Erneuerbare Energien im Unternehmen

Bestandteil einer nachhaltigen Unternehmensausrichtung


Bachelorarbeit, 2012
71 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abkürzungen und Akronyme

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen derNachhaltigkeitsdebatte
2.1 DerNachhaltigkeitsbegriff.
2.2 Die Nachhaltigkeitsdiskussion im Wandel der Zeit
2.3 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.3.1 Ökologische Dimension
2.3.2 Soziale Dimension
2.3.3 Ökonomische Dimension
2.4 Zentrale Aspekte des Nachhaltigkeitskonzepts

3 Unternehmen und Nachhaltigkeit
3.1 Das Unternehmen im Kontext der Zeit
3.2 Gründe für unternehmerische Nachhaltigkeit
3.2.1 Ansprüche durch Stakeholder
3.2.2 Das Nachhaltigkeitskonzept als Determinante langfristig erfolgreichen Wirtschaftens
3.3 Herausforderungen unternehmerischer Nachhaltigkeit

4 Erneuerbare Energien
4.1 Energetische Grundlagen
4.2 Zur Notwendigkeit der Nutzung von erneuerbaren Energien
4.3 Nutzungsarten der erneuerbaren Energien
4.3.1 Biomasse
4.3.2 Wasserkraft
4.3.3 Windkraft
4.3.4 Solarenergie
4.3.5 Geothermie

5 Die Rolle der Unternehmen im aktuellen Energiediskurs
5.1 Erneuerbare Energien als Element der betrieblichen Nachhaltigkeitsstrategie
5.2 Anforderungen der betrieblichen Energieversorgung
5.3 Integration erneuerbarer Energien in Unternehmen
5.3.1 Energetische Zielprofile
5.3.2 Indirekte Integration über Stromanbieter
5.3.3 Direkte Integration
5.3.4 Contracting

6 Fallstudie - Empirische Untersuchung zum Stellenwert erneuerbarer Energien innerhalb der betrieblichen Nachhaltigkeitsstrategie
6.1 Methodik
6.1.1 Datenquellen
6.1.2 Deskriptive Datenauswertung
6.2 Darstellung der Ergebnisse
6.3 Diskussion der Ergebnisse

7 Schlussbetrachtung
7.1 Weitere Forschung

Anhang

Verzeichnis der Abkürzungen und Akronyme

BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Schnittbereich der drei Dimensionen

Abbildung 3.1: Anspruchsgruppen von Unternehmen

Abbildung 3.1: Entwicklungsdynamik gesellschaftlicher Forderungen an unternehmensbezogene Nachhaltigkeit in Industrieländern

Abbildung 3.2: Die vier Nachhaltigkeitsherausforderungen an Unternehmen

Abbildung 4.1: Möglichkeiten zurNutzung des regenerativen Energieangebots

Abbildung 5.1: Endenergieverbrauch nach Sektoren (2009)

Abbildung 6.1: Stellenwert erneuerbarer Energien in der betrieblichen Nachhaltigkeitsstrategie (Angaben in %)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 4.1: Primärenergie, Endenergie undNutzenergie

Tabelle 4.2: Entwicklung globaler Primärenergiebedarf, in Mio. toe

Tabelle 4.3: Leistungsdeterminanten und Standortfaktoren

Tabelle 5.1: Grad der Übereinstimmung fossiler und erneuerbarer Energien mit den energetischen Unternehmenszielen

Tabelle 5.2: Unternehmerischer Strategietyp und Energieversorgungsschema

Tabelle 6.1: Übersicht der Prüfkriterien

Tabelle 6.2: Ergebnis der empirischen Untersuchung

1 Einleitung

Nachhaltiges Planen und Wirtschaften nimmt gegenwärtig und zukünftig einen immer größer werdenden Stellenwert ein. War bis vor einigen Jahren mit dem Begriff vor allem die ökonomische Dimension gemeint, nimmt die Komplexität des nachhaltigen Wirtschaftens aktuell zu. Vor dem Hintergrund schwindender Ressourcen, einer wachsenden Weltbevölkerung und damit zwangsläufig einhergehend, zunehmender ökologischer Belastungen, besteht allgemein ein Konsens darüber, sorgsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Erneuerbare Energien von Biomasse über Geothermie bis Windkraft, können hier einen wichtigen Beitrag leisten und helfen, fossile Energieträger zu ersetzen. Damit auch nachfolgende Generationen in dem selben Maße ihre Bedürfnisse befriedigen können, wie heutige Generationen.

