Breitkopf & Härtel bis 1827 und die Allgemeine musikalische Zeitung bis 1865


Seminararbeit, 2012

23 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Breitkopf & Härtel
2.1 Vorbetrachtungen (1542-1719)
2.2 Breitkopf-Zeit (1719-1795)
2.3 Übernahme durch Härtel (1795-1827)

3 Allgemeine musikalische Zeitung
3.1 Gründung und Entwicklung
3.2 Bedeutung für das musikalische Leben

4 Zusammenfassung der Ergebnisse

II. Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart. Diese wohl wichtigsten Namen der Klassik sind in der Gegenwart noch ausgesprochen präsent in der Gesellschaft. Und das sogar unabhängig davon, ob jemand Gefallen an klassischer Musik findet oder nicht. Bemerkenswert ist vor allem der Umfang der Zeit, die seit der Schaffensphase jener Komponisten verstrichen ist. Aus anderen musikalischen Epochen hingegen haben sich vergleichsweise wenig Namen bis in das Bewusstsein der heutigen breiten Bevölkerung durchgesetzt. Welche Gründe sind also für diese Popularität der Klassiker ausschlaggebend? Die wachsende Partizipation der Allgemeinbevölkerung am musikalischen Leben sowie die damit verbundene veränderte Wahrnehmung am kompositorischen Schaffen der Zeit lassen gewisse Zusammenhänge vermuten. Jedoch geht diese gestiegene Anteilnahme nicht auf einen bloßen Wandel des Zeitgeistes der Menschen zurück, sondern wurde wesentlich durch das Verlagswesen sowie journalistische Tätigkeiten im Bereich der Musik begünstigt.

Musikverlage spielten schon weit vor dem späten 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle, insbesondere was die Verbreitung von Noten für den häuslichen Gebrauch anging. Die Stadt Leipzig hatte sich in einem langen und kontinuierlichen Prozess zum Zentrum des Musikverlagswesens etabliert, was vor allem den bedeutendsten Verlagen C.F. Peters und Breitkopf & Härtel zu verdanken war. Letzterer kann auf eine jahrhundertelange Vorgeschichte zurückblicken. Außerdem haben dessen Eigentümer neben den Verlagstätigkeiten zu unzähligen Verbesserungen beigetragen, sei es in rein musikalischen oder das gesamte Verlagswesen betreffenden Belangen. Diese Verlagsgeschichte bis ins eingehende 19. Jahrhundert darzustellen, soll ein Ziel der vorliegenden Arbeit sein. Hierbei wird der Schwerpunkt besonders auf die Wegbereiter, deren wichtigste Entwicklungen sowie die grundsätzlichen verlagsbezogenen Voraussetzungen gelegt.

Um Antworten auf die Ausgangsfrage zur Berühmtheit klassischer Komponisten geben zu können, wird die Entstehung und Entwicklung sowie der Einfluss der Allgemeinen musikalischen Zeitung (AmZ) im Zentrum der Betrachtungen stehen. Musikalische Zeitschriften haben auch heute eine prägende Funktion bezüglich der weiterführenden Vermarktung und Etablierung bereits bekannter bzw. aufstrebender Künstler. Das Ziel, das durch Zeitschriften erfüllt werden soll, unterscheidet sich kaum von anderen journalistischen Medien, denn die Hauptaufgabe besteht mehr in der Meinungsbildung als in der reinen Information. Negativ behaftet aber oft eng damit verknüpft ist der Ausdruck der Meinungsmanipulation, bei der es den Zeitschriften vor allem darum geht, ihren Lesern bestimmte Ansichten einzureden. Diese können unmittelbar aus der Redaktion entspringen, aber auch aus Interessengruppen wie Verlagen, Vertreibern, Betrieben und Veranstaltern der verwandten Branchen stammen. Da die AmZ aus dem Verlag Breitkopf & Härtel hervorgegangen ist, wird auf die Komponente der Meinungsbildung außerdem eingegangen.

2 Breitkopf & Härtel

Die Geschichte von Breitkopf & Härtel beginnt nicht erst im 18. Jahrhundert, als der Name Breitkopf erstmals im Leipziger Verlagswesen auftaucht. Die Vorarbeit einer Vielzahl von Buchdruckern und Verlegern im durch Bernhard Christoph Breitkopf übernommenen Betrieb war Voraussetzung für den späteren weltweiten Erfolg. Genau genommen handelte es sich zwar vor der Übernahme des ersten Breitkopfs namentlich noch nicht einmal um den anschließend berühmt gewordenen Verlag. Dennoch ist es unverzichtbar, die Vorgeschichte zur eigentlichen Verlagsgeschichte hinzuzuzählen, da der Breitkopfsche Verlag ohne diese Vorarbeit wahrscheinlich gar nicht hätte existieren können.

