Perspektiven für Corporate Citizenship in Deutschland mit Referenz zu Ansätzen in Großbritannien


Magisterarbeit, 2010
106 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehen und Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen und Management von Corporate Citizenship
2.1 Annäherung an den Untersuchungsgegenstand und Begriffsdefinition
2.1.1 Abgrenzung zwischen Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility
2.2 Die Entwicklung von Corporate Citizenship in den USA und Europa
2.3 Motive für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen
2.4 Corporate Citizenship im Wandel wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen des 21. Jahrhunderts
2.4.1 Steuerungsverlust von Nationalstaaten
2.4.2 Bedeutungszunahme von Unternehmen
2.4.3 Veränderung der Beziehung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft
2.5 Ziele und Nutzenpotenziale von Corporate Citizenship
2.5.1. Der Business Case: Nutzenpotenziale für Unternehmen
2.5.1.1 Öffentlichkeitsbezogene Vorteile
2.5.1.2 Personalbezogene Vorteile
2.5.1.3 Absatzbezogene Vorteile
2.5.2 Der Social Case: Nutzenpotenziale für Gemeinwohlorganisation und Gesellschaft
2.6 Strategische Ausrichtung von Corporate Citizenship-Aktivitäten
2.7. Systematisierung und Instrumentarium von Corporate Citizenship-Aktivitäten
2.7.1 Der Aktivitäten-Raum von Corporate Citizenship
2.7.2 Corporate Citizenship - Instrumente
2.7.2.1 Corporate Giving
2.7.2.2 Corporate Volunteering
2.7.2.3 Innovative Engagementformen und Instrumente
2.8 Initiativen zur Verbreitung und Unterstützung von Corporate Citizenship
2.8.1 CSR Europe
2.8.2 UN Global Compact
2.9 Probleme und Grenzen von Corporate Citizenship

3. Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen in Großbritannien
3.1 Entwicklung und Rahmenbedingungen des bürgerschaftlichen Engagements britischer Unternehmen
3.2 Verständnis des Corporate Citizenship-Begriffs in Großbritannien
3.3 Triebkräfte von unternehmerischem bürgerschaftlichem Engagement in Großbritannien
3.3.1 Die britische Regierung
3.3.2 Das britische Königshaus
3.3.3 Zivilgesellschaftliche Akteure und Organisationen
3.3.4 Auszeichnungen und Standards

4. Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland
4.1 Rahmenbedingungen und Ausgangslage für unternehmerisches bürgerschaftliches Engagement in Deutschland
4.2 Merkmale der praktischen Umsetzung des bürgerschaftlichen Engagements deutscher Unternehmen
4.3 Deutsche Organisationen zur Unterstützung von bürgerschaftlich engagierten Unternehmen
4.3.1 Unternehmen: Partner der Jugend
4.3.2 Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
4.4 Herausforderungen und Handlungsperspektiven für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland
4.4.1 Politik und Staat
4.4.2 Unternehmen
4.4.3 Partner der Zusammenarbeit
4.4.4 Mittlernetzwerke und Beratungsorganisationen

5. Abschlussbetrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tab. 1: Die quantitative Bedeutung ausgewählter Länder und Unternehmen

Tab. 2: 10 Goldene Regeln

Tab. 3: Die 10 Prinzipien des UN Global Compact

Tab. 4: Arten des Engagements der befragten Unternehmen der forsa Studie

Tab. 5: Besonderheiten unternehmerischen bürgerschaftlichen Engagements in Großbritannien mit Bezug zu Handlungsperspektiven für Corporate Citizenship in Deutschland

Abb. 1: Das Verhältnis zwischen Corporate Citizenship, CSR und Nachhaltiger Entwicklung

Abb. 2: Vorteile von Corporate Citizenship für das Unternehmen

Abb. 3: 5 Schritte zu strategischem Corporate Citizenship

Abb. 4: Der „Aktivitäten-Raum“ des Corporate Citizenship

Abb. 5: Corporate Citizenship-Instrumente

Abb. 6: Strategische Einbettung von Corporate Citizenship-Maßnahmen

Abb. 7: Einstellung zu Stakeholdern

1. Einleitung

„ Corporate Citizenship ist mithin eine Antwort auf Herausforderungen, die letztlich aus der veränderten Weltlage und aus dem neuen gesellschaftlichen Umfeld des

Unternehmens im 21. Jahrhundert heraus resultieren. “

(André Habisch)

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Seit Mitte der 1990er Jahre lässt sich in Deutschland eine Intensivierung der Diskussion um den Beitrag von Unternehmen zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beobachten. In diesem Zusammenhang fällt zunehmend der Begriff Corporate Citizenship. Hierbei handelt es sich um ein aus den USA stammendes Konzept, welches Unternehmen in der Rolle eines ‚citizen’, eines Bürgers1, versteht, der sich in seinem Unternehmensumfeld für das Gemeinwohl engagiert. Viele Unternehmen können bereits auf eine traditionsreiche Engagement-Vergangenheit zurückblicken. Das Corporate Citizenship- Konzept jedoch geht über das bisherige, weit verbreitete und rein altruistisch motivierte gemeinwohlorientierte Engagement der Unternehmen hinaus. Es unterscheidet sich von diesem, indem […] es gezielt in Unternehmensstrategien integriert und mit den wirtschaftlichen Tätigkeiten des Unternehmens verbunden […]“ (Enquete Kommission 2001, S.219) wird.

In Deutschland wird die Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft und deren Beitrag zum Allgemeinwohl insbesondere im Rahmen der Diskussion um die Bürgergesellschaft2 thematisiert. So setzen sich bspw. der im Jahr 2002 von der Enquete-Kommission im Auftrag der deutschen Bundesregierung erstellte Bericht „Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements“ und der „Bericht zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland“ des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus dem Jahr 2009 intensiv mit dieser Thematik auseinander3. Dabei bezieht sich die Enquete Kommission auf den Terminus Corporate Citizenship, prägt aber auch den neuen, synonym zu gebrauchenden Begriff ‚unternehmerisches bürgerschaftliches Engagement’4. Viele deutsche Unternehmen nehmen ihre Rolle in der Gesellschaft bereits aktiv wahr und engagieren sich in einer Vielzahl von Formen bürgerschaftlich für gesellschaftliche Belange. Dieses Engagement trägt jedoch vorwiegend philanthropische5 Züge. Nur die wenigsten haben das Potential einer […] Synthese zwischen wirtschaftlichen Interessen und Gemeinwohlorientierung […] (Enquete- Kommission 2002, S.220) im Sinne von Corporate Citizenship bereits für sich erkannt. Auch ist bei deutschen Unternehmen […] bislang kaum eine systematische Berücksichtigung des sozialen Engagements in der Geschäftsstrategie erkennbar. “ (Heuberger et al. o.J., S.1). Laut Heuberger et al. erschwere darüber hinaus ebenfalls die Auffassung der deutschen Öffentlichkeit, […] dass soziales Engagement nur gut sein kann, wenn es nichtökonomischen Nutzenkalkülen folgt. “ (ebd.), die Verbreitung von Corporate Citizenship als unternehmensstrategisches Instrument.

