Beim Eingeben des Begriffs ‚Mobbing’ in die Suchmaschine ‚Google’ werden ca. 47.000 Ergebnisse erzielt. 1 Das Wort ‚Mobbing’ 2 wurde 1996 - nur 4 Jahre nach seinem ersten Auftauchen im deutschen Sprachgebrauch - in den Duden aufgenommen. 3 Die Beratungsliteratur, in der es vorwiegend um die Frage geht, wie sich Opfer gegen Mobbingaktivitäten zur Wehr setzen können, wächst ins Unüberschaubare.
Aber wodurch lässt sich das große Interesse der Öffentlichkeit am Thema Mobbing begründen?
Mobbing führt zu fatalen Folgen sowohl für die Opfer als auch für die Unternehmen, auf die, bedingt durch einen erhöhten Krankenstand, eine starke Fluktuation, Produktivitätsverluste, Prozesskosten usw., immense wirtschaftliche Nachteile zukommen. Die erste Repräsentativstudie über Mobbing in Deutschland deckt auf, dass im Jahr 2000 ungefähr 2,199 Millionen Arbeitnehmer/-innen 4 gemobbt wurden. 5 Der betriebswirtschaftliche, aber auch der persönliche Schaden, den Mobbing mit sich bringt, lassen eine Behandlung des Themas im Unterricht des Faches BWL als wichtig, mehr noch: als notwendig erscheinen.
Dem großen öffentlichen Interesse steht jedoch gegenüber, dass das Thema noch keinen Eingang in die Lehrbücher gefunden hat. 6 Diese Arbeit dokumentiert die Planung, Durchführung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zum Thema Mobbing in Unternehmen in der einjährigen Fachoberschule, wobei die eingesetzten Unterrichtsmaterialien von mir selbst erstellt wurden. Ziel ist es nicht nur, die Schüler/-innen selbständig unterschiedliche Aspekte dazu erarbeiten und präsentieren zu lassen, sondern sie darüber hinaus für das Thema Mobbing zu sensibilisieren und ihnen deutlich zu machen, wie wichtig es sowohl für Unternehmensleitungen als auch für Mitarbeiter/-innen ist, gegen Mobbing vorzugehen. Als geeignete Sozialform wurde die Gruppenarbeit ausgewählt, die von Schülern und Schülerinnen verlangt, dass sie miteinander sprechen, kooperativ im Team arbeiten und gemeinsam nach Lösungen suchen. Dabei werden Sozialkompetenzen gefördert, die einen offenen Umgang mit Konflikten begünstigen und somit unter Umständen auch helfen, Mobbingprozessen aktiv entgegenzuwirken.
Da eine erfolgreiche Gruppenarbeit durch eine intensive und genaue Planung bestimmt wird, nimmt dieser Bereich den größten Anteil der Arbeit ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entscheidungsvoraussetzungen
2.1 Angaben zur Lerngruppe
2.2 Stellung der Stunden im Unterricht
3 Sachanalyse: Mobbing in Unternehmen
3.1 Das Phänomen Mobbing
3.2 Mobbingstrategien und Mobbingverlauf
3.3 Mobbing in Deutschland – die Täter/-innen und die Opfer
3.4 Faktoren, die Mobbing begünstigen
3.5 Folgen von Mobbing
3.6 Maßnahmen der Unternehmen gegen Mobbing
4 Begründete Stoffauswahl
5 Die Sozialform Gruppenarbeit und die Präsentation
5.1 Pädagogische Zielsetzungen
5.2 Arten der Gruppenarbeit und Aufteilung in Arbeitsgruppen
5.3 Die Gruppenarbeitsmaterialien
5.4 Die Präsentation
6 Unterrichtsziele
7 Verlaufsplanungen
7.1 Verlaufsplanung der ersten Doppelstunde
7.2 Verlaufsplanung der zweiten und dritten Doppelstunde
8 Durchführung und Reflexion der Stunden
8.1 Durchführung der Gruppenarbeit
8.2 Durchführung und Reflexion der Präsentation
8.3 Abschließende Reflexion der Unterrichtseinheit
9 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dokumentiert die Planung, Durchführung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zum Thema „Mobbing in Unternehmen“ für eine einjährige Fachoberschule. Das primäre Ziel ist es, die Schüler/-innen für das Thema Mobbing zu sensibilisieren, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge aufzuzeigen und ihnen die Bedeutung eines kooperativen, respektvollen Umgangs im Arbeitsumfeld sowie die Wichtigkeit aktiven Handelns gegen Mobbing zu verdeutlichen.
