Seit Mai 2008 ist bekannt, daß die Friedrich v. Schiller zugeschriebenen Gebeine in der Weimarer Fürstengruft nicht dem Dichter gehörten. "Der Friedrich-Schiller-Code", das interdisziplinäre Wissenschaftsprojekt des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar, hatte dies zweifelsfrei bewiesen.
Dr. Malte Herwig schrieb im SPIEGEL 19/2008: „Der Film, den Ute Gebhardt für den MDR über die Odyssee der Schiller-Schädel-Sucher gedreht hat, gerät zu einem spannenden Lehrstück über die Wissenschaft, eine Meisterklasse der Forschung."
Der Fund des vermeintlichen Schiller-Schädels 1826 „war der Beginn einer abenteuerlichen Geschichte, die einem historischen Thriller ähnelt und erst jetzt, durch moderne DNA-Untersuchungen, vor der Auflösung steht. Verschwörungstheorien, Betrug, Diebstahl und Intrigen spielen darin eine Rolle - und auch die wundersame Vermehrung von Klassiker-Reliquien. Denn seit 1914 liegen sogar zwei mutmaßliche Schiller-Schädel in der Weimarer Fürstengruft.“ Und weiter: „Nicht Hypothesen sind wissenschaftlich, sondern ihre Widerlegung - auch gegen allen Glauben und alle Wahrscheinlichkeit. Wissenschaft ist eben kein Wunschkonzert,“ so Dr. Herwig.
Dr. Ralf G. Jahn, genealogischer und historischer Fachberater des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Klassik Stiftung Weimar bei den Fernsehdokumentationen „Der Friedrich Schiller-Code“ und „Schillers Schädel-Schicksal“, außerdem Co-Moderator beim „Goethezeitportal“, ist überzeugt, daß der echte Schädel noch irgendwo existiert. Der Schiller-Experte geht von einer gezielten Vertauschung des Schiller-Schädels kurz nach der Beisetzung 1805 aus. Im Verdacht hat er den Weimarer Prof. Ludwig Friedrich von Froriep, der 1826 bei der Identifizierung der vermeintlichen Schiller-Gebeine eine maßgebliche Rolle gespielt hatte.
Hellmut Seemann, Präsident der Stiftung Klassik Weimar, bezeichnet die „Doppelgänger-Schädel“-Theorie von Dr. Ralf G. Jahn als „starke Hypothese“, die das letzte Kapitel um Schillers Schädel noch ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte offenhält.
Das Buch beinhaltet die Geschichte der Schiller-Schädel-Forschung sowie die Forschungen zum internationalen Wissenschaftsprojekt "Der Friedrich Schiller-Code".
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Chronik zur Schiller-Schädel-Forschung
Die Forschungen zum Friedrich-Schiller-Code
Der Schiller-Schädel – eine Reliquie?
Übersicht zur den Untersuchungen und Analysen
1) Genealogische und historische Untersuchungen
2) Anthropologische Untersuchungen
3) Anthropologische Untersuchungen, Gesichtsweichteilrekonstruktionen, Vergleiche mit Totenmasken und Porträts
4) DNA-Analysen
5) Chemische Analysen
Die Präsentation der Ergebnisse
Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit dokumentiert das interdisziplinäre Wissenschaftsprojekt "Friedrich-Schiller-Code", das zum Ziel hatte, die Identität der in der Weimarer Fürstengruft beigesetzten Gebeine zweifelsfrei zu klären, nachdem wissenschaftliche Analysen ihre Zuordnung zu Friedrich von Schiller in Frage gestellt hatten.
- Wissenschaftliche Aufarbeitung der Schiller-Schädel-Forschung
- Genetische und anthropologische Analyse der Gebeine
- Historische Quellenforschung zur Bestattungs- und Grabgeschichte
- Untersuchung von Schillers Krankheitsgeschichte und Vergiftungserscheinungen
- Rekonstruktion der Ereignisse um die Exhumierung und Identifikation durch Zeitgenossen
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Seit Mai 2008 ist bekannt, daß die Friedrich v. Schiller zugeschriebenen Gebeine in der Wei marer Fürstengruft nicht dem Dichter gehörten. "Der Friedrich-Schiller-Code", das interdis ziplinäre Wissenschaftsprojekt des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar, hatte dies zweifelsfrei bewiesen. 150 Jahre lang galt Schil lers Schädel als echt, auch wenn sich der Wissenschaftlerstreit darüber immer wieder entzün dete. Das hat Fragen aufgeworfen, die zuvor niemand stellte. Wieso könnte der Fürstengruft Schädel ein Zwilling Schillers sein, wenn doch anthropologisch Doppelgänger extrem selten sind? Was geschah mit Schillers Schädel? Wo blieb Schillers Skelett? Läßt sich ein Schädel raub beweisen? Wie groß ist der Kreis der Verdächtigen, die zu einer solchen Tat die Kennt nisse und Möglichkeiten gehabt hätten? Wohin führen die Spuren? Was sagen die Quellen, und wo weisen sie eventuell Leerstellen auf?
