Zugang zur Babelerzählung über Kunst


Unterrichtsentwurf, 2011
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Überblick über die Unterrichtseinheit

2. Darstellung der Bedingungsfelder der Klasse

3. Sachanalyse und Erfahrungshintergrund

4. Didaktische Überlegungen
4.1 Legitimation des Themas vor dem Hintergrund der curricularen Vorgaben
4.2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung der Thematik für die Schülerinnen und Schüler
4.3 Begründung des Themas auf Basis entwicklungspsychologischer Überlegungen
4.4 Intention der Unterrichtsstunde

5. Lernziele
5.1 Lernziele zur Entwicklung von Fach- und Methodenkompetenz
5.2 Lernziele zur Entwicklung von Human- und Sozialkompetenz

6. Methodische Gestaltung und Medieneinsatz

7. Geplanter Unterrichtsverlauf

Anhang A: Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang B: Peter Breughel, Der Turmbau zu Babel, 1563

Anhang C: Werk aus der Sammlung Meister der Weltenchronik, entstanden um 1370 in Deutschland

Anhang D: Gustav Doré, Die Sprachverwirrung 1866

Anhang E: Cornelisz Anthonisz, Der Einsturz des Turmes zu Babel, 1547

Anhang F : Peter Angermann, Turmbau zu Babel, 1989

Anhang G: Arbeitsauftrag

1. Überblick über die Unterrichtseinheit

[…] Die SuS[1] der Jahrgangsstufe 11 belegen einen ökumenischen Religionskurs. Die Lerngruppe setzt sich aus 11 weiblichen Schülerinnen und 11 männlichen Schülern im Alter zwischen 16 und 18 Jahren zusammen. Da die Altersstruktur relativ homogen ist, ergeben sich aus ihr keine besonderen pädagogischen Konsequenzen.

In den vorhergehenden Stunden wurde das Thema Babel bereits historisch als auch exegetisch bearbeitet. Die hier zu planende Unterrichtseinheit bildet den Abschluss der Sequenz.

2. Darstellung der Bedingungsfelder der Klasse

Die SuS kommen überwiegend aus dem Stadtgebiet […] und haben in der Mehrzahl eines der dortigen Gymnasien besucht, z. T. aber auch eine Realschule. Vier der Schüler haben einen Migrationshintergrund. Da sie aber schon lange in Deutschland leben sind sie gut integriert und haben keine sprachlichen Defizite. Neun dieser Schüler gehören der evangelischen Kirche, acht der katholischen Kirche an; ein Junge und ein Mädchen sind muslimischen Glaubens. Ein Schüler sieht sich als Atheist.

Die Lernenden gehen höflich miteinander und respektvoll mit der Lehrperson um. Bei fehlerhaften Äußerungen versuchen die SuS sich gegenseitig zu unterstützen und auftretende Fragen zu klären. Das Lernniveau der Klasse würde ich als durchschnittlich bis gut bezeichnen. Die Bereitschaft der Klasse zur Mitarbeit im Unterricht ist gut. Die Der Kurs wird seit wenigen Monaten gemeinsam im Fach Religion beschult.

Gruppenarbeiten werden von den SuS als Abwechslung im Unterrichtsalltag und Möglichkeit der gegenseitigen Hilfe bei der Erarbeitung einer Problemlösung erkannt und gerne genutzt. Die nachfolgenden Präsentationsphasen sind aufgrund der Anforderungen weniger beliebt. Die Größe der Klasse erfordert oftmals eine Auswahl an präsentierenden Gruppen. Die Freiwilligkeit, diese Möglichkeit der Schulung der kommunikativen Kompetenzen zu nutzen, ist nicht immer gegeben.