In Anbetracht der oben genannten Herausforderungen, was Corporate Citizenship- Aktivitäten deutscher Unternehmen betrifft, scheint es deshalb äußerst lohnenswert, einen Blick über den „ nationalstaatlichen Tellerrand “ (Heuberger et al. o.J., S.8) zu werfen und erfolgreiche Corporate Citizenship-Praktiken und -Strategien im internationalen Kontext näher zu untersuchen. In Europa hat sich auf diesem Feld insbesondere Großbritannien als Vorreiter etabliert (vgl. Loew et al. 2004, S.51; Korfmacher/Roberts 2003, S.134; Enquete-Kommission 2002, S.223). Seit Anfang der 1980er Jahre wurden dort in Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Staat und NGOs6 verschiedenste Projekte und Programme ins Leben gerufen. Das Unternehmensnetzwerk Business in the Community, in welchem sich über 830 Unternehmen zusammengeschlossen haben, und dem auch 80% der britischen top 100 Firmen angehören, ist das älteste europäische Unternehmensnetzwerk für Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility7. Dies und viele weitere fortschrittliche Entwicklungen in der Umsetzung von Corporate Citizenship-Aktivitäten bieten eine Fülle von Best-Practice-Beispielen, die sich auch in Deutschland zur Nachahmung anbieten. Obwohl Großbritannien in der deutschen wissenschaftlichen Literatur über Corporate Citizenship vielfach die Position eines Wegbereiters und Pioniers in Europa zugewiesen wird, findet eine Auseinandersetzung mit britischen Corporate Citizenship- Aktivitäten nur in äußerst verkürzter Form statt (vgl. u.a. Loew et al. 2004, S.51; Korfmacher/Roberts 2003, S.134; Enquete-Kommission 2002, S.223; Lang/Solms Nebelung o.J., S.12f.). Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, an diesem Punkt anzuknüpfen und das bürgerschaftliche unternehmerische Engagement in Großbritannien eingehend zu untersuchen und darzustellen. Darüber hinaus werden anhand des Best-Practice-Modells Großbritannien mögliche Perspektiven für die Weiterentwicklung des Corporate Citizenship-Konzeptes in Deutschland aufgezeigt. Dementsprechend sollen folgende Fragestellungen im Rahmen dieser Untersuchung erörtert werden:

- Was wird unter dem Begriff Corporate Citizenship verstanden, welche Potentiale birgt es und wie wird es von Unternehmen praktiziert?
- Wie sieht das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen in Großbritannien aus und wie wird der Begriff Corporate Citizenship dort interpretiert?
- Wie lässt sich die derzeitige Situation von Corporate Citizenship in Deutschland beschreiben und welchen Rahmenbedingungen unterliegt es?
- Welchen konkreten Herausforderungen steht das unternehmerische bürgerschaftliche Engagement deutscher Unternehmen heute und in Zukunft gegenüber?
- Wie können Perspektiven für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen in Deutschland anhand des britischen Best-Practice-Modells aufgezeigt werden?

1.2 Vorgehen und Aufbau der Arbeit

Als Einstieg gilt es, zunächst grundlegend in die Thematik einzuführen. Dazu wird in Kapitel 2.1 eine Annäherung an den Begriff Corporate Citizenship vorgenommen und dieser von verwandten Termini abgegrenzt. Darauf folgt eine kurze Erläuterung der Entstehungsgeschichte des Konzeptes in den USA und Europa (Kapitel 2.2) und die Darstellung der für die Unternehmen und ihr Engagement ausschlaggebenden Motive (Kapitel 2.3). Neben den Motiven beeinflusst darüber hinaus eine Reihe von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen in großem Maße. Diese Einflüsse werden in Kapitel 2.4. näher erläutert. Die zweite Hälfte dieses Kapitels ist dem Management von Corporate Citizenship-Aktivitäten gewidmet. Dazu wird zunächst auf die Ziele und Nutzenpotentiale, welche sich aus dem Engagement für die beteiligten Akteure ergeben können, eingegangen (Kapitel 2.5). Um die zuvor genannten Nutzenpotentiale auch optimal ausschöpfen zu können, ist es für Unternehmen entscheidend, in ihrem Engagement einer Strategie zu folgen; diese wird in Kapitel 2.6 näher erläutert. Zur Durchführung ihres Engagements steht den Unternehmen eine Vielzahl von verschiedenen Instrumenten zur Verfügung. In Kapitel 2.7 soll auf diese vertieft eingegangen werden. Außerdem wird eine Auswahl an Initiativen und Organisationen vorgestellt, welche Corporate Citizenship auf europäischer und internationaler Ebene festigen und unterstützen (Kapitel 2.8). Das zweite Kapitel schließt mit einer Darstellung der Probleme und Grenzen ab, um so zu einer umfassenden und kritischen Betrachtung der Thematik zu gelangen (Kapitel 2.9).

Im dritten Kapitel steht das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen in Großbritannien im Zentrum der Untersuchung. Dazu werden auch hier sowohl die historische Entwicklung, als auch die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches unternehmerisches Engagement aufgezeigt (Kapitel 3.1). Darüber hinaus wird in Kapitel 3.2 auf die Problematik der Begrifflichkeiten eingegangen. Dies ist wichtig, um von einer gemeinsamen Untersuchungsgrundlage für den weiteren Verlauf dieser Arbeit ausgehen zu können. In Großbritannien lässt sich ferner eine Reihe von Triebkräften ausmachen, welche sich positiv auf die Verbreitung und Durchsetzung des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen auswirken und dieses bekräftigen. Dazu zählen verschiedene Akteure, auf welche in Kapitel 3.3 näher eingegangen wird.

Das vierte Kapitel stellt das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen in Deutschland als zentralen Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit dar. In ihm werden die Rahmenbedingungen und die Ausgangslage für bürgerschaftliches Engagement deutscher Unternehmen untersucht. Dabei werden verschiedene Aspekte und Akteure vorgestellt, die sich auf das Engagement der Unternehmen auswirken, dieses auf irgendeine Art beeinflussen oder direkt an ihm beteiligt sind (Kapitel 4.1). Überdies soll mit Hilfe ausgewählter qualitativer und quantitativer Studien ein Überblick über die praktische Umsetzung von Corporate Citizenship-Aktivitäten in der deutschen Unternehmenslandschaft gegeben werden (Kapitel 4.2). Des Weiteren wird in Kapitel 4.3 eine Auswahl an Organisationen und Initiativen auf bundesdeutscher Ebene zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen vorgestellt. Um sich der Fragestellung dieser Arbeit weiter anzunähern, werden abschließend in Kapitel 4.4 anhand der dargestellten Situation von Corporate Citizenship in Deutschland konkrete Herausforderungen herausgearbeitet. Diese werden anschließend in Bezug zu Aspekten und Strategien des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen in Großbritannien gesetzt.

Die Arbeit endet mit einer Abschlussbetrachtung und einem Ausblick in Kapitel 6.

Anmerkung: Im Interesse einer besseren Lesbarkeit des Textes wird im Folgenden jeweils nur die männliche Form verwendet, womit jedoch stets auch die weibliche Form gemeint ist.

2. Theoretische Grundlagen und Management von Corporate Citizenship

2.1 Annäherung an den Untersuchungsgegenstand und Begriffsdefinition

Das Engagement für gesellschaftliche Belange ist für eine Vielzahl von Unternehmen seit langer Zeit fester Bestandteil der Unternehmenstradition. Bekannte Persönlichkeiten der Wirtschaft wie z.B. die Familie Rockefeller, Andrew Carnegie, John Cadbury oder Werner von Siemens pflegten bereits seit dem 19. Jahrhundert eine starke philanthropische Tradition und engagierten sich als Förderer der Kunst, der Wissenschaften und der Gesellschaft. Die Ursprünge der wohltätigen Unterstützung reichen sogar weit bis ins Mittelalter zurück. Dies zeigt bspw. die im Jahr 1521 vom Kaufmann und Bankier Jakob Fugger der Reiche in Augsburg gegründete und bis heute bestehende Sozialsiedlung ‚Fuggerei’. Dabei handelte es sich bei dem Engagement lange Zeit größtenteils um ‚klassische’ philanthropische Aktivitäten in Form von Spenden und Stiftungen. Ferner ging das Engagement meist auf die persönlichen Vorlieben der Unternehmenseigner zurück und war nicht oder nur locker mit den eigentlichen Unternehmensinteressen verbunden.

