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Manipulation und Täuschung in Fontanes "Unterm Birnbaum"

Title: Manipulation und Täuschung in Fontanes "Unterm Birnbaum"

Term Paper , 2012 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Susann Dannhauer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Theodor Fontanes Unterm Birnbaum ist eine als Roman ausgewiesene Kriminalgeschichte, die heute als Kriminalnovelle verstanden wird. Fontane, als Vertreter des poetologischen Realismus, hat eine ganz eigene Vorstellung von dem, was Realismus ist. Realismus ist für ihn nicht „das nackte Wiedergeben alltäglichen Lebens, am wenigsten seines Elends und seiner Schattenseiten“, sondern das Herausgreifen interessanter Aspekte und die Darstellung dieser mit künstlerischer Hand. Fontane greift in Unterm Birnbaum reale Geschehnisse seiner Zeit auf und setzt sie in überhöhter Form zu einer Geschichte zusammen. Mit dieser künstlerischen Schöpfung entspricht er seinem eigenen Konzept von Realismus. In Abgrenzung zu dem, was Realismus nicht ist, definiert Fontane was er ist folgendermaßen:
"Der Realismus will nicht die bloße Sinnenwelt und nichts als diese; er will am allerwenigsten das bloß Handgreifliche, aber er will das Wahre. Er schließt nichts aus als die Lüge, das Forcierte, das Nebelhafte, das Abgestorbene – vier Dinge, mit denen wir glauben, eine ganze Literaturepoche bezeichnet zu haben."
Auch im Sinne der Aussage damit was Realismus ist, erfolgt eine Auseinandersetzung in der Novelle, nämlich auf inhaltlicher und erzähltechnischer Ebene. Es handelt sich um eine „literarische Umsetzung einer Kritik von Interpretations- und Kompositionshaltung“ , die das Schlussfolgern einer Wirklichkeit aus der „Verfolgung gegenständlicher Indizien“ ablehnt. Das Handgreifliche wird hierbei als das Wahre gedeutet und nicht hinterfragt – ein Konzept, „dessen Ästhetisierung der Realismus explizit ablehnt“ . Das Urteilen nach oberflächlichen, naheliegenden Fakten ist es, was kritisiert wird und genau mit dieser Interpretationshaltung spielt Fontane. In der Novelle wird manipuliert und getäuscht, sodass es einer Änderung in der Rezeptionshaltung bedarf, damit das Wahre erkannt werden kann. Wie genau Manipulation und Täuschung aussehen und wie darauf reagiert wird, soll nun folgend am Text untersucht werden. Abschließend soll dann genauer betrachtet werden, wie durch Manipulation / Täuschung Wahrscheinlichkeiten entstehen, ob diese schließlich auch in das Wahre überführt werden können und welcher Rezeptionshaltung es dazu bedarf.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltliche Täuschung / Manipulation

2.1. Hradschecks Plan – Inszenierte Zeichen und Theatralität

2.2. Gerede, Vorurteile und Verdacht – Die Rolle der Dorfgemeinschaft

3. Erzähltechnische Täuschung / Manipulation

3.1. Titel

3.2. Erzählperspektive

3.3. Die Verwendung von Substituten

4. Konstruktion von Wahrscheinlichkeit und Wirklichkeit

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Theodor Fontanes Kriminalnovelle "Unterm Birnbaum" unter dem Aspekt der inhaltlichen und erzähltechnischen Manipulation. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fontane durch gezielte Inszenierungen, den Einsatz von Substituten und eine wechselnde Erzählperspektive den Rezipienten täuscht und die Konstruktion von Wirklichkeit hinterfragt.

  • Die Rolle der Dorfgemeinschaft und deren Hang zu Oberflächlichkeit und Gerede
  • Die Theatralität der Handlungen des Protagonisten Abel Hradscheck
  • Erzähltechnische Strategien zur Manipulation des Lesers
  • Die Bedeutung von Begriffssubstituten für die Interpretation
  • Die kritische Auseinandersetzung mit dem Realismus-Konzept Fontanes

Auszug aus dem Buch

2.1. Hradschecks Plan – Inszenierte Zeichen und Theatralität

„[…] nur nicht arm. Armut ist das Schlimmste, schlimmer als der Tod“9 heißt es bei den Hradschecks und so kommt es dazu, dass scheinbar ein Mord geplant wird, der die Eheleute aus ihrer misslichen wirtschaftlichen Lage retten soll. Im Dorf Tschechin, in dem sie leben, dominiert Geld „das Bewußtsein [sic!] der Tschechiner, alles andere, selbst der Tod, berührt sie nur an der Oberfläche“10. Diese Oberflächlichkeit bestimmt auch Beziehungen und Verhalten innerhalb des Dorfes. Die Hradschecks, die nur zugezogen sind, wurden auch nach zehn Jahren noch immer nicht vollkommen integriert und versuchen um jeden Preis, ihre finanziellen Sorgen „in diesem Milieu, wo Schein und Vorurteil sich bedingen, das Streben nach Prestige und Geld vorherrschen“11, geheim zu halten.

