Gewandelte Perspektiven des Winters als Motiv in der Literatur


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Jahreszeit Winter
2.1. Definitionen von Winter
2.2. Vorchristliche Wintertraditionen
2.3. Christliche Wintertraditionen

3. Die Ästhetisierung des Winters

4. Das Motiv Winter im Hintergrund von Erzählungen

5. Das Motiv Winter im Vordergrund von Erzählungen

6. Literatur

1. Einleitung

Das Motiv Winter in der Literatur umfasst weit mehr als nur Geschichten aus der Zeit um Weihnachten oder um Begegnungen mit einer verschneiten Winterlandschaft. Winter als Motiv beinhaltet eine große Anzahl verschiedener Perspektiven, verschiedene Erfahrungen und Erkenntnisse. Eine lexikalische Kurzdefinition von Winter als Jahreszeit etwa zwischen November und Februar kann nicht die unzähligen Konnotationen erfassen, die jeder in unterschiedlicher Weise mit Winter in Verbindung bringt.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht wäre diese erste Kurzdefinition auch noch viel zu ungenau. Da sich Erkenntnisse in der Wissenschaft ändern oder erweitert werden um neue Aspekte, hat sich auch die Definition von Winter geändert. Zwar sprechen wir aus heutiger Sicht zum Beispiel über die germanische Frühzeit noch nicht von wissenschaftlichen Erkenntnissen, doch die Sternbeobachtungen und deren Interpretation sowie die Erstellung von Mond- und Sonnenkalendern sind bereits empirische wissenschaftliche Grundlagen und geistige Modellbildungen. Ein Blick in den Wandel der Definition von Winter bringt Aufschluss über gewandelte wissenschaftliche Erkenntnisse und über einen Wandel der gesellschaftlichen Wertzumessung, was sich noch stärker bei der Betrachtung von typischen Winterbräuchen zeigt.

So lässt sich feststellen, dass sich unsere modernen Winterdefinitionen von früheren in einigen Punkten erheblich unterscheiden und dass die Terminierung des Winters wandelbar ist und es zeigt sich, dass unsere Winterbräuche zwar alte Wurzeln haben aber ebenfalls gewandelt wurden. Neben der Umdeutung religiöser Feste in private Familienfeste, also neben einer Säkularisierung christlicher Traditionen, ist vor allem die Ästhetisierung des Winters entscheidend für das heutige Bild. Der technische und zivilisatorische Fortschritt hat die gefahrvollen Momente des Winters weitestgehend eliminiert oder zumindest gebannt, berechenbar oder kalkulierbar gemacht. Damit war gewissermaßen der Weg frei für eine neue ästhetische Betrachtung des Winters, was aber eben auch zu einer anderen Vorstellung von Winter in der allgemeinen Realität geführt hat. Dieser Wandel lässt sich in der Literatur ablesen durch einen Wechsel ebenfalls hin zu einer Ästhetisierung des Motivs Winter.

Für die Schule stellen sich sowohl die möglichen Aufgaben, Schüler diesen Wandel erkennen zu lassen als auch, Schülern über ästhetische Wintererfahrungen eine ästhetische und sensorische Bildung zukommen zu lassen.

2. Die Jahreszeit Winter

2.1 Definitionen von Winter

Der Winter ist eine Jahreszeit, die sich sowohl temporal als auch in der lokalen Ausbreitung eingrenzen lässt und die sich sowohl naturwissenschaftlich als auch kulturhistorisch definieren lässt. In den gemäßigten Breiten der Nord- und Südhalbkugel der Erde ist der Winter nach moderner Definition eine von vier Jahreszeiten neben dem Frühling, dem Sommer und dem Herbst. Da sich die eurozentristische und transatlantische Welt der Industriestaaten sowohl auf der Nordhalbkugel als auch auf der Südhalbkugel in den gemäßigten Breiten entwickelt hat, ist der Winter in diesem Kulturraum auch von Interesse, während er zum Beispiel in den tropischen Zonen phänologisch anders erscheint und so auch andere Bedeutungen hat. Das zeigt sich in technologischen Entwicklungen, die aufgrund der winterlichen Naturphänomene entstanden ebenso wie in kulturellen Entwicklungen, die sich auf den Winter beziehen.

