Eine römische Provinz: „Germania Magna“?

Römer in Germanien bis 9 n. Chr.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Römische Expansionen und Provinzen

3. Erkundung und Spähtrupps unter Drusus bis 9 v. Chr.

4. Römer in Germanien zur Zeit Tiberius bis 9 n. Chr.
4.1 Römer in Germanien
4.2 Varusschlacht und die Folgen für die römische Expansion in Germanien

5. Schlussbetrachtung und Ausblick

6. Quellenverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichte der Antike in Europa lässt sich auf zwei Kulturen aufteilen, zwischen wel- chen zunächst scheinbar keine offensichtliche Verbindung besteht, diese jedoch im Laufe der Zeit immer mehr zum Vorschein kommt. Während in der griechischen Antike der Hel- lenismus als Resultat des Ablebens von Alexander dem Großen im Jahr 323 v. Chr. expan- dierte1, befand sich das römische Reich im Zeitalter der Republik, welches sich bereits zum Großreich ausdehnte. Mit dessen Expansion in Folge der punischen Kriege gelang es den Römern, Großteile des Mittelmeerraumes einzunehmen.2 Nach der Ermordung Cäsars 44 v. Chr. entbrannten in vielen Teilen des Reiches Bürgerkriege, welche mitunter in Schlachten zum Ausdruck kamen. Diese Ära des Hellenismus fand schließlich ihr Ende in der Schlacht bei Aktion, in der Augustus das Ptolemäerreich in das der Römer einglieder- te.3 Diese Zeit zeichnet sich nicht nur durch den Untergang des hellenistischen Reiches in Griechenland aus, sondern nahezu zeitgleich vollzieht das römische Reich den Wandeln von der Republik zur Monarchie.4 Unter Augustus, welcher die Kaiserzeit einläutet, wurde die Ausbreitung des Imperium Romanum weiter vorangetrieben. Es entstanden eine Viel- zahl neuer Provinzen, wobei jedoch im Rahmen dieser Hausarbeit nur auf eine genauer eingegangen werden soll. Das Einrichten von Provinzen im Imperium Romanum ist ein in der Forschung viel behandeltes und diskutiertes Themengebiet. Doch zu kaum einer Pro- vinzeinrichtung ranken sich so viele Mythen wie die der Provinz „Germania magna“.

Diese Hausarbeit soll die Fragestellung erörtern, ob es seitens der Römer ein Vorhaben gegeben haben könnte, eine Provinz in Germanien einzurichten. Wie sind die römischen Truppen bei einer möglichen Provinzeinrichtung vorgegangen? Hatte das römische Reich vor, eine Provinz auf germanischem Boden zu errichten?

Die verwendete Forschungsliteratur bezieht sich im Schwerpunkt auf die ersten Feldzüge unter Drusus und Tiberius sowie auf die Ursachen der Varusschlacht, da in Folge dieser das Vorhaben einer römischen Expansion in Germanien weitestgehend eingestellt wurde. Es wird nicht explizit auf Schlachten zwischen 4 n. Chr. bis 9 n. Chr. sowie auf den Ver- lauf der Varusschlacht eingegangen, da dies diese Hausarbeit zu umfangreich gestalten würde.

Um die Frage einer Provinzeinrichtung sachgerecht erörtern zu können, bietet sich diesbe- züglich die Forschungsliteraturreihe „2000 Jahre Varusschlacht- Imperium/- Konflikt/- Mythos“, welche zum 2000. Jubiläum der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 2009 veröffentlicht wurde, an. Um die Sinnhaftigkeit der Feldzüge unter Drusus und Tiberius nachvollziehen zu können, bildet die Sammlung antiker Quellen über die Beziehungen zwischen Germanen und Römer hierfür die Grundlage.

Den Vormarsch der Römer in Germanien darf man nicht als „kurzfristiges“ Unternehmen betrachten. Es wurden vorab unzählige Spähtrupps durchgeführt. Daher wird zunächst auf die Erkundungstrupps unter Drusus bis 9 v. Chr. Bezug genommen, um die Schwierigkeit römischer Truppen in Germanien darzustellen. Im Anschluss wird der Schwerpunkt der Hausarbeit mit Tiberius und seinen Feldzügen auf germanischem Gebiet bis 9 n. Chr. ge- legt. In diesem Zusammenhang soll ebenso auf die Römer in Germanien und ihre geogra- phischen Vorstellungen eingegangen werden. Anschließend wird die Varusschlacht und deren Folgen für die römische Expansion in Germanien dargestellt. Abschließend sollte es möglich sein, die Frage nach einer möglichen Provinzeinrichtung in Germanien zu klären. Bevor jedoch direkt auf Drusus und seine ersten Vormärsche östlich des Rheins eingegan- gen werden kann, müssen die Zielsetzungen der Römer in Provinzen, vor allem in der spätaugusteischen Zeit, geklärt werden.

