Private Equity-Finanzierung im Mittelstand - Möglichkeiten und Grenzen


Seminararbeit, 2012

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Eine Definition von Private Equity
1.1. Das Verhältnis Venture Capital zu Private Equity
1.2. Die Geschichte von Private Equity in Deutschland

2. Private Equity-Finanzierung im Mittelstand
2.1. Begriff des Mittelstandes
2.2. Private Equity-Eignung kapitalbedürfender Unternehmen
2.3. Notwendigkeit der PE-Finanzierung
2.4. Der Private Equity-Wertschöpfungsprozess
2.5. Modell eines Beteiligungsprozesses an KMU
2.5.1. Rahmenbedingungen
2.5.2. Anbahnungsphase
2.5.3. Verhandlungsphase
2.5.4. Betreuungsphase
2.5.5. Exitphase
2.5.6. Ursachen eines Scheiterns
2.6. Die Bedeutung von Basel II für mittelständische Unternehmen

3. Fazit und Ausblick
3.1. Zusammenfassung
3.2. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Eine Definition von Private Equity

In der heutigen Zeit ist der Begriff „Private Equity“ oft gehört, und ebenso oft missverstanden oder falsch assoziiert. Unweigerlich stolpert man über das Schlagwort „Heuschrecken“ und weitere meist negativ behaftete Begrifflichkeiten. Aus diesem Grund soll in diesem Kapitel erläutert werden, was unter Private Equity zu verstehen ist.

Der aus dem Englischen entlehnte Begriff, bedeutet zunächst ganz wörtlich übersetzt so viel wie: „Privater Anteil“. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt also der Oberbegriff für privates Beteiligungskapital. Das Kapital kann von privaten institutionellen Investoren, wie zum Beispiel Pensionskassen, oder risikoaffinen Privatpersonen mit ausreichendem Vermögen stammen, die alternative Anlageformen mit einer hohen zu erwartenden Rendite suchen. Des Weiteren treten auch Banken, Versicherungen und Fonds als Kapitalgeber auf. In der Regel wird das Kapital der Investoren dem jeweiligen Zielunternehmen in einer bedeutenden Entwicklungsphase zur Verfügung gestellt. Diese Unternehmen sind generell Branchen zuzurechnen, die als innovativ gelten und die den Eigenkapitalgeber Umsatz- und Gewinnchancen erwarten lassen, die sich über dem Durchschnitt befinden.

Die European Venture Capital Association (EVCA) beschreibt Private Equity als Kapitalgeber für Unternehmen, welche nicht an der Börse notiert sind. Private Equity kann somit genutzt werden, um neuartige Technologien und Produkte zu entwickeln, Zukäufe zu tätigen, die Anlagen zu erweitern, oder letztlich einfach die Bilanz des Unternehmens zu kräftigen. Weiterhin kann Private Equity (PE) verwendet werden, um eine Nachfolgeregelung in Familienunternehmen zu finden, und um Eigentumsverhältnisse zu klären.[1]

1.1. Das Verhältnis Venture Capital zu Private Equity

Ein nicht zu vernachlässigender Teilbereich des PE-Marktes ist das Venture Capital (VC). VC bedeutet im Deutschen Risiko-, oder auch Wagniskapital. Dieses Kapital wird entweder in Form von eigenkapitalähnlichen Finanzierungsinstrumenten ins Unternehmen eingebracht, oder in Form von voll haftendem Eigenkapital. Gegenüber VC ist PE der zeitlich jüngere Begriff, der zunächst inhaltsgleich verwendet wurde.[2]

Mittlerweile ist PE aber zum Oberbegriff avanciert, der sich in die Bereiche VC, Buy-Out und Buy-In, „Mezzanine“-Finanzierungen und Special Situations aufteilen lässt.