Sowohl im privaten als auch gewerblichem Sektor, setzen sich erneuerbare Energieträger immer mehr durch. Nach Fukushima und der von der Bundesregierung vorangetriebenen Energiewende, wird die Geschwindigkeit dabei zukünftig noch weiter zunehmen. Private Unternehmen bilden dabei einen wichtigen Akteur und sind für einen Großteil des gegenwärtigen Energieverbrauchs verantwortlich. Neben Maßnahmen zur effizienteren Energienutzung, wie sie schon vielfach umgesetzt werden, ist aber auch die Substitution von fossilen Energien Bestandteil einer nachhaltigen Energienutzung. Bei der Integration von erneuerbaren Energien müssen sich Unternehmen besonderen Herausforderungen stellen.

1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

In dieser Bachelorarbeit soll untersucht werden, wie sich der Einsatz von erneuerbaren Energien im Unternehmen gestaltet und warum im Zuge einer nachhaltigen Unternehmensausrichtung, die Substitution von fossilen Energieträgern ein konstitutives Element darstellt. Dazu werden zunächst die Grundlagen der Nachhaltigkeit geklärt und die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit theoretisch beschrieben und erläutert. Im Anschluss wird dargelegt, wie sich Nachhaltigkeit im Unternehmen gestaltet und welche besonderen betrieblichen Herausforderungen sich dabei ergeben.

Im darauf folgendem Abschnitt wird auf emeuerbare Energien eingegangen. Es werden zunächst energetische Grundlagen erläutert, um im Anschluss einen kritischen Blick auf die gegenwärtige Form der Energienutzung zu werfen. Es wird ein Überblick verschiedener Techniken erneuerbarer Energien gegeben und diese ebenfalls unter Nachhaltigkeitkriterien analysiert.

Das fünfte Kapitel spannt den Bogen und soll aufzeigen, warum Unternehmen und Gewerbe immanent wichtige Akteure der Energiedebatte darstellen. Es wird Bezug zur praktischen Anwendung genommen und die speziellen energetischen Anforderungen herausgearbeitet, die sich aus der betrieblichen Wertschöpfung ergeben. Es wird ein Vergleich zwischen einem regenerativen und einem fossilen Energieszenario vorgenommen und analysiert wie sich diese bzgl. der energetischen Unternehmensziele verhalten.

Im praktischen Teil dieser Bachelorarbeit soll analysiert werden, inwieweit erneuerbare Energien gegenwärtig bereits im Fokus unternehmerischer Nachhaltigkeit stehen. Dafür werden die 30 im DAX gelisteten Konzerne auf Zielsetzungen analysiert, die der Erhöhung des Anteils von regenerativen Energien am internen Energiemix dienen.

Folgende Forschungsfrage steht dabei im Fokus dieser Arbeit:

Welche Rolle spielen erneuerbare Energien im Zusammenhang mit unternehmerischer Nachhaltigkeit?

2 Grundlagen der Nachhaltigkeitsdebatte

2.1 Der Nachhaltigkeitsbegriff

Sowohl in der wissenschaftlichen Diskussion als auch in der betrieblichen Praxis gibt es bis heute keine eindeutige und allgemein verbindliche Definition des Begriffs „Nachhaltigkeit“, sondern es existieren in der Literatur mehr als 70 verschiedene Auslegungen (vgl. Brugger 2010 , S.13 und Mathieu 2002, S.ll). Vor allem im Zuge des kommerziellen Einsatzes, z.B. durch Marketingaktivitäten wird der Begriff inhaltlich häufig so ausgelegt, dass er zur jeweiligen Unternehmensstrategie passt. Als Ursache für die teilweise willkürliche Auslegung wird auch die Umsetzungsproblematik des englischen Begriffs „suistanable“ gesehen (vgl. Kanning 2009, S.20). Im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Nachhaltigkeitsleitbildes (Kap. 2.2), wurde der Begriff sehr unterschiedlich interpretiert. Die zentrale Leitfrage in diesem Kapitel lautet demnach:

Wie kam es zu der heutigen Nachhaltigkeitsdiskussion und was sind deren Inhalte?

