Welche individuelle Faktoren bedingen die Entstehung der Essstörungen bei Mädchen im Jugendalter?


Seminararbeit, 2012

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Krankheitsbilder der verbreitetsten Essstörungen
1.1 Anorexia Nervosa
1.2 Bulimia Nervosa

2. Familiäre Einflussfaktoren
2.1 Familiäre Psychopathologie
2.2 Familieninteraktion und Bindungsstil

3. Individuelle Einflussfaktoren
3.1 Perfektionismus
3.2 Niedriges Selbstwertgefühl Schluss und Ausblick

Anhang

Bibliographie

1. Einleitung

Die Jugendphase ist eine sensible Phase der Identitätsentwicklung. In diese Pha- se fallen auch die großen Wachstumsprozesse und damit verbundene körperliche Umstellungen. Mit dem eigenen Körper klar zu kommen kann für manche Jugend- liche eine schwere Aufgabe sein. Nicht alle können ihren neuen Körper und seine Eigenschaften richtig wahrnehmen und akzeptieren. Laut einer Statistik der KiGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, stellt man bei Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren einen bedeutsamen Anstieg der Häufigkeiten von Hinweisen auf Essstörungen fest. Die Tendenz steigt bis zu dem Alter von 16 Jahren und geht dann etwas zurück (siehe Anhang). Auch andere Statistiken bestätigen, dass der größte Prozentsatz der Erkrankten auf das Ju- gendalter fällt. Wegen der problematischen Stichprobenauswahl, Operationalisie- rung und den Messinstrumenten gibt es keine genauen Daten über die Prävalenz von Essstörungen. Laut einer Statistik des Wissenschaftlichen Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. aus dem Jahr 2004, leiden 2,5-5 % der Bevölkerung unter Anorexia oder Bulimia Nervosa. Dabei sind ca. 95% aller Erkrankten weiblich. Aus diesem Grund wird diese Seminararbeit auf die Untersu- chung ausschließlich weiblicher Jugendlicher beschränkt. Die größte Gefahr die- ser Störungen liegt darin, dass sie schwerwiegende körperliche Folgeschäden nach sich ziehen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Rechtzeitig durchgeführte Präventivmaßnahmen können dabei die Manifestation einer Essstö- rung verhindern. Aufgrund der ständigen Sparmaßnahmen im Sozialbereich, müs- sen gerade die Präventivmaßnahmen richtig angewendet werden. Um diese wir- kungsvoll einsetzen zu können, muss man die Risikogruppen eindeutig identifizie- ren. Dazu braucht man das Wissen, welche Jugendliche ein besonders hohes Ri- siko haben, einer Essstörung zum Opfer zu fallen. Deswegen beschäftigt sich der Autor dieser Seminararbeit mit der Frage, welche Einflussfaktoren die Entstehung der Essstörungen im Jugendalter bedingen.

Zunächst werden die Krankheitsbilder Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa hin- sichtlich Diagnostik, Krankheitsverlauf und Folgen in den Grundzügen vorgestellt. Im Rahmen der Seminararbeit ist es nicht möglich alle Einflussfaktoren zu unter- suchen. Der Schwerpunkt wird deswegen auf individuelle und familiäre nicht gene- tisch bedingte Faktoren gelegt. Es werden die Faktoren untersucht, die den größ- ten Einfluss auf die Manifestation haben und deren Feststellung in einer pädago- gischen Situation eindeutig gelingen kann.

1 Krankheitsbilder der verbreitetsten Essstörungen

1.1 Anorexia Nervosa

Der Begriff „Anorexia Nervosa“ (im Folgenden mit AN abgekürzt) wird zum ersten mal im 19 Jahrhundert als eine auf die psychischen Ursachen zurückgeführte Krankheit erwähnt. Etymologisch bedeutet das Wort „Anorexie“ - ohne Verlangen. Dies ist aber eine Fehlbeschreibung, da die Patientinnen, zumindest in der Anfangsphase der Krankheit, durchaus ein Verlangen nach Essen haben. Dieses wird aber aus Angst der Gewichtszunahme unterdrückt (Stahr/Barb-Priebe/Schulz 1995, S. 23; Davison/Neale 1996, S. 517).

