Wirtschaftliche Planungen zum Unternehmen Barbarossa


Seminararbeit, 2002
17 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Äuÿerungen Hitlers bezüglich wirtschaftlicher Absichten gegenüber der Sowjetunion in Mein Kampf
2.2 Rohsto e
2.3 Treibsto
2.3.1 Die synthetische Herstellung von Treibsto en als Ausweg
2.3.2 Import und Lieferverträge
2.3.3 Planung
2.4 Nahrungsmittel
2.4.1 Planung
2.5 Einwände gegen das Unternehmen Barbarossa

3 Schlussbetrachtungen

4 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Arbeit soll versucht werden, genauer zu untersuchen, welche wirtschaftlichen Ziele bei der Planung des Unternehmen Barbarossa verfolgt wurden. Dabei stellt sich die Frage, welches die wirtschaftlichen Gesichtspunkte waren, die die Entscheidungen zur Operationsplanung beein ussten. Weiterhin soll untersucht werden, welche Gesichtspunkte für bestimmte geographische Ziele bei der Operationsplanung ausschlaggebend waren.1

Mit Sicherheit kann man wirtschaftliche Absichten nicht monokausal als Auslöser für den Angri auf die Sowjetunion verantwortlich machen, denn dazu vermi-schen sich viel zu sehr die ideologischen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Ziele, die mit dem Unternehmen Barbarossa verbunden waren. Deshalb sollen in dieser Arbeit Zusammenhänge zwischen den wirtschaftlichen Absichten und dem ideologischen Gedankengebäude des nationalsozialistischen Regimes gefun-den werden. Trotzdem gibt es einige Gründe, die dafür sprechen, dass die Planung der Operation in vielen Bereichen von ökonomischen Gesichtspunkten beein usst wurde. Diese Punkte sollen in dieser Arbeit gefunden und gewichtet werden.

Hitlers Mein Kampf steht am Anfang dieser Betrachtungen. Im vierzehnten Kapitel dieses Buches nden sich einige Aussagen, die in einem direkten Zusammenhang mit der Sowjetunion stehen. Hierbei gilt es zu untersuchen, welche Züge der 1927 niedergeschriebenen Ideen sich später in der Politik Hitlers wieder nden lassen und was daran modi ziert wurde.

Die wirtschaftlichen Zusammenhänge werden anhand von zwei wichtigen Berei-chen exemplarisch betrachtet. Zuerst wird der kriegswirtschaftlich äuÿerst wich-tige Bereich der Treibsto e beleuchtet. Nicht minder wichtig, da die Bevölkerung direkt betre end, ist der Bereich der Nahrungsmittel, der danach behandelt wird. Dabei soll immer zuerst die aktuelle Lage in dem spezi schen Bereich untersucht werden.

Eine Schwierigkeit dieser Arbeit besteht darin, dass Hitler in ökonomischen Fra-gen nie direkt die Entscheidungen fällte, sondern dafür meist andere Gremien und Ministerien verantwortlich waren. Somit lässt sich oft nur sehr schwer auf Hitlers Ansichten zu einem bestimmten Gesichtspunkt schliessen. Dennoch soll versucht werden, den Ein uss den Hitler auf diese Entscheidungen ausübte herauszuarbei-ten.

Besonderer Wert soll hierbei auf Quellenaussagen, die diesen Bereich betre en, gelegt werden.

2 Hauptteil

2.1 Äuÿerungen Hitlers bezüglich wirtschaftlicher Absichten gegenüber der Sowjetunion in Mein Kampf

Im 14. Kapitel des zweiten Buches von Hitlers Mein Kampf nden sich bereits deutliche Hinweise auf die spätere Politik und Strategie gegenüber der Sowjetunion. Dieses Kapitel ist betitelt mit: Ostorientierung oder Ostpolitik . Hier ndet sich gleich ein Hinweis auf den Inhalt des Kapitels und die Fragestellung, die diesen Themenkomplex beherrscht: Soll eine Ostpolitik im Sinne einer Zusammenarbeit mit der Sowjetunion vorherrschen, oder soll sich das Deutsche Reich in Richtung Osten orientieren? Was unter dem Begri Orientierung in diesem Zusammenhang zu verstehen ist, wird später noch deutlich.