2.2 Die Nachhaltigkeitsdiskussion im Wandel der Zeit

Auch wenn die Diskussion und der Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens erst vor wenigen Jahrzehnten geprägt wurden, ist der Grundgedanke und damit die inhaltliche Bedeutung schon seit einigen Jahrhunderten bekannt (vgl. Klöpffer 2009, S.383). Bereits sehr früh fand der Begriff innerhalb der deutschen Forstwirtschaft Verwendung. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, befanden sich die deutschen Wälder infolge von wirtschaftlicher Übernutzung in einem sehr schlechtem Zustand (Lehmann 2010, S.10). Infolge dieser Situation entstand die Erkenntnis, dass eine stetige Steigerung der wirtschaftlichen Leistung auf lange Sicht nicht unbegrenzt möglich ist (vgl. Klöpffer 2009, S.383). War zu diesem Zeitpunkt von Nachhaltigkeit die Rede, meinte dies, die Nutzung der Forstbestände dahingehend zu gestalten, dass diese die eigenen, natürlichen Regenerationsprozesse nicht übersteigen sollten (vgl. Langer 2011, S.9). Im Laufe der folgenden Jahrhunderte fand die Idee auch Einzug in anderen Wirtschaftszweigen, wie z.B. der Fischereibranche. Nachhaltigkeit beschränkte sich jedoch zum damaligen Zeitpunkt auf die betriebswirtschaftliche Perspektive und war bis Anfang der 1970er Jahre von einer unbeschränkten Verfügbarkeit bestehender Ressourcen geprägt (vgl. Brugger 2010, S.14).

Ein erster wichtiger Schritt von Nachhaltigkeit hin zu einer globalen Entwicklungspolitik, war die Konferenz der Vereinten Nationen 1972 in Stockholm. Dessen Resultate fielen zwar eher ernüchternd aus, jedoch führte die Veranstaltung dazu, dass das internationale Interesse bzw. Umweltgewissen geweckt wurde (vgl. Kanning 2009 S.18 ff.). Große Beachtung erhielt der ebenfalls 1972 erschienene Bericht an den CLUB OF ROME „Die Grenzen des Wachstums“ (Meadows 1972). Darin wurde erstmals mit Hilfe von mathematischen Modellen gezeigt, dass sich ein weiteres, unkontrolliertes Wirtschaftswachstum mit wachsender Weltbevölkerung und begrenzten Ressourcen, langfristig nicht trägt und zu einem globalen Kollaps führt. Vor diesem Hintergrund beschäftigten sich in den folgenden Jahren zahlreiche Wissenschaftler und Umweltverbände damit, ein neues ökonomisches Leitbild zu entwickeln, um wirtschaftliches Wachstum in Zusammenhang mit ökologischen Belastungen, Bevölkerungswachstum, Armut sowie Produktions- und Lebensstilen zu bringen (vgl. Brugger 2010, S. 14f. & Kanning 2009, S 18). Damit beinhalteten diese Überlegungen bereits die wesentlichen Kernelemente des heutigen Verständnisses des Nachhaltigkeitskonzepts. Den wichtigsten Beitrag zur aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte bewirkte aber erst der Abschlussbericht, der World Comission on Environment and Development (WCED) mit dem Titel „Our Common Future“ (auch Brundtland-Bericht gennant) von 1987 (vgl. WCED 1987). Darin wird nachhaltige Entwicklung wie folgt definiert:

„Sustainable development is development that meets the needs of present without compromising the ability of future generations to meet their own needs “ (WCED 1987, S.43)

Diese Definition, ist die am häufigsten zitierte Version der Nachhaltigkeit bzw. des sustainable Developement und beinhaltet drei essentielle Prinzipien (vgl. WCED 1987 S.43ff):

1. globale Verantwortung: Durch die enge ökonomische, ökologische und soziale Verflechtung der Staaten, macht es wenig Sinn einzelne Länder isoliert zu betrachten.
2. Inter- und intragenerative Gerechtigkeit: Die durch die Nutzung von Ressourcen generierte Lebensqualität, soll in dem Maße ökologisch verträglich sein, dass sowohl zukünftigen als auch heutigen Generationen eine angemessene Lebensweise ermöglicht werden kann.
3. Interdependenz der Umwelt- und Entwicklungspolitik: Beide Bereiche können nicht mehr länger isoliert betrachtet werden. Maßnahmen in der Umweltpolitik bewirken Veränderungen in der Entwicklungspolitik und umgekehrt.

