Was geschieht mit dem Euro? Kann die Stabilität der Wirtschafts- und Währungsunion weiterhin gewährleistet werden?


Bachelorarbeit, 2012

36 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themenstellung und Relevanz der Themenstellung
1.2 Formulierung der Forschungsfrage
1.3 Stand der Literatur
1.4 Methodische Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

2 Die Geschichte des Finanzsystems
2.1 Goldwährung
2.2 Das Währungssystem von Bretton Woods
2.3 Klassik, Neoklassik & Keynes
2.3.1 Ökonomische Ideengeschichte
2.3.2 Konjunkturtheorien

3 Der Euro
3.1 Wer oder was befindet sich in einer Krise?
3.1.1 Die PIIGS-Staaten
3.1.2 Fiskalkrise und die Macht der Gläubiger
3.1.3 Fehler des Integrationsprojektes?
3.1.4 Krise des Finanzmarktkapitalismus?
3.2 Reaktionen der Europäischen Union
3.2.1 Entwickeln wir uns in Richtung einer Transferunion?
3.2.2 Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union
3.2.3 Euro-Plus-Pakt, Six-Pack & Strategie Europa
3.3 Diskutierte Maßnahmen zur Krisenbewältigung

4 Weltwährungsordnung
4.1 Währungsreserven
4.2 Feste und flexible Wechselkurse
4.3 Dollar – Federal Reserve System
4.4 Euro – Europäische Zentralbank
4.5 IWF vs. EWF
4.5.1 Internationaler Währungsfonds
4.5.2 Europäischer Währungsfonds
4.6 Finanzmarktsystem
4.6.1 Finanzmärkte und Finanzoligarchen
4.6.2 Das Sonderziehungsrecht
4.6.3 Bancor
4.6.4 International Clearing Union

5 Conclusio

6 Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Die Entstehung der Verschuldungskrise

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Themenstellung und Relevanz der Themenstellung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, einerseits die aktuelle Situation des Euro und damit zusammenhängend der Europäischen Union zu analysieren und andererseits aufzuzeigen, ob das Währungssystem der Europäischen Union (EU) in der derzeitigen Form weiterhin bestehen kann, oder ob Anpassungen von Nöten sind.

Des Weiteren wird sich diese Arbeit mit den zur Krisenbewältigung gesetzten Maßnahmen der Organe der EU, z. B. der Europäischen Zentralbank (EZB), befassen. Insbesondere auf folgende Punkte soll eingegangen werden. Den befristeten Rettungsschirm European Financial Stability Facility (EFSF), den ab 2013 fix installierten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und den mit diesen beiden Punkten zusammenhängenden Artikel 125 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV), der No-Bail-out Klausel. Ebenso wird auf den Euro-Plus-Pakt, den Six-Pack und die Strategie 2020 der EU eingegangen. Dem werden weitere diskutierte Maßnahmen aus diversen wissenschaftlichen Werken gegenübergestellt.

Ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf die Weltwährungsordnung und den ESM stellt der US-Dollar (USD), welcher als derzeitige Leitwährung als Benchmark herangezogen wird, dar. Ebenso die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Möglichkeit eines bereits angedachten und eigens zu schaffenden Europäischen Währungsfonds (EWF). Des Weiteren wird das Augenmerk auf das Finanzmarktsystem gelenkt.

Da kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über die Euro-Krise in diversen Medien berichtet wird, oder führende PolitikerInnen zitiert werden[1], ist die Aktualität dieses Themas wohl unumstritten. Wobei man sich aus wissenschaftlicher Sicht gesehen, mit der Frage befassen muss, wer oder was überhaupt in einer Krise steckt. Ist es die Europäische Union, der Euro, die Banken oder gar die Finanzmärkte? Oder liegt das eigentliche Problem doch viel tiefer? Ein möglicher Ansatz könnten die Zugangskriterien zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) sein und die Frage ob diese hätten strenger kontrolliert werden sollen.

Während auf die PIIGS-Staaten im Allgemeinen eingegangen wird, wird auf Griechenland und Irland gesondert eingegangen.

1.2 Formulierung der Forschungsfrage

Auf Basis einer umfassenden Literaturrecherche der Themenbereiche Euro und Euro-Krise, damit einhergehend die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU), Weltwährungsordnung und des US-Dollars als Leitwährung, ergeben sich für den Verfasser dieser Arbeit zwei Forschungsfragen.

