Die neue Regierung der Vereinigten Staaten unter Präsident Obama plant anstelle der bisherigen regionalen Klimaschutzinitiativen, ein nationales Cap-and-Trade System zu errichten, um Treibhausgasemissionen zu regulieren. Dieses System soll mit dem seit 2005 etablierten Europäischen Emissionshandelssystem verknüpft werden. Diese Verknüpfung wird sowohl direkt über eine gegenseitige Anerkennung der Zertifikate stattfinden, als auch indirekt über die Anerkennung von Zertifikaten aus Klimaschutzprojekten in Drittländern, wie JI/CDM. In einem durch die Verknüpfung der Systeme entstehenden größeren Markt kann Klimaschutz effizienter realisiert werden, da Vermeidungsmaßnahmen bevorzugt dort implementiert werden, wo sie am kostengünstigsten sind. Dies hat einen preisdämpfenden Effekt auf das Gesamtsystem. Darüber hinaus werden aufgrund der höheren Marktliquidität weniger starke Preisschwankungen erwartet. Nicht zuletzt werden durch eine solche Verknüpfung der Märkte Wettbewerbsverzerrungen, die durch den Emissionshandel entstehen, mittels einer Angleichung der Preise in den beiden Systemen abgemildert. Um diese positiven Effekte einer Kopplung der Märkte zu erreichen, bedarf es allerdings einer Harmonisierung essenzieller Schlüsselelemente im Systemdesign. Die wesentlichen Punkte hierbei sind Reduktionsziele, Preisobergrenzen, Anerkennung von Offsets und nachträgliche Markteingriffe. Um ungewollt hohe Belastungen für die amerikanische Wirtschaft zu vermeiden, planen die USA, wesentliche Entscheidungen zur Preisstabilisierung dem Ermessen einer Aufsichtsbehörde zu übertragen. Die Vorstellung, dass eine Preisstabilisierung in den USA auch den Zertifikatspreis in Europa stabilisieren werde, könnte sich jedoch als Trugschluss erweisen – es kommt auf die Details an. Preisstabilisierung kann entweder durch Aufgabe oder Aufschub der Reduktionsziele erreicht werden oder indem eine Erweiterung der zulässigen Emissionsreduktionen auf kostengünstigere Bereiche erfolgt. Letzteres ist z.B. bei der Erhöhung der Menge der im System anrechenbaren Offset-Zertifikate, beispielsweise aus JI/CDM-Projekten, der Fall. Derzeitige Gesetzesinitiativen in den USA sehen vor, die Entscheidung über die Anrechenbarkeit von Offsets von einer Preisschwelle abhängig zu machen oder in die Hände einer US Aufsichtsbehörde zu legen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Klimawandel
1.2 Kyoto-Protokoll
1.2.1 Funktionsweise
1.2.2 Auswirkungen
2 Grundlagen des Emissionshandels
2.1 Kosten der Vermeidung
2.2 Mengen- vs. Preissteuerung
2.3 Ziele und Funktionsweise
2.4 Emissionshandel und Stromerzeugung
3 Systemgestaltung des Emissionshandels
3.1 Cap-and-Trade vs. Baseline-and-Credit
3.2 Bedeutung des Systemdesigns
3.3 Gestaltungselemente in Cap-and-Trade Systemen
4 Die Systeme in Europa und Amerika
4.1 EU ETS
4.2 Cap-and-Trade in den USA
4.2.1 Regionale Initiativen
4.2.2 Federal Cap-and-Trade
4.3 Vergleich der Systeme
5 Verknüpfung
5.1 Notwendigkeit
5.2 Kapitaltransfers
5.3 Top-down vs. Bottom-up
5.4 Arten von Bottom-up Verknüpfungen
6 Ein transatlantischer Kohlenstoffmarkt
6.1 Politische Aspekte
6.2 Kriterien
6.3 Annahmen
6.4 Szenarien
7 Auswirkungen
7.1 Chancen
7.2 Risiken
7.2.1 Risiken einer direkten Verknüpfung
7.2.2 Risiken einer indirekten Verknüpfung
8 Empfehlungen
9 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht qualitativ die Auswirkungen der geplanten US-Klimaschutzgesetzgebung und der damit verbundenen potenziellen Verknüpfung von US-amerikanischen und europäischen Emissionshandelssystemen auf den CO2-Preis in Europa sowie die Konsequenzen für europäische Energieversorgungsunternehmen.
- Analyse der Funktionsweise und Gestaltung von Emissionshandelssystemen (Cap-and-Trade vs. Baseline-and-Credit)
- Vergleich der aktuellen Rahmenbedingungen des EU ETS mit den geplanten US-Gesetzesinitiativen
- Bewertung der Chancen und Risiken einer Verknüpfung der Systeme für Europa
- Untersuchung der Rolle staatlicher Eingriffe und Aufsichtsbehörden bei der Preisstabilisierung
Auszug aus dem Buch
6.2 Kriterien
Für eine Analyse der Auswirkungen einer Verknüpfung von Emissionshandelssystemen identifiziert der Autor insbesondere fünf zentrale Kriterien als ausschlaggebend:
1. Preisunterschiede
2. Größe der Märkte
3. Art der Verknüpfung
4. Systemdesign
5. Politische sowie regulatorische Stabilität
Erstens, je geringer die Preisunterschiede in den zu verknüpfenden Märkten sind, desto schwächer sind die Auswirkungen einer Verknüpfung. Ob die Verknüpfung mit einem anderen Markt sich vor- oder nachteilig auswirkt, hängt stark vom Preisniveau im anderen System ab. Sind die Preise in System B niedriger als in System A, so profitieren die Käufer in System A von einer Verknüpfung und umgekehrt.