Andererseits sollen die historischen Betrachtungen nur bis auf die Schaffenszeit Gottfried Christoph Härtels beschränkt bleiben. Mittelpunkt der Arbeit ist das frühe Verlagswesen sowie die aufstrebende Arbeit des zu seiner Zeit erfolgreichsten Leipziger Verlagshauses.

Die Gründungszeit der AmZ deckt sich annähernd mit der Zeit der Verlagsübernahme durch Gottfried Christoph Härtel nach drei Breitkopf-Generationen. Eine über die erste Generation Härtel hinausgehende Darstellung des Verlags soll zugunsten eines sinnvollen Übergangs zum musikjournalistischen Bestandteil daher nicht erfolgen.

2.1 Vorbetrachtungen (1542-1719)

Im 16. bis 18. Jahrhundert, so viel kann bereits vorweggenommen werden, wurde die Fortführung einer Druckerei meist durch eine Heiratspolitik anstelle der z.B. im Buchhandel üblichen Weitergabe in Form von gewöhnlichen Erbschaften geregelt. Starb ein alter Buchdruckermeister, so heiratete dessen Witwe einen noch jungen Buchdruckergesellen, der den Betrieb übernahm, sobald er selbst zum Meister wurde. Nach dem Tod der Frau nahm dieser Meister sich wiederum eine junge Dame zur Gattin.1 Diese Altersverschiebungen begünstigten, dass immer ein Ehepartner für eine große Zeitspanne an der Führung des Betriebs beteiligt war. Außerdem verhinderte man somit in den meisten Fällen eine Übernahme der Druckerei von völlig fremden Personen (z.B. in Form von käuflichem Erwerb), was für den ungestörten Betriebsablauf von großer Bedeutung war.

Bevor der Besitz in die Hände von Bernhard Christoph Breitkopf überging, erhielt der Druckereibetrieb sein Wesen durch zahlreiche Inhaber. Der Ausgangspunkt ist in der Person Heinrich Eichbuchlers festzumachen, der laut Unterlagen im Jahr 1542 zu den wenigen Buchdruckern in Leipzig zählte. Bevor die späteren Reformen etwas anderes bedingten, bezeichnete Eichbuchler sich gleich als Drucker, ohne vorher als Geselle in dem Beruf begonnen zu haben. Im Jahr 1550 kaufte er ein Haus, in das er eine einfache Presse stellte und fing mit dem Druck an.2

Nach dem Tod Eichbuchlers heiratete dessen Witwe Helena im Jahr 1555 den Buchdrucker Hans Rambau. Als Helena starb, ehelichte Rambau 1564 die 27jährige Barbara.

1559 wurde das innungsmäßige Gewohnheitsrecht bei Buchdruckern eingeführt, welches zwei grundlegende Veränderungen mit sich brachte. Zum einen durfte eine Druckerei nicht mehr ohne Weiteres eröffnet werden, sondern benötigte eine amtliche Genehmigung. Zum anderen konnte man sich ohne vorherige Ausbildung bei einem entsprechenden Meister und Einschreibung in die Buchdruckerinnung nicht als Buchdrucker bezeichnen. Durch dieses neue Recht sollten das Druckereiwesen und die damit einhergehende Berufsausübung des Druckers reguliert und kontrolliert werden. Der Betrieb Rambaus zählte zur Zeit der Durchsetzung dieses Innungsrechts zu insgesamt vier zugelassenen Druckereien in Leipzig. Die steigende Konkurrenz im Falle eines weiteren ungeordneten Druckereiwesens blieb ihm somit erspart, wenngleich sich an seiner ehrgeizigen Arbeit nichts änderte.3