Das Ziel dieser Arbeit ist somit die Beantwortung der nachfolgend angeführten Forschungsfragen:

1. Welche Maßnahmen sind erforderlich, um das Fortbestehen und die Stabilität der Wirtschafts- und Währungsunion zu gewährleisten?
2. Ist es möglich, dass der Euro den US-Dollar als Leitwährung ablöst?

1.3 Stand der Literatur

Dass sich die Europäische Union in einer Krise befindet, steht außer Frage. Jedoch werden die Gründe für die Krise in den unterschiedlichen literarischen Werken ebenso differenziert diskutiert wie die Frage, in was für einer Krise sich die Europäische Union überhaupt befindet.

Die WissenschaftlerInnen und ExpertInnen sind sich in Bezug auf die gesetzten und geplanten Maßnahmen zur Rettung der Europäischen Union ebenso uneins, wie deren Lösungsansätze gegensätzlich diskutiert werden.

Eine ähnliche Uneinigkeit trifft auch auf die Diskussion rund um das Thema Leitwährung zu. Während sich die eine Seite für ein Fortbestehen des Dollars als Leitwährung ausspricht, ist die andere Seite der Auffassung, dass der Euro diese Rolle übernehmen sollte. Sowohl die VertreterInnen der einen als auch der anderen Meinung legen Ihre Ansichten in etlichen Werken dar.

Diesen beiden Ansichten stehen wiederum jene VertreterInnen gegenüber, die der Überzeugung sind, dass die derzeitige Form der Leitwährung an sich suboptimal ist. Mögliche Ansatzpunkte aus deren Sicht wäre z. B. ein Ausbau der Sonderziehungsrechte oder ein System ähnlich der von Keynes vorgeschlagenen International Clearing Union.

1.4 Methodische Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Die Grundlage dieser Arbeit bildet eine umfassende Literaturrecherche mit dem Ziel der Veranschaulichung der aktuellen wissenschaftlichen Betrachtungsweise. Aus der Formulierung der Forschungsfragen ergibt sich die nachfolgend angeführte Gliederung der Bachelorarbeit.

Kapitel zwei wird zunächst auf die Geschichte des Finanzsystems eingehen. Hierbei wird der Goldstandard und in weiterer Folge das Bretton-Woods-System, als Ablöser des Goldstandards, näher erläutert, gefolgt von einer kurzen Gegenüberstellung der Klassik, der Neoklassik und des Keynesianismus.

Der Euro ist der Titel des dritten Kapitels. In diesem Abschnitt wird zunächst darauf eingegangen in was für einer Krise wir uns überhaupt befinden. Weiters wird sich Kapitel drei mit den geplanten Maßnahmen zur Krisenbekämpfung befassen. Auch ob wir uns dadurch in Richtung einer Transferunion bewegen, soll hierbei erläutert werden.

Das Kapitel vier, mit dem Titel Weltwährungsordnung, wird sich der zweiten Forschungsfrage widmen. Es werden aber nicht nur der Dollar und der Euro gegenübergestellt, sondern auch die Rolle des Internationalen Währungsfonds und als potenzielle europäische Variante der Europäische Währungsfonds analysiert. Einen weiteren Abschnitt dieses Kapitels bildet das Finanzmarktsystem, wobei auf die Rolle der Finanzoligarchie eingegangen wird. Der letzte Teil des Kapitels widmet sich dem Sonderziehungsrecht, dem Bancor und der International Clearing Union.

Im fünften und letzten Kapitel, dem Conclusio, werden die gewonnen Erfahrungen zusammengefasst, analysiert und in weiterer Folge die beiden Forschungsfragen beantwortet.

2 Die Geschichte des Finanzsystems

In diesem Kapitel wird der Verfasser nicht auf die komplette Geschichte des Geld- bzw. des Finanzsystems eingehen, sondern sich auf die beiden geschichtlichen Abschnitte der Goldwährung und des Bretton-Woods-System konzentrieren. Diese wurden gewählt, da sich diese Arbeit in weiterer Folge sowohl auf die eine als auch auf die andere der beiden Epochen beziehen wird.

