher Normalzustände be- schreiben. (vgl. Spiegel 2006: S.22) Dabei kommt es jedoch darauf an, die Besonderheit und Individualität der Adressaten einerseits zu wahren, zu respektieren und zu bestätigen und sich andererseits allgemeine Regeln sowie Ordnungs- und Wertvorstellungen als Maßstab zu neh- men. (vgl. a.a.O.)

2.1.2 Definition Brockhaus Enzyklopädie

Der Brockhaus Enzyklopädie zufolge, ist Soziale Arbeit ein Oberbegriff für die beiden Termini Sozialarbeit/ Sozialpädagogik und eine „ ( … ) Sammelbezeichnung für alle Teilbereiche der Sozialarbeit und Sozialpädagogik, deren Angebote und Dienste über die Begriffe Beratung, Erziehung, Fürsorge, Hilfe und Pflege inhaltlich bestimmbar werden. Es gehören dazu die Alten-, Familien-, Jugend- und Sozialhilfe, neue Bereiche sind die Schule, berufl. Bildung und Arbeit, Wohnen, Stadtentwicklung und Politik. “ (Brockhaus 2007: S.464f.)

2.1.3 Definition der International Federation Of Social Workers (IFSW)

Die International Federation of Social Workers (IFSW ) versteht sich als Föderation nationaler Berufsorganisationen der Sozialen Arbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-1: Logo der International Federation of Social Workers ( http://www.ifsw.org )

Momentan gehören der IFSW Berufsverbände aus 80 Ländern an. Die heutige Organisation wurde 1956 in München gegründet und ist eine Nachfolgeorganisation des 1928 in Paris ge- gründeten International Permanent Secretariat of Social Workers. (vgl. http://www.socialwork2006.de ) Bei ihrer Tagung, der Joint International Conference of IASSW and IFSW in Montreal im Juli 2000 verabschiedete die IFSW nach mehrjährigem Diskussionsprozess die neue internationale Definition der Sozialen Arbeit 2:

Definition der IFSW von Sozialer Arbeit aus dem Jahr 2000 Soziale Arbeit als Beruf fördert den sozialen Wandel und die Lösung von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen und sie befähigt die Menschen, in freier Entscheidung ihr Leben besser zu gestalten. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse über menschliches Verhalten und soziale Systeme greift soziale Arbeit dort ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Grundlagen der Sozialen Arbeit sind die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-2: Definition der IFSW von Sozialer Arbeit (2000) ( http://www.ifsw.org )

Nachdem die Definition ein Jahr später auch von den Mitgliedsschulen und -universitäten der International Association of Schools of Social Work (IASSW) angenommen wurde, kann sie als ein Dokument betrachtet werden,

„ ( … ) das sowohl von den in der Praxis der Sozialen Arbeit Beschäftigten (IFSW) wie auch von den an Universitäten, Fachhochschulen und Fachschulen Lehrenden (IASSW) anerkannt ist. Eingedenk der mehrjährigen vorbereitenden Diskussionsprozesse im Vorfeld zu dieser Verabschiedung und Annahme der Definition Sozialer Arbeit ist gesichert, dass sie eine welt- weite Verbreitung und Akzeptanz hat und als weitgehender Konsens begriffen wird. “ ( http://www.avenirsocial.ch )

Der Definition liegt ein dynamisches Verständnis professioneller Sozialer Arbeit im 21. Jahr- hundert zugrunde. Aus diesem Grund wird angenommen, dass es keine endgültige Definition geben kann. (vgl. http://www.avenirsocial.ch )

Da professionelle Soziale Arbeit schwerpunktmäßig auf Problemlösung und Veränderung hin arbeitet, sind Sozialarbeiter „ ( … ) AnwältInnen für Veränderung, die dazu dem/ der Einzelnen Angebote unterbreiten. “ ( http://www.ifsw.org ) Soziale Arbeit wird als ein System von Wer- ten, Theorien und Praxis begriffen. Die Werte der Sozialen Arbeit sind in den nationalen und internationalen Berufskodizes, so genannte Code Of Ethics 3 festgehalten und entsprechen humanitären und demokratischen Idealen. (vgl. Vereinte Nationen 1999: S.6)

Obwohl die systemische Ausrichtung Sozialer Arbeit universell ist, variiert die Prioritätenset- zung innerhalb der Praxis von Land zu Land und ist abhängig von kulturellen, historischen und sozioökonomischen Bedingungen. (vgl. http://www.ifsw.org )

Der häufig gebrauchte Slogan „global denken, lokal handeln“ spiegelt auch die Einstellung der IFSW „ die Nahsicht auf lokale und nationale Gegebenheiten mit einer Weit- und Welt- sicht Sozialer Arbeit zu verknüpfen “ wieder. ( http://www.ifsw.org ) Soziale Arbeit wird in die- sem Kontext nicht nur als Profession verstanden, sondern auch als Teil einer globalen, sozia- len Bewegung.

2.2 Menschenrechte

Der Definition der IFSW von Sozialer Arbeit zufolge, sind die Grundlagen der Sozialen Ar- beit die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit 4. Vor diesem Hinter- grund wird in den folgenden Kapiteln das Thema Menschenrechte näher erläutert. Dabei be- ziehe ich mich vor allem auf das „Manual for Schools of Social Work and the Social work Profession“ mit dem Titel „Human Rights and Social Work“ 5, welches vom Zentrum für Menschenrechte der Vereinten Nationen in Kooperation mit der IFSW wie auch der IASSW im Jahr 1992 herausgegeben wurde und den Einbezug der Berufung auf die Menschenrechte in der Sozialen Arbeit vorgibt. (vgl. Vereinte Nationen 1999) Seit 1997 ist das „Handbuch“ auch in deutscher Übersetzung mit dem Titel „Menschenrechte und Soziale Arbeit - Ein Handbuch für Ausbildungsstätten der Sozialen Arbeit und für den Sozialarbeitsberuf“ erhältlich. (vgl. Thal 2003: S.18)

2.2.1 Welche Rechte sind Menschenrechte

Im Jahr 1987 veröffentlichten die Vereinten Nationen ein Schreiben mit dem Titel „Human Rights: Question and Answers“(vgl. Vereinte Nationen: 1999a) in dem die Menschenrechte wie folgt definiert werden:

„ Als Menschenrechte lassen sich ganz allgemein jene Rechte definieren, die unserer Natur eigen sind und ohne die wir als menschliche Wesen nicht existieren können. Die Menschen- rechte und die grundlegenden Freiheiten erlauben uns, unsere menschlichen Eigenschaften, unsere Intelligenz, unsere Begabungen und unser moralisches Bewusstsein voll zu entwickeln und zu gebrauchen und unsere geistigen und sonstigen Bedürfnisse zu befriedigen. Sie grün- den im zunehmenden Verlangen der Menschheit nach einem Leben, in dem die unveräu ß erli- che Würde und der Wert jedes einzelnen Menschen Anerkennung und Schutz findet. “ (Verein- te Nationen 1999: S.5)

Ferner wird in der gleichen Veröffentlichung festgestellt:

„ Werden die Menschenrechte und die grundlegenden Freiheiten verweigert, so ist das nicht nur für den Einzelnen ein gro ß es persönliches Unglück, sondern es wird noch mehr sozialer und politischer Unfriede gesät; in den Gesellschaften und Nationen wie auch zwischen ihnen wird der Boden für Gewalt und Konflikte bereitet. Die Achtung für die Menschenrechte und für die Würde des Menschen ist, wie der erste Satz in der Allgemeinen Erklärung der Men- schenrechte feststellt, » die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt « . “ (a.a.O.)

Menschenrechte haben demnach universellen Anspruch und gelten gleichermaßen für alle Menschen. Ohne Rücksicht auf die jeweiligen Umstände oder politischen Verhältnisse müs- sen die Rechte des Einzelnen jederzeit geachtet und gewahrt werden. Nur wenn die Ausübung dieser Rechte in einer bestimmten Situation ähnliche oder vergleichbare Rechte anderer be- einträchtigen, dürfen die Rechte einzelner Personen oder Gruppen eingeschränkt werden. (vgl. a.a.O.)

In dem Handbuch werden drei Stufen der Menschenrechtsentwicklung erläutert, von denen die erste, die so genannten negativen Rechte beschreibt. Diese umfassen bürgerliche und politische Rechte, wie sie in den Artikeln 2 bis 21 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert worden sind. Hierbei handelt es sich um den Schutz des Einzelnen vor jeder Beeinträchtigung seiner individuellen Freiheit. (vgl. a.a.O.)

Ökonomische, soziale und kulturelle Rechte bilden die zweite Entwicklungsstufe, die positi- ven Rechte wie sie in den Artikeln 22 bis 27 der Menschenrechtserklärung formuliert wur- den. Inhaltlich zielen diese Artikel darauf, soziale Gerechtigkeit, Freiheit von Armut und Not sowie die Teilhabe am sozialen, ökonomischen und kulturellen Leben zu gewährleisten. (vgl. a.a.O.)