Zuerst de niert Hitler, was er unter dem Begri der Auÿenpolitik versteht, bzw. wie dieser Begri in einem völkischen Regime zu verstehen sei:

Die Auÿenpolitik des völkischen Staates hat die Existenz der durch den Staat zusammengefaÿten Rasse auf diesem Planeten sicherzustel-len, indem sie zwischen der Zahl und dem Wachstum des Volkes ei-nerseits und der Gröÿe und Güte des Grund und Bodens andererseits ein gesundes, lebensfähiges, natürliches Verhältnis scha t.

Später präzisiert Hitler, was genau er unter einem gesunden Verhältnis ver-steht: Als gesundes Verhältnis darf dabei immer nur jener Zustand angesehen 2

werden, der die Ernährung eines Volkes auf eigenem Grund und Boden sichert

Hitler sieht also seine Aufgabe in der Auÿenpolitik darin, seinem Volk den Platz zu verscha en, den es seiner Ansicht nach benötigt.

Mit dieser Argumentation steuert Hitler hier das Ziel an, festzustellen, dass Deutschland nicht den nötigen Raum hat, um sich in angemessener Art und Weise entwickeln zu können.

Der nächste Punkt in Hitlers Argumentation, ist die Feststellung, dass Deutsch-land [...] keine Weltmacht mehr 3 sei. Seine Forderung an eine national-sozialis-tische Auÿenpolitik ist: Die nationalsozialistische Bewegung muÿ versuchen, das Miÿverhältnis zwischen unserer Volkszahl und unserer Boden äche [...] zu beseitigen.4

Bis zu diesem Punkt hat sich Hitler noch nicht über die Sowjetunion geäuÿert. Doch die Folge dieser Argumentationskette ist folgender Ausspruch: Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Ruÿland und die ihm untertanen Randstaaten denken.5 Erst an dieser Stelle also erwähnt Hitler seine tatsächliche Absicht, der Begri der Ost-orientierung ist also in dem Sinne zu verstehen, dass sich Hitler in Richtung des Ostens orientiert, um dort neue Ressourcen und Besiedlungs ächen für sein Land zu gewinnen.

Der vereinfachte Ablauf seiner Argumentation ist also der Weg von der Feststellung, Deutschland habe nicht genügend Raum um sich nach seinen Möglichkeiten zu entwickeln, bis zu seiner Schlussfolgerung, das Ziel einer nationalsozialistischen Auÿenpolitik müsse es deswegen sein, für diese Möglichkeiten zu sorgen. Da in Ruÿland genügend Raum zur Verfügung stünde, müsse dieser für das deutsche Volk nutzbar gemacht werden.

Diese stark vereinfachte Argumentation lässt bewusst die von Hitler zusätzlich angesprochene Bedrohung durch den Bolschewismus auÿer acht und betont den Lebensraum gedanken. Man kann also an dieser Stelle feststellen, dass sich in Hitlers Argumentation, die er in Mein Kampf niedergeschrieben hat, die wirt-schaftlichen und ideologischen Aspekte sehr stark vermischen. Der Gedanke mehr Raum und existentiell wichtige Rohsto e für das Volk zu erhalten ist erstmal ein wirtschaftspolitischer Gedanke, ebenso wie die Bestrebungen nach Autarkie. Auf der anderen Seite zieht Hitler aber die Argumentation und Rechtfertigung für die Idee im Osten den seiner Ansicht nach notwendigen Lebensraum zu erobern aus einem ideologischen-rassistischen Gedankengebäude, welches er ja schon in den vorherigen Kapiteln von Mein Kampf errichtet.

In welchem Bezug diese Gedanken, die Hitler hier äuÿert zu den später erfolgten Geschehnissen stehen, soll in den nächsten Abschnitten mit erörtert werden.