Des Weiteren werden in diesem Kapitel klassische, neoklassische und keynesianische Ansichten gegenübergestellt, wobei auf die Theorien und Ansichten von John M. Keynes, der Klassik und der Neoklassik bei Bedarf eingegangen wird. Bei Bedarf bedeutet wenn eine passende Stelle dieser Arbeit einer dieser Theorien entspricht bzw. widerspricht.

2.1 Goldwährung

Die Goldwährung, oder auch Goldstandard[2] genannt, wurde als Unterkapitel in diese Arbeit aufgenommen denn „[u]m die Bedeutung von Bretton Woods richtig zu würdigen […] [muss man, d. Verf.] sich zunächst die Konstruktion des Weltwährungssystem vor dem zweiten Weltkrieg vor Augen halten“[3].

Der Grundgedanke der Goldwährung war der, dass sich damals alle Notenbanken dazu verpflichteten, die Höhe aller ausgegebenen Papierwährungen jederzeit zu einem festen Kurs gegen Gold umzutauschen. 1934 z. B. war eine Unze Gold in den USA $ 35 wert, eingelöst konnte diese bei der deutschen Reichsbank zu einem garantierten Kurs von 147 Reichsmark werden, somit Betrug der Wechselkurs 4,20 Reichsmark pro Dollar.[4]

Dieser Kurs konnte zwar schwanken, jedoch nur minimal. Angenommen der Dollar wäre auf dem Devisenmarkt um 10% gestiegen, also auf 4,62 Reichsmark pro Dollar, dann hätte eine Unze Gold um 147 Reichsmark eingekauft, aber um 162 Reichsmark verkauft werden können. Theoretisch gesehen hätten durch die Kursunterschiede auf diese Weise 15 Reichsmark an Gewinn erwirtschaftet werden können. Diese Möglichkeit Gewinne, ohne jegliches Risiko, zu erzielen regelte jedoch der Markt selbstständig. Denn wären vermehrt Dollar gegen Reichsmark angeboten worden, musste dies dazu führen, dass der Dollarkurs sofort wieder auf den Kurs von 4,20 Reichsmark sank - ohne Erfordernis internationaler Vereinbarungen.[5]

Neben der oben genannten automatischen Regulierung hatte die Goldwährung noch einen weiteren Vorteil. Sie sorgte dafür, dass die Zahlungsbilanz der Länder zum Gleichgewicht tendierten. Hätte beispielsweise Deutschland mehr Waren importiert als exportiert, bestünde auf den Devisenmärkten ein Überangebot an Reichsmark. Infolge dessen wäre der Kurs der Reichsmark gesunken und der des Dollars gestiegen. Dem hätte die Reichsbank durch Erhöhung des Diskontsatzes entgegenwirken können. Durch eine solche Erhöhung hätten zwei Effekte erzielt werden können. Einerseits wurde es, wegen des höheren Zinssatzes, für ausländische BesitzerInnen attraktiv ihr Kapital in Reichsmark anzulegen und andererseits wurde dadurch die Liquiditätsnachfrage der deutschen Geschäftsbanken verringert.[6]

Eine sinkende Geldmenge wiederum bedeutete nach der Quantitätstheorie letztlich auch ein sinkendes deutsches Preisniveau, was wiederum bedeutete, dass die Goldabflüsse in andere Länder dort zu steigenden Preisen führte. Somit wurden deutsche Güter zwar billiger, Importe nach Deutschland jedoch teurer. Eingependelt hätte sich dies, wenn wieder Zahlungsbilanzgleichgewicht herrschte.[7]

Ihr Ende fand die Goldwährung durch die Weltwirtschaftskrise und die weltweite Depression, als England im Jahre 1931 das Pfund, mit der Hoffnung auf einen Exportvorteil, abwertete. Außerdem waren die 1930er Jahre durch sinkende Preisniveaus gekennzeichnet. Gegen diese Deflation konnte nur durch Ausschüttung von mehr Geld entgegengewirkt werden, was bei gegebenen Goldreserven nur möglich war, wenn mehr Papiergeld pro Goldeinheit ausgegeben wurde. Der erhoffte Exportvorteil wurde jedoch durch Währungsabwertungen der anderen Länder zunichtegemacht.[8]