Seit Ende der 1980er Jahre jedoch kann in den USA eine Weiterentwicklung dieses philanthropischen Engagements von Unternehmen beobachtet werden. Diese drückt sich in der Nutzung des Engagements als unternehmensstrategisches Instrument aus8. Zu dieser Zeit begannen Unternehmen, […] ihre gemeinwohlorientierten Aktivitäten von bedingungslosen und unspezifischen Spendenzahlungen auf Formen einer unternehmensstrategisch begründeten Engagementförderung […] (Enquete- Kommission 2002, S.219) umzustellen. Seit Anfang der 1990er Jahre zeichnet sich für die strategische unternehmerische Engagementförderung in der Praxis die Verwendung des Begriffs ‚Corporate Citizenship’ ab. Der Kerngedanke liegt darin begründet, dass Unternehmen in der Gesellschaft die Rolle eines ‚citizen’, eines Bürgers, einnehmen und dadurch als Teil der Gesellschaft zu verstehen sind. Dieser Gedanke geht zurück auf die politische Philosophie Aristoteles, in der Unternehmen als integraler Bestandteil der Gesellschaft verstanden werden. Diese Rolle ist zudem damit verbunden, dass die Unternehmen in der Verpflichtung stehen zum Allgemeinwohl der Gemeinde, in der sie unternehmerisch tätig sind, beizutragen und sich and der Lösungsfindung für gesellschaftliche Probleme zu beteiligen (vgl. Melé 2008, S.70).

Bisher existiert jedoch noch keine allgemein anerkannte Definition des Corporate Citizenship-Begriffs die sich in der Diskussion um die Thematik etabliert hat (vgl. Barth 2007 S.14; Loew et al. 2004, S.50, Schrader 2003, S.38). Darüber hinaus besteht ebenfalls Uneinigkeit in der Abgrenzung zu verwandten Konzepten und Ideen wie bspw. Corporate Social Responsibility (siehe Kapitel 2.1.1). Hinzu kommt, dass der Begriff in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, wie u.a. den Wirtschaftswissen- schaften, den Sozial- und Politikwissenschaften und der Philosophie diskutiert wird. Diese setzen jeweils wiederum unterschiedliche Schwerpunkte, was das zentrale Problem der Begriffsdefinition weiter verstärkt (vgl. Backhaus-Maul et al 2008, S.24; Barth 2007, S.28ff.). Im internationalen Diskurs ist außerdem eine Anpassung des Konzeptes an die jeweiligen nationalstaatlichen Verhältnisse zu beobachten. Diese unterschiedlichen Verständnisse und Auffassungen erschweren die Festlegung auf eine einheitlichen Definition ebenfalls (vgl. Korfmacher/Roberts 2003, S.133; Weiß 2002, S.126f.; Gazdar/Kirchhoff 2002, S.4).

Ende der 1990er Jahre fand der Begriff Corporate Citizenship erstmals Eingang in die deutsche Wissenschaft und Unternehmenspraxis (vgl. Habisch 2003, S.42; Maaß/Clemens 2002, S.7; Wieland 2005, S.11). Dort wird die Diskussion vorwiegend im Rahmen der Debatte um Bürgergesellschaft und bürgerschaftliches Engagement9 geführt (vgl. Schrader 2003, S.26ff.; o.A. 2004, S.3). In diesem Zusammenhang hat sich als deutsche Bezeichnung für Corporate Citizenship auch der von der Enquete- Kommission geprägte Begriff ‚bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen’ herausgebildet10. In Deutschland wurde der Begriff publizistisch erstmals im Jahr 1995 von Achim Westebbe und David Logan verwendet. Laut der Definition des deutschbritischen Autorenteams umfasst Corporate Citizenship […] das gesamte koordinierte, einer einheitlichen Strategie folgende undüber die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Engagement eines Unternehmens zur Lösung gesellschaftlicher Probleme. Hierbei sollen alle Arten von Ressourcen des Unternehmens unter besonderer Berücksichtigung seiner spezifischen Kompetenzen genutzt werden. Wesentliches Element von Corporate Citizenship ist die bewu ß te und gezielte Kommunikation des gesellschaftlichen Engagements gegenüber möglichst vielen Zielgruppen. “ (Westebbe/Logan 1995, S.17)

Dementsprechend sollte das Engagement einer Strategie folgen und an den Kerninteressen des Unternehmens ausgerichtet sein, bzw. eine Relation zur Geschäftstätigkeit aufweisen. Seit der Publikation von Westebbe/Logan wurde diese Definition in der deutschen Diskussion von verschiedenen Autoren aufgegriffen und einzelne Aspekte, je nach Auffassung, unterschiedlich stark betont oder um zusätzliche Elemente ergänzt. So heben viele Autoren in ihren Definitionen zusätzlich das Nutzenargument und den damit verbundenen „Win-Win“-Aspekt für alle an den Corporate Citizenship-Aktivitäten beteiligten Akteure hervor, um die Abgrenzung zur als rein altruistisch geltenden Philantrophie zu betonen (vgl. Barth 2007, S.15). Vor allem André Habisch gilt als ein starker Vertreter des Nutzenarguments von Corporate Citizenship:

"Die Diskussion hat klar gemacht, dass gesellschaftliches Engagement kein Widerspruch zum unternehmerischen Gewinnstreben sein darf, sondern im "Windschatten der Anreize" (K. Homann) erfolgen muss." (Interview mit André Habisch in: o.A. 2004, S.3)

Während bei Westebbe/Logan ‚ alle Arten von Ressourcen des Unternehmens unter besonderer Berücksichtigung seiner Kompetenzen ’ für die Durchführung des bürgerschaftlichen Engagements genutzt werden können, werden einige Autoren in diesem Punkt konkreter und nennen spezifische Instrumente11. So bezeichnen etwa Loew et al. Corporate Citizenship

[…] als dasüber die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Engagement des Unternehmens zur Lösung sozialer Probleme im lokalen Umfeld des Unternehmens und seiner Standorte. Corporate Citizenship umfasst Spenden und Sponsoring […] , die Gründung von gemeinnützigen Unternehmensstiftungen […] und ein Engagement für soziale Zwecke unter direktem Einbezug der Mitarbeiter […] . Zu Corporate Citizenship zählen sowohl uneigennützige Aktivitäten sowie Aktivitäten mit einem wirtschaftlichen Eigennutz. “ (Loew et al. 2004, S.54, Hervorhebungen durch d. Verf.)

Ferner wird in der obigen Definition auch der lokale Bezug des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen deutlich, welches sich im unmittelbaren Umfeld der Standorte abspielt. Auch Habisch nennt konkrete Instrumente und erwähnt darüber hinaus außerdem die Kooperation mit externen Partnern als ein weiteres Merkmal des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen:

„ Als unternehmerisches Bürgerengagement (Corporate Citizenship) bezeichnet man Aktivitäten, mit deren Hilfe Unternehmen selbst in ihr gesellschaftliches Umfeld investieren und ordnungspolitische Mitverantwortungübernehmen. Sie helfen mit, Strukturen bereichsübergreifender Zusammenarbeit und Soziales Kapital aufzubauen, um zusammen mit Partnern aus anderen gesellschaftlichen Bereichen (Bildungs-, Sozial- und Kultureinrichtungen) konkrete Probleme ihres Gemeinwesens zu lösen. In diesen Prozess bringen sie nicht nur Geld, sondern alle ihre Ressourcen - also Mitarbeiterengagement, fachliches Know-how und Organisationskompetenz, Informationen etc. - ein. “ (Habisch 2003, S.58, Hervorhebungen durch d. Verf.)

Hieraus wird bereits deutlich, dass sich die verschiedenen Auslegungen teilweise überschneiden oder ergänzen. Zusammenfassend können jedoch bestimmte Merkmale von Corporate Citizenship-Aktivitäten genannt werden, die als Grundlage dieser Arbeit dienen sollen:

- Einbindung in die Unternehmensstrategie
- Relation zur Geschäftstätigkeit, bzw. Ausrichtung an den Kerninteressen
- „Win-Win“-Charakter für alle beteiligten Akteure
- Gemeinwohlorientierung zur Linderung gesellschaftlicher Probleme
- freiwillige Durchführung, die über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgeht
- Kooperationscharakter: Durchführung in Zusammenarbeit mit externen Partnern - Verankerung am lokalen Unternehmensumfeld und seiner Standorte - Einsatz von Unternehmensressourcen unter Nutzung der spezifischen Unternehmenskompetenzen

Wie oben bereits erwähnt existiert neben dem Begriff Corporate Citizenship ein weites Feld an weiteren Begrifflichkeiten und Konzepten die sich ebenfalls mit der Thematik um die Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft befassen12. Über deren Abgrenzung voneinander herrscht jedoch nach wie vor große Uneinigkeit (vgl. Backhaus-Maul 2008, S.14f.). In der Fachliteratur wird Corporate Citizenship häufig in einem Zuge mit Corporate Social Responsibility genannt. Das Verhältnis der beiden Begrifflichkeiten Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility wird im nächsten Kapitel erläutert.