Bei der dritten Entwicklungsstufe handelt es sich um die kollektiven Rechte. Diese finden sich andeutungsweise im Artikel 28 indem es heißt:

„ Jeder Anspruch auf eine gesellschaftliche und internationale Ordnung hat, die eine Verwirklichung der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten erlaubt. “ (Vereinte Nationen 1999: S.6)

Aufgrund der zunehmenden, globalen Abhängigkeit wird der innere Zusammenhalt der drei Entwicklungsstufen der Menschenrechte gefestigt. Trotz der Kodifizierung der Menschen- rechte in verschiedenen internationalen Dokumenten, werden sie als zusammenhängendes Ganzes wahrgenommen. (vgl. a.a.O.)

2.2.2 Menschenrechte und Soziale Arbeit

Das unter Punkt 2.2.1 erwähnte Handbuch kann als erster bedeutender Schritt zur Verbindung von Menschenrechten und Sozialer Arbeit angesehen werden. (vgl. Thal 2003: S.18) Anlass dazu war die weltweite Kampagne für Menschenrechte, die 1992 vom UNO-Zentrum für Menschenrechte ausging und der Weltöffentlichkeit ins Bewusstsein rufen sollte, dass die Menschenrechte nicht nur eine universelle Aufgabe, sondern seit 1992 als zentraler Bestandteil des internationalen Rechts verankert worden sind.

„ Das » Manual über Menschenrechte für Ausbildungsstätten Sozialer Arbeit und die Sozialarbeitsprofession « geht von der Ü berzeugung aus, dass analog zum weltweiten Bewusstseinsbildungsprozess überökologische Probleme, auch ein solcher über soziale Probleme in Gang gesetzt werden muss und dass dabei die Sozialarbeitsprofession einen eigenbestimmten, selbstdefinierten Auftrag - zusammen mit den vielen anderen Gruppierungen, Organisationen und Bewegungen - zu übernehmen hat. “ (Staub-Bernasconi 1995: S.414)

Bezugspunkt ist die UNO- Definition von 1987 in der es heißt:

„ Menschenrechte können allgemein als jene Rechte definiert werden, welche in unserer Natur begründet sind und ohne die wir nicht als Menschen leben können. “ (Vereinte Nationen 1999a: keine Angabe, zitiert nach: a.a.O.)

Dem Handbuch zufolge entstand Soziale Arbeit auf dem Hintergrund humanitärer und demo- kratischer Ideale. Diese Ideale spiegeln gewisse Wertvorstellungen, wie beispielsweise Gleichheit, Solidarität und der Glaube an die Menschenwürde, wieder. Dabei bilden die Men- schenrechte sowie soziale Gerechtigkeit die Basis für Motivation und Legitimation Sozialer Arbeit, wie es auch in der Definition der IFSW zum Ausdruck kommt. Die Verbindung von Menschenrechten und Sozialer Arbeit wird ermöglicht durch menschliche Bedürfnisse als zentrales Bindeglied, welche von so grundlegender Natur sind, „ ( … ) da ß ihre Befriedigung keine Sache des Beliebens, sondern ein Gebot fundamentaler Gerechtigkeit ist. “ (Vereinte Nationen 1999: S.7) Soziale Arbeit konzentriert sich seit ihren Anfängen, von Berufs wegen auf menschliche Bedürfnisse und deren Befriedigung. Angesichts wachsender materieller Not reicht die alleinige Orientierung an Bedürfnissen für die Praxis der Sozialen Arbeit jedoch nicht mehr aus. Stattdessen ist ein Übergang von der Orientierung an Bedürfnissen hin zu einer Bekräftigung von Rechten notwendig. Ist ein grundlegendes Bedürfnis erst einmal in ein entsprechendes positives Recht übersetzt worden, lässt sich der Leistungsanspruch, der aus diesem Recht folgt, vom Staat oder übergeordneten Instanzen einfordern. (vgl. Vereinte Nati- onen 1999: S.7f.) Demzufolge ist das Streben nach positiven Rechten und nach deren Aner- kennung untrennbar mit dem Kampf gegen Armut und Mangel verbunden. (vgl. Vereinte Nationen 1999: S.8)

Da Soziale Arbeit eine anwaltschaftliche Funktion gegenüber ihren Klienten übernimmt, birgt dies für Sozialarbeiter jedoch auch gewisse Rollenkonflikte, denn während sie es sich zur Aufgabe machen, die Befriedigung von Bedürfnissen sowie die Stärkung der Rechte von Ein- zelpersonen und Gruppen umzusetzen, haben sie gleichzeitig die Stellung als Vertreter des Staates oder machtvoller Institutionen inne, deren Arbeitgeber häufig die etablierten, aner- kannten Mächte repräsentieren. Dieser Konflikt kann den Sozialarbeiter in ein Dilemma des doppelten Mandates stürzen, da die berufliche Treuverpflichtung gegenüber dem Arbeitgeber mit der Pflicht in Einklang gebracht werden muss, dem Klienten zu dienen. Jedoch stellt „ ( … ) der Dienst an den Menschen die übergeordnete Rücksicht dar. “ (a.a.O.)

Die Menschenrechte sind, dem Handbuch zufolge, untrennbarer Bestandteil der Theorie, der Wert- und Moralvorstellungen sowie der Praxis der Sozialen Arbeit. Aus diesem Grund müs- sen Rechtsansprüche, die mit den menschlichen Grundbedürfnissen korrespondieren, geltend gemacht und gestärkt werden, denn „ ( … ) sie bilden die Rechtfertigung und den Beweggrund für das Handeln im Bereich der Sozialarbeit.(Vereinte Nationen 1999: S.9) Ferner seien die Belange der Sozialen Arbeit, stärker noch als andere Professionen „ ( … ), aufs engste mit der Achtung für die Menschrechte verknüpft. “ (Vereinte Nationen 1999: S.8) Aus diesem Grund ist das Eintreten für die Menschenrechte unabdingbarer Bestandteil der Sozialen Arbeit. (vgl. Vereinte Nationen 1999: S.9) Neben dem zentralen Wert der Würde des Menschen stützt sich Soziale Arbeit in ihrer Tätigkeit auf grundlegende Werte, 6 die eine sehr große Nähe zu den Werten, auf denen auch die Menschrechte basieren, aufweisen. (vgl. Thal 2003: S.20)

Die in der UNO-Definition von 1987 formulierte naturrechtliche und damit universelle Be- gründung der Menschenrechte könne, so Staub-Bernasconi, von der Sozialen Arbeit aller- dings nicht ungebrochen übernommen werden, da die Geschichte gezeigt hat, dass das Natur- recht eine willkürlich einsetzbare und höchst missbrauchbare Kategorie ist. (vgl. Staub- Bernasconi 1995: S.414) So ließe sich, je nach Interessenslage, zum einen die Abschaffung der Sklaverei begründen, „ ( … ) weil alle Menschen von Natur aus gleich sind, oder die Beibe- haltung der Sklaverei, weil die Menschen von Natur aus, wie bereits aufgrund deräu ß eren Erscheinung, der Haut-, Geschlechtsmerkmale usw. ersichtlich, ungleich sind. “ (a.a.O.) Häu- fig führt die Naturrechtsidee auch zu der Auffassung, angeborene Rechte seien für diejenigen, die sie bereits besitzen, bestimmt, anstatt zu der Vorstellung, dass diejenigen die sie nicht ha- ben, sich die Rechte erkämpfen müssten. Staub-Bernasconi verdeutlicht diese Problematik anhand eines Beispiels zu Zeiten der Französischen Revolution: politische Theoretiker und Wegbereiter der Französischen Revolution definierten damals die Eigenschaft „Geschlecht“, bzw. die Geschlechterrolle als politisches Unterscheidungsmerkmal . Die „weibliche Natur“ diente somit als „ ( … ) Legitimationsmuster weiblicher Unterordnung und rechtlicher Un- gleichheiten, ( … ) welche die Rechtstheorie und Praxis bis in die Gegenwart anleiten sollte. “ (Staub-Bernasconi 1995: S.415) Aus diesen und anderen Gründen genüge es nicht, so Staub- Bernasconi, sich auf ein Naturrecht zu berufen, um die Verallgemeinerbarkeit der Menschen- rechte begründen zu können. Auch sei eine Legitimation Sozialer Arbeit als Menschen- rechtsprofession aus dem gleichen Grund nicht gegeben. 7 (vgl. a.a.O.) Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit der Formulierung des Handbuches, ein Sozi- alarbeitsverständnis definiert wird, welches sich die Frage nach verletzten Menschenrechten stellt. Die Menschenrechte sind demnach unmittelbarer Bestandteil der Sozialen Arbeit und stellen die Basis für deren Motivation und Legitimation dar. Zentrales Bindeglied für eine Verbindung von Menschenrechten und Sozialer Arbeit sind die menschlichen Bedürfnisse. Darüber hinaus stützt sich Soziale Arbeit in ihrer Tätigkeit auf grundlegende Werte, die eine sehr große Nähe zu den Werten aufweisen, auf denen auch die Menschrechte basieren. Das Handbuch geht von der Überzeugung aus, dass Soziale Arbeit einen eigenbestimmten, selbst- definierten Auftrag zu übernehmen hat. Sie kann und muss also nicht warten, bis ihr die nati- onalen oder lokalen Auftraggeber die Legitimation zum Denken und Handeln geben. Ein Ver- ständnis Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession kann allerdings nicht ohne weiteres aus dem Inhalt des Handbuches abgeleitet bzw. übernommen werden. Es gibt die Bestrebun- gen, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession geltend zu machen. Eine entsprechende Debatte findet statt und wird derzeit kontrovers diskutiert.