Die Ergebnisse und Entwicklungen der teilnehmenden Akteure sollten dabei in regelmäßigen Folgekonferenzen referiert und diskutiert werden. Die im Brundtland- Bericht festgehaltenen Ergebnisse und Forderungen erweisen sich aber an einigen Stellen als widersprüchlich und inkonsistent (vgl. Siebenhüner 2001, S.79). Demnach wird z.B. für die Industrieländer ein stärkeres Wirtschaftswachstum gefordert um den Export der Entwicklungsländer zu unterstützen (vgl. WCED 1987, S.92). Parallel dazu sollen die Industrieländer aber auch ihren Ressourcenverbrauch verringern, um ökologische Belastungen zu reduzieren, obwohl diese Rohstoffe größtenteils aus den Entwicklungsländern stammen und einen großen Anteil ihrer Exportzusammensetzung ausmachen (vgl. Harborth 1991, S.67).

1992 fand der Empfehlung der Brundtland-Kommission folgend, der sogenannte „2. Erdgipfel“ der Vereinten Nationen (UN) in Rio de Janeiro statt (vgl. Burschel/Losen/Wiendl 2004, S. 22 f.). Die Konferenz wurde als Erfolg gewertet, da mehr als 170 Staaten einem globalem Aktionsprogramm mit dem Ziel einer nachhaltig ausgerichteten Entwicklungspolitik zustimmten (vgl. Brugger 2010, S.16). Die Agenda 21 umfasst 40 Kapitel und zeigt die verschiedenen Politik- und Handlungsbereiche auf. Sie greift dabei die Nachhaltigkeitsdefinition der Brundtland-Kommission auf und gilt sowohl für Industrie- wie auch Entwicklungsländer (vgl. BMU 1992). Inhalte der Vereinbarung waren z.B. die Klimakonvention sowie die Walderklärung (vgl. Kramer 2002, S.60). Darüber hinaus wurden entsprechende Zielsetzungen und Maßnahmen aufgeführt, die als Handlungsempfehlungen für die Akteure dienen sollten. Auf lokaler bzw. nationalstaatlicher Ebene sollten dabei konkrete Aktionspläne zur Umsetzung der Agenda 21 erarbeitet werden. Dieser Schritt erfolgte in den beteiligten Nationen mit sehr unterschiedlichem Tempo. Obwohl das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz (BMU) in Deutschland bereits für 1994 den ersten Entwurf einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie angekündigt hatte, kam dieser erst im Jahr 2002, kurz vor dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (in der Literatur auch häufig Rio +10- Konferenz genannt z.B. Kanning 2009, S. 19) in Johannesburg zustande (vgl. BMU 1992,S. 1 & Bundesregierung 2002, S. 22 ff.). Das Konzept enthielt zwar keine verbindlichen Vorgaben, stellt jedoch eine Zahl von Umweltindikatoren und darauf bezogene Ziele auf, anhand welcher die Entwicklungen der verschiedenen staatlichen Akteure gemessen und beurteilt werden können. Auf nationaler Ebene sollte der Rat für nachhaltige Entwicklung künftig die Bundesregierung mit Handlungsempfehlungen und der Umsetzung nachhaltiger Projekte unterstützen (vgl. Kanning 2009,S.19). Die ersten gesammelten Erfahrungen der Bundesregierung flossen auch auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg ein (vgl. Kanning 2009, S.19).

Die Erwartungen der teilnehmenden Nationen an die Konferenz waren groß. Sollte doch Bilanz gezogen und der Politik neue Impulse für eine nachhaltigere Entwicklung gegeben werden (vgl. Brugger 2010, S.16). Die Ergebnisse des Zusammentreffens wurdenjedoch vor allem von NGO's als Enttäuschung gewertet, da es bei dem von 191 Staaten ratifizierten Aktionsplan „Johannesburg Plan of Implementation“ an konkreten Verpflichtungen und Zusagen seitens der Regierungen fehlte (vgl. Leitschuh­Fecht/Steger 2003, S. 257). Ausschlaggebend hierfür war vor allem das Nord-Süd­Gefälle der Industrie- und Entwicklungsländer (vgl. Fiedler 2007, S.11). Dieses führte zu einer Diskrepanz bei der Gewichtung von ökologischen und sozialen Belangen und verhinderte einen weiteren Konsens der beteiligten Nationen. Während sich die entwickelten Industrienationen des Nordens mit ökologischen Herausforderungen konfrontiert sahen, hatten die Entwicklungsländer im Süden vor allem mit sozialen Problemen zu kämpfen (vgl. Brugger 2010,S.16 ff.).