Die klimatischen Unterschiede zwischen den Jahreszeiten sind zurückzuführen auf den wechselnden Zenitstand der Sonne, der zwischen nördlichem und südlichem Wendekreis turnusmäßig wandert. So ist der Winter auf der Nordhalbkugel die Zeit, in welcher der Zenitstand nahe dem südlichem Wendekreis liegt, entsprechend ist der Zenitstand im Nordsommer nahe am nördlichen Wendekreis. Auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten entsprechend umgekehrt. Die Jahreszeiten Frühling und Herbst können als Zwischenschritte zum Sommer bzw. zum Winter gesehen werden. Der Astronomischer Winter beginnt somit auf der nördlichen Hälfte der Erde mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember, wenn die Sonne senkrecht über dem südlichen Wendekreis steht. Ab diesem Datum werden die Tage zunehmend länger und die Nächte entsprechend kürzer, bis Tag und Nacht am 20. März gleich lang sind, dieses Datum markiert das Ende des astronomischen Winters. (nach EIMERN/HÄCKEL, S.23ff1 )

Abweichend vom astronomischen Winter beginnt der metereologische Winter erst am 1. Dezember und endet bereits am 28. bzw. 29. Februar, da in der Metereologie nur volle Monate gerechnet werden.

Die Einteilung der Jahreszeiten nach wissenschaftlichen Standards in der Metereologie oder nach naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Astronomie ist entsprechend der bestimmenden Forschungsdisziplinen relativ jung und zeugt zudem auch von einer technischen Sicht auf die Natur. Zu dieser modernen technischen und ökonomischen Auseinandersetzung gehört auch die Einführung der Zeitumstellung. Dabei ist die im Volksmund genannte Winterzeit die eigentliche Normalzeit und nur im Sommer wird die Zeit umgestellt. Die Zeitumstellung zur Verlängerung des Tageslicht wurde erstmals 1916 in mehreren europäischen Ländern eingeführt, später aber wieder abgeschafft. Nach den Ölkrisen in den 1970ern wurde als eine Reaktion 1980 in der Europäischen Union wieder die Zeitumstellung eingeführt um Energie zu sparen. (nach: Ehninger2 )

Die Einteilung des Jahres in zwei Zeiteinheiten ist Ausdruck des modernen ökonomischen Naturverständnisses, aber auch in frühgermanischen Zeiten wurde das Jahr in nur zwei Jahreszeiten eingeteilt und in der Landwirtschaft besteht diese Zweiteilung bis heute fort. Die Germanen unterteilten das Jahr in eine nasse Jahreszeit, den Winter, und in eine trockene Jahreszeit, den Sommer, dabei war der Anfang der Regenzeit auch der Jahresanfang. So erklärt sich auch, dass die Jahre nach Wintern gezählt wurden. Eine auf den Tag genaue Einteilung ist nicht zu ermitteln, wahrscheinlicher war eine Einteilung nach Naturphänomenen. Demnach begann der Winter etwa Mitte bis Ende Oktober mit dem Einsetzen der regenreichen Stürme und endete spätestens Ende April mit längeren Trockenphasen und mit Einsetzen warmer, trockener Ostwinde. Möglich ist ebenso eine Einteilung nach den Tagen der Tag- und Nachtgleiche am 23. September und 20. März. In spätgermanischer Zeit wurde die Zweiteilung durch eine Dreiteilung des Jahres ersetzt, bei welcher der Frühling als Zeit zwischen dem Winter und dem Sommer eingeführt wurde, dabei wurde der Winter verkürzt auf ein Ende Mitte März.

Die Ausbreitung des römischen Imperiums in germanisches Gebiet führte zu einer Übernahme der Jahreszeitrechnung nach dem Julianischen Kalender, wonach der Winter erst am 11. November begann. Die Verschiebung des Winteranfangs wiederum führte zur Einführung des Herbsts als Zwischenjahreszeit zwischen Sommer und Winter.