2.2 Rohsto e

Die Rohsto age des deutschen Reiches war vor und vor allem während des Krieges von verschiedenen entscheidenden Faktoren abhängig. Bestimmt wurde sie insbesondere, durch das mit dem den Vierjahresplan eingeführte Autarkiestreben. Der Versuch von Importen aus anderen Ländern unabhängig zu werden, war eine Lehre, die aus dem Ersten Weltkrieg gezogen wurde.

Dietrich Eichholtz beschreibt dies folgendermaÿen: Er [der Vierjahresplan] sollte eine der wichtigsten 'Lehren' des Ersten Weltkrieges realisieren, nämlich Deutsch- land wirtschaftlich kriegsbereit und vor allem blockadefest zu machen.6 Dieses Motiv ist an vielen Stellen wiederzu nden, und gab oft entscheidende Anstösse für die weiter Operationsplanung. Gerade bei kriegswichtigen Rohsto en war die Autarkie Deutschlands unabdingbar.

Der Bedarf, bzw. Bestand an Rosto en war sehr unterschiedlich. Der gröÿte Man-gel herrschte sicher bei den Treibsto en. Wohingegen Kohle in ausreichenden Mengen vorhanden war , aber durch die exsessive wirtschaftliche Nutzung und

Probleme beim Transport, nicht unbedingt der Bevölkerung als Heizmittel zur Verfügung stand.

Groÿe Probleme stellten sich auch durch Engpässe in der Versorgung mit Nahrungsmitteln ein. Die Versorgung der Bevökerung und der Truppen mit Lebensmitteln war nicht mehr gesichert.

Diese beiden Bereiche sollen hier nun exemplarisch behandelt werden, da sie bei den Planungen zum Unternehmen Barbarossa eine entscheidende Rolle spielten.

2.3 Treibsto

Seit dem Ersten Weltkrieg hatte sich die Art der Kriegführung grundlegend verändert, der Grad der Motorisierung wurde zu einer kriegsentscheidenden Gröÿe. Durch die völlig neue Art der Kriegführung waren die Treibsto 7 ein äuÿerst wichtiger kriegswirtschaftlicher Faktor. Der Bedarf an diesen Sto en wuchs mit der fortschreitenden Motorisierung mehr und mehr. Genauso steigerte die Vergröÿerung des Heeres den Treibsto bedarf ungemein.

Da Deutschland aufgrund seiner geographischen Lage nur über sehr geringe ei-gene Erdölressourcen verfügte, wurden schon sehr früh entsprechende Studien zu diesem Komplex angefertigt. Zuerst sollen hier die Studien betrachtet werden, die sich mit dem Bedarf des deutschen Reiches, bzw. mit den vorhandenen Ressour-cen beschäftigen.8

Bereits 1935 stellte der Chef des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes, Georg Thomas, Hitler Berechnungen vor, nach denen im Jahre 1936 nur ein Bruchteil 8 des Bedarfes aus eigener Produktion gedeckt werden konnte 1933 wurde sogar mit einer Verdoppelung des Treibsto bedarfs in den nächsten Jahren gerechnet9. Schon wesentlich später, am 13. Juni 1941, also kurz vor dem Angri auf die Sowjetunion teilt Thomas, dem Chef des Generalstabes des Heeres, Franz Halder mit das der Treibsto im Herbst am Ende10 sei.

Durch diese Erkenntnisse wurde sehr schnell deutlich, dass der Bedarf an Treibsto en aus anderen Quellen gedeckt werden musste. Denn in einer solch prekären Mangellage wäre es unmöglich gewesen, weitere Operationen zu planen.11

2.3.1 Die synthetische Herstellung von Treibsto en als Ausweg

Es wurde schon früh nach einer Möglichkeit gesucht, auf anderen Wegen an die dringend benötigten Treibsto e heranzukommen. Der Versuch in groÿem Stile synthetisch Benzin herzustellen, konnte diese Lage nicht, oder nur kaum, entschärfen. Das erste sogenannte Hydrierwerk wurde 1926/27 errichtet . Ziel war es, durch die eigene Herstellung von Treibsto en von Exporten so unabhängig wie möglich zu werden: Der synthetische Treibsto sollte an die Stelle der importierten Treibsto e treten oder zumindest den späteren Zusatzbedarf decken12. Im Vierjahresplan wurde die Intensivierung der Herstellung synthetischer Treibstof-fe festgelegt, es kam aber keine ausreichende Steigerung der Produktion zustande. Letztendlich waren die Verfahren zur synthetischen Treibsto gewinnung auch zu teuer. Hinzukommt, dass für das Hydrierverfahren ein anderer wichtiger Rohsto , die Kohle, gebraucht wurde. Diese war aber in vielen anderen Bereichen dringend notwendig13.