Nach dem Tod von Hans Rambau, der sich durch sein fleißiges Schaffen in der Stadt beliebt gemacht hatte, heiratete dessen hinterbliebene Frau im Jahr 1580 zunächst Georg Deffner. Diese Ehe war jedoch nur von kurzer Dauer, da Deffner 1587 starb.4 An seine Stelle trat Abraham Lamberg, der sowohl Buchdrucker als auch -händler war. Somit war er der erste, der neben der Druckerei auch eine Bücherei betrieb. Nachdem er vorher in einem lange andauernden Rechtsstreit dafür gekämpft hatte, gab Lamberg 1615 offiziell bekannt, dass es bei ihm zu einer Vereinigung von Buchhändler und -drucker gekommen sei.5 Dieser Schritt ist insofern beachtlich, weil es zu der Zeit in Leipzig ohnehin erst fünf Buchdrucker gab und der Buchhandel noch nicht allzu weit verbreitet war, dessen Bedeutung dafür aber stetig stieg. Diese Personalunion beider eng miteinander verknüpften Positionen gehörte allerdings schon bald der Vergangenheit an, denn nach dem Tod seiner Frau Helena 1624 fasste Lamberg den Entschluss, den gesamten Buchhandel zu verkaufen. Da er die Druckerei vorher in Gemeinschaft mit einem Mitarbeiter führte,6 kaufte er dessen Anteile wieder ab, um die Druckerei in seinen alleinigen Besitz zu überführen.7

Lambergs nächste Frau Christina heiratete nach seinem Tod Henning Köler. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wurde auch die Druckerei nicht verschont und so hatte ein Feuer im Jahr 1631 eine vernichtende Wirkung auf Drucksachen wie auch auf Dokumente, die sich auf die Eigentümer bezogen.8 Darum beruhen einige Fakten der Zeit auf Spekulationen und Schlussfolgerungen. Auf Grund der Eheschließung zwischen Christina und Henning Köler ist aber davon auszugehen, dass er als direkter Nachfolger Lambergs angesehen werden kann, obwohl Daten zu dessen Tod verschollen sind. Köler kann besonders positiv angerechnet werden, dass er die Druckerei durch die schwierigste Zeit des Dreißigjährigen Krieges geführt hat, welcher auch seine Spuren in Leipzig hinterlassen hatte.

Die eingangs erwähnte Weitergabe des Druckereibetriebs durch Heirat dürfte bis hierher deutlich zum Vorschein gekommen sein. Nachdem Lambergs spätere Ehefrau Sabine 1656 zur Witwe wurde, stellte sich aber ein Bruch mit der bisher gepflegten Tradition ein. Aufgrund finanzieller Probleme benötigte Sabine zur Weiterführung der Druckerei einen sogenannten Faktor. Das bedeutete, dass sie faktisch zwar noch Inhaberin der Druckerei war, die eigentlichen leitenden und verwalterischen Aufgaben aber von diesem Faktor übernommen wurden. Jenen fand Sabine in Johann Georg.9 Augenscheinlich wirkt diese Beziehung zunächst zwar nicht anders als zuvor, da eine hinterbliebene Frau die Druckerei wieder in die Obhut eines Mannes gegeben hatte. Dennoch ist dabei zu beachten, dass es sich um ein rein geschäftliches Verhältnis handelte, welches auf keinerlei persönlicher Bindung beruhte. Johann Georg als eigentlicher Betreiber der Druckerei war somit der Erste, der weder eine Witwe geheiratet noch hinterlassen hat.

Da über den Tod beider Personen keine konkreten Aussagen getroffen werden, ist es schwer zu sagen, wie Betrieb und Eigentumsverhältnisse der Druckerei vorerst abliefen. Fest steht nur, dass ein weiterer merklicher Einschnitt folgte, indem die Druckerei nach Johann Georgs Tod von einem Johann Caspar Müller aufgekauft wurde.10 Die auf Ehen basierte Kette der Weitergabe war somit endgültig unterbrochen, darf aber als Grundlage für die weitere Tätigkeit Müllers selbstverständlich nicht ignoriert werden, zumal sich das Wesentliche am Druckereibetrieb nicht änderte.

Johann Caspar Müller heiratete 1702 Maria-Sophia und starb nach fünfzehnjähriger Ehe. Die erneute Leitung des Betriebs durch einen weiteren Faktor gestaltete sich nach Müllers Tod sehr kurzlebig, denn nachdem Nicolaus Spindler nur zwei Jahre lang seiner Tätigkeit als Faktor nachging, heiratete Maria-Sophia schließlich Bernhard Christoph Breitkopf.11 Der Faktor war ab 1719 also nicht mehr nötig. Außerdem vollzog sich die Weitergabe der Druckerei ab dem Zeitpunkt drei Generationen lang nur noch innerhalb der eigenen männlichen Nachfahren. Besonders durch diese Vorgehensweise bekam der Name Breitkopf die Möglichkeit, sich im Leipziger Druckereiwesen zu verfestigen.