Zudem liegt ein weiterer Unterschied im Zeitpunkt der Beteiligungen. VC wird begrifflich Finanzierungen in den ersten „Lebensjahren“ eines Unternehmens zugeordent, während PE einer Investitionsentscheidung zugunsten eines bereits bestehenden, etablierteren Unternehmens zugeschrieben wird.[3]

1.2. Die Geschichte von Private Equity in Deutschland

Geschichtlich betrachtet nehmen die Vereinigten Staaten von Amerika sowie Großbritannien eine Art Vorreiterrolle hinsichtlich ihrer Risikokapitalhistorie ein. In Deutschland begann der Entwicklungsprozess erst in den 60er Jahren. In dieser Zeit verringerte sich die Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen beständig, was die Frage nach Möglichkeiten der Eigenkapitalbasisverbesserung von nicht-börsennotierten mittelständischen Unternehmen aufwarf. Geschlossene Fonds, sowie staatlich geförderte mittelständische Beteiligungsgesellschaften waren damals die Institutionen der Eigenkapitalfinanzierung. Erst 20 Jahre später, also in den 80ger jahren, wurden private Venture Capital-Gesellschaften nach amerikanischem Vorbild gegründet.

Seit dem Beginn der statistischen Erfassung erfuhr das Fondsvolumen der deutschen Private Equity-Gesellschaften einen stetigen Aufwärtstrend. So betrug die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate zwischen 1990 und 2006 ca. 18%. Es ist zu bemerken, dass diese Quote starken Schwankungen unterlag. Der stetige Zuwachs ist einerseits auf die wachsende Anzahl der in Deutschland tätigen PE-Gesellschaften zurückzuführen, andererseits auf die allgemein gestiegenen Investitionsaktivitäten der Unternehmen.

Im internationalen Vergleich hat der zeitlich gesehen relativ junge deutsche Markt noch ein großes Wachstumspotential, wobei jedoch fraglich ist, ob der deutsche Beteiligungsmarkt aufgrund seiner tendenziell vorsichtigeren Risiko- und Investmentkultur eine ähnliche Bedeutung erreichen wird wie zum Beispiel die Märkte der beiden Vorreiter, USA und Großbritannien.[4]

2. Private Equity-Finanzierung im Mittelstand

Private Equity ist ein wichtiges Instrument zur Finanzierung des Mittelstandes. Dennoch werden immer wieder Vorurteile laut, die von massivem Arbeitsplatzabbau, über eine hohe Anzahl von Konkursen, bis hin zur Unterlassung von längerfristigem Investitionsengagement reichen.

Dieses Kapitel stellt diesen Thesen ein Beispiel aus der Praxis entgegen und beleuchtet die Thematik aus einem ausgewogenen Blickwinkel, hinsichtlich der Möglichkeiten und Grenzen von Private Equity-Finanzierung im deutschen Mittelstand.

2.1. Begriff des Mittelstandes

Studien zufolge repräsentieren kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland 99% aller Unternehmen, und stehen des Weiteren für ca. 66% der gesamten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Dennoch gibt es noch immer keine einheitliche Begriffsdefinition. Es existieren verschiedene Betrachtungsweisen, denen wiederum unterschiedliche Größenmerkmale zugrunde liegen. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) hat einen Definitionsansatz entwickelt, der eine Einordnung der einzelnen Merkmale in quantitative und qualitative Merkmale erlaubt.

Die quantitative Begriffsbestimmung betrachtet Kriterien wie z.B. den Jahresumsatz, die Anzahl der Beschäftigten oder die Bilanzsumme. In der Praxis wird oftmals der Jahresumsatz, sowie die Anzahl der beschäftigten zur quantitativen Abgrenzung verwendet. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) definiert Mittelständler als Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zum 50 Mio. Euro und einer Beschäftigtenzahl von bis zu 499 Mitarbeitern.[5] [6]

Die nachfolgende Tabelle zeigt nochmals die Einordnung eines Unternehmens, gemessen am Umsatz in Euro pro Jahr, sowie der Anzahl der Beschäftigten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 KMU-Definition des IfM Bonn[7]

Neben den quantitativen Merkmalen, kann man mittelständische Unternehmen auch qualitativ Abgrenzen. Hierbei werden Unternehmen hinsichtlich der Unternehmensstruktur, der Finanzierungsmöglichkeiten, sowie den Eigentumsverhältnissen betrachtet.[8]

Zu den Eigenschaften eines KMU gehören die Einheit von Eigentum und der Unternehmensführung (hauptsächlich bei Familienunternehmen der Fall), die zentrale Bedeutung der Person des Unternehmers oder der Unternehmerin in der Struktur des Unternehmens, und die rechtliche und wirtschaftliche Selbständigkeit.[9]

2.2. Private Equity-Eignung kapitalbedürfender Unternehmen

Benötigt nun ein solches mittelständisches Unternehmen Kapital einer PE-Gesellschaft, so wird das Unternehmen einer Art Eignungstest unterzogen.