2. Römische Expansionen und Provinzen

Das Einrichten von Provinzen und die damit einhergehende Ausweitung des römischen Reiches stellt keineswegs eine Besonderheit dar. Wie in nahezu jeder militärischen Ausei- nandersetzung ist die jeweilige Partei daran interessiert, die Fronten bzw. die Staatsgrenzen zu sichern. Dies konnte u.a. garantiert werden indem entweder das Reich so sehr ausge- dehnt wurde, bis keine unmittelbare Gefahr von Antagonisten ausgehen konnte, oder die Reichsgrenzen an friedliche oder gar befreundete Staaten angrenzte. Dies lässt sich Sinn- gemäß auf die Ausweitung des römischen Reiches übertragen. Es sollte verhindert werden, „[…] dass von den ehemaligen Gegnern Gefahr für die eigene Herrschaft ausging.“5 Auf die Frage, ob dies nicht auch ohne Waffengewalt gelungen wäre, gibt der Historiker Cor- nelius Tacitus in seinem Werk Historiae6 prägnante und eindeutige Antworten. Er schreibt, dass die Waffenmacht unerlässlich sei, um den Frieden zu sichern. Um die Notwendigkeit der Waffengewalt zu verdeutlichen, stellt Tacitus eine Art Gleichnis auf, in dem er die Forderungen, welche der Sieger an den Besiegten stellt, rechtfertigt: „Denn die Ruhe unter den Völkern ist nicht ohne Waffenmacht zu haben, die Waffenmacht nicht ohne Soldzah- lungen, Soldzahlungen nicht ohne Tribute.“7 Dies zeigt das Interesse des römischen Rei- ches als eines politischer Natur. Die Sicherung der Grenzen, u.a. durch Gebietsausweitun- gen, sollte als Garantie für den Machterhalt des Kaisers und somit des Reiches dienen. Diese Politik wies große Erfolge und Zuspruch innerhalb der Provinzen auf. Der „Erfolg“ des römischen Reiches über die Gesamtheit seines Bestehens kann u.a. an zwei Charakte- ristika festgehalten werden. Zum einen waren die Staatsgrenzen nicht „starr“ veranlagt, sodass eine Ausweitung des Gebietes vergleichsweise stark erleichtert wurde. Des Weite- ren stellte das römische Reich keinen auf Eroberung ausgelegten Staat dar.8 Es sollte ledig- lich der Frieden an den Grenzen gesichert werden. Abweichend von dieser Politik gestalte- te sich jene an den Grenzen zu Germanien.

Augustus9 strebte, auf Grund der taktisch günstigen Lage zu Germanien, die Ausdehnung seines Reiches in Mitteleuropa an.

Da eine Vielzahl an Staatsgrenzen gesichert war, galt es nun Ordnung an den Übergängen zu Germanien zu schaffen. Es war die Aufgabe der Stiefsöhne Drusus und Tiberius, diese Vorhaben in die Tat umzusetzen. Zunächst sollte Drusus die Eroberung des Alpenraumes vorantreiben. In Folge erbitterter Kämpfe gegen einheimische Alpenstämme wie u.a. die Venostes, Breuni oder die Licates, gelang es ihm mit seinen Legionen (XIII. und XXI.) das Gebiet um die Alpen herum einzunehmen und zu sichern.10 Bereits Drusus baute die Straße durch die Alpen, welche uns heute als „Brennerpass“ bekannt ist, aus, um eine Befestigung seiner Anlagen nördlich der Berge voranzutreiben. Neben dem Ausbau dieser, entstand in der Nähe des bereits eingerichteten Legionslagers Oberhausen, „[…] das Forum Augusta Vindelicum […]“11 und somit in Folge die Provinz Raetia. Nun hatte Augustus sämtliche Gebiete um Germanien einnehmen können, sodass ihn nichts weiter an einem Einmarsch in die „Germania magna“ hindern konnte.