Ein zentrales Kriterium der Diagnostik der AN ist ein niedriges Körpergewicht, das nicht auf eine körperliche Krankheit zurückzuführen ist. ICD-10 gibt einen BMI un- ter 17,5 als ein deutliches Kriterium der AN. Trotz dem bestehenden Untergewicht haben die Betroffenen Angst vor einer Gewichtszunahme und weigern sich ein Mi- nimalgewicht aufrecht zu erhalten. In der Regel wächst die Angst sogar mit der fortschreitenden Gewichtsabnahme. Die Betroffenen beschäftigen sich permanent mit dem eigenen Gewicht, der Figur und dem Essen allgemein. Der Essensvor- gang wird oft übertrieben in die Länge gezogen, ohne dass wirklich gegessen wird. Die Anorektiker leugnen in den meisten Fällen die Probleme. Ein weiteres Kriterium ist das gestörte Selbstbild der Patientinnen. Sie haben „unabhängig von dem Körpergewicht die Überzeugung zu dick zu sein“ (Legenbauer/Vocks 2006, S.4). Das Gewicht ist stark an den Selbstwert gekoppelt, folglich wird die kleinste Gewichtszunahme als Versagen und Gewichtsabnahme als persönlicher Erfolg angesehen. Um diesen Erfolg sichern zu können greifen viele der Betroffenen zu Abführ-, Entwässerungsmitttel oder Klisiere. Die meisten Erkrankten befinden sich in der Altersspanne zwischen 12 und 23 Jahren, wobei sich der Erkrankungsgipfel im Alter von 14 bis 18 Jahren befindet (Cuntz/Hillert 2008, S. 52; Legenbauer/ Vocks 2006, S.4-5; Stahr/Barb-Priebe/Schulz 1995, S. 24; Wissenschaftliches Ku- ratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V 2004: S.8).

Nach einem längeren Verlauf der Krankheit kommen körperliche Folgeschäden zum Vorschein. Durch extremes Untergewicht entstehen endokrinologische Schäden. Die häufigste Folge der Hormonveränderung ist das Ausbleiben bzw. Nicht-Eintreten der Regelblutung. Auch gastrointestinale Schäden, wie Gastritis oder Magengeschwüre, sind häufige Folgekrankheiten der AN. Manche physiolo- gische Veränderungen, die durch Selbstaushungerung entstehen sind irreversibel. 0,56% der Betroffenen pro Jahr sterben aufgrund der Krankheit oder der mit ihr verbundenen Folgen (Cuntz/Hillert 2008, S. 52; Davison/Neale 1996, S. 517; Le- genbauer/Vocks 2006, S.6).