Die christliche Zeitrechnung nach Feiertagen und Namenstagen änderte wiederum die Einteilung der Jahreszeiten, führte aber auch feste Daten als Anfang und Ende ein und löste damit eine rein phänologische Einteilung ab. Der 11. November der römischen Zeitrechnung entsprach dem christlichen Feiertag Sankt Martin, aber auch Allerheiligen am 1. November galt als Winterbeginn, regional gelten auch noch einige weitere Feiertage als Beginn. Dabei ist zu beachten, dass auch die geographische Lage, zum Beispiel im Hochgebirge, einen früheren Winteranfang phänologisch begründet. Das Winterende wurde zumeist mit Maria Lichtmess am 2. Februar datiert. (nach GRIMM: Deutsches Wörterbuch3 ) Allerdings hat auch der Feiertag Maria Lichtmess eine Verschiebung erfahren vom 14. Februar auf den 2. Februar. Ausgangspunkt der Berechnung ist das Datum der Geburt von Jesus Christus, das ursprünglich mit dem 6. Januar definiert war, wie es heute noch in der orthodoxen Kirche gilt. Davon ausgehend währte nach der Geburt eines Sohnes eine Frist von 40 Tagen bis die Mutter wieder als rein galt, was bei einer Geburt am 6. Januar der 14. Februar ist. Die kalendarische Verschiebung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember verschob damit auch Maria Lichtmess auf den 2. Februar. Aber auch die nicht christlichen Heiden feierten Anfang bis Mitte Februar ein Fest als Frühlingsanfang und die christliche Tradition einer Lichterprozession an Maria Lichtmess ist eine Fortführung heidnischer Lichtrituale. In der Landwirtschaft galt Maria Lichtmess als Beginn des bäuerlichen Sommers und an diesem Datum wurden die Arbeiten für die sommerliche Ackerwirtschaft begonnen. In den Alpen, in deren Region der Winter länger dauert, gilt Maria Lichtmess bis heute als Beginn des Spätwinters. (nach: Becker-Huberti4 und Schäfer5 )

2.2 Vorchristliche Wintertraditionen

Neben den Feiertagen oder anderen besonderen Tagen, die Winteranfang und -ende markieren, pflegen die Kulturen in den gemäßigten Breiten von jeher besondere Wintertraditionen, Sitten und Bräuche. Die Ursprünge und Bedeutungen einzelner Bräuche können sehr unterschiedlich sein und sind oftmals bei bis heute überlieferten Traditionen nicht mehr erkennbar. Es gibt Traditionen, bei denen der Winteranfang oder das Winterende zelebriert wird. Auslöser kann dabei die Natur sein wie bei Sommer- und Wintersonnenwendfeiern oder bei Feiern zur Tagundnachtgleiche.

In vorchristlicher Zeit gehörten im germanischen und keltischen Raum die Sonnenwendfeiern zu den wichtigsten rituellen Festen zu Ehren der Götter und ihrer Natur. Aber auch viele andere Kulturen kannten und kennen noch Sonnenwendfeiern, sogenannten Solstitien, was Sonnenstillstand bedeutet. In den meisten Kulturen wird dabei zu Ehren von Sonnengöttern gefeiert und der Beginn eines neuen Jahres wird mit der Wintersonnenwende eingeleitet, da am 23. Dezember der kürzte Tag und die längste Nacht ist und ab da an die Tage wieder länger werden. Oft wurden zur Sonnenwendfeiern große Feuer entfacht, mit denen man Licht in die lange Nacht bringen wollte und den Licht- und Sonnengöttern opfern wollte. Ähnlich werden auch beim Biikebrennen, das in Nordfiesland verbreitet ist, zum 21. Februar große Feuer entzündet. Der Ursprung ist ebenso germanisch und diente der Austreibung des Winters und der Ehrung des Gottes Wotan, später wurde das Fest als Abschiedsfest für die Walfänger umgedeutet, die im März auf Fahrt gingen.

[...]


1 Van Eimern/Häckel: Wetter- und Klimakunde.- Stuttgart, 1984

2 Ehninger: www.zeitumstellung.de

3 Grimm, Jacob und Grimm, Wilhelm : Deutsches Wörterbuch. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854- 1960

4 http://www.religioeses-brauchtum.de/fruehjahr/marialichtmess_1.htm 5http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Maria-Lichtmess.html

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gewandelte Perspektiven des Winters als Motiv in der Literatur
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Orte literarisch III: Winterlandschaften
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V196763
ISBN (eBook)
9783656228509
ISBN (Buch)
9783656229209
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch, Germanistik, Schnee, Literatur
Arbeit zitieren
Lasse Herbers (Autor), 2006, Gewandelte Perspektiven des Winters als Motiv in der Literatur , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196763

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