2.3.2 Import und Lieferverträge

Aber auch der Import von Treibsto en war ein wichtiger Faktor in der Mineralölversorgung. Trotz der angestrebten Autarkie führte an diesem Weg der Rohsto -bescha ung kein Weg vorbei.

Seit dem deutschen Einfall in Polen stellten die USA ihre Rohsto ieferungen nach Deutschland ein.

[...]


1 Hitler, Adolf.Mein Kampf. 239. Auf lage. München. 1937, S. 728.

2 Ebd.

3 Ebd., S. 731..

4 Ebd., S. 732.

5 Hitler.Mein Kampf 239, S. 742..

6 Eichholtz, Dietrich.Ökonomie, Politik und Kriegführung: wirtschaftliche Kriegsplanun- gen und Rüstungsorganisationen bis zum Ende der Blitzkriegs phase. In: Derselbe (Hrsg.).Krieg und Wirtschaft: Studien zur deutschen Wirtschaftsgeschichte 1939-1945. Berlin. 1999, S. 12.

7 Vgl. Dworok, Eckehard.Konventionelle Kriegsführung und kriegswirtschaftliche Zwän-ge: Eine Analyse ökonomischer Aspekte der deutschen Kriegsführung im zweiten Weltkrieg; insbesondere gegen die Sowjetunion. Dissertation, Universität des Landes Hessen. 1985, S. 102

8 Vgl. Blumenhagen, Karl Heinz.Die deutsch-sowjetischen Handelsbeziehungen und ihre Bedeutung für die jeweilige Kriegswirtschaft. Hamburg. 1998, Hamburger Beiträge zur Ge- schichte des östlichen Europa 2, S. 213: 40 % des Bedarfs an Vergaserkraftso e, 12 % des Dieselkraftsto s und 31 % des Heizölbedarfs konnten nach dieser Studie nur noch aus eigener Produktion gedeckt werden.

9 Vgl. Blumenhagen.Handelsbeziehungen , S. 210. Diese Ansicht teilt auch Eckehard Dwo-rok: vgl. Dworok.Konventionelle Kriegsführung und kriegswirtschaftliche Zwänge, S. 109.

10 Halder, Franz; Jacobsen, Hans-Adolf (Hrsg.).Kriegstagebuch: tägliche Aufzeichnun-gen des Chefs des Generalstabes des Heeres 1939-1942. Band 2, Von der geplanten Landung in England bis zum Beginn des Ostfeldzuges (1.7.1940-21.6.1941), 1. Auf lage. Stuttgart. 1963, S. 454.

11 Petzina, Dieter.Autarkiepolitik im Dritten Reich: der nationalsozialistische Vierjahres-plan. Stuttgart. 1968, Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 16, S. 98.

12 Ebd.

13 Vgl. Dworok.Konventionelle Kriegsführung und kriegswirtschaftliche Zwänge, S. 110

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftliche Planungen zum Unternehmen Barbarossa
Hochschule
Universität Hamburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Das nationalsozialistische Deutschland und die Sowjetunion
Note
2+
Autor
Jahr
2002
Seiten
17
Katalognummer
V19668
ISBN (eBook)
9783638237376
ISBN (Buch)
9783656454069
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit werden die wirtschaftlichen Motive zum Angriff auf die Sowjetunion im Zuge des Unternehmen Barbarossa untersucht.
Schlagworte
Wirtschaftliche, Planungen, Unternehmen, Barbarossa, Proseminar, Deutschland, Sowjetunion
Arbeit zitieren
Christian Beermann (Autor), 2002, Wirtschaftliche Planungen zum Unternehmen Barbarossa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19668

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