Bei der geplanten Straftat handelt es sich keineswegs um einen ‚perfekten Mord‘, denn dieser „dürfte gerade nicht darauf ausgerichtet sein, den Anschein der Unschuld herzustellen, sondern den Nachweis der Schuld unmöglich zu machen“12. Abel Hradscheck widerspricht diesem Prinzip: er inszeniert auf höchst theatralische Weise Situationen, die von seinem Plan und der Tat ablenken, legt falsche Fährten und Spuren, rechnet genauestens mit dem für die Dorfgemeinschaft Tschechins typischen Verhalten, nämlich der Sensationsgier und dem Streben nach Reichtum. So inszeniert er beispielsweise das Eintreffen eines eine angebliche Erbschaft verkündenden Briefes in Anwesenheit seiner Kegelfreunde (S.22-25). Nachdem Hradscheck die Gesellschaft verlassen hat, um das Porto zu zahlen, dann aber länger abwesend bleibt, lässt man nach ihm rufen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Kriminalnovelle und Fontanes spezifisches Realismus-Konzept, das auf der Kritik an oberflächlicher Interpretation basiert.

2. Inhaltliche Täuschung / Manipulation: Analyse der inhaltlichen Ebene, insbesondere Hradschecks theatralischer Inszenierungen und der Rolle der Dorfgemeinschaft.

2.1. Hradschecks Plan – Inszenierte Zeichen und Theatralität: Untersuchung von Abels Versuch, durch gezielte Täuschung und Ablenkung von seiner Tat abzulenken.

2.2. Gerede, Vorurteile und Verdacht – Die Rolle der Dorfgemeinschaft: Analyse, wie das Gerede der Dorfbewohner eine Scheinwirklichkeit konstruiert, die Abel gezielt für seine Zwecke nutzt.

3. Erzähltechnische Täuschung / Manipulation: Untersuchung erzählerischer Mittel wie Titel, Perspektive und Wortwahl, die den Leser manipulieren.

3.1. Titel: Analyse der Wirkung des Titels als erstes Täuschungsinstrument gegenüber dem Leser.

3.2. Erzählperspektive: Untersuchung, wie die auktoriale Perspektive zwischen Wissen und Nicht-Wissen wechselt, um den Leser zu führen.

3.3. Die Verwendung von Substituten: Analyse der Verwendung allgemeiner Begriffe statt eindeutiger Bezeichnungen als Manipulationsmittel.

4. Konstruktion von Wahrscheinlichkeit und Wirklichkeit: Zusammenfassung, wie Wahrscheinlichkeiten im Text durch das Zusammenspiel von Indizien und Beobachtung erzeugt werden.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Wahrheit für Figur und Leser im Dunkeln bleibt und nur Wahrscheinlichkeit besteht.

6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundär- und Primärliteratur.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Unterm Birnbaum, Realismus, Manipulation, Täuschung, Kriminalnovelle, Erzählperspektive, Scheinwirklichkeit, Dorfgemeinschaft, Interpretation, Indizien, Wahrscheinlichkeit, Substitut, Abel Hradscheck, Rezeptionshaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Theodor Fontanes Novelle "Unterm Birnbaum" hinsichtlich der zentralen Themen Manipulation und Täuschung auf sowohl inhaltlicher als auch erzähltechnischer Ebene.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die inszenierten Handlungen des Protagonisten Hradscheck, die Rolle der klatschbereiten Dorfgemeinschaft sowie die bewusste Lenkung des Lesers durch den Erzähler.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane mittels verschiedener literarischer Strategien den Leser täuscht, um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Realismus und der eigenen Interpretationshaltung zu erzwingen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu Erzähltechnik und Realismus-Theorie untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche und eine erzähltechnische Analyse, ergänzt durch eine Untersuchung der Konstruktion von Wahrscheinlichkeit und Wirklichkeit.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Kernbegriffe sind Manipulation, Täuschung, Realismus, Scheinwirklichkeit, Erzählperspektive und die Rolle des Rezipienten.

Welche Rolle spielt die Figur der Nachbarin Jeschke?

Jeschke ist die einzige Figur, die das Schauspiel Hradschecks zu durchschauen scheint und die Mechanismen der Manipulation erkennt, auch wenn sie letztlich ebenfalls keine absolute Wahrheit findet.

Kommt der Leser der Wahrheit am Ende des Buches näher?

Nein, die Arbeit stellt fest, dass am Ende weder für die Figuren noch für den Leser Bewissicherheit besteht; es bleibt alles ein fragmentarischer Verdacht.

Warum wird die Verwendung von Substituten als manipulativ bewertet?

Substitute anstelle von eindeutigen Namen erzeugen beim Leser Verdacht und unklare Assoziationen, wodurch die Lesart der Geschichte in eine bestimmte Richtung gelenkt wird.

Wie unterscheidet sich Fontanes Realismus von der bloßen Darstellung von Fakten?

Fontanes Realismus strebt nicht die einfache Abbildung der Sinnenwelt an, sondern will das "Wahre" erfassen, das über die bloße Gegenständlichkeit und die Indizien hinausgeht.

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Details

Title
Manipulation und Täuschung in Fontanes "Unterm Birnbaum"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Course
L'effet de réel - Literaturen des Realismus
Grade
1,3
Author
Susann Dannhauer (Author)
Publication Year
2012
Pages
16
Catalog Number
V196627
ISBN (eBook)
9783656227557
ISBN (Book)
9783656228011
Language
German
Tags
Fontane Birnbaum Unterm Birnbaum Manipulation Täuschung Theodor Fontane Kriminalroman Kriminalnovelle Realismus Mord Verdacht Inszenierung Zeichen Theatralität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susann Dannhauer (Author), 2012, Manipulation und Täuschung in Fontanes "Unterm Birnbaum", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196627
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