3. Bewusstseinsbildung

Obwohl der Begriff „Bewusstseinsbildung“ in unterschiedlichsten Zusammenhängen Ver- wendung findet, lässt sich kaum Literatur über die Bedeutung bzw. eine Definition des Beg- riffs finden. Bei der Recherche wurde deutlich, dass die Verwendung des Begriffes sich zwar großer Beliebtheit erfreut, er jedoch inhaltlich nur sehr selten bzw. gar nicht vertieft wird. So taucht der Begriff vor allem als Schlag- und Modewort verschiedenster Sparten, wie z.B. Poli- tik, Wirtschaft, Gesundheit, Soziales etc., immer wieder auf. Bewusstseinsbildung lässt sich demzufolge nicht auf einen bestimmten Sektor begrenzen sondern durchdringt sämtliche Be- reiche, in denen Menschen tätig sind.

Eine allgemeingültige Definition des Begriffes kann aus diesem Grund nicht wiedergegeben werden. Es wird in den folgenden Kapiteln (3.1 - 3.3) dieser Arbeit der Versuch einer Annä- herung an den Begriff Bewusstseinsbildung im Sinne des brasilianischen Pädagogen Paulo Freire’s unternommen. Auf der Suche nach einer wissenschaftlichen Legitimation für die Be- wusstseinsbildung nach Freire wird im folgenden zunächst der Frage nachgegangen wie „Be- wusstsein“ entsteht und wie sich dieser Begriff definieren lässt. Des Weiteren wird der Ver- such unternommen einen Überblick über das Thema Bewusstseinsbildung in Form einer Beg- riffsklärung zu geben, wie auch einen Einblick in das Verständnis Paulo Freire’s desselben zu erhalten.

3.1 Hypothesen zur Entwicklung von Bewusstsein

Wie entsteht Bewusstsein und was ist die derzeit mögliche wissenschaftliche Begründung der Bewusstseinsbildung nach Paulo Freire?

Die Sozialarbeitstheoretikerin Silvia Staub-Bernasconi greift das Thema der Bewusstseinsbil- dung auf und bezieht sich in diesem Zusammenhang auf das in der Philosophie seit langem diskutierte „Leib-Seele-Problem“(Bunge 1984) welches aufgrund neuerer Erkenntnisse im Bereich psychobiologischer Forschungen eine empirische Grundlage erhält. Auf der Basis dieser Erkenntnisse lässt sich eine Reihe von allgemeinen Hypothesen zur Entstehung von Bewusstsein 8 formulieren.

Lebewesen können unterschiedliche Arten bestimmter Reize wahrnehmen, allerdings erlan- gen sie nur dann Bewusstsein, wenn sie zu denken vermögen. So kann ein Lebewesen seiner Umgebung gewahr sein, nicht aber dessen, was es fühlt oder tut. „ Ist es jedoch auch dessen gewahr, dann ist es seiner selbst gewahr. “ (a.a.O.) „Gewahrsein“ definiert Staub-Bernasconi folgendermaßen: „ Ein Lebewesen wird einer von au ß en oder innen kommenden Veränderung dann gewahr, wenn es diese Veränderung empfindet oder bemerkt. “ (Staub-Bernasconi 2007: S.316) Es wird davon ausgegangen, dass Menschen im Alter von zwei Jahren ihrer selbst ge- wahr werden, mit sechs Jahren erlangen sie gewöhnlich Bewusstsein. Das Erlangen des Be- wusstseins bedeutet, sich dessen gewahr zu werden, dass man bemerkt oder denkt. Somit ist ein Lebewesen sich der Erkenntnis oder des Gedankens nur dann bewusst, wenn es an sie denkt. Es geht also um das Nachdenken über das, was bemerkt, gedacht oder getan wird. (vgl. Staub-Bernasconi 2007: S.318)

3.2 Definition von Bewusstsein

Alles Bewusstsein als mentaler Prozess, ist Bewusstsein von irgendetwas. Es hat somit einen Inhalt oder Gegenstand (z.B. heiße Bratpfanne) und eine Erinnerung (z.B. gutes Essen). Der zweite mentale Prozess bezieht sich auf das Nachdenken über den Inhalt des Bewusstseins.

„ Sich eines Gegenstandes in einem ablaufenden mentalen Prozesse bewusst sein, hei ß t, sich in einem bestimmten mentalen Zustand zu befinden. “ (vgl. Staub-Bernasconi 2007: S.317)

Staub-Bernasconi geht von der Auffassung aus, dass Bewusstsein nicht nur einem Zustand, sondern einem ganzen Aggregat von Zuständen des Gehirns entspricht. (vgl. a.a.O) Aus diesem Grund gelangt sie zu folgender Definition von Bewusstsein:

„ Das Bewusstsein eines Lebewesens/Menschen ist die Menge all derjenigen Zustände in sei- nem Gehirn, bei denen er sich irgendeiner Wahrnehmung oder eines Gedankens bewusst ist.

( … ) Bewusstsein ist eine sehr spezielle Art von Erkenntnis und scheint ein Privileg zu sein, das nur höchstentwickelten Säugetieren zukommt. “ (a.a.O.)

Den aktiven Charakter des Bewusstseins, der dazu führt, dass der Mensch nicht nur erkennt sondern weiß dass er erkennt, bezeichnet Freire als „reflektives Bewusstsein“. (vgl. Freire 1971a: S.79)

3.3 Bewusstseinsbildung im Sinne Paulo Freire’s

Der brasilianische Theoretiker und Pädagoge Paulo Freire erlangte in der Zeit um 1970 in Europa einen hohen Bekanntheitsgrad. Vor allem in pädagogischen und kirchlichen Kreisen traf seine Methode der politischen Alphabetisierung auf breite Zustimmung. Dies ließ ihn zum „Vater der Befreiungspädagogik“ wie auch zu einem der bedeutendsten Pädagogen in der „Dritten Welt“ aufsteigen. (vgl. Freire 1971a) Sein politisches Engagement galt dem Kampf gegen Hunger und Unterdrückung. Er widmete sich verstärkt der Schulerziehung, welche daraufhin zielte, Menschen zur kritischen Reflexion zu erziehen, damit sie der Ver- antwortung für sich selbst und für die Zukunft gewachsen sind. (vgl. Germann 2001: S.16f.) Der Begriff Bewusstseinsbildung ist die deutsche Übersetzung des ursprünglich von Freire benutzten Begriffs „conscientização“. Dieser Begriff steht für die Entwicklung eines erwa- chenden kritischen Bewusstseins. Hierzu bedarf es eines aktiven dialogischen Erziehungspro- gramms, orientiert an sozialer und politischer Verantwortung. (vgl. Freire 1983: S.25) Das Ziel Freire’s war es, Projekte zu konzipieren, bei denen eine Person gleichzeitig mit dem Le- senlernen von der Naivität zu einer kritischen Bewusstseinshaltung gelangen konnte. Das Be- greifen von Kausalität spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle: „ Je genauer Menschen wirkliche Kausalität begreifen, desto kritischer wird ihr Verständnis der Wirklich- keit. “ (Freire 1983: S.49) Für Freire stellt Bewusstseinsbildung vor allem einen Prozess dar:

„ Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Bewu ß tseinsbildungsproze ß ist aber für Freire die Wirklichkeit im Gemeinwesen (Armut, Arbeitslosigkeit, Rechtlosigkeit, Hunger, Kindersterb- lichkeit u.a.m.) wobei dieser Proze ß nicht als „ Ideenbewegung “ stattfindet, sondern von den vorhandenen Widersprüchen ausgeht, um sie zu analysieren und an ihrer Aufhebung zu arbei- ten. “ (Schulze 1978: S.8)

Die Bewusstseinsbildung ist weder ein brasilianischer noch lateinamerikanischer Prozess, sondern ein menschlicher Prozess und Erkenntnisakt, der einsetzt wenn das Bewusstsein re- flektiv wird. Aus diesem Grund sei die Bewusstseinsbildung keineswegs nur auf die „Dritte Welt“ beschränkt. „ Sie impliziert eine Enthüllung der Realität, mit deren Hilfe ich Schritt für Schritt zum eigentlichen Kern der Dinge vordringe, um die Vernunft des Seins dieser Dinge aufzudecken, die mir als erkennbare Objekte gegen überstehen. “ (Freire 1971a: S.80)

Besonders die jungen Akademiker, welche von den Studentenrevolutionen 1968 geprägt waren, nahmen die Botschaften Paulo Freires auf und zeigten sich ihnen gegenüber empfänglich. Dies führte dazu, dass in Europa und Nordamerika besonders über die Bedeutung der conscientisação diskutiert und philosophiert wurde. Später benutzte Freire diesen Ausdruck jedoch bewusst nicht mehr, da er seiner Meinung nach oft falsch verstanden und angewandt wurde. Am 8. Dezember 1978 sagte er in einem Gespräch, welches er mit der brasilianischen Literaturwissenschaftlerin Liga Leite in Genf führte:

„ Das Wort » Bewusstseinsbildung « wurde durch seine Verwendung in Lateinamerika und später in Europa so verschlissen, dass ich es seit 5 Jahren nicht mehr verwende. ( … ) Ich bin dabei, überall auf den Missbrauch des Wortes » Bewusstseinsbildung « hinzuweisen. Ich habe das » Entmythologisierung der Bewusstseinsbildung « genannt. Dann begann ich über den Missbrauch nachzudenken. Je mehr ich mich selbst wiedergelesen habe, fühle ich mich ver- antwortlich dafür, da ß ich von anderen einverleibt wurde. Ich fühle mich verantwortlich für die Unklarheiten bestimmter Passagen in meinen Werken. Es fehlt eine klare politisch- ideologische Position. “ (Freire 1971: S.73ff. zitiert nach: Germann 2001: S.16)

Freire warnt davor, Bewusstseinsbildung als „ Zauberstab zur Lösung von Problemen “ (Frei- re: keine Angabe, zitiert nach: Schulze 1978: S.15) zu sehen, wie auch vor einer rein idealisti- schen Auffassung, nach welcher das Bewusstsein die Realität erschafft bzw. die Befreiung des Menschen in ihrem Bewusstsein stattfindet. Demnach lässt sich die Realität nicht durch die die bloße Entwicklung des Bewusstseins verändern. Vielmehr sei der Prozess der Be- wusstseinsbildung als fundamentale Basis eines Prozesses der befreienden Erziehung zu be- trachten. Ihm geht es nicht um eine idealistische, sondern um eine dialektische Perspektive, damit soziale Probleme verstanden werden können. (vgl. Schulze 1978: S.16) Für Freire ist eine dialektische Herangehensweise ausschlaggebend für ein richtiges Verständnis von Be- wusstseinsbildung:

„ Für den Dialektiker erzeugt die Realität das Bewu ß tsein und dieses Bewu ß tsein ist Objekt, Wirklichkeit des Bewu ß tseins; es besteht ein dialektisches Verhältnis zwischen Bewu ß tsein und Welt - und Welt und Bewu ß tsein. Dieses dialektische Verhältnis ist nicht teilbar. ( … ) Bewu ß tsein und Welt bedingen sich gleichzeitig. “ (Freire: keine Angabe, zitiert nach: Schulze 1978: S.17)

Die einseitige Idealisierung der Bewusstseinsbildung führe dazu, dass die Notwendigkeit, jene Strukturen zu verändern, in denen Menschen nicht existieren können, keine Beachtung findet, da es somit genügt, zu wissen, dass man Mensch ist, um „sein“ zu können. Freiheit beruht demnach nicht auf der Tatsache, ein menschliches Wesen zu sein, da unter bestimmten Um- ständen (z.B. extreme Armut) Menschen mehr als Lebewesen existieren denn als humane Wesen. Somit ist es notwendig, sich bewusst zu machen, was unter menschenunwürdigen Bedingungen nicht möglich ist.

„ ( … ) Die Bewu ß tseinsbildung ist deshalb in erster Linie ein Akt der Erkenntnis, beinhaltend eine Wachsamkeit gegen über der Realität, mit der ich gründlich, Schritt für Schritt, den Tatsachen die mir gegen überstehen, wie erkennbaren Objekten auf den Grund gehe. “ (Freire: keine Angabe, zitiert nach: Schulze 1978: S.19)

Soll die Realität in der Menschen nicht „sein“ können verändert werden, so muss der Prozess der Bewusstseinsbildung die Menschen organisieren, damit diese infolgedessen die inhumane Realität ändern können. Für Freire zielt Bewusstseinsbildung, seinem Wesen nach daraufhin, eine Veränderung hervorzurufen. (vgl. Schulze 1978: S.19f.)

„ Die Bewu ß tseinsbildung kann für mich jedenfalls kein » lassen, wie es ist, um zu sehen, wie es sein wird « sein. Sie mu ß vielmehr eine permanente Arbeit der Klärung sein, indem die Erziehung, die in der Bewusstseinsbildung grundgelegt wird, einen humanistischen Proze ß der Befreiung darstellt, und sie mu ß fundamental eine Wachhaltefunktion gegen über der Welt wahrnehmen. “ (Freire: keine Angabe, zitiert nach: Schulze 1978: S.20)

Freire zufolge hat Bewusstseinsbildung utopischen Charakter und muss Utopie sein, wie alle Revolutionen Utopien sind. Utopie ist für ihn jedoch kein irrealer Begriff sondern ein wahrhaftiger. Er sieht in der Ermutigung der Bevölkerung utopisch zu werden, eine der großen Aufgaben der befreienden Erziehung. Gerade weil die Beherrschten eine Zukunft haben, nämlich die, nicht mehr Beherrschte zu sein, müssten sie Utopisten werden, so Freire.

„ Abschlie ß end darf ich noch sagen, dass die » Bewusstseinsbildung « wie eine utopische Manifestation oder wie ein Instrument dieser Utopie eine Sache zu sein hat, eine Sache, die eine Ideologie von unserer Seite einschlie ß t, vom Beginn des Prozesses bis zum Ende. Diejenigen, die echt lieben können, die, die wirklich die Möglichkeit der Anklage und Verhei ß ung ergreifen, jene, die den Mut haben, Risiken zu ertragen, können sich » bewu ß t-machen « . Die anderen, die die Liebe fürchten, diejenigen, die Masochisten sein wollen, die, die die anderen verteufeln, müssen sich entscheiden, damit der Wert der » Bewu ß tseinsbildung « nicht verlorengeht. “ (Freire: keine Angabe, zitiert nach: Schulze 1978: S.22)

Den Begriff der „Dritten Welt“ versteht Freire nicht im geographischen Sinn. Für ihn ist die „Dritte Welt“ vielmehr die, der Abhängigkeit und des Schweigens. Sie steht mit der „Ersten Welt“ in einer dialektischen Beziehung, woraufhin Freire zu folgender Erkenntnis gelangt:

„ Es gibt eine Dritte Welt innerhalb der Ersten so gut wie die Erste Welt innerhalb der Dritten. Es ist sehr leicht die Dritte Welt innerhalb Europa zu finden! “ (Freire 1971a: S.136) Freire hielt viele Vorträge in Europa, wobei er immer wieder forderte: „ Kopieren Sie mich nicht - erfinden Sie meine Ideen und Methoden neu, d.h. passen Sie sie an Ihren Kontext an! “ (Freire keine Angabe, zitiert nach: Staub-Bernasconi 2007: S.327)

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Paulo Freire die Aufgabe der Pädagogik in einen Kontext der Suche nach einer gerechteren Gesellschaft stellt, in der die Strukturen von Domi- nanz und Unterdrückung aufgehoben sind. Um diese Strukturen zu überwinden, bedarf es einer Veränderung, die nur möglich und dauerhaft ist, wenn es auch eine Veränderung des Bewusstseins der Bevölkerung gibt. Diese Veränderung des Bewusstseins ist nach Freire nur durch eine befreiende Erziehung möglich, damit der Mensch befähigt werden kann, seine Umwelt kritisch zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern. Sie ist charakterisiert durch die Aspekte der Problematisierung, der Kritik, des Dialogs und der Beteiligung. Eine gemein- same Schnittmenge der Bewusstseinsbildung und der Sozialen Arbeit, ergibt sich u.a. durch den, gemeinsamen, grundlegenden Auftrag, Veränderung zu bewirken und soziale Probleme zu lösen.

3.4 Kritik

An Paulo Freire s Ansatz wird kritisiert, seine Aussagen über Ziele der Befreiung und Bewusstseinsbildung seien vage und ungenau. Da die Ziele nicht klar vorgegeben sind, sei der Lernprozess leicht manipulierbar. Auch die gesellschaftliche Festschreibung des Konzeptes „Unterdrücker - Unterdrückte“ wird kritisch betrachtet, da hiermit politische Wertungen vorausgesetzt werden, die außerdem nicht in allen konkreten, gesellschaftlichen Kontexten anzunehmen seien. Darüber hinaus sei auch die Übertragung in andere Länder schwierig, da die Organisation und die Durchführung zu aufwendig seien. Des Weiteren wird das Fehlen nötiger Richtlinien für die Umsetzung in groß angelegten Projekten bemängelt; es würden keine Kriterien für die Evaluierung der Programme angeboten.