Die PE-Gesellschaften erwarten im PE-Prozess von den potentiellen Kapitalnehmern ein gewisses Maß an Grundvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Diese Anforderungen werden im Vorfeld einer Investition im Rahmen einer sog. Due-Dilligence geprüft und untersucht. Auch hierbei handelt es sich um qualitative als auch um quantitative Bedingungen. Bei den qualitativen Bedingungen, die ein kapitalsuchendes Unternehmen erfüllen muss, gibt es mehrere Punkte von Wichtigkeit.[10]

Das Unternehmen sollte die Bereitschaft vorweisen Rechte und Eigentum zu teilen, und eine hohe Qualität der Unternehmensführung besitzen. Ferner ist die Aussicht auf neue Marktchancen, sprich das Wachstumspotential, von essentieller Bedeutung für die PE-Gesellschaft. Eine zuverlässige Unternehmensorganisation ist ebenso ausschlaggebend wie das Agieren in stabilen Märkten, und die gesicherte Unternehmensrentabilität. Nicht zuletzt sollte das kapitalsuchende Unternehmen auch Einblicke in die Unternehmensvergangenheit gewähren, um der PE-Gesellschaft größtmögliche Transparenz zu gewährleisten.

Besonders zu erwähnen ist, dass PE-Gesellschaften nur investieren, wenn für ihre Investitionen ein realistisches Ausstiegsszenario zu erwarten ist. Diese Thematik wird in Kapitel 2.4.5. Exitphase näher erläutert.

Quantitative Merkmale sind in diesem Fall Kennzahlen wie die Unternehmensrentabilität, und –Größe, sowie der Cashflow. Wobei das Ausschlusskriterium Nummer eins in der Praxis oftmals von der Unternehmensgröße dargestellt wird. Die Unternehmensrentabilität sollte möglichst hoch sein, wobei die Positionen der GuV und der Bilanz kritisch beäugt und analysiert werden. Der branchenspezifische Vergleich anhand von wirtschaftlichen Kennzahlen bietet eine weitere Vergleichsmöglichkeit.

Viele PE-Gesellschaften gehen Beteiligungen aufgrund von Kostengründen, sowie Rentabilitätsfaktoren, erst ab mindestens 5 Mio. Euro Jahresumsatz ein. Fortführend hat die Unternehmensgröße direkte Auswirkungen auf einen Exit der Gesellschaft, da z.B. ein Börsengang eines Unternehmens erst ab 2,5 Mio. Euro Emissionsvolumen möglich ist. Eine weitere Voraussetzung ist ein stabiler Cashflow, welcher einen Indikator für die Fähigkeit eines Unternehmens in Zukunft Überschüsse zu erwirtschaften abbildet.[11] [12]

2.3. Notwendigkeit der PE-Finanzierung

Besteht innerhalb eines Unternehmens eine Informations-, Kapital-, Liquiditäts-, oder auch eine Managementlücke, kann eine Notwendigkeit der VC-, bzw. der PE-Finanzierung eintreten.[13]

Für die nachfolgenden Ausführungen zum Thema der Notwendigkeit der PE-Finanzierung wird nochmals folgende Definition zugrunde gelegt: Private Equity-Finanzierung bezeichnet die zeitlich befristete Bereitstellung von haftendem Kapital, in Kombination mit Managementunterstützung für wachstumsfähige, nicht börsennotierte Unternehmen.