2.2 Breitkopf-Zeit (1719-1795)

Während der Zeit, in der Bernhard Christoph Breikopf (1695-1777), sein Sohn Johann Gottlob Immanuel (1719-1794) und sein Enkel Christoph Gottlob (1750-1800) die Druckerei und später den gegründeten Verlag führten, kam es im Betrieb und auch im Verlags- und Druckereiwesen überhaupt zu einer Vielzahl von Neuerungen und Reformen. Gleichzeitig arbeitete sich der Generationenbetrieb immer weiter nach oben und gelangte allmählich zu großem Ansehen in der gesamten Stadt.

Bernhard Christoph Breitkopf

Bevor Bernhard Christoph nach Leipzig kam und die Witwe Johann Caspar Müllers heiratete, absolvierte er in Goslar seine Lehre zum Buchdrucker.12 In Leipzig baute er die heruntergekommene Druckerei in einem neu erworbenen Gebäude wieder auf. Bei diesem Haus handelte es sich um den alten Gasthof „Zum Goldnen Bären“, der auch den Anlass dazu gab, den Bären als Wahrzeichen für den Verlag zu wählen.13 Sein wesentliches Gepräge bekam der Verlag in seiner Anfangszeit noch vom Verleger Gottsched, der 1726 dann das erste selbst verlegte Buch drucken ließ.14

Breitkopf selbst engagierte sich vor allem in Fragen der Rechte und Verbote von Verlagen. So war es zu seiner Zeit üblich, dass jeder Verlag herausgeben konnte, was er wollte. Eine Art Verlagsrecht mit klar definiertem Verlagseigentum gab es noch nicht. Um diesen Umstand zu bekämpfen, setzte Breitkopf 1736 erstmalig ein Privileg durch, welches das Quellenbuch der Bachschen Lieder schützte und so dessen unberechtigten Nachdruck verhinderte.15 Drucke mit musikalischem Bezug fanden sich zu der Zeit ansonsten mehr in Texten zu Festmusiken. Diese Textbände wurden oftmals sehr prunkvoll gestaltet. Der Druck von Noten war auf gleichem Wege wie bei den Buchstaben noch nicht möglich, also konzentrierte man sich in der Hinsicht stärker auf Abschriften.

Das große Ansehen, welches der Verlag genossen hatte, zeigte sich u.a. darin, dass im Jahr 1765 der kurfürstliche Hof zu Besuch kam. Es wurden Gedicht- und Notendrucke überreicht und der Prinz nahm an der Grundsteinlegung des neuen Gebäudes teil.16 Diese Art der Ehrung war besonders bei handwerklichen Betrieben der Zeit sehr ungewöhnlich und unterstrich die herausragende Stellung der Breitkopfschen Druckerei. Bis 1769 hatte man insgesamt drei zum Betrieb gehörende Gebäude errichtet, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befanden. Die Namen wurden in Fortführung der Tradition gewählt und so bestand das Unternehmen aus dem Goldenen, dem Silbernen und dem Weißen Bären.17

[...]


1 Vgl. Hase (1968), S. 1.

2 Vgl. ebd. S. 3 f.

3 Vgl. ebd. S. 5-13.

4 Vgl. Hase (1968), S. 14 ff.

5 Vgl. ebd. S. 28 f.

6 Vgl. ebd. S. 31.

7 Vgl. ebd. S. 33.

8 Vgl. ebd. S. 35.

9 Vgl. Hase (1968), S. 45.

10 Vgl. ebd. S. 53.

11 Vgl. ebd. S. 53 ff.

12 Vgl. Hase (1968), S. 57 f.

13 Vgl. ebd. S. 60.

14 Vgl. ebd. S. 66.

15 Vgl. ebd. S. 68.

16 Vgl. ebd. S. 76.

17 Vgl. ebd. S. 81.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Breitkopf & Härtel bis 1827 und die Allgemeine musikalische Zeitung bis 1865
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Institutionen
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V196808
ISBN (eBook)
9783656228462
ISBN (Buch)
9783656230069
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
breitkopf, härtel, allgemeine, zeitung
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Steffen Peise (Autor), 2012, Breitkopf & Härtel bis 1827 und die Allgemeine musikalische Zeitung bis 1865, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196808

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