1.2 Bulimia Nervosa

Bulimia Nervosa (im Folgenden mit BV abgekürzt) wurde einige Zeit als Begleiter- scheinung der AN angesehen. Heute wird sie im DSM-IV als unabhängige Krank- heit geführt. Etymologisch bedeutet „Bulimie“ Stierhunger. Es beschreibt sehr gut den zentralen Aspekt der Essstörung - die Heißhungerattacken. Die Betroffenen nehmen in einer kurzen Zeit unkontrolliert eine extrem große Menge an Nahrung zu sich. Dabei werden sonst verbotene, kalorienreichen Produkte in besonders großem Maße aufgenommen. Gleich danach kommt es in den meisten Fällen zur gegensteuernden Maßnahme. Die aufgenommenen Lebensmittel werden mit Hilfe von Abführmittel oder durch das selbst-herbeigeführte Erbrechen methodisch ent- fernt. Nach dem Fressanfall empfinden die Erkrankten Hilflosigkeit und Ekel vor sich selbst. So wirkt die anschließende Entleerung meistens erleichternd. Wenn die Betroffenen das Gefühl bekommen, die Angst vor dem Anfall durch solche Ent- leerung unter Kontrolle zu bekommen, werden die Anfälle noch extremer. Ein wei- terer Faktor ist, wie auch bei AN, die permanente Beschäftigung mit Gewicht und Figur. Die Patientinnen haben krankhafte Angst vor der Gewichtszunahme. Viele treiben zwischen den Fressanfällen exzessiv Sport als Ausgleich. Es werden auch zeitweilige Hungerperioden durchgezogen, die dann wieder von den Fressatta- cken abgelöst werden. Das Selbstwertgefühl hängt auch hier stark vom Gewicht ab. Die Anfälle tragen dabei der Selbstwertminderung bei. Viele der Betroffenen haben durchaus normales Gewicht, was die Diagnose oftmals schwierig macht. Viele Patientinnen geben aus Scham die Probleme nicht zu. Von außen ist solches Verhalten oft nicht zu beobachten, da die Anfälle meist im Verborgenen stattfinden. Dies führt zur Annahme, dass es eine viel größere Dunkelziffer der Erkrankten gibt. Die meisten Betroffenen befinden sich im einer eher späteren Phase des Ju- gendalters oder im jungen Erwachsenenalter (Davison/Neale 1996, S. 520; Le- genbauer/Vocks 2006, S. 13-14; Stahr/Barb-Priebe/Schulz 1995, S.25; Wissens- chaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V 2004: S.8). Besonders das häufige Erbrechen führt zu einem breiten Spektrum an physiologi- schen Folgen wie Darmschädigungen, ernährungsbedingten Mangelerscheinun- gen, verlangsamter Herzschlag oder Dehydration. Durch das veränderte Blutbild kann ein Herzfehler auftreten, das zu Herzversagen und plötzlichem Tod führen (Davison/Neale 1996, S. 521-522).

2 Familiäre Einflussfaktoren

2.1 Famili äre Psychopathologie

Familie ist das primäre Umfeld eines Heranwachsenden und trägt viel zur Persönlichkeitsbildung bei. So ist es nicht ausgeschlossen, dass eine Essstörung durch bestimmte familiäre Umstände bedingt sein kann.

Die Pubertät bringt alle Mädchen zunächst in eine Krise. Sie beginnen die Suche nach den neuen Werten und dem neuen Selbstbild. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Körperzufriedenheit spielt dabei die Familie. Für Mädchen ist be- sonders die Einstellung der primären weiblichen Bezugsperson, meist der Mutter, von großer Bedeutung. Die Einschätzung des Gewichtes und der Figur der Tochter durch die Mutter ist prägend für die Mädchen im Jugendalter. Es besteht auch ein direkter Zusammenhang zwischen den kritischen Bemerkungen der Eltern über die Figur und dem Gewicht und den tatsächlichen Gewichtssorgen des Mädchens. Die daraus entstehende Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper kann unter un- günstigen Bedingungen auch zu einer Essstörung führen. Auch das gezügelte Essverhalten wird von den Müttern an die Töchter weitergegeben. Wenn also die Mutter aufgrund einer Essstörung ein gestörtes Essverhalten hat, kann es sich in der Tochter widerspiegeln und auch zu einer Essstörung führen. Mütter, die ein gestörtes Selbstbild haben, können die Figur der Töchter nicht objektiv einschät- zen. Nicht selten bieten sie ihren Töchtern, unabhängig von dem tatsächlichen Gewicht, eine Diät an.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Welche individuelle Faktoren bedingen die Entstehung der Essstörungen bei Mädchen im Jugendalter?
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V196393
ISBN (eBook)
9783656224419
ISBN (Buch)
9783656224693
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essstörung, Jugend, Mädchen, Pubertät, psychische Störung
Arbeit zitieren
Katrin Fast (Autor), 2012, Welche individuelle Faktoren bedingen die Entstehung der Essstörungen bei Mädchen im Jugendalter? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196393

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