Vor einer Verknüpfung des EU ETS mit dem zukünftigen US Cap-and-Trade wird angenommen, dass die Preise für Zertifikate zu Beginn in den USA unter denen in Europa liegen. Durch eine Angleichung der Preise würde sich eine Verknüpfung in diesem Fall vorteilhaft für die europäischen und nachteilig für die amerikanischen Käufer von Zertifikaten auswirken.
Zweitens ist zudem die Größe des anderen Marktes ausschlaggebend dafür, wie stark die Auswirkungen einer Verknüpfung sind. Findet eine Verknüpfung mit einem sehr kleinen Markt statt, so hat dies trotz möglicherweise großen Preisdifferenzen nur einen begrenzten Einfluss auf das größere System. Bei einer unbeschränkten Verknüpfung würde sich der Einheitspreis näher am vorigen Preis des größeren Systems einpendeln. Aber selbst bei einer Verknüpfung mit einem großen System kann der Einfluss auf das kleinere System gering bleiben, wenn ein Handel nur eingeschränkt stattfinden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die globale Relevanz des Klimaschutzes und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Verknüpfung von Emissionshandelssystemen.
2 Grundlagen des Emissionshandels: Erläuterung der ökonomischen Prinzipien, Vermeidungskosten und der Differenz zwischen Mengen- und Preissteuerung.
3 Systemgestaltung des Emissionshandels: Analyse der technischen Ausgestaltung, von Cap-and-Trade-Modellen bis hin zu regulatorischen Elementen wie Safety Valves.
4 Die Systeme in Europa und Amerika: Detaillierte Darstellung des EU ETS und der verschiedenen US-Gesetzesinitiativen sowie deren spezifische Designmerkmale.
5 Verknüpfung: Theoretische Untersuchung der Notwendigkeit, der Kapitaltransfermechanismen und der verschiedenen Arten der Systemkopplung.
6 Ein transatlantischer Kohlenstoffmarkt: Politische Analyse, Szenarienbildung und methodische Herleitung der Auswirkungen einer Kopplung.
7 Auswirkungen: Zusammenfassende Bewertung der Chancen und Risiken einer Verknüpfung für europäische Unternehmen und die Wirtschaft.
8 Empfehlungen: Handlungsempfehlungen für die Harmonisierung von Emissionshandelssystemen zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen.
9 Ausblick: Fazit zur Notwendigkeit weiterer wirtschaftlicher Folgenabschätzungen in diesem dynamischen Markt.
Schlüsselwörter
Emissionshandel, Cap-and-Trade, EU ETS, USA, Klimaschutz, Zertifikatspreis, CO2-Markt, Verknüpfung, Offsets, Preisstabilisierung, Energieversorgungsunternehmen, Carbon Leakage, Wettbewerbsfähigkeit, Klimapolitik, regulatorische Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die potenziellen Folgen einer Verknüpfung der europäischen und US-amerikanischen Emissionshandelssysteme, insbesondere im Hinblick auf Preisentwicklungen und regulatorische Risiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systemgestaltung von Emissionsrechten, die ökonomischen Auswirkungen von Kopplungsmechanismen und die politische Gesetzgebung in den USA und der EU.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, qualitativ darzustellen, welche Chancen und Risiken sich durch einen transatlantischen Kohlenstoffmarkt für europäische Energieversorgungsunternehmen nach 2012 ergeben könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine qualitative Analyse basierend auf Literaturstudien und modellhaften Szenarien, um die Auswirkungen regulatorischer Entscheidungen auf den CO2-Preis zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Emissionshandels, den Aufbau bestehender und geplanter Systeme (EU vs. USA) sowie die Wirkungsmechanismen bei einer Systemkopplung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Cap-and-Trade, CO2-Preisvolatilität, regulatorische Schnittstellen und Wettbewerbsverzerrungen im europäischen Energiebereich charakterisiert.
Wie beeinflussen die geplanten US-Gesetzesentwürfe den CO2-Preis in Europa?
Durch eine potenzielle Verknüpfung könnten US-Entscheidungen zur Preisstabilisierung, wie die großzügige Anrechnung von Offsets, den europäischen Markt indirekt beeinflussen und zu unerwarteten Preissprüngen in Europa führen.
Was versteht der Autor unter dem "Reverse-Effekt"?
Der Reverse-Effekt beschreibt ein Phänomen, bei dem ein preissteigernder Rückkopplungseffekt für die USA entsteht, wenn diese versuchen, ihren eigenen Markt durch zusätzliche Offsets zu stabilisieren, was jedoch in Europa zu einer Nachfragesteigerung führt.
- Arbeit zitieren
- Johannes Bittel (Autor:in), 2009, Chancen und Risiken eines transatlantischen Kohlenstoffmarktes für europäische Energieversorgungsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196437