Dr. Ralf G. Jahn, Historischer Fachberater des MDR und der Klassik Stiftung Weimar bei den Fernsehdokumentationen „Der Friedrich-Schiller-Code“ und „Schillers Schädel-Schicksal“, außerdem Co-Moderator beim „Goethezeitportal“, beantwortet diese Fragen und andere.
Die wichtigste Literatur, die bislang zu diesem Themenkomplex erschienen ist, stellen zwei fellos die verdienstvollen Werke des Anthropologen Dr. Herbert Ullrich dar, die hier ausgie big zitiert werden. Er hat sich über 50 Jahre intensiv mit der ganzen Materie auseinanderge setzt. Dennoch ist mein zentrales Forschungsergebnis ein ganz anderes. Es geht hier um un terschiedliche Methodik bei diesem interdisziplinären Thema.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Ausgangslage des Projekts "Friedrich-Schiller-Code" und die daraus resultierende Notwendigkeit einer interdisziplinären Untersuchung der Schiller-Gebeine.
Die Chronik zur Schiller-Schädel-Forschung: Das Kapitel bietet eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der Forschungsgeschichte sowie der Exhumierungen und Grabstätten im Kontext der Schiller-Schädel-Problematik.
Die Forschungen zum Friedrich-Schiller-Code: Hier werden der Projektverlauf und die wissenschaftliche Herangehensweise des interdisziplinären Teams beschrieben.
Der Schiller-Schädel – eine Reliquie?: Dieses Kapitel analysiert die kulturhistorische Bedeutung des Schädels als Reliquie und dessen Rolle im Totenkult des 19. Jahrhunderts.
Übersicht zur den Untersuchungen und Analysen: Dieser Abschnitt fasst die methodischen Ansätze und Ergebnisse der beteiligten Fachdisziplinen zusammen.
Die Präsentation der Ergebnisse: Hier werden die abschließenden wissenschaftlichen Erkenntnisse des Projekts sowie die Genese des Wissens darüber zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Friedrich von Schiller, Schillerschädel, Weimarer Fürstengruft, Friedrich-Schiller-Code, Anthropologie, DNA-Analyse, Isotopenanalyse, Forschungsgeschichte, Reliquienkult, Franz Joseph Gall, Schädellehre, Identitätsprüfung, Obduktion, Medizingeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Authentizität der Friedrich von Schiller zugeschriebenen Schädel und Skelettreste in der Weimarer Fürstengruft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Aufarbeitung, anthropologischen sowie genetischen Analysen und der medizinhistorischen Einordnung der Schiller-Gebeine.
Was ist das primäre Ziel des Forschungsprojekts?
Das Projekt "Friedrich-Schiller-Code" verfolgte das Ziel, durch moderne wissenschaftliche Methoden endgültig zu klären, ob die in Weimar als Schiller-Gebeine verehrten Überreste tatsächlich dem Dichter gehören.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz verwendet, der historische Quellenforschung, DNA-Vergleiche, Isotopenanalysen der Zähne und Knochen sowie morphologische Gesichtsweichteilrekonstruktionen umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich einer umfassenden Chronik der Schiller-Schädel-Forschung, beginnend bei der ersten Identifizierung bis hin zu modernen forensischen Erkenntnissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schillerschädel, DNA-Analyse, Anthropologie, Weimarer Fürstengruft und interdisziplinäre Forschung kennzeichnen.
Welche Rolle spielte der "Fürstengruft-Schädel" bei der Identifizierung?
Er wurde über Jahrzehnte als echt angesehen, erwies sich jedoch bei der modernen DNS-Analyse als nicht zu Schillers Verwandten gehörig.
Welche Rolle spielt die chronische Vergiftung für das Gesamtergebnis?
Analysen der Tapeten aus Schillers Wohnraum wiesen eine hohe Belastung mit Arsen und Blei nach, was für eine chronische Vergiftung spricht, die zu Schillers frühem Tod beigetragen haben könnte.
- Arbeit zitieren
- Dr. Ralf G. Jahn (Autor:in), 2012, Schillers größtes Geheimnis - Der Friedrich Schiller-Code, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196838