(vgl. http://www.alphabetisierung.de )

Der geäußerten Kritik ist die Offenheit der Freire'schen Konzeption entgegenzusetzen, die sich nicht in eine bestimmte Kategorie einordnen lässt, sondern vielmehr gerade durch Offen- heit und Flexibilität besticht. Freire´s erkenntnis- und methodentheoretische Bezüge sind viel- fältig. (vgl. Bendit/Heimbucher 1985: S.70f.) Die Kritik an der fehlenden Übertragbarkeit der Pädagogik Freire s auf hiesige Verhältnisse, wird durch die Tatsache entkräftet, dass in Deutschland bereits diverse Versuche unternommen worden sind, die Methoden Paulo Frei- re’s einzusetzen. Dies betrifft sowohl Überlegungen bezüglich der Übertragbarkeit auf die Schule als auch auf die praktische Arbeit mit verschiedensten Minderheiten in unserer Gesell- schaft. Um dies zu verdeutlichen können Beispiele wie die Arbeit mit türkischen Mädchen, ehemaligen Strafgefangenen, Aussiedlern und Asylanten sowie mit behinderten Mitbürgern und anderen marginalisierten Gruppen benannt werden. (vgl. Germann 2001: S.16f.) Der gra- vierendste Fehler, der bei den Versuchen der Übertragbarkeit gemacht wird, besteht in der Erwartung, Paulo Freire würde eine Art „Vorgehensplan“ liefern wie er ihn etwa in seinem Buch „Erziehung als Praxis der Freiheit“(1983) schildert, indem er die Vorgehensweise in einem „Kulturzirkel“ darstellt. Dorothea Germann betont, dass „ ( … ) für jede Gruppe, für je- des Gebiet, für jedes Land, für jede Kultur und für jede Situation ( … ) “ (Germann 2001: S.17) ein geschichtlich - zeitlich, aktueller Vorgehensplan mit den betroffenen Menschen erarbeitet werden müsse. (vgl. a.a.O.) 9

4. Systemtheorie und Soziale Arbeit

Um sich hochkomplexen Prozessen wie dem der Globalisierung wissenschaftlich anzunähern, bedarf es einer Theorie, welche die Komplexität multikausaler und hochkomplexer Zusam- menhänge mit einbezieht. Diesem Anspruch wird die Systemtheorie am ehesten gerecht, da sie die Operationsweisen unterschiedlicher Systeme einheitlich zu beschreiben in der Lage ist, ohne aber deren spezifische, nicht aufeinander zu reduzierende Eigendynamik außer Acht zu lassen. 10 (vgl. Kleve 2003: S.18) Anhand der Systemtheorie besteht die Möglichkeit, komple- xe Globalisierungsprozesse zu verstehen und zu reflektieren, um somit den daraus resultie- renden Konsequenzen begegnen zu können. Die moderne Systemtheorie kann als Praxistheo- rie Sozialer Arbeit verstanden werden, weil sie sozialarbeiterisches Handeln nicht nur be- gründen, sondern vor allem reflektieren kann. (vgl. Kleve 2003: S.28)

Obwohl es lange Zeit gedauert hat, bis die Systemtheorie Einzug in die Soziale Arbeit gehal- ten hat, ist sie mittlerweile aus den modernen sozialwissenschaftlichen Disziplinen nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Publikationen systemtheoretischer Arbeiten zum Bereich Soziale Arbeit werden seit Beginn der 90er Jahre veröffentlicht. (vgl. Merten 2000: S.7) Die Analyse organisatorischer und institutioneller Strukturen ist, neben anderen, ein Grund für die zunehmende Attraktivität der Systemtheorie für die Soziale Arbeit. (vgl. Gängler 2000: S.22)

4.1 Das systemische Paradigma

Dem Fachlexikon der Sozialen Arbeit nach, lässt sich Systemtheorie definieren als:

„ Eine Betrachtungsweise oder ein allgemeines Modell, worin sich theoretische Vorstellungen in verschiedenen Wissensgebieten darstellen lassen. Die Auffassung eines abgegrenzten Wirk- lichkeitsbereiches als » System « bedeutet, dass man ihn als zusammengesetzt aus einer Reihe von Elementen darstellt, die in angebbaren Beziehungen zueinander stehen, aus denen sich das Verhalten dieser Elemente und des Gesamtsystems ableiten lässt. “ (Fachlexikon der So- zialen Arbeit 2001: S.959)

Dieser interdisziplinäre und universelle Forschungsansatz hat es sich zur Aufgabe gemacht, neben physikalischen und biologischen auch psychische und soziale Phänomene zu erklären. Der systemische Ansatz beruht auf diversen Wissenschaftszweigen, wie beispielsweise der Kybernetik und Informatik, Physik, Biologie, Logik und Mathematik, aber auch auf der Psy- chologie, Neurophysiologie, Ethnologie, Soziologie, Semiotik und Philosophie. Der Begriff Systemtheorie charakterisiert „ ( … ) eine umfassende Theorie, die Erscheinungen und Gesetz- m äß igkeiten verschiedenster Systeme unter Zuhilfenahme einheitlicher Begriffe und Werkzeu- ge verstehbar und bearbeitbar zu machen versucht. (Sollfrank 2005: keine Angabe) Versuche zur Komplexitätsreduzierung der zahlreichen Aspekte des Problem- und Arbeitsfeldes der Sozialen Arbeit waren immer mit einer Forderung nach einer ganzheitlichen Betrachtung von Mensch und Gesellschaft begleitet. Von Seiten der Vertreter der Systemtheorie wird der analytisch-lineare, monokausale Ansatz im Unterschied zum Begreifen der „Welt als Ganzheit“ kritisiert. Hinzu kommt die Kritik an der Vorstellung eines neutralen, objektiven, sich aus dem Geschehen heraushaltenden Beobachters. (vgl. Staub-Bernasconi 1995: S.118) Eine systemorientierte Methode liegt dann vor, “ (...) wenn ein Gegenstand unter dem Gesichtspunkt seiner inneren Organisation und seiner Verbundenheit mit anderen Gegenständen der Umwelt betrachtet wird. “ (Händle/Jensen 1974: S.17 zitiert nach: Hollstein-Brinkmann/Staub-Bernasconi 2005: S.10)

Diese Aussage kann als gemeinsames Grundanliegen aller Systemtheorien genannt werden und beinhaltet die Grundaspekte der Systemtheorie, die je nach systemtheoretischer Ausrichtung unterschiedlich betont werden:

- die innere Organisation und
- das Verhältnis eines Systems zu seiner Umwelt. (a.a.O.)

Ansonsten sind die Ansätze der Systemtheorie jedoch höchst unterschiedlich. Angefangen beim steuernden Eingriff, also einem Modell der Fremdkontrolle, über das Modell umweltoffener Systeme, welches sein Gleichgewicht immer wieder von neuem herstellen muss, bis hin zu einer Vorstellung der Selbstorganisation haben sich die unterschiedlichen Systemtheorien entwickelt und betonen nun die relative Abgeschlossenheit und die innere Funktionsweise des Systems. Aufgrund dieser Entwicklung wandelte sich die Vorstellung, „ (...) von einer Systemhaftigkeit, die realen Dingen innewohnt zu einem Systembegriff, der eine rein kognitive Ordnungsvorstellung darstellt. “ (a.a.O.)

Im Kontext der Geschichte der Systemtheorie und deren Entwicklung unterscheidet Staub- Bernasconi drei Systembegriffe. Die Geschichte der Systemtheorie wird dargestellt als Wan- del

a) „ von einem naturalistisch verstandenen Systembegriff (reale, zum Beispiel physikalischmaschinelle bzw. kybernetische, biologische Objekte im Sinne geschlossener und offener, dynamischer Systeme)
b) zu einem funktionalen Systembegriff (Systeme als mathematische Funktion, soziale, kommunikative Relationen zwischen gekoppelten Elementen, deren Eigenschaften für die Dynamik des Systems irrelevant sind.) ( … ) und schlie ß lich zu einer
c) rein mentalen Systemvorstellung ohne konkretes Korrelat (Systeme als begriffliche Erzeugnisse unseres Verstandes, die in der Wirklichkeit nicht vorkommen. ( … ) “ (Staub- Bernasconi 1995: S.118)

Anhand der Veröffentlichungen der letzten Jahre zum Thema Soziale Arbeit und Systemtheo- rie zeichnen sich vor allem zwei Theorieansätze ab, die für die Sozialwissenschaften von be- sonderem Interesse sind. Nach Hollstein-Brinkmann und Staub-Bernasconi (2005) ist in die- sem Zusammenhang zum einen der radikale Konstruktivismus wie auch die soziologische Systemtheorie nach Niklas Luhmann (2001) zu nennen. Allerdings ist weder die erkenntnis- theoretische Position des radikalen Konstruktivismus, noch die Theorieanlage der Luh- mann’schen Systemtheorie für ein systemisches Vorgehen zwingend notwendig. (vgl. Hollstein-Brinkmann u.a. 2005: S.12)

Generell ist es nach dem systemischen Paradigma nicht möglich, die Wirklichkeit objektiv und damit unabhängig von der Wahrnehmung, Beschreibung, oder Erklärung eines Beobachters darzustellen. (vgl. Spiegel 2006: S.39) Zwar unterscheiden sich der systemische und der konstruktivistische Denkansatz von einander, allerdings mit erheblichen Schnittmengen, so dass es gerechtfertigt erscheint, von einem einheitlichen Paradigma zu sprechen. (vgl. Siebert 2003: S.12) Diese Feststellung führt zur Thematik des systemisch-konstruktivistischen Denkansatzes welcher beide Ansätze miteinander verbindet.