Ende der 30er Jahre war insgesamt mehr Papiergeld in Umlauf und der allgemeine Liquiditätsmangel schien vorerst behoben. Viele Länder gingen von der Goldwährung zur Golddevisenwährung über, somit wurde neben Gold auch ausländische Devisen als Deckung für die eigene Geldschöpfung zugelassen - insbesondere der Dollar und das englische Pfund.[9]

2.2 Das Währungssystem von Bretton Woods

Mit dem Treffen von 44 VertreterInnen der alliierten Staaten in dem englischen Dorf Bretton Woods, wurde im Jahre 1944 die Konvention von Bretton Woods beschlossen. Diese beinhaltete neben der Gründung des IWF und der Weltbank auch die Festlegung einer neuen Währungsordnung.[10]

Auf die Funktionen des IWF wird in Kapitel 4.5.1 genauer eingegangen, die Rolle der Weltbank ist nicht Teil dieser Arbeit.

Das Bretton-Woods-System basierte auf einer Art Goldstandard in dem sich die Länder erstmals vertraglich auf festgelegte Beschränkungen bei der Fixierung ihrer Wechselkurse einigten. Mit der Konvention von Bretton Woods wurde der US-Dollar zur Leitwährung. Den Ländern wurde vorgeschrieben, die Parität ihrer Währungen entweder in einer bestimmten Menge Gold oder US-Dollar zu definieren. Dieser wurde mit einem Kurs von USD 35 pro Unze zum Gold fixiert, wobei eine prinzipielle Einlösepflicht des US-Dollar in Gold bestand. Diese Methode trug den Namen Gold-Devisenstandard.[11]

Da die Goldbindung nur formellen Charakter hatte, dominierte der USD als Leitwährung. Während es der US Notenbank frei stand ihre Geldpolitik zu gestalten, mussten sich alle übrigen Länder an diese Geldpolitik ankoppeln um ihren Währungskurs stabil zu halten.[12]

Das System war, obwohl das weltweite Preisniveau der handelbaren Güter von der Geldpolitik der US-Notenbank bestimmt war, erfolgreich; denn die Wechselkurse schwankten um nur +/- 1% ihrer Parität zum USD und die Paritäten selbst mussten nur selten angepasst werden. 1973 brach das System, aufgrund drastischer Abwertungen des USD gegenüber den wichtigsten Handelspartnern, zusammen. Darauf folgend wurden die Wechselkurse zum US-Dollar freigegeben.[13]

2.3 Klassik, Neoklassik & Keynes

Da die Theorien der Klassik, der Neoklassik und der von Keynes jeweils einzeln genügend Material für etliche Dissertationen bieten würden, werden in dieser Arbeit nur die aus Sicht des Verfassers notwendigen Theorien kurz erörtert.

2.3.1 Ökonomische Ideengeschichte

2.3.1.1 Klassik

Adam Smith, der als Begründer der Klassik gilt, vertrat mit seinem Theorem der unsichtbaren Hand die Meinung, dass der Staat sich auf die Bereitstellung des Rechtssystems und öffentlicher Einrichtungen beschränken sollte. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft sind demnach nicht erwünscht, sogar abzulehnen.[14]

Ein weiterer wichtiger Vertreter der Klassik war David Ricardo, der in seiner Theorie der komparativen Kostenvorteile nachwies, dass es für eine Volkswirtschaft unerlässlich ist, Außenhandel zu betreiben. Weiters entwarf er die Theorie der Einkommensverteilung, auf die hier nicht weiter eingegangen wird. Neben Smith und Ricardo muss auch Jean-Baptiste Say erwähnt werden. Er begründete die Quantitätstheorie des Geldes. Diese besagt, dass die Geldmenge maßgeblich die Höhe des Preisniveaus beeinflusst. Neben der Quantitätstheorie ist nach ihm auch das saysche Theorem benannt. In diesem besagt er, dass es ein dauerhaftes Überangebot an Gütern nicht geben kann, da sich jedes Angebot seine Nachfrage selbst schafft.[15]

2.3.1.2 Neoklassik

Die Neoklassik erweiterte die Ansichten der Klassik (die objektive Wertlehre) um den Grenznutzen des Güterkonsums und begründeten somit die subjektive Wertlehre. Unter dem Grenznutzen versteht man den zusätzlichen Nutzen den die letzte Einheit eines Gutes dem Einzelnen stiftet.[16]