3. Sachanalyse und Erfahrungshintergrund

Die Erzählung von Babel (Gen 11, 1-9) bildet den Abschluss der Urgeschichte im Buch Genesis. Typisch für diese Erzählungen ist die Betrachtung der Beziehung zwischen Gott und den Menschen.[2] Nach einer Reihe menschlicher Verfehlungen, wie dem Sündenfall im Paradies, dem Brudermord Kains an Abel sowie der Erzählung von Noah und der Flut missachten die Menschen erneut die Regeln Gottes und streben durch ihren Turmbau in ihrer menschlichen Hybris nach Gottesgleichheit. Gott jedoch steht zu seinem Bund mit den Menschen, den er mit Noah geschlossen hat (Gen 9, 17), und vernichtet die Menschen nicht. Stattdessen lässt er Milde walten und verwirrt lediglich die Sprache der Menschen, sodass diese nicht weiter am Turm bauen können, sondern sich über die Erde, so wie von Gott beabsichtigt (Gen 9, 7), verteilen müssen.

Die Existenz des Turms ist seit 1913 nachgewiesen.[3] König Nebukadnezar II. (640 - 562 v. Chr.) vollendete den Turmbau, den sein Vater in Auftrag gab und damit Vorgänger-Tempeltürme älterer Dynastien Babels überbaute. Zerstört wurde der Turm im Jahr 483 v. Chr. durch Xerxes I.[4]

Auch heute streben wir Menschen wieder nach Gottesgleichheit, indem wir Wolkenkratzer hoch in den Himmel bauen sowie die genetischen Eigenschaften unserer Nachkommen bestimmen wollen.

Für mich persönlich ist die Babelerzählung eine wichtige Bibelstelle, denn sie verdeutlicht, dass Gott den sündigen Menschen nicht verdammt und straft, sondern zu ihm steht. Auch wenn wir Menschen Gottes Gebote brechen, so können wir dennoch die Gnade Gottes erlangen (Röm 3, 21-28).

Für die Unterrichtseinheit habe ich fünf Werke ausgewählt, welche die Geschehnisse in Babel aufgreifen. So stellt das Gemälde von Breughel (Anhang B) vor allem den Bauherrn König Nimrod heraus. Er schart mehrere Personen um sich und ist die zentrale Figur. Der Turm wirkt gleichwohl mächtig und imposant[5], aber auch empfindlich zugleich, da er sich nach links neigt. Das Werk aus der Sammlung Meister der Weltchronik (Anhang C) stellt den Zeitpunkt des ersten Abstiegs Gottes vom Himmel herab dar (Gen 11, 5). Die Bautätigkeit scheint in vollem Gange zu sein und die Herren auf der Spitze des Turmes blicken freudig und erwartungsvoll um sich - ohne Gott zu bemerken. Der Turm wirkt im Vergleich zu Breughel weniger massiv. Die Gemälde von Doré (Anhang D) und Anthonisz (Anhang E) zeigen beide die Reaktion Gottes auf den Turmbau. Bei Doré verfinstert sich der Himmel, der Turm wird in seiner Substanz nicht beschädigt und die Menschen wirken ängstlich. Am vorderen Bildrand ist eine Gruppe von Menschen zu erkennen, die nun nicht mehr kommunizieren kann. Im Gegenzug dazu wird der Turm samt umstehender Bauten im Gemälde von Anthonisz komplett zerstört. Die Wolkendecke öffnet sich und Gott sendet seine Diener, vermutlich Engel, aus, die den Turm zum Einsturz bringen. Auch hier fürchten sich die Menschen. Dies ist aber vorrangig dem Turmeinsturz selbst geschuldet und keiner mysteriös-finsteren Atmosphäre, da die Menschen hier teilweise bereits von hinab fallenden Trümmerteilen erschlagen wurden. Das Werk von Angermann (Anhang F) zeigt, dass das Motiv der Babelerzählung, die menschliche Anmaßung und Überheblichkeit, auch in unserer heutigen Gesellschaft aktuell ist. So ist wie bei Breughel ein mächtiger Bauherr dargestellt, der eine ganze Stadt in die Höhe wachsen lässt.