Befristete Bereitstellung bedeutet, dass das eingesetzte Kapital dem Unternehmen für einen zeitlich begrenzten Zeitraum zur Verfügung steht. Mehrheitlich zwischen einem Jahr und zehn Jahren. Oftmals kann die exakte Laufzeit nicht von Anfang an festgelegt werden, da die Rückzahlungen nach der jeweiligen wirtschaftlichen Lage erfolgen. Unter haftendem Kapital ist zu verstehen, dass die Mittel erstens nicht banküblich besichert sind, und zweitens im Verlust- und/oder Insolvenzfall haften. Um die Motivation der Unternehmer zu fördern und zu erhalten, werden zudem oft nur Minderheitsbeteiligungen eingegangen. Jedoch erwartet der Kapitalgeber als Ausgleich für das hohe Risiko eine entsprechend hohe Rendite. Die Managementunterstützung, die der Kapitalgeber (die PE-Gesellschaft) dem Kapitalnehmer (dem kapitalsuchenden Unternehmen) gewährt, ist ein ganz zentrales Merkmal der PE-Finanzierung, dass darauf abzielt einen Wertzuwachs (Added Value) zu erzielen. Dabei sind die Einflussmöglichkeiten des Kapitalgeber breit gefächert; angefangen bei einer eher passiven Mitwirkung in Form von regelmäßigen Ergebniskontrollen, bis hin zu einer aktiven Beratung, Betreuung und Steuerung der Unternehmensführung. Die Hauptzielgruppe der PE-Finanzierung sind wachstumsfähige, nicht börsennotierte Unternehmen. Dies ist ganz besonders dann von Bedeutung, wenn die Rendite der PE-Gesellschaft nicht aus einer laufenden Verzinsung besteht, sondern aus dem Gewinn. Dem Gewinn, der bei der später angestrebten Veräußerung des Unternehmens erzielt wird.

Wie zu Anfang bereits erwähnt, kann eine Notwendigkeit der Private Equity-Finanzierung durch Informations-, Kapital-, Liquiditäts-, und/oder eine Managementlücke bedingt sein. Was dies im Einzelnen bedeutet, soll nun dargelegt werden.

Eine Informationslücke besteht vor allem bei jungen, und gleichzeitig stark wachsenden Unternehmen, sowie bei High Tech-Unternehmen, da seitens der klassischen Kapitalgeber große Unsicherheit bezüglich des Rendite-Risiko-Profils besteht.[14]

Dazu kommt die relative Ungewissheit über die Absichten und die Befähigung des Managements. Daher müssen PE-Kapitalgeber bereit sein, hohe Risiken auf sich zu nehmen, und unter Umständen für eine längere Zeitspanne auf Erträge zu verzichten.

Die Kapitallücke rührt daher, dass nicht börsennotierte Unternehmen einen nur geringen Spielraum zur Beschaffung von Eigenkapital haben. Weiterhin ist die Kreditaufnahme insbesondere bei jungen Unternehmen seitens der Kreditinstitute wegen der nicht oder unzureichend vorhandenen Sicherheiten beschränkt.

Zeitlich junge, wachsende Unternehmen sind sehr oft auf Kapital angewiesen, das nicht zu fortlaufenden Auszahlungsverpflichtungen in Form von Zinsen und Tilgung führt. Man spricht hierbei von der Liquiditätslücke.

Abschließend die Managementlücke. Junge und technisch ausgerichtete Unternehmen verfügen meist nicht über die so dringend erforderlichen geschäftlichen Kontakte und Beziehungen. Auch die unternehmerische Qualifikation ist in vielen Fällen defizitär und weist Verbesserungsbedarf auf. Die Unterstützung durch erfahrene Equity-Manager kann hilfreich sein, die Lücke zu schließen.[15]

Private Equity-Finanzierung stellt somit eine adäquate Möglichkeit der Finanzierung junger, kleiner und mittelständischer Unternehmen mit Wachstumspotential dar, indem die schwierige Startphase durch Bereitstellung von Kapital und Know-How erleichtert wird.

Natürlich ist die Finanzierung mit PE nicht auf eine bestimmte Periode beschränkt, sondern ist in allen Unternehmensphasen einsetzbar. Um einige Beispiele zu nennen: Beim sog. Expansion-Financing, also der Wachstumsfinanzierung, erhalten Unternehmen die bereits Markterfolge aufzuweisen haben, zusätzliches Kapital um neue Investitionen die auf Erweiterung abzielen zu tätigen. Das Turnaround-Financing, also die Sanierungsfinanzierung, trägt dazu bei Schwierigkeiten und Engpässe nachhaltig zu beseitigen.