2.3 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Wie in Kapitel 2.2 gezeigt wurde, hat sich das Verständnis von Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit verändert und das Thema hat an Komplexität zugenommen. In der heutigen Diskussion wird Nachhaltigkeit als ein Konzept aufgefasst, worunter die integrale Behandlung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Inhalten verstanden wird (vgl. Siebenhüner 2001, S.77).

2.3.1 Ökologische Dimension

Die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit befasst sich mit den Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S. 50). Vor dem Hintergrund des extremen Wirtschaftswachstums in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern und des globalen Bevölkerungswachstums, stößt die Tragfähigkeit des Planeten zunehmend an ihre Grenzen (vgl. Krüger et al. 2010, S. 47). Die Notwendigkeit zum Handeln ist dabei bekannt. So schreibt die Bundesregierung 1997 in ihrem Bericht „Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland“: „ ...menschliches Leben und Wirtschaften ist an einen Punkt gelangt, an dem es Gefahr läuft, sich seiner eigenen natürlichen Grundlagen zu berauben “ (BMU 1997, S.9).

Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit ist es, die ökologische Lebensqualität zu sichern und generationenübergreifend zu erhalten (vgl. Seydel 1998, S. 61 & Blank 2001, S. 375). Notwendigerweise bedeutet dies auf lange Sicht, die natürlich vorhandenen Ressourcen zu erhalten. Das ist nur möglich, wenn der Verbrauch vorhandener Rohstoffe, deren Regenerationsrate nicht übersteigt und die Emission von Schadstoffen, unterhalb der Assimilationskapazität betroffener Ökosysteme liegt (vgl. Krüger et al. 2010, S. 48).

Aus dieser Zielsetzung ergeben sich zahlreiche Handlungsfelder ökologischer Nachhaltigkeit. Im Zuge von Klimakonferenzen und Konventionen sind es aktuell vor allem Emissionen und Schadstoffe, die ins Blickfeld politischer Akteure und der Öffentlichkeit gerückt sind (vgl. Brugger 2010, S. 17). Allen voran betrifft es hierbei Luftemissionen mit Klima-wirksamen Gasen wie Kohlenstoffdioxid oder Methan, dessen Ausstoß reduziert werden soll. Emissionen tragen zur Bildung von saurem Regen, Smog und der Zerstörung der Ozonschicht bei, ebenso wie sie eine wichtige Ursache für Gewässer- und Bodenbelastungen sind (vgl. Fiedler 2007, S.19 ff.). Bei den möglichen Folgen, wie z.B. der Trinkwasserverknappung, zeigt sich wie eng ökologische und soziale Inhalte miteinander in Beziehung stehen. Weitere Themenfelder ökologischer Nachhaltigkeit sind unter anderem, der Verlust an biologischer Diversität, verursacht durch eine Reduzierung der Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen sowie Problematiken die durch Giftmüll und andere Gefahrstoffe entstehen (vgl. Fiedler 2007,S. 20 ff. & Michelsen 2005, S. 28).