2.1.1 Abgrenzung zwischen Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility

Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) ist älter als der Terminus Corporate Citizenship und wurde bereits in den 1950er Jahren in den USA im Zuge der Debatte um die Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft eingeführt (vgl. Loew et al. 2004 S.19ff.). Das CSR-Konzept ist auf den drei Säulen Ökonomie, Umwelt und Soziales13 aufgebaut und setzt sich mit der Verantwortung von Unternehmen in diesen drei Bereichen auseinander. Zudem ist es eng mit dem übergeordneten Gedanken der nachhaltigen Entwicklung14 auf gesamtwirtschaftlicher Ebene verbunden:

„ Mit der Selbstverpflichtung im Sinne von Corporate Social Responsibility formulieren die Unternehmen einen sehr weitgehenden Anspruch, der das wirtschaftliche Handeln von der Gewinnung und Produktion […] bis zur Konsumption […] bestimmt. CSR bezieht sich auf die Bereiche Umwelt und „ fairer Handel “ sowie die Einhaltung sozialer Standards […] . Das CSR-

Konzept beruht auf der Vorstellung einer nachhaltigen sozialen,ökonomischen undökologischen Entwicklung und eines schonenden Umgangs mit Ressourcen, so dass ein faires Miteinander […] möglich ist und zugleich die Lebensbedingungen zukünftiger Generationen erhalten bleiben. Zielsetzung ist ein nachhaltiges Wirtschaften. “ (Enquete-Kommission 2002, S.220)

CSR ist dieser Definition zufolge sehr weit gefasst und bezieht sich auf die Übernahme der Verantwortung für die Auswirkungen des gesamten unternehmerischen Handelns ( […] von der Gewinnung und Produktion bis zur Konsumption […] ebd.). Dazu gehört z.B. die Durchsetzung der Einhaltung der Menschenrechte oder von Umwelt- und Sozialstandards seitens der Unternehmen (vgl. Gadzdar/Kirchhoff 2004, S.81; Backhaus-Maul 2006, S.33). In der wissenschaftlichen Literatur besteht eine Uneinigkeit in Bezug auf die Abgrenzung zwischen Corporate Citizenship und CSR. Je nach Auslegungsform werden die Konzepte in ihrem Zuordnungsverhältnis als einander über-, gleich- oder untergeordnet betrachtet. Dabei setzen vorwiegend aus der internationalen Literatur stammende Autoren Corporate Citizenship mit CSR gleich (vgl. Heuberger et al. o.J., S.3, Crane et al. 2008, S.29f.). So bezeichnen auch Andriof/McIntosh Corporate Citizenship als […] synonymous with the concept of ‚ corporate societal responsibility ’ […] (Andriof/McIntosh 2001, S.14f.).

Wood/Logsdon dagegen vertreten die Meinung, dass der Corporate Citizenship-Begriff den CSR-Terminus ‘überholt’ hat und sehen obendrein das […] concept of corporate social responsibility […] being replaced by the term ‚ corporate citizenship ’ . “ (Wood/Logsdon 2001, S.83).

Andere gehen wiederum davon aus, dass Corporate Citizenship dem CSR-Konzept untergeordnet ist (vgl. Abb.1). Diese Auffassung ist vor allem unter deutschen Autoren verbreitet (vgl. Schrader 2003, S.65). Dieser Meinung schließt sich auch die Enquete- Kommission an:

Corporate Social Responsibility kann als dieübergeordnete Idee bezeichnet werden. Sie bildet das Dach, dem sich Corporate Citizenship und dessen konkrete Ausprägung in Form von bürgerschaftlichem Engagement zuordnen lassen. “ (Enquete-Kommission 2002, S.220)

Die deutsche Bundesregierung beschreibt in ihrem ‚Wegweiser Nachhaltigkeit’ aus dem Jahr 2005 Corporate Citizenship ebenfalls als einen „ Teilaspekt von CSR “ (vgl. Die Bundesregierung 2005, S.127). Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass in Deutschland mit dem Corporate Citizenship-Konzept andere Aspekte verbunden werden als in der internationalen Literatur. Corporate Citizenship wird zwar in den groben Kontext der Unternehmensverantwortung im Sinne von CSR eingepasst, deckt hauptsächlich jedoch „ das externe gesellschaftsbezogene Engagement eines Unternehmens ab. […] CSR kann dementsprechend als eineübergeordnete Idee […] verstanden werden, während Corporate Citizenship ein Instrument ist, welches sich mehr auf das lokale wirtschaftliche Handeln bezieht und im globalen Kontext der CSR dem allgemeinen Ziel der nachhaltigen Entwicklung zuzuordnen ist. “ (vgl. Kirchhoff 2006 S.16f.). Auch für diese Arbeit soll Corporate Citizenship vor diesem Hintergrund dem CSR-Konzept als untergeordnet gelten15.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Verhältnis zwischen Corporate Citizenship, CSR und Nachhaltiger Entwicklung. Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Loew et al. 2004, S.72

Nachdem die Bedeutung von Corporate Citizenship geklärt und eine Abgrenzung zum CSR-Begriff stattgefunden hat, soll nun ein Blick auf die historische Entwicklung und Verbreitung des Corporate Citizenship-Konzeptes in den USA und Europa geworfen werden.

2.2 Die Entwicklung von Corporate Citizenship in den USA und Europa

Die strategische Förderung bürgerschaftlichen unternehmerischen Engagements im Sinne von Corporate Citizenship begann in den USA Anfang der 1980er Jahre. Zu dieser Zeit wandelte sich das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen und entwickelte sich von vormals reinen Spendenaktivitäten hin zu tätigkeitsbezogenen Aktivitäten wie etwa die Einbindung von eigenen Mitarbeitern in das Engagement (vgl. Backhaus-Maul 2003, S.92). Diese Erweiterung der ursprünglichen Ansätze unternehmerischen Engagements steht in einem engen Verhältnis mit der in den 1980er Jahren in den USA stattfindenden Umbruchsituation in Politik und Wirtschaft, welche tief greifende Veränderungen zur Folge hatte. Die USA litten während dieser Zeit unter dem Verlust ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit und konnten sich nur noch durch den großen Binnenmarkt behaupten (vgl. Backhaus-Maul 2008a, S.488f.). Das mangelhafte Bildungssystem, die hohe Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängende Verarmung ganzer Stadtteile bedeutete für die US-amerikanischen Unternehmen eine Zäsur, welche sich in Form von wegbrechenden Absatzmärkten und einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften aufgrund des schlechten Bildungsstandards manifestierte. Diese Auswirkungen waren unter anderem zurückzuführen auf eine verringerte Staatsaktivität in diesen Bereichen im Zuge der Reaganomics16 und auf die Konzentration der Unternehmen auf die Steigerung des Shareholder-Value durch kurzfristige Profitmaximierung (vgl. Schrader 2003, S.37, Habisch 2003, S.42 ff.). Hinzu kam, dass, bedingt durch die traditionell zurückhaltende Rolle des Staates, nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung standen, um die bestehenden Defizite in Sozial- und Bildungspolitik von staatlicher Seite aus zu beheben.