Es ist anzumerken, dass die PE-Finanzierung Vor- und Nachteile aus Sicht des Kapitalnehmers mit sich bringt, die nachfolgende Tabelle stellt diese gegenüber.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Venture-Capital gegenüber Bankkredit aus Sicht des Kapitalnehmers[17]

Aus der Obigen Tabelle wird ersichtlich, dass sich ein Unternehmen durch die Finanzierung mit PE in Abhängigkeiten begibt, was nicht immer positiv zu bemessen ist. Auch die Entwicklung des Unternehmens kann und wird durch die Kapitalgeber nachhaltig verändert und beeinflusst. Es wird deutlich, dass die PE-Finanzierung durchaus ein zweischneidiges Schwert für Unternehmen darstellt, und dementsprechend nicht für jedes mittelständische Unternehmen kategorisch als „Heilsbringer“ in Betracht gezogen werden kann.

Für das Verständnis des erfolgreichen Beteiligungsprozesses ist es wichtig den Private Equity-Wertschöpfungsprozess zu verstehen. Im nachfolgenden Kapitel soll nun ein typischer Beteiligungsprozesses skizziert werden, der die verschiedenen Investment-Phasen beleuchtet.

2.4. Der Private Equity-Wertschöpfungsprozess

Der Wertschöpfungsprozess einer PE-Gesellschaft besteht aus drei Stufen:

- Der Pre-Investment-Phase, die Kapitalakquisition, Beteiligungsakquisition und die Beteiligungsprüfung umfasst;
- Der Investment-Phase, welche die Beteiligungsverhandlung, sowie die Betreuung umfasst;
- Und der Exit-Phase, die die Desinvestition beinhaltet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Der Private Equity-Wertschöpfungsprozess[18]

Der erste Schritt innerhalb der Pre-Investment-Phase ist die Kapitalakquisition. Hierbei wird auf Grundlage der Anlagestrategie das benötigte Kapital für Investitionen in Portfoliounternehmen beschafft. Da die Investoren sozusagen blind in Fonds investieren, kann diese Form der Investition als vorrangige Investition in das Know-How der Investmentmanager gesehen werden. Der zweite Schritt ist die Beteiligungsakquisition, bei der es darum geht potentielle Beteiligungsunternehmen zu generieren (Deal Flow). Der Erfolg wird dabei an dem Zufluss der Beteiligungsgesuche und deren Qualität gemessen. Konnte ein sowohl qualitativ als auch quantitativ genügend hoher Deal Flow generiert werden, erfolgt im dritten Schritt die Prüfung der einzelnen Beteiligungen. Die potentiellen Zielunternehmen werden dabei mehrstufig, anhand des eingereichten Business Plan, auf beispielsweise Kapitalbedarf und Exit-Strategien geprüft.

Nach dieser eher groben Prüfung wird ein kleiner Teil Unternehmen, die besonders attraktiv sind, einer Due Dilligence (Feinprüfung) unterzogen[19].

Diese führt im besten Fall dazu, dass eine Absichtserklärung verfasst wird, die der PE-Gesellschaft ein Vorgriffsrecht auf das Zielunternehmen sichert.

Nun ist die Pre-Investment-Phase vorüber und es beginnt die Investment-Phase mit der Aufnahme der konkreten Beteiligungsverhandlungen. Bei diesen Verhandlungen geht es um den Kapitalbedarf, die Konditionen der Beteiligung und um mögliche Exit-Strategien. Speziell der Kapitalbedarf wird zusammen mit dem potentiellen Beteiligungsnehmer auf der Grundlage einer Unternehmensbewertung ausgearbeitet. Die exakte Unternehmenswertberechnung gestaltet sich allerdings schwierig, und wird letztlich über Annäherungswerte definiert. Die Beteiligungskonditionen beinhalten die Festlegung der Kontrollrechte der PE-Gesellschaft, Kapitalbereitstellung und Festlegung von fest vereinbarten Zielen. Der Vertrag muss den Interessen beider Parteien zusagen, es wird eine „win-win-Situation“ angestrebt. Sind die Verhandlungen zu einem erfolgreichem Abschluss gekommen, gehört das kapitalsuchende Beteiligungsunternehmen zum Portfolio der kapitalgebenden Private Equity-Gesellschaft.

Jedoch stellt die PE-Gesellschaft nicht einfach einen Topf voll Geld auf den Tisch und meldet sich zehn Jahre nicht mehr, sie übernimmt eine Betreuungsfunktion, der zweite Schritt der Investment-Phase. Das bedeutet zum einen, dass sich die PE-Gesellschaft immer über aktuelle geschäftliche Entwicklungen informiert und prinzipiell auch in Entscheidungen eingebunden ist. Zum anderen unterstützen die Gesellschaften ihre Portfoliounternehmen mit Know-How und einem dicht geflochtenen Netz an Kontakten.