4.2 Das systemisch-konstruktivistische Paradigma oder die subjektive Wirklichkeitskonstruktion

„ Unsere Wirklichkeit ist durch Bewusstsein und Kommunikation konstruierte Realität. “ (Kleve 2003: S.34)

Der Konstruktivismus gilt als erkenntnistheoretische Grundlage der modernen Systemtheorie. (vgl. Kleve 2003: S.17) Jede Problemdefinition kann als Erkenntnisprozess verstanden wer- den, bei dem der Sozialarbeiter eine bestimmte, als problematisch bewertete Wirklichkeit be- obachtet, beschreibt und erklärt. Von diesen Beschreibungen, Erklärungen und Bewertungen hängt das gesamte weitere Vorgehen der Hilfe ab, da erst sie die im Verlauf der Hilfe bear- beitbaren Probleme konstruieren. „ Soziale Probleme sind also keine objektiv gegebenen Sachverhalte, sondern Konstrukte, die kommunikativ über Sprache entstehen ( … ). “ (Kleve 2003: S.34) Es macht für den Verlauf der Hilfe somit einen Unterschied ob die Probleme der Klienten als Resultate ihrer individuellen Defizite beschreiben werden oder ob sie als Reakti- onen auf bestimmte Dynamiken verstanden werden (systemisches Vorgehen). Vor diesem Hintergrund erscheint es lohnend, Soziale Arbeit in allen Bereichen konstruktivistisch zu re- flektieren, da der Konstruktivismus sich mit der Frage beschäftigt, wie psychische und soziale Systeme ihre Erkenntnisse, bzw. Beschreibungen von der Welt erzeugen. (vgl. a.a.O.) Der Konstruktivismus ist eine psychologisch-neurobiologisch-anthropologische Erkenntnis- theorie, die den Menschen als denkendes, fühlendes und lernendes System 11 ansieht. (vgl. Siebert 2003: S.13) Der konstruktivistische Denkansatz in der Sozialen Arbeit besagt, dass die Welt nicht so ist, wie wir sie wahrnehmen. Vielmehr sei jede Wahrnehmung von sub- jektiven Merkmalen der agierenden bzw. wahrnehmenden Person und ihrem spezifischen In- teresse, wie auch von ihren grundsätzlichen Wahrnehmungsfähigkeiten geleitet und geprägt.

(vgl. Schumacher2006: keine Angabe)

Wolf Ritscher geht von einer Einheit zwischen Beobachter, Beobachtetem und der zwischen beiden geknüpften Beziehung aus, unter deren Einfluss alle umgangssprachlichen und wissen- schaftlichen Aussagen stehen. Aus diesem Grund gibt es kein objektiv gesichertes Wissen über die Wirklichkeit, sondern lediglich Beschreibungen und Erklärungen der Wirklichkeit „ ( … ) im Lichte der von der Beobachterin verwendeten Theorien sowie der im Beobachtungs- system relevanten und deshalb von der Beobachterin gewählten Themen. “ (Ritscher 2002: keine Angabe, zitiert nach: Spiegel 2006: S.39) Er stellt die Verbindung, Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit von beschreibender Person und beschreibender Wirklichkeit heraus.

(vgl. a.a.O.)

In diesem Kontext kann die Frage aufgeworfen werden, ob es eine objektive Wirklichkeit überhaupt gibt. Erkenntnisse in der Naturwissenschaft führen zu der Annahme, dass jede Be- obachtung das Beobachtete bereits verändert. (vgl. Schumacher 2006: keine Angabe) Diese Erkenntnis ist jedoch nicht nur für die Naturwissenschaft relevant, sondern vor allem auch dort, wo es um menschliches Verhalten und Beziehungen geht. Aus Sicht der Sozialen Arbeit bedeutet dies:

„ Menschen konstruieren sich ihre eigenen Wahrheiten, die ihre eigenen Wahrheiten bleiben, auch wenn Objektivität gesucht und reklamiert wird. Soziale Arbeit die auf diese Weise mit » Klientenwahrheiten « umgehen muss, trägt an diese eine zusätzliche, subjektive Wahrheit heran und verändert allein dadurch schon die Situation. “ (a.a.O.)

Hieraus entsteht eine eigene Dynamik, die als Chance zu begreifen ist, „ ( … ) denn nicht Feh- ler und Defizite müssen » behandelt « werden, sondern es geht um die konstruktive Einfluss- nahme auf Einstellungen und Ressourcen. “ (a.a.O.) Der Psychologe Paul Watzlawick hat aufgrund zahlreicher Beispiele darauf verwiesen, dass Wirklichkeit aus sozialen, kulturellen und vorläufigen Unterscheidungen wie beispielsweise, „gesund-krank“, „gerecht-ungerecht“, „intelligent-dumm“, „schön-hässlich“ usw. besteht. Diese Unterscheidungen sind zwar prak- tisch folgenreich, oft jedoch kontraproduktiv. So würden Menschen nicht nur als psychisch krank klassifiziert, sondern dadurch auch krank gemacht. Gesellschaftliche Konstruktionen führten zu Wirklichkeiten, die jedoch das Gegenteil des erhofften Idealzustandes seien. Die Medizin, beispielsweise, beginne dadurch zur Krankheit beizutragen, Kommunikationstrai- ning mache Menschen zu geistig Taubstummen, immer schnellere Verkehrsmittel ließen den Menschen immer weniger Zeit und die Justiz sowie Gefängnisse führten zu noch mehr Ver- brechern . (vgl. Watzlawick 1985: keine Angabe, sinngem äß zitiert nach: Siebert 2003: S.13) Vor diesem Hintergrund kommt der Sozialen Arbeit eine entscheidende Deutungsaufgabe zu. Es geht nicht darum, Einstellungen von Klienten zu falsifizieren, sondern soziale Probleme auch in einem problematischen Deutungszusammenhang bei Klienten ausfindig zu machen. Als Gegenpol nennt Thomas Schumacher nicht eine objektive Wahrheit sondern die Interes- sens- und Machtsituation in der Gesellschaft. Entsprechende Dynamiken, wie beispielsweise die kaum zu umgehende Einbindung in Individualisierungs- und Globalisierungsprozesse, seien für die Klienten oft nicht verständlich. Aus diesem Grund plädiert Schumacher dafür, dass Soziale Arbeit solche Diskrepanzen berücksichtigen kann und muss.(vgl. Schumacher 2006: keine Angabe)

Da diese Erkenntnisse nicht nur Wirklichkeitskonstruktionen und Handlungsregulationen der Klienten, sondern auch jene der Fachkräfte der Sozialen Arbeit betreffen, führt Hiltrud von Spiegel folgende Punkte auf, welche als Leitlinien für Fachkräfte der Sozialen Arbeit gel- ten:

- „ Fachkräfte müssen wissen und berücksichtigen, dass sie ein Problem, eine Situation oder eine Beziehung nicht einseitig beobachten, beschreiben und erklären können, sondern das es ebenso viele Sichtweisen, Beschreibungen und Erklärungen wie Beteiligte gibt; diese können sich auchändern, ohne subjektiv » falsch « zu sein.
- Die Sichtweisen (Rekonstruktionen) aller Beteiligten sollten grundsätzlich als gleich- wertig betrachtet werden, auch wenn sich diese von der eigenen Sichtweise unterschei- den.
- Fachkräfte müssen ihre Erkenntnisinteressen, ihre Modelle der Wirklichkeit und ihre Deutungsmuster transparent machen.
- Handlungen müssen als Ergebnis eines vorausgehenden Bewertungsprozesses interpre- tiert werden, der sich am Kriterium der Motivbefriedigung orientiert. Fachkräfte sollten also die, diesen zugrunde liegenden Motive ergründen.
- Emotionsanlässe, ihre Ausdrucksformen und ihre Bewältigungshandlungen können nur unter Einbeziehung des kulturellen Bedeutungskontextes angemessen interpretiert wer- den. “ (Spiegel 2006: S.41)

4.3 Kritik

An systemtheoretisch konzipierten Modellen, die soziales Geschehen zu beschreiben suchen wird oftmals kritisiert, sie stammen ihrem Ursprung nach aus der Biologie, müssen zur Anwendung auf das „Soziale“ interpretiert werden und sind damit, bei allen Unterschieden, nur eine von vielen Interpretationsmöglichkeiten. (vgl. Thal 2003: S.32)

Ein weiterer Kritikpunkt lautet, der Gegenstandsbereich Sozialer Arbeit könne anhand der Systemtheorie nicht umfassend beschrieben werden, da Soziale Arbeit sich als Theorie und Praxis nicht nur auf soziale Systeme bezieht, sondern darüber hinaus beabsichtigt, durch Be- ratung, Erziehung, Bildung auch auf Individuen und ihr Erleben, Denken und Handeln, ein- zuwirken. Individuen sind jedoch, Luhmann zufolge, kein Element sozialer Systeme, sondern als psychische und organische Systeme theoretisch in der Umwelt sozialer Systeme eingebet- tet. (vgl. Luhmann 1997: S.92, 129) Bezüglich der theoretischen Beschreibung dieser nicht-sozialen Umwelt erklärt die Luhmann’sche Systemtheorie jedoch ihre Unzuständigkeit, so die Kritik. (vgl. Scherr 2002: sinngem äß zitiert nach: http://www.ibs-networld.de )

5. Handlungstheoretische Ansätze

Als Handlungstheorie wird im Allgemeinen eine Gruppe soziologischer Theorien bezeichnet, deren gemeinsames Merkmal darin liegt, dass sie „ ( … ) gesellschaftliche Systeme auf soziales Handeln in sozialen Situationen zurückführen und dabei Organisationen, Institutionen und soziale Strukturen aus der Perspektive sozialer Akteure zu erschlie ß en versuchen. “ (Fachlexikon der Sozialen Arbeit 2002: S.435)

In diesem Kapitel werden einige theoretische Ansätze vorgestellt die im Kontext der Globalisierung und den damit einhergehenden Konsequenzen, von Bedeutung sind und aus denen sich Perspektiven sozialen Handelns ableiten lassen.