2.3.2 Soziale Dimension

Im Fokus der sozialen Dimension stehen vor allem distributive Elemente bzw. Verteilungsfragen. Nach der Brundtland-Definition gilt die Herstellung von sozialer Gerechtigkeit demnach als ein konstitutives Element des Nachhaltigkeitskonzepts (vgl. Siebenhüner 2001, S.86 ff. & Blank 2001, S.376). Gerechtigkeit meint dabei die Herstellung von Chancengleichheit bzgl. gesellschaftlichem Aufstieg und individueller Verwirklichung (vgl. Brugger 2010, S.18). Im Wesentlichen bedeutet dies, die gerechte Verteilung von Gütern, die Kopfmüller als soziale Grundgüter bezeichnet. Solche Güter sind z.B. individueller Natur, wie Gesundheit, Nahrung oder Kleidung. Darüber hinaus sind aber auch soziale Normen wie z.B. gesellschaftliche Toleranz und Solidarität von großer Bedeutung (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S. 67 & Blank 2001, S. 376 ). Ein Problem der sozialen Dimension besteht darin, dass nach wie vor kein einheitlicher Konsens über die Festlegung von konkreten Leitzielen und Indikatoren besteht (vgl. Littig/Grießler 2004, S.32 f.). Einen der umfangreichsten Ansätze zur Operationalisierung hat die deutsche Enquete-Komission in den 90er Jahren erarbeitet (vgl. Brugger 2010, S.18 & Enquete-Kommission 1994). Ein zentraler Aspekt ist die Generationengerechtigkeit bzw. die inter- und intragenerative Gerechtigkeit (siehe auch Kap. 2.4). Der Ansatz der Enquete-Kommission differenziert zwischen Schutz- und Gestaltungszielen. Zielsetzungen können demnach drei Ebenen zugeordnet werden: Der Sicherung der Gesundheit, der Sicherung der sozialen Stabilität und der Sicherung der Entwicklungs- und Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft (Brugger 2010, S.19).

2.3.3 Ökonomische Dimension

In Kap. 2.2 wurde eröffnet, dass das Nachhaltigkeitskonzept ursprünglich ein betriebswirtschaftliches Konzept war und der Forstwirtschaft des Mittelalters entstammt. Zentraler Aspekt war damals wie heute, die generationsübergreifende Aufrechterhaltung des Kapitalstocks bzw. des materiellen Wohlstands (vgl. Loew et al. 2003, S.60 f. & Clausen 2002, S. 13 & Blank 2001, S. 377). Die Strategie zur Aufrechterhaltung der ökonomischen Lebensqualität besteht im Allgemeinen darin, den Fokus auf das einzelne Unternehmen zu legen und dieses zu stärken. Dieses Prinzip kann als klassisch betriebswirtschaftliches Modell aufgefasst werden. Grundgedanke ist die Theorie der „unsichtbaren Hand“ von Adam Smith (vgl. Brugger 2010, S. 19 & Fiedler 2007, S. 18). Demnach fährt die einzelwirtschaftliche Erfolgsmaximierung durch vorausschauendes Handeln des Wirtschaftssubjekts, durch die unsichtbare Hand des Marktes, zu einer optimalen Verteilung des Kapitals und zu einer Steigerung des Allgemeinwohls (vgl. Kennedy 2009, S. 240 ff. & Schönborn/Steinert 2001, S. V). Nach wie vor leben aber immer noch große Teile der Weltbevölkerung in Armut. Dies legt nahe, dass der Mechanismus der „unsichtbaren Hand“ nicht optimal funktioniert und nicht immer zu einer Steigerung des Allgemeinwohls führt. Belegt wird dies auch dadurch, dass gegenwärtig 20 Prozent der Weltbevölkerung für 80 Prozent des globalen Ressourcenverbrauchs verantwortlich sind (vgl. Stahlmann/Clausen 2000, S. 15). Im letzten Jahrhundert hat es einen Perspektivenwechsel gegeben. Das klassisch betriebswirtschaftliche Modell, weicht zunehmend einem volkswirtschaftlich, gesamtwirtschaftlich orientiertem Ansatz (vgl. Fiedler 2007, S. 19). Das Streben nach Gewinnmaximierung gilt demnach weiter als gewichtiger Faktor der Ökonomie, jedoch sollen ethisch, moralische Grenzen eingehalten und berücksichtigt werden. An Stelle des Eigeninteresses rückt die Förderung des Allgemeinwohls in den Vordergrund . Bei der Frage der Umsetzung lassen sich zwei unterschiedliche Standpunkte ausmachen. Vertreter des weak-sustainability approach, bzw. der schwachen Nachhaltigkeit vertreten die Ansicht, dass verstärktes Wirtschaftswachstum die richtige Strategie zur Erreichung von Nachhaltigkeit darstellt. Nach dieser Auffassung trägt eine erhöhte wirtschaftliche Leistung auch zu einer besseren Fähigkeit bei, ökologische und soziale Probleme zu lösen (vgl. Siebenhüner 2001, S. 79). Der Verbrauch natürlichen Kapitals kann durch künstliches, vom Menschen geschaffenes Kapital ausgeglichen werden. So können künftigen Generationen die selben Voraussetzungen wie heutigen Generationen geboten werden. Vertreter des strong-sustainability approach bzw. der starken Nachhaltigkeit betrachten das natürliche Kapital demgegenüber als nicht substituierbar (vgl. Wilderer/Schroeder/Kopp 2005 S.68).