4. Didaktische Überlegungen

4.1 Legitimation des Themas vor dem Hintergrund der curricularen Vorgaben

Im Lehrplan für Gymnasien der Jahrgangsstufe 11 (E2) wird das Thema Babel sowie dessen Darstellung in der Kunst nicht explizit genannt. In der Einführungsphase sollen die SuS „heilige Schrift(en) verstehen“[6], wozu zweifellos die Babelerzählung gehört. Aufgrund der Aktualität der theologischen Botschaft von Gen 11, 1-9 habe ich diese Bibelstelle exemplarisch herausgegriffen (vgl. Kap. 3). Zusätzlich zum direkten hermeneutischen Zugang zum Text soll die biblische Wirkungsgeschichte auch in der Kunst aufgegriffen werden. Der Inhalt „Der Turmbau zu Babel“ wird weiterhin durch die konkrete Nennung im schulinternen Lehrplan […] begründet. Auch das methodische und didaktische Vorgehen dieses Unterrichts wird über den Lehrplan legitimiert: Unter dem Punkt „Arbeitsweisen“ wird die Methode der Bildbetrachtung explizit genannt. Zudem werden gleichwohl Handlungsorientierung und Dialogfähigkeit gefordert.[7]

4.2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung der Thematik für die Schülerinnen und Schüler

Mehrere aktuelle politische Fragestellungen demonstrieren zurzeit, dass der Mensch die von Gott gesetzten Grenzen überschreitet bzw. überschreiten möchte. Hierzu lässt sich insbesondere die Präimplantationsdiagnostik (PID) zählen, zu der kürzlich im Deutschen Bundestag eine gesetzliche Novellierung verabschiedet wurde.[8] Bei der PID werden künstlich befruchtete Embryonen vor ihrer Einpflanzung in den Mutterleib auf gewisse Erbkrankheiten untersucht. Dies ist nun unter gewissen Voraussetzungen legal. In einer weiteren Stufe wäre es denkbar, dass man sich Nachwuchs „nach Maß“, also gewissen Merkmalen, züchtet. Ebenso immer wieder brisant ist die Thematik christlich-ethischer Vertretbarkeit des Klonens von Lebewesen[9].

Die Präsenz dieser Themen im Alltag erfordert es, dass sich SuS damit auseinandersetzen. Im Rahmen der Thematik Babel erarbeiteten sich die SuS einen Standpunkt zum Thema „Wie weit darf der Mensch gehen und was ist Anmaßung bzw. Überheblichkeit?“. Dieser kann als Orientierungspunkt dazu dienen sich im Rahmen diverser Entscheidungsprozesse individueller und kollektiver Art aus der Lebenswelt der SuS eine Meinung zu bilden.

Nachdem die Verbindung zwischen den oben dargestellten aktuellen Ereignissen in der vorherigen Unterrichtseinheit hergestellt wurde, kann nun über den Zugang der Kunst analog verdeutlicht werden, wie sich Gott und Menschen in Zeiten jener Geschehnisse beschreiben lassen. So wirken bzw. handeln Wissenschaftler und politische Befürworter vor Eintritt einer Katastrophe oder eines Fehlers mächtig und selbstbewusst, während ihre „Forschungsergebnisse“, wie der frühe Tod von Klonschaf Dolly zeigt, trotz ihrer Imposanz mit Makeln behaftet sind – ähnlich dem schief stehenden Turm bei Breughel.

Nachdem menschliches Handeln aus den Fugen geraten ist, wie durch die exzessive Nutzung der Atomkraft[10] in Japan, zeigen sich die Menschen geschockt und ängstlich.[11] Dieses Thema griff Doré ebenfalls in seinem Werk zur Sprachverwirrung auf.

4.3 Begründung des Themas auf Basis entwicklungspsychologischer Überlegungen

Nachdem die Phase der Pubertät sich dem Ende zuneigt, treten Themen zu der eigenen Position der SuS in der Gesellschaft wieder in den Hintergrund. Die Wahrnehmung verlagert sich wieder weg vom eigenen Innern hin zur Lebenswelt. In dieser treten jene in Kap. 4.2 beschriebenen christlich-ethischen Fragestellungen auf, in welchen sich die Heranwachsenden eine Position erarbeiten sollen und möchten.[12] Das Streben nach Kompetenz die Umwelt zu erforschen und sich Wissen sowie einen eigenen Standpunkt anzueignen, gestützt auf die Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci und Ryan[13], kommt somit dem Thema Babels in Verbindung mit aktuellen politischen Themen entgegen.

