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Die Zahlwörter für die Einer und ihre Ursprünge im indoeuropäischen Sprachraum

Title: Die Zahlwörter für die Einer und ihre Ursprünge im indoeuropäischen Sprachraum

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 28 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Vivien Funke (Author)

Speech Science / Linguistics
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Summary Excerpt Details

Die Erschließung und Rekonstruktion von gemeinindoeuropäischen Wortformen beruht auf
dem Vergleich der erhaltenen bzw. nachgewiesenen Wörter – insbesondere des
Grundwortschatzes (Wörter für nahe Verwandte, Körperteile etc.) – der zur indoeuropäischen
Sprachfamilie zählenden Einzelsprachen. Die ebenfalls zum Basiswortschatz zählenden
Kardinalzahlwörter erregten diesbezüglich besonderes Interesse, da hier Wortgleichungen in
hohem Maße festgestellt werden konnten und sich zudem die jeweilige Wortgleichung auch
mit wenigen Ausnahmen durch alle indoeuropäischen Sprachen erstreckt.1 Dies ist wohl
darauf zurückzuführen, daß die Kardinalzahlwörter schnell ihre eigentliche Bedeutung
verloren und somit annähernd statisch wurden: „Die Zahlwörter gehören zu den
widerstandsfähigsten Wörtern einer Sprache.“2 Diese Wortgruppe stellt also
eine wichtige Quelle zur theoretischen Ermittlung gemeinindoeuropäischer Formen dar.
Besonders gilt dies für die Grundzahlwörter von ‚1’-‚9’ und ‚10’. Die Zahlwörter von ‚1’-‚9’
lassen sich aufgrund ihrer nicht-komplexen Bildung als „simple atoms“ klassifizieren.3 Sie
bilden innerhalb des in der indoeuropäischen Sprachfamilie vorherrschenden Dezimalsystems
zusammen mit den Wörtern für die Zahl ‚10’, welche sich als „main base“ bezeichnen läßt,4
die Grundlage für die Bildung der höheren Zahlen und verdienen daher eine gesonderte
Untersuchung.
Betrachtet man in den Einzelsprachen die Zahlwörter für die Einer, scheinen diese
unmotiviert zu sein. Es ist jedoch davon auszugehen, daß die Zahlwörter nicht „aus heiterem
Himmel fielen“, sondern eine Motivation hatten. Zudem müssen die Zahlwörter für die Einer
und für ‚10’ früher als die nachfolgenden Kardinalzahlwörter ausgebildet gewesen sein, da
letztere auf diesen aufbauen oder aus diesen hervorgegangen sind.
Im Folgenden soll nun ein Einblick in die Forschung bezüglich der Entstehung der Zahlwörter
für die Einer und ihrer Motivation in der indoeuropäischen Gemeinsprache gegeben sowie
ihre mögliche Entwicklung und die Entstehung der Zahlenreihe untersucht werden. [...]
1 Vgl. Menninger, K.: Zahlwort und Zifffer. Eine Kulturgeschichte der Zahl. Bd. 1. 2., neubearb. und erw. Aufl.
Göttingen 1958. (Künftig zitiert: Menninger 1958.) S. 110.
2 ebd.
3 Vgl. Luján Martínez, E.R.: The Indo-European system of numerals from ‘1’ to ‘10’. In: J. Gvozdanović
(Hrsg.): Numeral Types and Changes Worldwide. Berlin, New York 1999. (Künftig zitiert: Luján Martínez
1999.) S. 199.
4 Vgl. ebd.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zahlwörter für ‚1’-‚9’ in den indoeuropäischen Sprachen

2.1. Allgemeines

2.2. Das Zahlwort für ‚1’

2.3. Das Zahlwort für ‚2’

2.4. Das Zahlwort für ‚3’

2.5. Das Zahlwort für ‚4’

2.6. Das Zahlwort für ‚5’

2.7. Das Zahlwort für ‚6’

2.8. Das Zahlwort für ‚7’

2.9. Das Zahlwort für ‚8’

2.10. Das Zahlwort für ‚9’

2.11. Gruppierung

3. Die Entwicklung der Zahlenreihe

4. Schlußbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Ursprung und die Motivation der indoeuropäischen Zahlwörter für die Einer (1-9) sowie deren historische Entwicklung innerhalb der Sprachfamilie. Im Zentrum steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der These, dass diese Zahlwörter nicht zufällig entstanden sind, sondern auf prähistorische Zählhilfen wie Körperteile (insbesondere Hände und Finger) oder deiktische Ausdrücke zurückgehen.

  • Rekonstruktion gemeinindoeuropäischer Wortformen der Kardinalzahlwörter
  • Analyse der Etymologie und Deixis-Bezüge der Zahlen 1 bis 9
  • Diskussion von Zählgrenzen (z. B. Viererzählweisen) in der Entwicklung der Zahlenreihe
  • Vergleich konkurrierender linguistischer Theorien zur Entstehung der Zahlsysteme
  • Beurteilung des Status der frühen Zahlwörter (Adjektiv vs. Indeklinabilia)

Auszug aus dem Buch

2.5. Das Zahlwort für ‚4’

Anders als die Zahlwörter für ‚2’ und ‚3’ wurden die Wörter für ‚4’ im Gotischen und Lateinischen nicht mehr, im Althochdeutschen nur noch in bestimmten Fällen flektiert. Daß die jeweiligen Kardinalzahlwörter für ‚4’ „zum unbeugbaren Zahlwort erstarrt“ sind, ist jedoch kein Phänomen, welches sich in sämtlichen indoeuropäischen Einzelsprachen findet. So wurde u.a. im Griechischen und Altnordischen das jeweilige Numerale dekliniert.