2.4 Zentrale Aspekte des Nachhaltigkeitskonzepts

Die Nachhaltigkeitsdimensionen werden in der Literatur häufig in Verbindung mit dem drei Säulen-Modell erläutert (vgl. z.B. Kopfmüller et al. 2001, S.47). Demnach ist für einen langfristigen Systemerhalt eine integrative Behandlung aller drei Dimensionen notwendig (vgl. Siebenhüner 2001, S. 77 ff. & Kopfmüller et al. 2001, S. 49). Trotz dieser Erkenntnis weichtjedoch in der Praxis die konzeptionelle Umsetzung häufig von der Gleichrangigkeitsprämisse ab. Grundsätzlich besteht beijeder der Dimensionen die Gefahr, dass sie auch isoliert betrachtet werden kann. Als Beispiel seien hier die Diskrepanzen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auf internationaler Ebene genannt. Demnach verfolgen Industrieländer eine stärkere Auslegung der ökologischen Dimension, während sich Entwicklungs- und Schwellenländer größtenteils auf eine sozial-ökonomische Sichtweise fokussieren (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S.31 ff.). Hierin besteht auch die Schwäche des Drei-Säulen-Modells. Die Eigenständigkeit der drei Säulen erlaubt es, dass je nach Absicht und Interessenlage eine der Dimensionen besonders hervorgehoben werden kann (vgl. Brand/Jochum 2000, S. 91 ff. & Kopfmüller et al. 2001, S. 31). In der Praxis ist das häufig der Fall, so argumentieren z.B. Industrieverbände, dass Umweltschutz nicht zu Lasten der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gehen sollte. Umweltverbände dagegen vertreten eine ökologische Sichtweise, wonach sich Wirtschaft und Gesellschaft an den Begebenheiten der Umwelt ausrichten müssen (vgl. Brugger 2010, S. 21.). Es besteht damit immer die Gefahr, dass sich das Drei-Säulen-Modell selbst ad absurdum führt (vgl. Brand/Jochum 2000, S. 75). Dass es aber tatsächlich notwendig ist Nachhaltigkeit ganzheitlich und integrativ aufzufassen, zeigt das nachfolgende Beispiel: Demnach kann die Armut der Menschen in Entwicklungsländern anfangs als ökonomisches Problem aufgefasst werden. Die zunehmende Perspektivlosigkeit verleitet viele der Menschen aber dazu, natürliche Ressourcen wie beispielsweise Fischbestände und Wälder stark auszubeuten. Als Folge von Überfischung und Waldrodung entstehen wiederum Schäden am Ökosystem. Damit sich der Prozess nicht selber verstärkt, ist es also notwendig, die Einkommenssituation der Menschen zu verbessern. Dies wiederum ist aber ohne Investitionen in Bildung und soziale Strukturen nicht möglich (vgl. Fiedler 2007, S. 14 f.). Es ist daher immanent wichtig, die Verflechtungen der einzelnen Dimensionen untereinander zu berücksichtigen. Neben dem Drei-Säulen-Modell werden in der Literatur weitere Modelle angeführt, die der mehrdimensionalen Betrachtungsweise eher entsprechen. In Zusammenhang mit Unternehmen wird hier häufig das Instrument des „Tripple Bottom Line“ genannt (vgl. z.B. Langer 2011, S. 28 & Hermann 2005, S. 17 f., 69,). Nach diesem Prinzip müssen parallel zu klassischen ökonomischen Kennzahlen und Berichten, in gleichem Maße die betrieblichen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft erfasst und berücksichtigt werden. (vgl. Cronin et al. 2011, S. 158). Abseits von wissenschaftlichen Fachkreisen wird eine ganzheitliche Betrachtungsweise aller Dimensionen auch von der Gesellschaft gewünscht (vgl. Hamacher 2000, S. 23). Dauerhafte Nachhaltigkeit ist nur möglich, wenn alle drei Dimensionen auch tatsächlich in gleichem Maße berücksichtigt werden. Der Bereich der diese Prämisse erfüllt, liegt im Schnittbereich der drei Dimensionen (siehe Abb. 2.1) und ist sowohl kurz- als auch langfristig nachhaltig (vgl. Schaltegger/Hasenmüller 2005, S. 2 ff. & Dyllick/Hockerts 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Schnittbereich der drei Dimensionen