In diesem Zusammenhang begann zu diesem Zeitpunkt die Diskussion darüber, welche Rolle Unternehmen bei der Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme einnehmen sollten. Dabei wurde nicht zuletzt auch auf die Eigeninteressen der Unternehmen an einer stabilen sozialen Infrastruktur und einem qualifizierten Bildungssystem verwiesen (vgl. Backhaus-Maul 2008a, S.489). In der darauf folgenden Zeit nahm das bürgerschaftliche unternehmerische Engagement zu, wobei der Schwerpunkt zunächst im Bildungsbereich, vor allem in der Unterstützung unterfinanzierter staatlicher Schulen, lag (vgl. Schrader 2003, S.37). Die Möglichkeit, bis zu fünf Prozent ihres Vorsteuergewinns für gemeinnützige Zwecke17 verwenden zu können, bedeutete einen weiteren Ansporn für US-Unternehmen, ihre Ausgaben für gesellschaftliches Engagement stetig zu erhöhen (vgl. Gazdar/Kirchhoff 2004, S.83). Zusätzlich wurden institutionelle Anreize in Form von Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Bürgergruppen seitens der Regierung geschaffen. Die Entstehung von Bürgerinitiativen und professionellen Agenturen für die Vermittlung zwischen Unternehmen und Non- Governmental Organisations (NGOs)18 wie bspw. Chicago Cares oder Greater DC Cares setzt sich während dieser Zeit fort (vgl. Habisch 2003, S.43ff.; Crane et al. 2008, S.25f.).

Insbesondere in den letzten beiden Jahrzehnten hat sich Corporate Citizenship in den USA stark verbreitet, so dass sich heute ein sehr hoher Grad an Professionalität bezüglich Corporate Citizenship-Aktivitäten beobachten lässt und die USA als weltweiter Vorreiter bezeichnet werden können (vgl. Crane et al. 2008, S.25f.; Lang/Solms Nebelung o.J., S.9ff.). Die Zeitschrift Corporate Responsibility Officer (CRO) hat dieses Jahr zum zehnten Mal das renommierte jährlich erscheinende Unternehmensranking der 100 Best Corporate Citizens erstellt19. Dort wurden der Pharmahersteller Bristol Myers-Sqibb auf dem ersten Platz und General Mills, IBM und Merck & Co auf den darauf folgenden Plätzen für ihr vorbildliches bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet20. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zeigt sich vor allem das im Jahr 1985 gegründete und weltweit anerkannte Boston College Center for Corporate Citizenship (BCCC) als besonders aktiv in der Erforschung der Corporate Citizenship-Thematik21.

In Europa trifft bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen auf ganz andere Rahmenbedingungen und steht einer grundlegend anderen Tradition gegenüber als in den USA. Denn „ Die Herausbildung nationaler Sozialstaaten sowie von Demokratie und Rechtsstaat in Europa haben sozial, arbeits- und umweltrechtliche Standards in die betrieblichen Wirtschaftsprozesse und -strukturen implementiert. “ (Backhaus-Maul et al. 2008, S.19). Dieses ist mitunter ein Grund, weshalb sich die Diskussion um das Corporate Citizenship-Konzept hier auch mit zeitlicher Verzögerung und mit verschiedenen nationalstaatlichen Auffassungen und Ausprägungen verbreitete (vgl. Enquete-Kommission 2002, S.223). Die wissenschaftliche Diskussion um Corporate Citizenship, als auch dessen Umsetzung in der Praxis, ist dabei in den westlichen europäischen Ländern deutlich weiter vorangeschritten als in den östlichen Ländern Europas. Nach Korfmacher/Roberts weist die Entwicklung bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen in Europa außerdem „ sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht auf ein Nord-Süd-Gefälle hin “ (Korfmacher/Roberts 2003, S.133).

Die ähnliche wirtschaftliche und politische Situation und vor allem die kulturelle Ähnlichkeit Großbritanniens mit den USA machen es nachvollziehbar, dass die Diskussion sich von hier aus weiter über Europa verbreitete (vgl. Habisch 2003, S.46; Windsor 2001, S.44). Mit der Gründung zahlreicher Initiativen und Netzwerke bereits in den frühen 1980er Jahren nimmt Großbritannien bezüglich bürgerschaftlichen unternehmerischen Engagements in Europa deshalb eine Vorreiterrolle ein (vgl. Korfmacher/Roberts 2003, S.134)22. In Kontinentaleuropa wird vor allem in den Niederlanden seit der schweren Wirtschafts- und Sozialstaatskrise in den 1980er Jahren verstärkt über bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen diskutiert. Während sozialstaatliche Leistungen zurückgefahren wurden, wurden gleichzeitig eine Reihe von Förderinitiativen zur Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen ins Leben gerufen (vgl. Enquete-Kommission 2002, S.223). Besonders die Schaffung unterstützender Rahmenbedingungen und die eigenständige Förderpolitik von Kommunen soll sowohl Unternehmen, als auch Zivilbürger in ihrem Engagement stärken (vgl. Korfmacher/Roberts 2003, S.136f.). Auch in Dänemark konnten sich dank der starken Unterstützung der dänischen Regierung mit der Zeit wichtige Netzwerke und Forschungseinrichtungen entwickeln. Das in den 1990er Jahren vom Sozial- ministerium gegründete Copenhagen Centre hat sich mittlerweile als Knotenpunkt der europäischen Corporate Citizenship-Forschung etabliert (vgl. Habisch 2003, S.47f.; Korfmacher/Roberts 2003, S.135f.).

Die Corporate Citizenship-Diskussion in Spanien, Frankreich und Italien dagegen zeigt sich jedoch deutlich zurückhaltender. Engagement in Form von Spenden und Sponsoring sind zwar auch hier weit verbreitet, von einer Integration in die Unternehmensstrategie kann jedoch kaum gesprochen werden. Dabei spielen die ablehnende Haltung gegenüber dem Konzept seitens der Unternehmen, als auch die starken Vorbehalte der Non-Profit-Organisationen (NPOs)23 gegenüber Wirtschafts- unternehmen eine entscheidende Rolle, wodurch die Durchsetzung des Konzeptes nach wie vor erschwert wird (vgl. Korfmacher/Roberts 2003, S.137ff.). Dies trifft teilweise auch auf die Situation in Deutschland zu24. Korfmacher/Roberts beschreiben im Jahr 2003 das Corporate Citizenship-Konzept in den osteuropäischen Ländern als teilweise noch gänzlich unbekannt (vgl. Korfmacher/Roberts 2003, S.140f.). Krizek hingegen kann einige Jahre später, zumindest für Tschechien, jedoch ein wachsende Aufmerksamkeit in der tschechischen Fachöffentlichkeit konstatieren (vgl. Krizek 2008, S.501 ff.).

Auch wenn deutlich wird, dass klare nationalstaatliche Unterschiede und Schwerpunktsetzungen im Umgang mit der Corporate Citizenship-Thematik zu erkennen sind, beruht die generelle Entscheidung der Unternehmen, zur Lösung von gesellschaftliche Problemen beizutragen, meist auf sehr ähnlichen Beweggründen. Diese sollen im Zuge des nächsten Kapitels näher erläutert werden.

2.3 Motive für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen

Bevor im weiteren Verlauf des zweiten Kapitels auf die konkreten Merkmale von Corporate Citizenship eingegangen wird, gilt es vorab die Frage zu klären, welche Beweggründe Unternehmen grundsätzlich zu ihrem Engagement veranlassen. Denn laut Milton Friedmans bekannten Ausspruchs - "There is one and only one social responsibility of business - to use its resources and engage in activities designed to increase its profits “ (Friedman 1970, S.122) - erschöpfe sich die Verantwortung von Unternehmen für die Gesellschaft einzig und allein in der Wahrnehmung ihrer Hauptaufgabe: in ihrer kommerziellen Tätigkeit und somit in der Bereitstellung von Arbeitsplätzen, der Zahlung von Steuern und der Versorgung des Marktes mit Waren und Dienstleistungen. Auf diese Weise trügen Unternehmen bereits wesentlich zur Lösung von Problemen und zum Wohlstand der Bevölkerung bei. Darüber hinaus besitze ein Unternehmen keine weiteren Verpflichtungen.