Der letzte Schritt in der Wertschöpfungskette ist die Exit-Phase, welche die Desinvestition beinhaltet. Darunter ist zu verstehen wie sich die PE-Gesellschaft wieder von ihrem finanziellen Engagement trennen kann.[20] Der klassische PE-Partner stellt einem Unternehmen Eigenkapital in einem umrissenen Zeitraum zur Verfügung. Mit diesem Engagement geht die PE-Gesellschaft Unternehmerrisiken ein, die durch den Mehrwert seiner Investition finanziell abgegolten werden. Die Renditeerwartungen sind dabei sehr unterschiedlich, und liegen bei institutionellen Investoren bei rund 30%.[21]

Es gibt verschieden Exit-Möglichkeiten die meist schon im Beteiligungsvertrag erwähnt werden. So kommt z.B. ein Börsengang (IPO) des Portfoliounternehmens in Frage. Ebenso ein Verkauf an einen strategischen Investor (Trade Sale), oder den Rückkauf der Anteile seitens des Unternehmers kommen in Frage (Buy Back). Mit dem Exit beendet die PE-Gesellschaft ihr Engagement im jeweiligen Unternehmen.[22] [23]

2.5. Modell eines Beteiligungsprozesses an KMU

Nachdem nun der Private Equity-Wertschöpfungsprozess erläuter wurde, werden in diesem Kapitel die Faktoren genauer unter die Lupe genommen, die für den nachhaltigen Erfolg einer Beteiligung zwischen Mittelstand und Finanzinvestor maßgeblich sind.

[...]


[1] Vgl. R. Hess, Private Equity Finanzierungsalternative für den Mittelstand, 1. Aufl., Berlin 2007, S. 15.

[2] Vgl. C. Eckstaller, I. Huber-Jahn, Private Equity und Venture Capital, 1. Aufl., Sternenfels 2006, S. 11 f.

[3] Vgl. Eckstaller (2006), S. 11 f.

[4] Vgl. C. Striebel, Private Equity im deutschen Mittelstand, 1. Aufl., Sternenfels 2009, S. 35-38.

[5] Vgl. W. Becker, K. Schulte-Krumpen, S. Graneß, Private Equity im Mittelstand – Eine Finanzierungsform mit Wertschöpfungspotenzial, 1. Aufl., Stuttgart 2011, S. 20 f.

[6] Vgl. Striebel (2009), S. 43 f.

[7] Eigene Darstellung, in Anlehnung an IfM, 2002, Hyperlink.

[8] Vgl. Striebel (2009), S. 43 f.

[9] Vgl. Hess (2007), S. 22.

[10] Vgl. Striebel (2009), S. 33 f.

[11] Vgl. Striebel (2009), S. 33 f.

[12] Vgl. Hess (2007), S. 22.

[13] Vgl. H. P. Becker, Grundlagen der Unternehmensfinanzierung, 1. Aufl., München 2002, S. 169 f.

[14] Vgl. H. P. Becker (2002), S. 169 f.

[15] Vgl. H. P. Becker (2002), S. 169 f.

[16] Vgl. Ebenda, S. 171 f.

[17] Eigene Darstellung, in Anlehnung an H. P. Becker (2002), S. 172.

[18] Eigene Darstellung, in Anlehnung an Striebel (2009), S. 25.

[19] Vgl. Ebenda, S. 25-28.

[20] Vgl. Hess (2007), S. 33.

[21] Vgl. Striebel (2009), S. 31 f.

[22] Vgl. Striebel (2009), S. 32.

[23] Vgl. O. Thum, C. Timmreck, T. Keul, Private Equity, 1. Aufl., München 2008, S. 129.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Private Equity-Finanzierung im Mittelstand - Möglichkeiten und Grenzen
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Geislingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V196525
ISBN (eBook)
9783656227571
ISBN (Buch)
9783656227984
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
private, equity-finanzierung, mittelstand, möglichkeiten, grenzen, investition nachfolge familienunternehmen
Arbeit zitieren
Tobias Henreich (Autor), 2012, Private Equity-Finanzierung im Mittelstand - Möglichkeiten und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196525

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