Eigene Darstellung in Anlehnung an Clausen et al. 2002 S.107

In der deutschen Fassung des Brundtland-Berichts heißt es: „Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Weltkommission 1987, S. 46). Neben der Mehrdimensionalität impliziert Nachhaltigkeit demzufolge zwei weitere essentielle Prinzipien, intragenerative und intergenerativen Gerechtigkeit. Intergenerativ bedeutet, zwischen verschiedenen Generationen und suggeriert den Zukunftsaspekt des Nachhaltigkeitskonzepts (vgl. Sing 2002, S. 15 f.). Gerechtigkeit ist in der Brundtland-Definition gleichzusetzen mit Verteilungsgerechtigkeit (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S. 135). Die zentrale Forderung besteht darin, dass die heute lebenden Menschen nicht auf Kosten zukünftiger Generationen leben sollen. Oder anders formuliert, dass den zukünftigen Generationen, die selben Chancen, sowohl ökologischer, ökonomischer als auch sozialer Natur geboten werden sollen, wie heute lebenden Menschen (vgl. Brugger 2010, S. 22). Im Gegensatz zur intergenerativen, bezieht sich intragenerative Gerechtigkeit auf die räumliche Komponente und damit auf die gegenwärtige Generation. Inhaltlich entsprechen die Zielsetzungen denen der intergenerativen Gerechtigkeit. Es geht also um die Frage der gerechten Verteilung von Gütern, Lasten und Erzeugnissen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit. Ausgangspunkt können dabei Nationen, Institutionen, Gesellschaften oder auf Mikro-Ebene, einzelne Personen sein (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S. 131). Die Brundtland-Kommission hat in ihrer Definition von Nachhaltigkeit keine Präferenz bzw. Rangordnung zwischen inter- und intragenerativer Gerechtigkeit getroffen. Grundsätzlich sollten beide Prinzipien als gleichrangig und Zusammengehörig betrachtet werden (vgl. Weltkommission 1987, S. 46). In der Literatur wird diese Auffassung ebenfalls mehrheitlich geteilt, wenngleich auch abweichende Meinungen existieren (vgl. Kopfmüller et al. 2001, S. 140 ff.).

Mit inter- und intragenerativer Gerechtigkeit sowie der Notwendigkeit zur mehrdimensionalen Betrachtungsweise sind nun die konstitutiven Elemente des brundtländischen Nachhaltigkeitskonzepts erläutert worden. Inhaltlich soll nachhaltiges Handeln für wirtschaftlichen Erfolg, ökologische Rücksichtnahme und soziale Gerechtigkeit stehen (vgl. Wild 2002, S. 95). Es muss aber konstatiert werden, dass es in der Praxis nahezu unmöglich ist, eine Handlungsweise zu finden, die alle genannten Kriterien erfüllt (vgl. Sing 2002, S. 20 & Tremmel 2003, S. 47 & Loew et al. 2003, S. 62). Nachhaltigkeit sollte deshalb als ein zielgerichteter Lern- und Gestaltungsprozess verstanden werden und nicht als ein zu erreichender Zustand (vgl. Hermann 2005, S. 66 & Leitschuh-Fecht/Steger 2002, S. 600 & Wehrspaun/Wehrspaun 2005, S. 59 & Sing 2002, S. 17). In der Literatur werden drei Strategien unterschieden, die zur Umsetzung von Nachhaltigkeit dienen können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Erneuerbare Energien im Unternehmen
Untertitel
Bestandteil einer nachhaltigen Unternehmensausrichtung
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
71
Katalognummer
V196521
ISBN (eBook)
9783656224983
ISBN (Buch)
9783656226024
Dateigröße
1448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erneuerbare Energien, Regenerative Energien, Unternehmen, Nachhaltigkeit, Bericht, DAX, Konzern, Energieeffizienz, Energie
Arbeit zitieren
Joern Gerdes (Autor), 2012, Erneuerbare Energien im Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196521

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