- Theoretische Analyse des Phänomens Mobbing (Definitionen, Strategien, Ursachen und Folgen).
- Einsatz der Sozialform Gruppenarbeit zur Förderung von Sozial- und Methodenkompetenz.
- Einbezug einer problemorientierten Falldarstellung zur Verknüpfung von Theorie und Praxis.
- Strukturierung der Erarbeitungsergebnisse und deren Präsentation vor der Klasse.
- Diskussion über Interventions- und Präventionsmöglichkeiten in Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Phänomen Mobbing
Der Begriff ‚Mobbing’ geht auf das englische ‚to mob’ (‚jemanden bedrängen, anpöbeln, attackieren, angreifen’) zurück, dessen Ursprung wiederum in der lateinischen Bezeichnung ‚mobile vulgus’ liegt, was in etwa ‚aufgewiegelte Volksmenge, Pöbel’ bedeutet. Der Biologe Konrad Lorenz hat ‚Mobbing’ für Angriffe einer Gruppe von Tieren auf einen Eindringling gebraucht. Der schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann übertrug ‚Mobbing’ Ende der 60er Jahre schließlich auf aggressives Gruppenverhalten von Kindern; seine heutige Bedeutung erlangte der Begriff in den 80er Jahren durch den Psychotherapeuten und Mobbingforscher Heinz Leymann:
„Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“
Die Definition wird aus verschiedenen Gründen z.B. von Esser und Wolmerath sowie Neuberger kritisiert: Zunächst sind nach dieser Begriffsklärung einmalige bzw. sich nur kurzfristig wiederholende Angriffe nicht als Mobbing zu bezeichnen, ferner wird eine Einschränkung auf ein Mobbingopfer vorgenommen. Außerdem wird die Bezeichnung „kommunikative Handlungen“ bemängelt, da sie erstens uneindeutig ist (was bedeutet ‚negativ’?) und zweitens Mobbing über nicht kommunikative Handlungen ausschließt. Zapf nennt als Beispiele für nicht kommunikative Handlungen Gewaltanwendung und Mobbinghandlungen, die sich auf die Arbeitsaufgaben beziehen, z.B. das Erteilen offensichtlich überflüssiger Arbeitsaufgaben.
Die allgemeine Kritik an Leymanns Definitionen hat einige Autoren dazu geführt, eigene Begriffsklärungen zu entwickeln, so z.B. Neuberger, der eine sehr weitfassende Definition des Begriffs anbietet:
„Jemand spielt einem übel mit und man spielt wohl oder übel mit.“
Neubergers Definition lässt derart viel Spielraum zu, dass faktisch jede „üble Handlung“ zum Mobbing erklärt werden kann, unabhängig davon, ob sie beabsichtigt ist oder nicht. Mit dem Passus „und man spielt wohl oder übel mit“ kennzeichnet er Mobbing als zweiseitige Täter-Opfer-Relation, die ein dynamisches Hin und Her von Attacke und Gegenattacke beinhaltet. Damit schließt er aus, dass Mobbingopfer passiv bleiben können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende öffentliche Relevanz von Mobbing sowie die fatalen persönlichen und wirtschaftlichen Folgen für Betroffene und Unternehmen, die eine Behandlung im BWL-Unterricht notwendig machen.
2 Entscheidungsvoraussetzungen: Dieses Kapitel charakterisiert die spezifische Lerngruppe der Fachoberschule und ordnet die Unterrichtseinheit innerhalb des Rahmenlehrplans in den Kontext der Lernabschnitte „Leistungserstellung im Betrieb“ sowie „Personal und Organisation“ ein.
3 Sachanalyse: Mobbing in Unternehmen: Hier werden theoretische Grundlagen wie Definitionen, Mobbingstrategien nach Leymann, statistische Erkenntnisse über Täter und Opfer, begünstigende Faktoren, Folgen sowie betriebliche Gegenmaßnahmen detailliert analysiert.