Im Gegensatz dazu lässt sich dennoch beobachten, dass sich, trotz dieser augenscheinlich bereits wahrgenommenen Verpflichtung, eine Vielzahl von Unternehmen darüber hinaus aktiv in der Gesellschaft engagiert. Doch welche Motive und Beweggründe stecken hinter dem Engagement? Welche Ziele verfolgen Unternehmen mit der Durchführung von gemeinwohlorientierten Aktivitäten? Westebbe/Logan identifizieren drei wesentliche Motive für das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen: das Gefühl moralischer Verantwortung, die Sicherung des eigenen Umfelds und der Wunsch nach einem positiven Image (Westebbe/Logan 1995, S.11f). Das Gefühl der moralischen Verantwortung für Bedürftige stellt für viele Unternehmen ein bedeutendes Motiv für ihr bürgerschaftliches Engagement dar (ebd.). Karikative Hilfe für Notleidende gründet meist auf einer langen gemeinnützigen Tradition des Unternehmens oder der Gründerfamilie, auf der oftmals auch das heutige Engagement basiert. In den USA etwa zeichnet der CEO Jeff Swartz des Schuhherstellers Timberland bereits in der dritten Generation der Gründerfamilie verantwortlich für sein ehrenamtliches Engagement für drogenabhängige Kinder (vgl. Gazdar/Kirchhoff 2004, S.33). Ferner ist hiermit auch die Leitidee des ‚Giving back to the community’ verknüpft, bei der das Gefühl der moralischen Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft im Vordergrund steht. Auch für 66% der im Zuge einer Studie zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen der Bertelsmannstiftung befragten deutschen Unternehmen ist die Fortschreibung der Tradition und die Verankerung in der Kultur des Unternehmens ausschlaggebendes Motiv ihres Engagements (vgl. Bertelsmann Stiftung 2005, S.13). Des Weiteren zählt der Wunsch nach einem positiven Image und einer guten Reputation laut Westebbe/Logan als weiterer Beweggrund für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen. Gemäß einer forsa-Umfrage benennen 74% der befragten deutschen Unternehmen die Verbesserung des Ansehens in der Öffentlichkeit als Motiv für ihr bürgerschaftliches Engagement (vgl. forsa 2005, S.24). Eine gute Reputation kann positive Effekte auf die unterschiedlichsten Bereiche des Unternehmens haben und bestimmt die Beziehung zu den Akteuren der Unternehmensumwelt entscheidend mit. Dadurch kann bürgerschaftliches Engagement einen maßgeblichen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation leisten.

Ein weiteres Motiv für unternehmerisches Engagement in der Gesellschaft ist laut Westebbe/Logan die Sicherung des eigenen Umfelds (vgl. Westebbe/Logan 1995, S.11). Veränderte Rahmenbedingungen (siehe Kapitel 2.4) haben auch einen Wandel des eigenen Unternehmensumfelds zur Folge und erfordern es, dass Unternehmen selbst aktiv werden. Zudem ist eine Vielzahl von Großunternehmen, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen, eng an ihre nationalen, regionalen und lokalen Betriebsstandorte und Absatzmärkte gebunden und direkt von diesen abhängig (vgl. Backhaus-Maul et al. 2008, S.26). Diese Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft drängen Unternehmen dazu, dass […] sie in ihre Gemeinschaft investieren […] , um eine funktionsfähige Grundlage ihrer eigenen Existenz sicherzustel- len. “ (Westebbe/Logan 1995, S.11). Dazu trägt demzufolge die Unterstützung von Institutionen, die essentiell für die Weiterführung der eigenen Geschäftstätigkeit sind, in Form von gemeinwohlorientierten Aktivitäten bei (vgl. Carroll 1996, S.428).

Die Motive für bürgerschaftliches Engagement werden überdies, wie oben erwähnt, von einer Veränderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der Unternehmensumwelt geprägt. Dieser Wandel ist ausschlaggebend für die neue Dynamik der Debatte um die Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft und bildet den Gegenstand des nächsten Kapitels.

2.4 Corporate Citizenship im Wandel wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen des 21. Jahrhunderts

Was macht die Debatte um gesellschaftliche Verantwortungsübernahme von Unternehmen gerade jetzt wieder so aktuell, verleiht ihr ein verstärktes öffentliches Interesse und bewirkt die gehäufte Berichterstattung in den Medien, die Gründung von Initiativen und die Beschäftigung mit der Thematik in Wissenschaft und Forschung? Die Konjunktur des Begriffs Corporate Citizenship hängt unmittelbar zusammen mit der fortschreitenden Globalisierung25: Die Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung, sowie die Rolle von Unternehmen ist unmittelbar auf die Konsequenzen der modernen Globalisierung26 zurückzuführen (vgl. Dietzfilbinger 2001, S.68; Schrader 2003, S.71; Wieland 2005, S.13). Diese Konsequenzen beziehen sich auf die Veränderungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, denen die Unternehmen weltweit ausgesetzt sind. So wird von einem zukünftigen Steuerungsverlust von Nationalstaaten ausgegangen, im Gegensatz dazu werden Unternehmen künftig eine Bedeutungszunahme erleben, was sich auch ihre Beziehung zur Gesellschaft niederschlagen wird. Diese Veränderungen werden langfristig darauf hinaus führen, dass sich das Verhältnis zwischen Staat, Gesellschaft und Wirtschaft verschieben wird und Unternehmen sich in der Zukunft mit einer neue Rollenzuweisung in diesem Gefüge auseinandersetzen werden müssen.

2.4.1 Steuerungsverlust von Nationalstaaten

Seit Anfang der 1990er Jahre vollzieht sich ein Wandel in der Bedeutung von Sozial- und Wohlsfahrtstaaten27. Dieser bezieht sich in erster Linie nicht auf den staatlichen Aufgabenbestand, sondern vor allem auf die abnehmende Steuerungsfähigkeit und Gestaltungsmacht des Staates zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme (vgl. Backhaus-Maul 2008, S.18; Schrader 2003, S.71). Bereits 1995 stellen Westebbe/Logan fest:

„ Die Leistungen des Staates […] werden zunehmend als unzureichend empfunden […] . Die weltweit entstehenden Probleme gewinnen in einem solchen Ma ß e an Komplexität, da ß der Staat allein zu ihrer Bewältigung nicht in der Lage ist. Diese Entwicklung wird dadurch verschärft, da ß die finanziellen Ressourcen des Staates nicht mit den Problemen wachsen und da ß er durch demokratische Strukturen, politische Rücksichten und verwaltungsrechtliche Vorschriften oft an flexiblem Handeln gehindert ist. “ (Westebbe/Logan 1995, S.11)

Diese Entwicklung hat sich bis heute fortgesetzt. Die öffentlichen Haushalte der meisten westlichen Industrienationen sind von einer strukturellen Finanzschwäche geprägt (vgl. Heuberger/Lang 2006, S.24, Schrader 2003, S.71). Dies läuft nicht zuletzt darauf hinaus, dass die Möglichkeiten des Staates, der Bevölkerung die sozialen Bürgerrechte, wie Bildung, Gesundheit, soziale Sicherung etc., zu garantieren deutlich eingeschränkt werden. Ferner wird auch Kritik an der momentanen Aufgabenerfüllung des Sozialstaates geäußert. Zu dieser gesellt sich eine geringe Bereitschaft von Bürgern und Wirtschaft, die Ausgaben von Steuergeldern für die Lösung gesellschaftlicher Probleme noch weiter zu erhöhen (vgl. Schrader 2003, S.71f.; Lang/Solms Nebelung o.J., S.14). Die abnehmende Bedeutung, die Nationalstaaten zugemessen wird, ist ebenfalls gekennzeichnet durch die deutlich gesunkene Fähigkeit von Staaten, das Handeln von Unternehmen im Sinne des Gemeinwohls zu beeinflussen. In Folge der Globalisierung der Weltwirtschaft sind Unternehmen weitestgehend unabhängig von ihren Produktionsstandorten geworden. So können sie die Standorte, welche ihnen die besten Produktionsbedingungen bieten, in den meisten Fällen frei auswählen und dadurch, im Falle einer Erhöhung von Steuern und Abgaben mit dem Verlassen ihres angestammten Standortes drohen. Dies wiederum bewirkt ein Gefühl der Machtlosigkeit auf Seiten der Staaten (vgl. Schrader 2003, S.72; Dietzfilbinger 2001, S.65f.). Diese Entwicklung verlangt nach neuen Lösungsvorschlägen, aber auch neuen Lösungsanbietern, um in Zukunft die Produktion öffentlicher Güter wie Bildung und Absicherung gegen Armut weiterhin sicherstellen zu können: „ Gesellschaftspolitisch geht es im Wesentlichen um nichts Geringeres als einen neuen Welfare Mix, dass hei ß t eine neue Rollenverteilung zwischen Staat, Bürgern, Non-Profit Organisationen und Unternehmen. “ (Backhaus-Maul 2006, S.35). Bedingt durch diese neue Rollenverteilung wird Unternehmen aufgrund ihrer Problemlösungskompetenz und ihrem Ressourcenreichtum vermutlich zukünftig eine besondere Stellung zukommen28:

„ Neu zu schaffende und zu institutionalisierende Partnerschaften und Netzwerkkooperationen auf kommunaler und regionaler Ebene werden hier bislang nicht genutzte Potenziale freisetzen und alternative Strukturen etablieren. “ (Heuberger/Lang 2006, S.24)

2.4.2 Bedeutungszunahme von Unternehmen

Die Bedeutungszunahme von Unternehmen geht, ebenso wie der Bedeutungsverlust von Nationalstaaten, einher mit den direkten und indirekten Auswirkungen des Globalisierungsprozesses. Durch die mit dieser Entwicklung zusammenhängenden Vereinfachung des internationalen Handels, grenzüberschreitende Aktivitäten und technologischem Fortschritt hat sich der Gestaltungsspielraum von Unternehmen stark erweitert. So können sie, wie zuvor bereits erwähnt, den Schwerpunkt ihrer Produktionsaktivitäten an den Standort verlagern, der ihnen die besten Standortbedingungen und politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen bietet. Dies beinhaltet auch die Bestimmung darüber, in welchem Staat letztendlich Steuern und Abgaben gezahlt werden (vgl. Schrader 2003, S.73). Es ist ihnen möglich, weitestgehend flexibel über ihre Expertise und ihre Ressourcen zu verfügen und diese weltweit einzusetzen, da sie im Gegensatz zu Nationalstaaten, nicht dem Territorialprinzip unterliegen (vgl. Wieland 2005, S.14). Dadurch gewinnen einige multinationale Unternehmen bereits durch ihre reine Größe an weitreichenden Handlungsmöglichkeiten und Einfluss auf Nationalstaaten und deren Einwohner. Durch Wachstum, Unternehmensaufkäufe und Fusionen ist der Umsatz einiger Organisationen bereits höher als das Bruttoinlandsprodukt vieler Entwicklungsländer und selbst Industriestaaten mittlerer Größe gestiegen. Die Einflusszunahme der Wirtschafts- unternehmen betrifft ebenfalls die direkt von diesen abhängigen Personen, einschließ- lich Beschäftigten von Zuliefererfirmen und Familienangehörigen (siehe Tab. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Die quantitative Bedeutung ausgewählter Länder und Unternehmen. Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Schrader 2003, S.74

So wird etwa die abhängige Bevölkerung des amerikanischen Unternehmens Wal Mart Stores bei 12,1 Millionen Menschen veranschlagt29. Die Einwohnerzahl von Belgien liegt im Vergleich dazu bei ca. 10 Millionen Menschen. Vor allem aber in Staaten mit einem niedrigen Bruttosozialprodukt besitzen Großunternehmen gegenüber den Regierungen über besonders viel ökonomische Macht und verfügen über eine bessere Ausstattung als die staatlichen Instanzen, die eigentlich eine Kontrollfunktion innehaben sollten (vgl. Schrader 2003, S.74; Gazdar/Kirchhoff 2002, S.2; Moon et al. 2008, S.48). Zum Anderen haben Unternehmen weltweit in den letzten Jahrzehnten von mehr sog. ‚commercial opportunities’, d.h. Geschäftsmöglichkeiten, profitieren können.

[...]


1 Unter dem Begriff ‚Bürger’ soll in dieser Arbeit die Definition von Schrader verwendet werden, welcher nach […] der Bürger als Bezeichnung für jedes vollwertige Mitglied einer politischen Gemeinschaft. “ verstanden wird (vgl. Schrader 2003, S.7). Für eine ausführliche Klärung des BürgerBegriffs und dessen historische Ursprünge siehe auch Schrader 2003, S.7-36.

2 zur Klärung des Begriffs ‚Bürgergesellschaft’ und ‚bürgerschaftliches Engagement’ siehe Kapitel 2.1 dieser Arbeit.

3 Ferner zeigen diesen Bezug u.a. die vom ‚Arbeitskreis Bürgergesellschaft und Aktivierender Staat’ der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Corporate Citizenship-Thematik veröffentlichten Beiträge.

4 Auch in dieser Arbeit sollen die beiden Begriffe ‚Corporate Citizenship’ und ‚unternehmerisches bürgerschaftliches Engagement’ synonym benutzt werden.

5 Unter dem Begriff ‚Philanthropie’ ist eine Grundeinstellung zu verstehen, welche das Gute im

Menschen in den Vordergrund stellt und dieses unterstützen will. Als Philanthropen können Menschen bezeichnet werden, die mit ihren Handlungen und Geschenken zum öffentlichen Wohl beitragen oder Institutionen unterstützen, welche zum Zweck die Förderung des Allgemeinwohls besitzen.

6 Für eine Definition von NGOs (Non-Governmental Organisations), zu Deutsch NichtRegierungsorganisationen, siehe Kapitel 2.2 dieser Arbeit.

7 eine Definition des Begriffs ‚Corporate Social Responsibility’ erfolgt in Kapitel 2.1.1 dieser Arbeit.

8 Zu den Gründen und Erscheinungsformen der Entwicklung von Corporate Citizenship in den USA siehe auch Kapitel 2.2 dieser Arbeit.

9 Der Begriff ‚Bürgergesellschaft’, häufig mit dem Terminus ‚Zivilgesellschaft’ gleichgesetzt, kann als „…Ausdruck und Summe des freiwilligen und nicht-entgeltlichen Engagements von Einzelpersonen, Verbänden, Vereinen, Bürgerinitiativen und Non-Profit Organisationen in den unterschiedlichsten sozialen, politischen und gesellschaftlich-kulturellen Handlungsfeldern beschrieben werden.“ (Andresen/Geest 2008, S.163f.). Das bürgerschaftliches Engagement umfasst dabei gemeinwohlorientierte, freiwillige, ehrenamtliche und unentgeltliche Tätigkeiten von Bürgern, welche der Verbesserung der Lebensqualität in den Gemeinwesen dienen. Das Engagement kann in unterschiedlichen Formen, wie z.B. mit Geld- und Zeitspenden, und in einer Vielzahl verschiedener Gesellschaftsbereiche stattfinden. (vgl. Enquete Kommission 2002, S.32; Geest 2008, S.164f.).

10 Die Autoren Gazdar/Kirchhoff übersetzen Corporate Citizenship mit ‚unternehmerisches Bürgertum’, Habisch schlägt ‚unternehmerisches Bürgerengagement’ als Übersetzung vor (vgl. Gatdar/Kirchhoff 2003, S.81; Habisch 2003, S.58). Die genannten Begriffe sollen in dieser Arbeit synonym zum Begriff ‚Corporate Citizenship’ gebraucht werden.

11 Die Corporate Citizenship -Instrumente werden in Kapitel 2.7. dieser Arbeit näher untersucht.

12 In diesem Zusammenhang tauchen vorwiegend Begriffe wie Corporate Sustainability, Corporate Responsibility, Sustainable Management, Corporate Governance etc. auf. Im Rahmen dieser Arbeit soll jedoch nicht näher auf diese eingegangen werden, da sie sich in ihrer Bedeutung stark überschneiden und hauptsächlich synonym mit CSR verwendet werden. (vgl. Schrader 2003, S.65; Kaiser/Schuster 2004, S.669). Eine ausführlichere Begriffsabgrenzung nimmt bspw. Weiß vor (vgl. Weiß 2002, S.129ff.).