3. Erkundung und Spähtrupps unter Drusus bis 9 v. Chr.

Nachdem die Provinz Raetia gesichert und ausgebaut worden war, galt es nun die militä- risch wichtige Rheingrenze für einen Vormarsch römischer Truppen zu befestigen. Durch die Umsiedlung einer Vielzahl an Soldaten wurde das Westufer des Rheins zu einer der ersten „wirklichen“ Grenzen des Reiches.12 In Folge dieser massiven Festigungen wurden bis 12 v. Chr. die Militärlager „[…] Noviomagus (Nijmegen/ Nimwegen), Vetera I bei Xanten, Asciburgium (Moers- Asberg) und Mogontiacum (Mainz).“13 entlang des Rheins gegründet. Im Frühjahr 11 v. Chr. brach Drusus von Castra Vetera (nahe Xanten) über den Rhein auf, um in das dicht bewaldete Gebiet der Germanen vorzustoßen. Der Althistoriker Karl Christ beschreibt das Gebiet der Germanen als eines, auf Grund der klimatischen Verhältnisse (kurze Winter, lange Sommer), dicht bewachsenes und nur schwer zu durch- querendes Land.14 Nicht nur der aufreibende Marsch machte den römischen Vorstoß lang- sam, sondern auch die Ungewissheit der Römer, wie das Landesinnere von Germanien aussehen würde. Die Frage, ob die Römer Vorstellungen vom Gebiet östlich des Rheins besaßen, wird unter Historikern kontrovers diskutiert. Jedoch verhärten sich die Vermu- tungen, dass Drusus und seine Legionen nur wenige Kenntnisse vom rechtsrheinischen Gelände hatten.15 Dementsprechend konnte der Vormarsch nur beschwerlich vorangetrie- ben werden. Der antike Historiker Cassius Dio fasst die ersten Vormärsche des Drusus wie folgt zusammen: „Bei Beginn des Frühlings zog er […] in den Krieg; er überquerte den Rhein[,] […] unterwarf die Usipeter, überbrückte die Lippe, fiel in das Land der Sugambrer ein und rückte […] bis zur Weser vor.“16 Jedoch war es nicht die Weser, wel- che die Römer ins Auge gefasst hatten. Sie strebten den Fluss, welche quer durch Germa- nien verlief, an. Jedoch gelang es Drusus nicht, die Weser zu überqueren. Nach Cassius Dio ist es eine römische Errungenschaft, als Entdecker an einen unbekannten Fluss vorzu- stoßen. Noch ruhmreicher wäre Drusus geworden, hätte er diesen überquert.17

Dio schreibt, dass der Feldherr die Weser überschritten hätte, wenn er zum einen genug Lebensmittel gehabt hätte und zum anderen der Winter nicht immer näher gerückt wäre.

[...]


1 Humm, Michel: Epochen der Antike- Die Hellenisierung der Mittelmeerwelt, in: Oldenbourg Lehr- buch Geschichte, München 2010, S. 45.

2 Deißmann, Marieluise u. Wirbelauer, Eckhard (Hrsg.): Epochen der Antike- Die Mittelmeerwelt im Imperium Romanum, in: Oldenbourg Lehrbuch Geschichte, München 2010, S. 67.

3 Humm, Michel: Epochen der Antike, in: Oldenbourg Lehrbuch Geschichte, München 2010, S. 49.

4 Deißmann, Marieluise u. Wirbelauer, Eckhard (Hrsg.): Oldenbourg Lehrbuch Geschichte, München 2010, S. 70.

5 Deißmann, Marieluise u. Wirbelauer, Eckhard (Hrsg.): Oldenbourg Lehrbuch Geschichte, München 2010, S. 76.

6 Tac. hist.: Historiae 4, 74, 1, vgl. Deißmann, Marieluise u. Wirbelauer, Eckhard (Hrsg.): Epochen der Antike- Die Mittelmeerwelt im Imperium Romanum, in: Oldenbourg Lehrbuch Geschichte, München 2010, S. 76.

7 Deißmann, Marieluise u. Wirbelauer, Eckhard (Hrsg.): Oldenbourg Lehrbuch Geschichte, München 2010, S. 76.

8 Ebd., S. 83.

9 Augustus (23.11.63 v. Chr. - 19.08.14 n. Chr.) führte als erster römischer Kaiser das römische Reich an die Spitze seiner Macht. Er starb im Alter von 76 Jahren und war 57Jahr ununterbrochen an der Spitze des römischen Staates; davon 45 Jahr als Alleinherrscher. vgl. Sonntag, Marcus: Von Octa- vian zu Augustus- Der Aufstieg des Gaius Octavian und die Begründung des Prinzipats, München 2005.

10 Christ, Karl (Hrsg.): Drusus und Germanicus- Der Eintritt der Römer in Germanien, Paderborn 1956, S. 20.

11 Vgl., Ebd., S. 21: Abb. 1. Die Alpenstämme zur Zeit des Drusus. Ebd., S. 24.

12 Johne, Klaus- Peter (Hrsg.): Die Römer an der Elbe, Berlin 2006, S. 84.

13 Ebd.

14 Christ, Karl (Hrsg.): Drusus und Germanicus, Paderborn 1956, S. 40. Vgl. Ebd., S. 41.: Abb. 2. Das Lippetal.

15 Johne, Klaus- Peter (Hrsg.): Die Römer an der Elbe, Berlin 2006, S. 87.

16 Cass. Dio: 54, 33, 1.

17 Johne, Klaus- Peter (Hrsg.): Die Römer an der Elbe, Berlin 2006, S. 93.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Eine römische Provinz: „Germania Magna“?
Untertitel
Römer in Germanien bis 9 n. Chr.
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V196512
ISBN (eBook)
9783656224808
ISBN (Buch)
9783656226017
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Imperium Romanum, Augustus, Tiberius, Drusus, Germanien, Germania, Provinz Germania Magna, Germania Magna, Varus, Varusschlacht, Schlacht im Teutoburger Wald, römische Provinzeinrichtung
Arbeit zitieren
Falk Köhler (Autor), 2012, Eine römische Provinz: „Germania Magna“?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196512

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