4 Begründete Stoffauswahl: Die Stoffauswahl begründet die thematische Fokussierung auf Basis betriebswirtschaftlicher Relevanz und persönlicher Bedeutung für die Schüler/-innen, unter Einbeziehung einer praxisnahen Falldarstellung.
5 Die Sozialform Gruppenarbeit und die Präsentation: Dieses Kapitel erläutert die Wahl der Sozialform Gruppenarbeit, die pädagogischen Zielsetzungen bezüglich Sozial- und Methodenkompetenz sowie die methodische Planung der Erarbeitung und Präsentation.
6 Unterrichtsziele: Hier werden die fachlichen Lernziele der Unterrichtsphasen präzisiert, die von der Analyse des Fallbeispiels über die Anwendung theoretischer Definitionen bis hin zur Erarbeitung von Interventionsstrategien reichen.
7 Verlaufsplanungen: Die Verlaufsplanung strukturiert die gesamte Unterrichtseinheit in drei Doppelstunden, aufgeteilt in Fallanalyse, Gruppenarbeitsphase und Ergebnissicherung durch Präsentationen.
8 Durchführung und Reflexion der Stunden: Dieses Kapitel dokumentiert den Verlauf der Gruppenarbeit und der Präsentationsphase, reflektiert die Schülerergebnisse kritisch und bewertet den Erfolg der gewählten Methodik hinsichtlich der Lernziele.
9 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass Mobbing ein aktuelles, ernstes Problem darstellt, und unterstreicht die Notwendigkeit, das Thema fest in Forschung, Lehre und den schulischen Wirtschaftsunterricht zu integrieren, um Prävention und Sensibilisierung zu fördern.
Schlüsselwörter
Mobbing, Betriebswirtschaftslehre, Fachoberschule, Gruppenarbeit, Präsentation, Arbeitsklima, Mobbingstrategien, Täter-Opfer-Relation, Mobbingprävention, Sozialkompetenz, Methodenkompetenz, Personalmanagement, Fehlzeiten, Arbeitszufriedenheit, Fallstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption, Durchführung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zum Thema „Mobbing in Unternehmen“ für eine Klasse der einjährigen Fachoberschule.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Analyse von Mobbing (Strategien, Ursachen, Folgen), der arbeitsrechtlichen Situation, Präventionsmaßnahmen in Unternehmen sowie der praktischen Anwendung von Gruppenarbeitsmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Ziel ist es, die Schüler/-innen für das Thema Mobbing zu sensibilisieren, ihnen ein Basiswissen über die Folgen und Ursachen zu vermitteln und sie zur Entwicklung von Lösungsansätzen gegen Mobbing zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird im Unterricht verwendet?
Der Unterricht nutzt eine problemorientierte Falldarstellung kombiniert mit themendifferenzierter Gruppenarbeit, um die Schüler/-innen zur selbstständigen Erarbeitung und Präsentation von Fachinhalten zu motivieren.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Sachanalyse des Phänomens Mobbing, die pädagogische Begründung der Stoffauswahl sowie die methodische Planung und Reflexion der Gruppenarbeit und Präsentation.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Mobbing, Gruppenarbeit, Fachoberschule, Sozialkompetenz, betriebliche Faktoren, Prävention, Fallbeispiel und Handlungskompetenz.
Welche Rolle spielt das Fallbeispiel „Frau Lempert“?
Das Fallbeispiel dient als Einstieg, um Mobbingprozesse in ihrer Komplexität zu verdeutlichen, und fungiert als roter Faden, an dem die Schüler/-innen theoretische Konzepte (z.B. Mobbingverlauf oder Maßnahmen) praktisch erproben.
Warum wird Gruppenarbeit als Sozialform gewählt?
Die Gruppenarbeit soll die Eigenverantwortung der Lernenden stärken, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten trainieren und eine tiefere Auseinandersetzung mit den komplexen Inhalten des Themas Mobbing ermöglichen.
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- Cornelia Maass (Author), 2001, Mobbing im Unternehmen - Eine Unterrichtseinheit in der Fachoberschule unter Einsatz von Gruppenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19643