13 Dieses wird auch ‚Triple-Bottom-Line Konzept’ genannt und geht davon aus, dass die Gesamtperformance eines Unternehmens nicht nur nach betriebswirtschaftlichen, sondern auch ökologischen und sozialen Kriterien und dem Beitrag zu wirtschaftlichem Wohlstand, Umweltqualität und Sozialkapital bewertet werden soll (vgl. EU-Grünbuch 2001, S.30).

14 Die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) definierte 1983 eine Entwicklung als nachhaltig, „ wenn sie die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können “ (zit. n. Loew et al. 2004, S.58).

15 Dabei ist eine entsprechende ganzheitliche verantwortliche Unternehmensführung im Sinne von CSR für die Durchführung von Corporate Citizenship-Aktivitäten essentiell. Das bürgerschaftliche Engagement eines Unternehmens ist ohne diese ethisch nur schwer zu begründen und kann darüber hinaus kaum glaubwürdig und langfristig erfolgreich sein (vgl. Graf Strachwitz/Reimer 2008, S.218).

16 Unter ‚Reaganomics’ wird die Wirtschaftspolitik in den Jahren der Präsidentschaft Ronald Reagans (1981-1989) in den USA verstanden. Die Reaganomics bezeichnen eine „stabilitätspolititsche Strategie, welche das Ziel verfolgt, mit Hilfe der Erhöhung des unternehmerischen Handlungsspielraums einen Wirtschaftsaufschwung und Vollbeschäftigung zu erlangen. Dies soll vor allem mit Hilfe der Senkung von Einkommens- und Kapitalsteuer, der Reduktion von Staatsausgaben und dem Abbau administrativer Investitionshemmnisse geschehen (vgl. Woll 2008, S.651).

17 Tätigkeiten dienen gemeinnützigen Zwecken, wenn diese „…aufgrund ihres wohltätigen, sozialen, kirchlichen o.ä. Charakters nicht auf die Erzielung von Gewinn, sondern auf die Erhöhung der Wohlfahrt und des Gemeinwohls gerichtet sind…“ (Schubert/Klein 2006, S.117f.).

18 ‚Non-Govermental Organisations’, oder zu Deutsch ‚Nicht-Regierungsorganisationen’, sind „…Organisationen, die auf der Basis privater Initiative transnationale politische und gesellschaftliche, aber auch soziale oder ökonomische Ziele vertreten. Sie übernehmen dabei Funktionen im politischen Willensbildungsprozess: Artikulation, Aggregation sowie Implementation von Interessen.. […] NGOs engagieren sich vor allem auf den Politikfeldern Entwicklungspolitik, Menschenrechte, humanitäre Hilfe sowie Ökologie.“ (vgl. Schubert/Klein 2006, S.210).

19 Die Liste basiert auf zu 100% aus öffentlich zugänglichen Informationen. US-Unternehmen, die dem Aktienindex Russell 1000 angehören, werden in sieben Schlüsselkategorien wie Umwelt, Klimawandel, Menschenrechte, Philantrophie, Mitarbeiterbeziehungen Finanzen und Governance beurteilt und bewertet.

20 Das Ranking ‚CRO’s 100 Best Corporate Citizens 2009’ des CRO ist online abrufbar unter: http://www.thecro.com/files/CRO100BestCorporateCitizensList2009.pdf (Stand: 06.05.2010).

21 Für weitere Informationen über das BCCC wird auf deren Homepage unter www.bcccc.net verwiesen.

22 Da Großbritannien einen zentralen Untersuchungsgegenstand darstellt wird in Kapitel 4 dieser Arbeit vertieft auf die Entwicklung dort eingegangen.

23 Non-Profit-Organisationen sind Organisationen des Non-Profit-Sektors, der auch ‚Dritter Sektor’ genannt wird. Als Non-Profit -, bzw. Dritter - Sektor wird der Bereich menschlichen Handelns bezeichnet, der sich weder den hoheitlichen Aufgaben des Staates, noch der gewinnorientierten Privatwirtschaft zuschreiben lässt. Damit ist das freiwillige Engagement in Organisationsformen wie Verbänden oder Vereinen gemeint, das in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen wie Umwelt oder Kultur stattfinden kann. Charakteristisch für diese Art von Unternehmungen ist, dass sie nicht erwerbswirtschaftlich handeln, sondern ein dem allgemeinen Wohl dienendes Ziel verfolgen. Zu den Non-Profit Organisationen zählen z.B. Krankenhäuser, Museen, Naturschutzvereine oder auch Selbsthilfegruppen (vgl. Backhaus-Maul et al. 2008, S.28ff.; Graf Strachwitz 1995, S.35; Schubert/Klein 2006, S.82).

24 Auf den Stand der Diskussion um Corporate Citizenship in Deutschland wird in Kapitel 3 dieser Arbeit vertieft eingegangen.

25 Bei der Globalisierung handelt es sich um einen Begriff für einen Prozess, welcher grenzüberschreitende Aktivität umfasst und sowohl ökonomische, also auch soziale und ökologische Auswirkungen mit sich bringt. Dieser ist vor allem durch neue Technologien und die Liberalisierung und Deregulierung der Märkte geprägt. Die Organization for Economic Cooperation and Development (OECD) bezeichnet Globalisierung als einen „ Prozess, durch den Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden - dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegung von Kapital und Technologie “ (zit. nach Plate 2003, S.3).

26 Unter der ‚moderne Globalisierung’ wird die neue Welle der Globalisierung, die seit den 1980er Jahren eingetreten ist, verstanden. Auch wenn die politischen Veränderungen erst seit Ende der 1980er Jahre stattgefunden haben, haben politische Entscheidungen die bereits in den 1940er Jahren getroffen worden sind, erst zu einer Internationalisierung und dann zur Globalisierung beigetragen. Dazu gehören z.B. die Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) 1944, das General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) im Jahr 1948, welches später durch die World Trade Organization (WTO) ersetzt wurde (vgl. Dietzfilbinger 2001, S.65 und 73).

27 ausführlicher zur Entwicklung des deutschen Sozialstaatmodels vgl. auch Backhaus-Maul 2008, S.16ff.

28 Viele Unternehmen in Deutschland sind sich dessen auch bewusst, was in einer Studie der Bertelsmann Stiftung deutlich wird. So befürworten 56% der befragten Unternehmen die Aussage, dass die Verantwortung von Unternehmen mit den verringerten finanziellen Möglichkeiten des Staates gestiegen ist (vgl. Bertelsmann 2007, S.9). In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa sind 83% der befragten deutschen Unternehmen der Auffassung, dass sich der Staat besonders auf kommunaler Ebene zurückzieht und die Finanzierung von Gemeinschaftsaufgaben privaten Initiativen überlässt. Mehr als die Hälfte können mind. ein Beispiel einer gemeinwohldienenden Einrichtung oder Organisation nennen, die ohne Unterstützung von Unternehmen eingestellt werden würde (vgl. forsa 2005, S.5f.).

29 Die Kalkulation basiert auf der Berechnung, dass jeder Angestellte einen Lebenspartner und ein Kind zu versorgen hat. Außerdem wird davon ausgegangen, dass von jedem vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Arbeitsplatz zwei Angestellt in einem vor- und nachgelagerten Bereich der Wertschöpfungskette abhängig sind. Diese haben wiederum auch einen Lebenspartner und ein Kind zu versorgen (vgl. Schrader 2003, S.74).

Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
Perspektiven für Corporate Citizenship in Deutschland mit Referenz zu Ansätzen in Großbritannien
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Autor
Jahr
2010
Seiten
106
Katalognummer
V196456
ISBN (eBook)
9783656225065
ISBN (Buch)
9783656226178
Dateigröße
1136 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
perspektiven, corporate, citizenship, deutschland, referenz, ansätzen, großbritannien
Arbeit zitieren
Katharina Peindl (Autor), 2010, Perspektiven für Corporate Citizenship in Deutschland mit Referenz zu Ansätzen in Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196456

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