Als gemeinindoeuropäische Form läßt sich *kwetwōres rekonstruieren. Auch hier handelt es sich, wie bei dem Zahlwort für ‚3’, um eine Pluralform; der Stamm lautet dementsprechend *kwetwōr-. Herrscht bezüglich der Rekonstruktion des gemeinindoeuropäischen Zahlwortes in der Forschung noch Einigkeit, so läßt sich dies im Hinblick auf die Wurzel, welche dem ermittelten Grundzahlwort zugrunde liegen soll, nicht feststellen. Bei SCHRÖPFER z.B. findet sich die Wurzel *kwet- mit der Bedeutung ‚Spitze’. Dies stimmt semantisch mit der Wurzel überein, die MULLER in Verbindung mit dem Numerale bringen möchte: *ak-, *ok- ‚scharf, spitz’. MULLER legt jedoch ein etwas anderes Wort für ‚Spitzen’ zugrunde, nämlich *oket(o). Die etymologische Entwicklung des Zahlwortes für ‚4’ sieht er wie folgt: oket(o) + wōro-: ‚Spitzen + Reihe’ > oketwōr- > okwetwōr > kwetwōr-. Auf die „Zählhilfe“ Hand bezogen hätte dieses Numerale somit die Bedeutung ‚die Fingerspitzen’ (ohne Daumen). MULLER bekräftigt seine Theorie damit, daß auch das gemeinindoeuropäische Zahlwort für ‚5’ eine Verbindung zur Hand bzw. den Fingern nahelegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Rekonstruktion gemeinindoeuropäischer Zahlwörter und Darlegung des Forschungsinteresses an den „simple atoms“ der Zahlen 1-9.

2. Die Zahlwörter für ‚1’-‚9’ in den indoeuropäischen Sprachen: Detaillierte etymologische und morphologische Analyse jeder einzelnen Zahl von 1 bis 9, inklusive tabellarischer Gegenüberstellung ihrer Repräsentanten in den indoeuropäischen Sprachzweigen.

2.11. Gruppierung: Zusammenfassung der gefundenen Etymologien in Gruppen wie deiktische Wurzeln, Zählhilfen an Hand/Fingern oder semitische Lehnwörter.

3. Die Entwicklung der Zahlenreihe: Untersuchung der diachronen Entstehung der Zahlenreihe unter Berücksichtigung von Zäsuren und Zählgrenzen sowie Theorien zur Viererzählweise.

4. Schlußbetrachtungen: Resümee der Forschungsergebnisse mit einer kritischen Reflexion über die Klassifizierung früher Zahlwörter als Adjektive und die Grenzen der etymologischen Nachweisbarkeit.

Schlüsselwörter

Indoeuropäisch, Zahlwörter, Etymologie, Kardinalzahlwörter, Sprachvergleich, Zählsysteme, Deklinabilia, Deixis, Zahlwortbildung, Viererzählweise, Sprachgeschichte, Morphologie, Pronominalwurzel, Zählgrenzen, Indeklinabilia.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rekonstruktion und sprachwissenschaftlichen Einordnung der indoeuropäischen Zahlwörter für die Ziffern eins bis neun.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind Etymologie, die morphologische Entwicklung der Zahlwörter, der Einfluss von Zählhilfen auf die Benennung und die diachrone Evolution des indoeuropäischen Zahlsystems.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Ursprung und die Motivation der Zahlwörter zu ergründen, da diese in den Einzelsprachen oft unmotiviert erscheinen, und zu prüfen, inwieweit sie auf Zählhilfen wie die Hand zurückführbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt den komparativen sprachwissenschaftlichen Ansatz, indem sie Wortformen aus verschiedenen indoeuropäischen Sprachzweigen vergleicht und Forschungsmeinungen verschiedener Indogermanisten kritisch gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der einzelnen Zahlen von 1 bis 9 (Etymologie, Rekonstruktion) und die anschließende Untersuchung der strukturellen Entwicklung der gesamten Zahlenreihe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind Indoeuropäisch, Etymologie, Kardinalzahlwörter, Zählhilfen, Deixis und Viererzählweise.

Welche Rolle spielt die Hand beim Zählen?

Die Forschung diskutiert die Hand als die primäre „Zählhilfe“, wobei viele Zahlwörter auf Wörter für Finger, Faust oder Handbreite zurückgeführt werden, was als Grundlage für die Entstehung komplexerer Zahlensysteme dient.

Wie wird das Konzept der Zählgrenze in der Arbeit diskutiert?

Es wird erörtert, dass es in der indoeuropäischen Sprache und anderen Kulturen oft natürliche Zählgrenzen (insbesondere bei der Zahl 4) gibt, bei denen die konkrete Benennung endet und danach ein Begriff für „mehr“ oder „neue Zahl“ einsetzt.

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Details

Title
Die Zahlwörter für die Einer und ihre Ursprünge im indoeuropäischen Sprachraum
College
University of Münster  (Institut für Allgemeine Sprachwissenschaft)
Course
Hauptseminar: Zahl und Zählen aus der Sicht von Sprachtheorie und Sprachvergleich
Grade
sehr gut
Author
Vivien Funke (Author)
Publication Year
2002
Pages
28
Catalog Number
V19655
ISBN (eBook)
9783638237253
Language
German
Tags
Zahlwörter Einer Ursprünge Sprachraum Hauptseminar Zahl Zählen Sicht Sprachtheorie Sprachvergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vivien Funke (Author), 2002, Die Zahlwörter für die Einer und ihre Ursprünge im indoeuropäischen Sprachraum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19655
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