Das Vorgehen über die Wahrnehmung des Bildes mittels der Methode der Bildbeschreibung ist wichtig, da viele Jugendliche an einer Überreizung der eigenen Wahrnehmungskanäle durch übermäßigen Konsum neuer (digitaler) Medien leiden.[14] Bedingt durch Multitasking, in dessen Folge die kognitive Verarbeitung der Informationen im Gehirn überreizt wird, nehmen sich SuS kaum noch Zeit ihre Umwelt wahrzunehmen, ohne sofort Dinge zu interpretieren oder bewerten zu wollen. Dieser Effekt wird durch Darstellung von Gewalt und Pornografie in den Medien verstärkt.[15] Um die Wahrnehmung der SuS zu fördern, können die Kunstwerke auf spezifische Aspekte hin betrachtet werden, um sich auf dieser Basis der Besonderheiten bewusst zu werden, die bei unaufmerksamem Betrachten ohne ausreichend Zeit wenig oder gar nicht auffallen.

4.4 Intention der Unterrichtsstunde

Diese Unterrichtseinheit steht „abrundend“ am Ende der Sequenz Babel. Die SuS haben die Möglichkeit ihr Wissen aus historischer Darstellung und Exegese der Bibel zu konsolidieren. Dabei wenden sie sich der Darstellung Babels in der Kunst zu und hinterfragen, welche Gesichtspunkte der Erzählung auf welche Art künstlerisch festgehalten werden. Neben der Möglichkeit offene Fragen zu klären, können die SuS einen von ihnen gewählten Aspekt zur Darstellung der Babelerzählung bearbeiten. Im Rahmen der Unterrichtseinheit wird es den SuS ermöglicht ihre selbstkonstruierte imaginäre Darstellung von Gen 11, 1-9 mit der Sicht verschiedener Maler abzugleichen.

Zudem wird die Methode der Bildbearbeitung eingeübt. Die Kenntnis der hier thematisierten Vorgehensweise ist auch für den Kunstunterricht wichtig und wertvoll.

Darüber hinaus möchte ich die kommunikativen Kompetenzen der SuS fördern. Die unbeliebten Präsentationsphasen sollen methodisch-didaktisch umgestaltet werden, sodass auch für die Zukunft Zurückhaltung und Hemmnisse bei den der SuS abgebaut werden.

5. Lernziele

Mit dieser Unterrichtseinheit soll vorrangig das Verhältnis zwischen Kunst und historischen Ereignissen sowie Exegese thematisiert werden. Die SuS sollen selbstständig klar umrissene Aspekte künstlerischer Werke beschreiben. Auf dieser Basis kann der unterschiedliche Grad der Annäherung eines Malers an Historie und Exegese dargestellt werden.

[...]


[1] Schülerinnen und Schüler wird aus sprachökonomischen Gründen im Folgenden durch SuS abgekürzt.

[2] Vgl. bsp. Hüttenhoff, et al., 2006, S. 11

[3] Vgl. Kuntze (Hrsg.), 2003, S. 109

[4] Vgl. Meyer, 2010, S. 478

[5] Vgl. Zahlten, 2011, S. 1

[6] Vgl. Hessisches Kultusministerium, 2010, S. 40

[7] Vgl. a.a.O., S. 5

[8] Vgl. Die Zeit Online, 2011, S. 1

[9] Vgl. WDR Online, 2011, S. 1

[10] Vgl. Deutschlandradio Online, 2011, S. 1

[11] Vgl. Stern Online, 2011, S. 1

[12] Vgl. Daniels, 2008, S. 39

[13] Vgl. Deci, et al., 1993, S. 229

[14] Vgl. Friesling, 2010, S. 49

[15] Vgl. Geist, 2005, S. 63

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zugang zur Babelerzählung über Kunst
Hochschule
Universität Kassel  (Institut für evangelische Theologie)
Veranstaltung
Kunst und kreative Methoden im Religionsunterricht
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V196757
ISBN (eBook)
9783656236672
ISBN (Buch)
9783656237105
Dateigröße
3818 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Turmbau zu Babel, Kunst und Religion, Zugänge zur Bibel
Arbeit zitieren
Master of Education, Diplom-Kaufmann (FH) Sebastian Aha (Autor), 2011, Zugang zur Babelerzählung über Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196757

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