5.1 Der systemisch-prozessuale Ansatz nach Staub-Bernasconi

In der Theorie Staub-Bernasconi’s sind Anknüpfungspunkte an die Globalisierung gegeben, da sie den Blick auf eine im Entstehen begriffene Weltgesellschaft lenkt, und die damit ein- hergehende Globalität sozialer Probleme in ihr Werk mit einbezieht und reflektiert. Darüber hinaus ist das Thema Macht, welches in Bezug auf die Globalisierung eine entscheidende Rolle spielt, ein wichtiges Element ihrer Theorie, sowie eine defizitäre Sichtweise, die sich auf unerfüllte Bedürfnisse und auf eine benachteiligte- bzw. privilegierte Position von Men- schen in einem System bezieht. Dabei wird deutlich, dass sie sich hierbei nicht nur auf natio- nale, sondern auch auf internationale Gesellschaften und Kulturen bezieht. In ihrer Theorie berücksichtigt sie den unfairen Welthandel genauso wie das Ausstattungsproblem von Individuen in den jeweiligen Gesellschaftsstrukturen.

Silvia Staub-Bernasconi greift mit ihrer Gegenstandsbestimmung die Tradition der Sozialarbeit auf und entwickelt diese weiter. Dabei wird ihr Ansatz national (vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sozialarbeit) und international (von der International Federation of Social Workers) gestützt. (vgl. Spiegel 2006: S.26)

Die Gegenstandsbestimmung erfolgt bei Staub-Bernasconi in Abgrenzung zu zwei gängigen Paradigmen:

- dem „ ( … ) individuum- oder subjektzentrierten Paradigma mit dem Primat individuel- ler Einheiten, individueller Probleme und individueller Selbstentfaltung, wobei das Gesellschaftsbild unterkomplex bleibt ( … ) “ (Staub-Bernasconi 2002: S. 246) und dem
- „ ( … ) soziozentrierten Paradigma mit dem Primat sozialer und kultureller (Teil)Ganzheiten, gesellschaftlicher, systemfunktionaler Probleme und Problemlösungen, wodurch das Menschenbild unterkomplex bleibt ( … ). “ (a.a.O.)

Der sozialarbeitstheoretische Ansatz von Staub-Bernasconi wird als systemisch-prozessual verstanden und besagt:

a) „ ( … ) alles was ist, ist in Bewegung, ist vergänglich und veränderbar und somit Prozessen unterworfen (Zeitkomponente) “
b) „ ( … ) alles was ist, ist in Systemen eingewoben und steht somit in Beziehung zueinander (Raumkomponente) “ (Staub-Bernasconi 1983: keine Angabe, sinngem äß zitiert nach: Engelke 1999: S.368)

Der Denk- und Handlungszugang ist somit systemisch orientiert und blickt auf Zusammenhänge und Wechselwirkungen, nicht aber auf lineare Ursachenstränge. Für Staub Bernasconi sind Menschen von Geburt an Mitglieder sozialer Systeme.

„ Ihr Bezugspunkt ist das systemische Paradigma und ihre Definition sozialer Probleme integriert beide Sichtweisen, also sowohl Probleme von Individuen als auch Probleme im Zusammenhang mit einer Sozialstruktur und Kultur. “ (Spiegel 2006: S.27)

Staub-Bernasconi verfolgt Prozesse, durch die Situationen verstehbar aber auch veränderbar werden. (vgl. Schumacher 2006: keine Angabe) Sie geht davon aus, dass „das Ganze“ als Sys- tem aus vielen Komponenten besteht, die untereinander in Beziehung stehen, aber auch mit Komponenten anderer Systeme interagieren. Um dies zu verdeutlichen führt sie das Beispiel des Menschen an, welcher ebenfalls ein Mitglied sozialer Systeme ist. Der Mensch hat biolo- gische, psychische, soziale und kulturelle Bedürfnisse, wobei Triebe, Emotionen und morali- sche Empfindungen auf eventuelle Mängel aufmerksam machen, welche daraufhin zu einem bedürfnisbefriedigenden Verhalten motivieren. Aus diesem Grund steht der Mensch im Leben oftmals der Bedürfnis- und Wunscherfüllung gegenüber, welche er innerhalb seiner sozialen Systeme und in Kooperation bzw. Konflikt mit anderen Menschen zu lösen versucht. (vgl. http://www.uni-magdeburg.de )

Die Unterscheidung von Bedürfnissen und Wünschen steht im Zentrum der Theorie Staub- Bernasconi’s. Da alle Menschen von biologischen, psychischen und sozialen Grundbedürfnissen abhängig sind, hat die Bedürfnisbefriedigung somit einen universellen Anspruch. Die Formen und Mittel der Befriedigung sind jedoch an den jeweiligen kulturellen und sozialen Kontext gebunden. (vgl. Spiegel 2006: S.27)

Im Unterschied zu Wünschen, die begrenzt oder nicht begrenzt, legitim oder illegitim sind, müssen Bedürfnisse befriedigt werden:

„ Die Befriedigung eines Bedürfnisses ist sowohl abhängig von der Menge und Verfügbarkeit bedürfnisbefriedigender Güter und Situationen wie auch von der Fertigkeit des Individuums, die faktisch erreichbaren Möglichkeiten zu nutzen und neue zu schaffen. Es kann angenom- men werden, dass es Bedürfnisse gibt, die allen Menschen gemeinsam sind, sich aber in Vor- rangigkeit und Befriedigungsweisen unterscheiden, die sozialkulturell vermittelt, erlernt und (sozial) politisch ausgehandelt werden, z.B. „ physische “ Bedürfnisse aufgrund von Stoff- wechsel- und Selbsterneuerungsprozessen (Luft, Wasser usw.), Bedürfnis nach physischer Integrität und Unversehrtheit, nach sexueller Aktivität, nach emotionaler Zuwendung, nach Orientierung und Sinn, nach sozialer Anerkennung, Gerechtigkeit usw. “ (Staub-Bernasconi 1995: S.129f. zitiert nach: Engelke 1999: S.369)

Staub-Bernasconi plädiert aufgrund der komplexen Realität Sozialer Arbeit, für eine wissenschaftliche Metatheorie, die mehrere Zugangsmöglichkeiten miteinander verbinden kann. Dabei geht es ihr darum, „ ( … ) zu wissen was problematisch und deshalb nach verändernder Praxis ruft, warum etwas im Sinne seiner Verursachung problematisch ist, aber auch aufgrund welcher Werte ein Sachverhalt als problematisch beurteilt wird. Es geht aber im weiteren auch darum zu bestimmen, wer, womit, woraufhin, etwas zu verändern suchen soll, und dies mit welchem Ergebnis. “ (Staub-Bernasconi 1986: S.8 zitiert nach: Engelke 1999: S.367)

Im Folgenden entwickelt Staub-Bernasconi fünf Konstruktionselemente einer komplexen Handlungstheorie:

- „ Gegenstandswissen (Frage nach dem » Was « ),
- Erklärungswissen (Frage nach dem » Warum « ),
- Wert- oder Kriterienwissen (Frage nach dem » Woraufhin « ),
- Verfahrenswissen (Frage nach dem » Wie « ),
- Evaluationswissen (Frage nach dem neuen » Was « ) “ (a.a.O.)

Die, im erkennenden und handelnden Prozess immer wieder einsetzende, Verknüpfung der fünf Konstruktionselemente bildet eine wissenschaftlich begründete Handlungstheorie. Diese, auf einer Metaebene entwickelte Theorie, kann auf das konkrete Beziehungsfeld Sozialer Arbeit als „Folie“ angelegt werden. (vgl. a.a.O.)

5.1.1 Gegenstand Sozialer Arbeit

In diesem Kapitel wird zunächst geklärt, was mit dem Begriff „Gegenstand“ im wissenschaftlichen Kontext gemeint ist und warum sich die Gegenstandsbestimmung für die Soziale Arbeit als schwierig gestaltet. Darauf folgt eine Erläuterung der spezifischen Gegenstandsbestimmung im Sinne Staub-Bernasconi’s.

Als Gegenstand bezeichnet man „ ( … ) das Erkenntnisobjekt einer wissenschaftlichen Diszip- lin, auf das alle theoretischen und praktischen Bemühungen gerichtet sind. “ (Spiegel 2006: S.252) Eine Gegenstandsbestimmung hat den Charakter einer Formel (z.B. „das Soziale“ für die Soziologie oder „die Bildsamkeit“ für die Erziehungswissenschaft) und markiert „ ( … ) das spezifische Erkenntnisobjekt der Wissenschaft in Abgrenzung zu anderen Wissenschaften und verpflichtet die Mitglieder der wissenschaftlichen Disziplin auf den Erkenntnisgegenstand “ . (a.a.O.)

Aufgrund des unscharfen Berufsprofils der Sozialen Arbeit gestaltet sich eine Gegenstandsbe- stimmung als schwierig. (vgl. Spiegel 2006: S.23) Dennoch ergeben sich aus den Theorien Sozialer Arbeit Vorschläge für Gegenstandsbestimmungen, welche allerdings nicht verein- heitlicht sondern dem jeweiligen Theoretiker zuzuordnen sind. Entsprechende Vorschläge beinhalten immer die inhaltlichen und normativen Standpunkte ihrer Vertreter, welche häufig unterschiedlicher Meinung sind. Aufgrund der Entwicklung verschiedener Theorien, welche der Frage nach dem Gegenstand der Sozialen Arbeit nachgehen, kommt es diesbezüglich zu unterschiedlichen Antworten.