2.3.1.3 Keynes

John Maynard Keynes widersprach dem sayschen Theorem indem er darauf hinwies, dass die Möglichkeit besteht, dass das Einkommen nicht in Investitionen bzw. Konsum fließt, sondern zu gewissen Teilen auch gespart wird. In einem solchen Fall ist ein Gegensteuern durch Staat und Notenbank erforderlich. Durch derartige Ausgabenprogramme des Staates/der Notenbank kann eine zusätzliche Nachfrage geschaffen werden, so Keynes. Aus dieser zusätzlichen Nachfrage leitet er den Multiplikatoreffekt ab.[17]

2.3.2 Konjunkturtheorien

2.3.2.1 Die keynesianische Theorie & die monetaristische Gegenrevolution

Aufgrund der damals langfristig ausgerichteten analytischen Sicht wurde keine Erklärung für die lange und hohe Arbeitslosigkeit während der großen Depression gefunden. Erst durch die Wirtschaftstheorie von Keynes wurde das Analyseinteresse auf die kurze Frist und die Bedeutung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage gelenkt. Keynes geht im Gegensatz zur Neoklassik von einem Unterbeschäftigungsgleichgewicht aus. Dass also bei nicht voll ausgelasteten Kapazitäten unfreiwillige Arbeitslosigkeit besteht. Aus Sicht von Keynes entstehen konjunkturelle Schwankungen aus einer veränderten Einschätzung der künftigen Entwicklung einer Investition (Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals). Da die Geldpolitik wirkungslos ist, muss die Nachfrage durch staatliche Nachfrage gestützt werden, was die Wirtschaft wiederum über einen sich selbst verstärkenden Anpassungsprozess zur Vollbeschäftigung zurückführt.[18]

Diese Sicht wurde in den 1970er Jahren aufgrund einer Stagflation erschüttert. Milton Friedmann, als Vertreter der Monetaristen, betonte in diesem Zusammenhang die Wirksamkeit der Geld- gegen Fiskalpolitik. Die Monetaristen erklären konjunkturelle Schwankungen durch einen Informationslack der ArbeitnehmerInnen, diese würden einer Geldillusion unterliegen.[19]

2.3.2.2 Kurzfristige Konjunkturpolitik

Da Keynes ‘ Analyse auf einer kurzfristigen Basis beruht, fordert er eine antizyklische Finanzpolitik. Diese soll mittels Geld- und Fiskalpolitik umgesetzt werden. Niedrige Zinsen bei stagnierendem Wachstum um die Nachfrage nach Investitionen zu steigern und höhere Zinsen und Steuern während eines Booms, um so die Konjunktur zu dämpfen.[20]

3 Der Euro

Mit 1. Januar 1999 wurde der Euro für bargeldlose Zahlungen und buchhalterische Zwecke, als virtuelle Währung, eingeführt. Seit dem 1. Januar 2002 sind die Banknoten und Münzen in Umlauf.[21]

13 Jahre später: „Unter der Wucht der Krise greifen selbst neoliberale Regierungen zu milliardenschweren Subventionen […]. Die Interventionen in die Real- und Finanzökonomie erreichen eine bisher unvorstellbare Tiefe“.[22]

Bevor es ans Eingemachte geht, also auf die Krise eingegangen wird, werden an dieser Stelle drei von neun von Martin Hüfner genannte Gründe aufgezählt, warum der Euro gerettet werden muss.

„Der Euro bewahrt uns vor stärkerer Geldentwertung. Natürlich wird alles teurer, aber das ist überall so. […] Der Ölpreis ist in den letzten zehn Jahren in Euro nur etwas mehr als halb so stark gestiegen wie in Dollar.

Der Euro garantiert feste Wechselkurse in Europa. Das erleichtert Handel und Kapitalverkehr, schafft Arbeitsplätze.

Der Euro ist gemessen am Bargeldumlauf die größte Währung der Welt. Solch eine ‚Institution‘ kann man nicht einfach wegwerfen.“[23]

3.1 Wer oder was befindet sich in einer Krise?

Dass sich Europa in einer Krise befindet steht außer Frage; folgend einige Zitate welche vorerst unkommentiert bleiben.

