Migrationsprozesse und der damit einhergehende demographische Wandel tragen maßgeblich dazu bei, dass sich in vielen Staaten eine sprachliche und kulturelle heterogene Gesellschaft entwickelt. Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde, weist die größte Prokopfeinwanderung der Welt auf und gilt damit als traditionelles Einwanderungsland. Auf die Herausforderungen der vorherrschenden multiethnischen Bevölkerungsstruktur antwortet Kanada seit vier Jahrzehnten mit der Philosophie und der Politik des Multikulturalismus. In dem kanadischen Mosaik stellt jedes einzelne Stück einen Teil jener multiethnischen Zusammensetzung dar, welche eine individuelle Sprache und Kultur mit in die einheimische Gesellschaft bringt. Mit dem Wandel der Zeit entsteht eine enorme Sprachen- und Kulturenvielfalt, welche zunehmend neue Herausforderungen an die Politik, Wirtschaft sowie an das einzelne Individuum in der Gesellschaft stellt. In dieser Pluralität erscheint sowohl ein dynamisches Zusammenspiel von den primären Komponenten von Sprache und Kommunikation, als auch von Kultur und ihre weiteren Formen. Jeder einzelnen Komponente kommt eine essentielle Bedeutung im Bildungsprozess und in der Gesellschaftspositionierung im Allgemeinen zu.
Wie mit dieser sprachlichen und kulturellen Verschiedenheit bildungspolitisch und schulisch in der kanadischen Provinz umgegangen wird, sei Thema der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abgrenzende Definition grundlegender Begriffe
2.1 Der Kulturbegriff
2.2 Multikulturalismus
2.3 Verbindungsträger zwischen den Kulturen: Kommunikation und Sprache
2.3.1 Kommunikation
2.3.2 Sprache
2.3.3 Individuelle Mehrsprachigkeit
3. Bildungspolitischer und schulischer Umgang mit Mehrsprachigkeit in Kanada
3.1 Berücksichtigung der Herkunftssprachen
3.2 Förderung von Englisch als Zweitsprache
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den bildungspolitischen und schulischen Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt in der kanadischen Provinz Ontario. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Philosophie des Multikulturalismus in konkrete schulische Praxismodelle übersetzt wird, um eine erfolgreiche Integration in einer heterogenen Schülerschaft zu gewährleisten.
- Grundlagen von Kultur, Multikulturalismus und Kommunikation
- Stellenwert von Herkunftssprachen im kanadischen Schulsystem
- Förderstrategien für Englisch als Zweitsprache
- Die Rolle der Schule als kultureller Raum und Integrationsinstanz
- Reflexion des kanadischen Ansatzes als Modell für den Umgang mit Heterogenität
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Kulturbegriff
Die wissenschaftliche Literatur zeigt auf, dass der Kulturbegriff unterschiedlich definiert wird und es äußerst prekär sei, eine universal gültige Definition zu finden.
Der Begriff Kultur entstammt dem lateinischen Termini cultura und bedeutet Bebauung, Bearbeitung, Ausbildung. Ebenso geht es auf das lateinische Verb colere zurück, welches übersetzt wohnen, bebauen, bestellen, pflegen heißt. Schon die römischen Antike versteht unter dem Kulturbegriff eine „umfassende Lebensgestaltung und –pflege im Umgang mit der inneren und äußeren Kultur.“
Hierbei wird zwischen cultura agri, die Landwirtschaft, und cultura animi, die Pflege der Seele separiert. Die erste Begriffswendung bezieht sich auf die Formung und Gestaltung der äußeren Umwelt, wobei der zweite Ausdruck auf die von Marcus Tullius Cicero postulierten Idee abzielt: Demnach sei der Mensch ein Wesen, welcher das Bestreben nach Kultivierung des Geistes und der Seele nachgeht und sich der Formung seines Charakters widmen solle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die demographische Ausgangslage Kanadas ein und skizziert die Gliederung der Arbeit sowie deren Fokus auf den Umgang mit sprachlicher Heterogenität in Ontario.
2. Abgrenzende Definition grundlegender Begriffe: Hier werden theoretische Fundamente gelegt, indem Begriffe wie Kultur, Multikulturalismus sowie Kommunikation und Sprache in ihrer Komplexität erörtert werden.
3. Bildungspolitischer und schulischer Umgang mit Mehrsprachigkeit in Kanada: Dieses Kapitel analysiert konkrete politische Programme und schulische Maßnahmen zur Förderung von Herkunftssprachen und Englisch als Zweitsprache am Beispiel Ontarios.
4. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Bedeutung von Mehrsprachigkeit als Bildungsziel und die anhaltende Relevanz der Multikulturalismuspolitik.
Schlüsselwörter
Kanada, Multikulturalismus, Mehrsprachigkeit, Interkulturelle Pädagogik, Sprachförderung, Heterogenität, Kommunikation, Herkunftssprache, Integration, Schulsystem, Ontario, Identität, Soziale Konstruktion, Bildungspolitik, Diversität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Kanada mit seiner sprachlichen und kulturellen Vielfalt umgeht und wie diese Heterogenität bildungspolitisch sowie schulisch in der Praxis integriert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den Multikulturalismus, das Verständnis von Kultur und Sprache, die Bedeutung von Herkunftssprachen und die spezifische Sprachförderung von Zweitsprachen.
Was ist das primäre Ziel dieser Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das politische Konzept des Multikulturalismus in der Provinz Ontario in konkrete, förderorientierte Bildungspraxis umgesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und stützt sich maßgeblich auf Evaluationsstudien, insbesondere die von Jessica Löser, um die Praxis in Schulen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Kultur, Sprache) dargelegt, gefolgt von einer Analyse, wie Schulen in Ontario mit Herkunftssprachen umgehen und welche Programme zur Förderung von Englisch als Zweitsprache existieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Multikulturalismus, kanadisches Bildungswesen, Mehrsprachigkeit, interkulturelle Integration und Herkunftssprachen.
Welche Rolle spielt die Provinz Ontario in diesem Zusammenhang?
Ontario dient in der Arbeit als Fallbeispiel für die Vorreiterrolle Kanadas bei der Einführung von Richtlinien zum Umgang mit kultureller Vielfalt und Diskriminierung an Schulen.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Lehrer?
Lehrern kommt eine hohe Verantwortung zu, da sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch eine Vorbildfunktion bei der Förderung von Toleranz und interkulturellen Kompetenzen einnehmen.
- Quote paper
- Jannina Schreiber (Author), 2012, Kanada im Kontext des Multikulturalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196778