Im Folgenden wird nun auf die Gegenstandsbestimmung nach Silvia Staub-Bernasconi Bezug genommen:

Für Staub-Bernasconi sind soziale Probleme und deren Lösung gemeinsamer Gegenstand der wissenschaftlichen Reflexion wie auch der Praxis Sozialer Arbeit.

„ Soziale Arbeit selbst ist eine gesellschaftliche Antwort auf soziale Probleme in der Gesell- schaft und hat sich als intervenierende Gr öß e mit kumulativen sozialen Problematiken (Prob- lemkonstellationen), insbesondere mit der kumulativen Wirkung von Ausstattungs-, Bezie- hungs- und Kriterien-Problemen in Wechselwirkung mit sozialen Behinderungen (Macht- strukturen), auseinanderzusetzen. “ (Staub-Bernasconi 1983: S.224 zitiert nach: Engelke 1999: S.370)

Nach Staub-Bernasconi lässt sich von sozialen Problemen in zweierlei Hinsicht sprechen:

Zum einen beinhaltet „das Problem“ eine soziale Dimension, z.B. Arbeitslosigkeit, Isolation, Kriminalität usw. Zum anderen kann „das Problem“ auch durch einen sozialen Mechanismus wie z.B. illegitime Herrschaft und ungleicher Zugang zu Ressourcen erzeugt werden. (vgl. Staub-Bernasconi 1995: S.105)

Der konkrete Gegenstand der Sozialen Arbeit ist, Staub-Bernasconi zufolge, die Randständigkeit bzw. Marginalisierung, vor allem wenn diese mehrfach sich überlagernd auftritt, z.B. als Armut an materiellen Gütern, Armut der Sprache, Armut der Kommunikation oder Armut an Macht. Eine solche Marginalisierung ist die Folge mehrfacher sozialer Ausschließungsme- chanismen, woraufhin die Prozesse und Systeme, in denen diese Mechanismen stattfinden, insgesamt mit allen daran Beteiligten den Objektbereich der Sozialen Arbeit als Wissenschaft darstellen. (vgl. Engelke 1999: S.370)

5.1.2 Entstehung Sozialer Probleme

Nach Staub-Bernasconi entstehen Soziale Probleme im allgemeinen dadurch, dass

„ ( a) wir die anderen für unser Ü berleben, die Befriedigung unserer Bedürfnisse und Wünsche brauchen und die anderen uns … brauchen,
(b) diese Bedürfnisse unterschiedlich elastisch sind,
(c) wir in sozialen Systemen leben, in denen mit unterschiedlichen, realen wie künstlich hergestellten Knappheiten in Bezug auf unterschiedlich elastische Bedürfnisse - die Grundlage für Macht - umgegangen werden mu ß .
(d) gleichzeitig die individuellen Wünsche grenzenlos seien und mithin deren Erfüllung die Befriedigung der Bedürfnisse anderer Menschen beeinträchtigen können,
(e) wir anderen Leid zufügen oder helfen, andere ausschlie ß en, bekämpfen oder
(f) wir als lernfähige, bewusste Individuen Probleme überhaupt feststellen, zwischen wahr, richtig und falsch unterscheiden können und innerhalb bestimmter Grenzen frei sind, das Richtige, Wahre oder Falsche zu wählen,
(g) wir schlie ß lich für die Befriedigung unserer Bedürfnisse und Wünsche behindernde oder begrenzende Regeln/Normen durchsetzen und mithin behindernde oder begrenzende Mach- strukturen aufbauen können. “ (Staub-Bernasconi 1995: S.135 zitiert nach: Engelke 1999: S. 370f.)

Das menschliche Überleben, Existenzsicherung und Wohlbefinden ist nicht nur von einer

intakten menschen- und naturgerechten Umwelt abhängig, sondern auch von einer menschengerechten Gesellschaft, auf die der Mensch angewiesen ist. Diese Tatsache ist für Staub- Bernasconi die Grundlage unterschiedlicher Problemkategorien, welche sie wie folgt differenziert: (vgl. Staub-Bernasconi 1994: S.14 zitiert nach: Engelke 1999: S.371ff)

I. Ausstattungsprobleme:

Ausstattungsprobleme sind soziale Probleme, die mit unterschiedlicher Teilhabe an medi- zinischen, psychischen, sozialen und kulturellen Ressourcen oder Errungenschaften einer Gesellschaft zusammenhängen, wobei Defiziten immer Überschüsse gegenüber stehen. Defizite in der Ausstattung mit Gütern können sich beispielsweise in der mangelnden Ausstattung mit Gütern, um den Existenzbedarf an Nahrung, Kleidung, Wohnung, aber auch psychischen und sozialen Bedürfnissen zu sichern, zeigen. Überschüsse hingegen weisen eine Ausstattung mit Gütern weit über dem Lebensnotwendigen auf und können auch als Luxus bezeichnet werden. Als sozial problematisch gelten insbesondere hohe Ausstattungsdefizite und hohe Ausstattungsüberschüsse. Diese „Problemrealität“ wird von Staub-Bernasconi in sechs Dimensionen aufgeteilt, in denen soziale Probleme entstehen oder vorhanden sein können:

a) körperliche Ausstattung: z.B. Gesundheit, Unversehrtheit, Geschlecht, Größe,
Gewicht, Alter, Hautfarbe, physische Attraktivität, Funktionen der Gehirnstrukturen als Grundlage für Erkenntnis- und Handlungsmöglichkeiten;
b) sozioökonomische und sozialökologische Ausstattung: z.B. Bildung, Arbeit, Einkommen, Position innerhalb der Gesellschaft, Konsum-, Komfort- und soziales Sicherheitsniveau, Wohnsituation, Wohnumwelt;

[...]


1 In dieser Diplomarbeit gelten die Bezeichnungen Sozialarbeiter und Sozialpädagoge, sowie Sozialarbeit und Sozialpädagogik, als Synonym.

2 Siehe Anhang

3 Neben dem Internationalen Code of Ethics (siehe Anhang) liegt neuerdings auch ein Berufskodex des Deutschen Berufsverbandes (siehe Anhang) vor, der vielerorts noch nicht bekannt ist. Bei beiden Dokumenten spielt der Respekt für die Gleichheit, den Wert und die Würde aller Menschen eine wichtige Rolle.

4 Siehe Glossar

5 im Folgenden Handbuch genannt

6 Anhand des Handbuchs lassen sich den Bedürfnissen folgende Werte zuordnen: Leben, Unabhängigkeit und Freiheit, Gleichheit und Gleichbehandlung, Gerechtigkeit, Solidarität, Soziales, Verantwortungsbewusstsein, Evolution, Friede und Gewaltlosigkeit sowie die Beziehungen zwischen Menschheit und Natur. (vgl. Vereinte Nationen 1999: S.12ff.)

7 Die Aussage Staub-Bernasconi’s an dieser Stelle soll nicht den Eindruck erwecken, die Debatte um Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession sei somit abgeschlossen. So ist es vor allem Staub-Bernasconi, welche versucht die Frage der Menschenrechte nicht als eines der vielen - auch - wichtigen Themen der Sozialen Arbeit zu betrachten, sondern Soziale Arbeit von ihrem Auftrag her als Human Rights Profession - zu definieren. Für eine Vertiefung der Thematik sei auf folgenden Text verwiesen: (Staub-Bernasconi 1995a S. 413-425) Vgl. ergänzend auch: (Staub-Bernasconi 1995b S.57-104) sowie Vgl. Thal (2003)

8 siehe Anhang

9 Für eine Vertiefung der Thematik wird auf das Dokument: „Bewusstseinsbildung nach Paulo Freire als spezielle Handlungstheorie Sozialer Arbeit“ verwiesen (siehe Anhang)

10 Der Sozialwissenschaftler Heiko Kleve weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein zentraler Aus- gangspunkt moderner systemtheoretischer Forschung davon ausgeht, dass ein Verständnis der Funktionsweisen verschiedener Systeme (z.B. biologische, psychische, soziale Systeme) nicht möglich ist, wenn sie (analytisch) jeweils aufeinander reduziert werden. Anhand der Systemtheorie könne jedoch beispielsweise Biologisches aus Biologischem, Psychisches aus Psychischem und Soziales aus Sozialem erklärt werden. (vgl. Kleve 2003: S. 18)

11 siehe Glossar

Ende der Leseprobe aus 193 Seiten

Details

Titel
Bewusstseinsbildende Soziale Arbeit im Kontext der Globalisierung
Untertitel
Welche Konsequenzen bringt eine globalisierungskritische Perspektive für die Soziale Arbeit mit sich? Eine kritische Analyse, konkretisiert an der Eine-Welt-Arbeit München
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
193
Katalognummer
V196368
ISBN (eBook)
9783656224884
ISBN (Buch)
9783656225522
Dateigröße
4472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine-Welt-Arbeit, München, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Bewusstsein, Globalisierungskritik, Globalisierung, Neoliberalismus, Analyse, Diplomarbeit, Menschenrechte, Bewusstseinsbildung, Systemischer Ansatz, Empowerment, Paulo Freire, Staub-Bernasconi
Arbeit zitieren
Heiner Gröpke (Autor), 2007, Bewusstseinsbildende Soziale Arbeit im Kontext der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196368

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