„Die Finanzkrise von 2008 und die anschließende, bis heute andauernde Fiskalkrise der westlichen Industriegesellschaften haben ein Maß an Turbulenz in die nationale und internationale Politik gebracht […].“[24] „Zwanzig Jahre nach Unterzeichnung der Maastrichter Verträge […] befindet sich das europäische Projekt in seiner bisher wohl tiefsten Krise.“[25] „Die EU-Krise des Jahres 2011 ist einerseits Ausdruck von Widersprüchen innerhalb des EU-Systems selbst, […] [andererseits, d. Verf.] ist die EU-Krise nur eine regionale Erscheinungsform der Krise des globalen Finanzmarktkapitalismus, dessen ökonomisches und politisches Machtzentrum die USA bilden.“[26] „Es gibt überhaupt keine ‚Euro-Krise‘. Wir stehen mitten in einer neuen Bankenkrise.“[27]

Die festgehaltenen Zitate haben zwar allesamt etwas gemeinsam, sie bestätigen dass wir uns in einer Krise befinden, jedoch werden die Gründe und die Art der Krise unterschiedlich interpretiert. So sprechen Beckert und Streeck von einer Fiskalkrise, während Lichtenstein von einer Krise aufgrund des europäischen Integrationsprojektes spricht. Frank Deppe spricht zwei Gründe an: zum einen aufgrund von [grundlegenden, d. Verf.] Fehlern innerhalb des EU-Systems und zum anderen von einer Krise des Finanzmarktkapitalismus‘. Einen ähnlichen Ansatz vertritt auch Max Otte, der von einer Bankenkrise spricht.

Ehe wir in den nachfolgenden Unterkapitel 3.1.2 bis 3.1.4 diese Herangehensweisen diskutieren, wird die Rolle der ‚schwarzen Schafe‘ [Anm. d. Verf.], der PIIGS-Staaten, in Kapitel 3.1.1 analysiert.

[...]


[1] Vgl. Blankart (2011) S. 13 f.

[2] Vgl. Reffert-Schönemann (1984) S. 32.

[3] van Suntum (2011) S. 202.

[4] Vgl. van Suntum (2011) S. 202.

[5] Vgl. van Suntum (2011) S. 202 f.

[6] Vgl. van Suntum (2011) S. 203.

[7] Vgl. van Suntum (2011) S. 203 f.

[8] Vgl. van Suntum (2011) S. 204.

[9] Vgl. van Suntum (2011) S. 204.

[10] Vgl. Reffert-Schönemann (1984) S. 29.

[11] Vgl. Reffert-Schönemann (1984) S. 33 ff.

[12] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 270.

[13] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 270.

[14] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 14.

[15] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 14.

[16] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 14.

[17] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 14.

[18] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 110.

[19] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 110.

[20] Vgl. Buscher u.a. (2009) S. 146.

[21] Vgl. Generaldirektion für Kommunikation der Europäischen Kommission (2010) online.

[22] Urban (2011) S. 33 f.

[23] Hüfner (2011) S. 12 f.

[24] Beckert/Streeck (2012) S. 7.

[25] Lichtenstein (2012) S. 3.

[26] Deppe (2011) S. 23 f.

[27] Otte (2011) S. 10.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Was geschieht mit dem Euro? Kann die Stabilität der Wirtschafts- und Währungsunion weiterhin gewährleistet werden?
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH
Note
2,00
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V196710
ISBN (eBook)
9783656228523
ISBN (Buch)
9783656229193
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euro, Weltwährungsordnung, Wirtschafts- und Währungsunion, Keynes, Bancor, Fiskalkrise, Integrationsprojekt, Finanzoligarchie, IWF, EWF, AEUV, Finanzmarktkapitalismus, Federal Reserve System, International Clearing Union, ICU, Transferunion, Euro-Plus-Pakt, Six-Pack, Europa 2020, Euro vs. Dollar, Sonderziehungsrecht, Weltwährung, Klassik, Neoklassik, Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, Fiskalpolitischer Pakt
Arbeit zitieren
Gregor Smole (Autor), 2012, Was geschieht mit dem Euro? Kann die Stabilität der Wirtschafts- und Währungsunion weiterhin gewährleistet werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196710

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